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CATS – in Wien wird wieder getanzt

Seite Ende September laden im Wiener Ronacher Theater die Katzen wieder zum Jellicle Ball um die eine Katze zu erwählen, die es verdient hat wiedergeboren zu werden. Dass dieses Musical nichts von seinem Charme und seiner Einzigartigkeit verloren hat, habe ich mir vor Ort live angesehen.

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CATS-Plakat LOGO ©VBW Wien designed by Dewynters

38 Jahre CATS und das Katzenfieber greift weiter um sich

Seit der Weltpremiere von CATS am 11. Mai 1981 im New London Theater im Londoner West End sind nunmehr 38 Jahre vergangen. Damals hätte niemand daran geglaubt, dass dieses Musical von Andrew Lloyd Webber einmal die Welt erobern würde.

Zumal die Vorlage von T.S. Elliot ein, eher ohne durchgängige Geschichte und mehr oder weniger zusammenhangloser, Gedichtzyklus für Kinder über Katzenpsychologie und Soziologie war – u.a. sehr gelungene Umsetzung dazu der Song: Wie spricht man eine Katze an 😉

CATS wurde in 30 Ländern, in 16 Sprachen aufgeführt und kann über 71 Millionen Zuschauer für sich verbuchen. CATS, das Phänomen unter den Musical Klassikern ist nun, 36 Jahre nach seiner Premiere am Theater an der Wien, wieder nach Wien zurückgekehrt und die bisherigen Verkaufszahlen bestätigen, Katzen haben viele Leben. Man sagt ja Katzen haben 9 Leben, Andrew Lloyd Webbers Katzen allerdings scheinen unsterblich. Bis Dezember 2019 ist das Wiener Ronacher, in dem seit September 2019 die Katzen wieder tanzen, bis auf wirklich ganz wenige Restplätze komplett ausverkauft. Welches Musical kann das schon für sich verbuchen? Bei meinem Besuch am 3.10.2019 sah ich zum allerersten Mal in meiner Musicalbesuchsgeschichte an der Abendkasse ein großes Schild stehen:

VORSTELLUNG HEUTE ABEND KOMPLETT AUSVERKAUFT!

Demeter,Bombalurina, Jellylorum

©Deen van Meer

Verschiedene Jellicle Bälle, gespannte Erwartungen

CATS hatte ich vor 20 Jahren das erste Mal in Hamburg gesehen, dann in Berlin im Theater am Potsdamer Platz sowie im letzten Jahr die englische UK Tourproduktion. Da mich die Tourproduktion nicht wirklich überzeugt hatte (es fehlten einige Lieder und Szenen), war ich sehr gespannt auf die neue, so groß angekündigte Wiener Produktion jetzt hier im Ronacher.

Erwartungsvoll und mit Vorfreude auf den bevorstehenden Jellicle Ball, betrat ich das Ronacher Theater. Beim Eintreten in den Zuschauerraum des Theaters war ich sofort ein erstes Mal überwältigt.

Die Bühnendekoration erstreckte sich auf beiden Seiten rechts und links bis weit in den Raum hinein und ließ einen die ganze Größe des Schrottplatzes, auf dem die Jellicle Katzen leben, fühlen. Wahrhaft überwältigend!

Viel Detailiebe, ein Knall, ein Ball

Bei näherem Hinschauen konnte man dort unzählige Dinge entdecken. Mit viel Liebe und Detailtreue wurde das Bühnenbild des Schrottplatzes nachempfunden. Kleine Coladosen, zerknautschte Papier- oder Platikbehältnisse, Schuhe, BH's neben alten Reifen oder Ölfässern. Ein Schrottplatz halt so, wie man ihn sich vorstellt. Schon beim Hinsetzen, war man irgendwie “auf der Müllhalde” und es hätte einen nicht gewundert, wenn unter den Zuschauersitzen ein Kätzchen im Schlaf gelegen hätte oder einem schnurrend um die Füße geschlichen wäre. Das Bühnenbild absolut gelungen, es erweckt den Eindruck mitten drinnen zu sein, im Schrottplatzgewimmel.

Bühnenblick vom Zuschauerraum

©imarquardt/musical1

Obwohl es ja „nur Müll“ ist, lässt einen die Szenerie sowohl kompakt-erdrückend, aber auch geheimnisvoll-intim erscheinen.

Totale Finsternis!

Das Licht verdunkelt sich, es wird Mitternacht auf den Straßen und auf dem Schrottplatz.

Ein Knall, heller Lichtschein, Musik. Der Schrottplatz wird ins Mondlicht getaucht und erwacht zum Leben.

In den Zuschauergängen und auf der Bühne blitzen Autoscheinwerfer auf, hier und dort bewegt sich etwas und huscht davon. Langsam nimmt das Bild Formen an, in der Mitte des Platzes auf der Bühne versammeln sich immer mehr Katzen. Langsam und zögerlich, noch etwas scheu, nähern sie sich den Zuschauern und scheinen Vertrauen zu fassen.

Stolz und überzeugend erklären sie wie man mit ihnen umzugehen hat und geben dem Publikum Einblicke in ihr Wesen. Mit dem Titel „Die Namen der Katzen“ erklären sie, das jede einzelne ihre eigenen „DREI“ Namen hat. Einen für „Zu Haus“, einen für „sich selbst“ und einen geheimen Namen.

Damit ist das Publikum in das Reich der Jellicle Katzen aufgenommen und wir alle dürfen dem alljährlichen Jellicle Ball beiwohnen.

Was ist aber ein Jelliclle Ball?

Und was oder wer sind überhaupt Jellicle-Katzen? Es sind eine Gruppe zusammenlebender Katzen auf einem Londoner Schrottplatz. Einmal im Jahr treffen sich die Jellicle Katzen und feiern ein Fest für sich selbst. Jede einzelne präsentiert ihre einzigartigen Fähigkeiten hebt ihre Besonderheiten hervor. Den Höhepunkt bildet dann die Wahl der Katze, welche durch das Katzenoberhaupt Old Deuteronimus (Rory Six), auserwählt wird um die magische Reise anzutreten und wiedergeboren zu werden.

So werden wir Zeuge, wie eine Katze nach der anderen ihre eigene Geschichte erzählt und versucht, mit ihren Lebenserfahrungen oder außergewöhnlichen Fähigkeiten in den Kreis der Auserwählten zu gelangen und um zum Schluss des Jellicle Balles die ersehnte Reise anzutreten.

Charaktere und Typen

Wir lernen Jenny Fleckenreich (Katharina Lochmann), die alte Grumbie Katze kennen, die immer nur sitzt und schläft. Sie faulenzt den ganzen Tag. Ist das ein Kriterium um wieder geboren zu werden?

Rum Tum Tugger

©Deen van Meer

Oder der Draufgänger und Macho Rum Tum Tugger (Dominik Hees), der jedem Kätzchen nachstellt und sie zu einem verzückendem Mauzen bringt? Dominik Hees zieht in dieser Rolle wieder einmal alle Register seines Könnens. Ob lasziver Hüftschwung, tänzerisches Machogehabe oder verlockende Versprechungen, er macht Rum Tum Tugger wirklich zum Herzensbrecher der Katzendamen. Man kann verstehen, warum sie ihn so anschmachten.

Jede hat so ihren eigenen Charakter und ihre eigenen Vorzüge. Bustopher Jones (Felix Martin) zum Beispiel, der immer elegant mit weißen Gamaschen in englischen Clubs seinen Tag mit gutem Essen gestaltet und das Leben in vollen Zügen genießt. Nicht umsonst nennt man ihn auch den “Zwanzig-Pfünder“ hat doch seine Lebensweise enorme Auswirkungen auf seine Körperfülle.

Stars und Bösewichte

Das ganze Gegenteil ist, abgemagert mit zerlumptem Fell, Grizabella (Carin Filippici), die einstige Glamourcat. Sie hat bessere Tage gesehen. Der Glamour und Glitzer ist verflogen und vergessen. Vor langer Zeit hat sie die Jellicle Katzensippe verlassen um ihr Glück in der Welt da draußen zu finden. Jetzt, wo ihr Stern verblasst ist, möchte sie zurückkehren in den Schoß der Katzenfamilie, doch diese sieht sie als Verstoßene und meidet sie. Junge neugierige Kätzchen werden vor ihr gewarnt und ferngehalten. Mit einer wie der pflegt eine Jellicle Cat, die etwas auf sich hält, keine Kontakte. Grizabella lebt heute in ihren eigenen Erinnerungen.

Doch es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Kater nicht gefällt! 😉

Polizeisirenen, splitterndes Glas. Macavity (Alex Snova) ist in der Nähe. Dieser böse Kater führt nie Gutes im Schilde. Das wissen auch die Jellicle Katzen und so verlassen alle fluchtartig den Schrottplatz um sich zu verstecken.

Mungojerry, Rumpleteazer

©Deen van Meer

Den nun leeren Schrottplatz nutzen Mungojerry (Andrea Luca Cotti) und Rumpelteazer (Anna Carina Buchegger) für ihren Auftritt. Zwei junge Katzen, welche unbeschwert durchs Leben gehen und immer nur irgendwelchen Unsinn im Sinn haben. Wenn irgendwo jemand ein Streich gespielt wird, sind die beiden zu 100 % beteiligt.

Ein weiser und guter Kater

Old Deuteronimus erreicht nun endlich das Fest. Alle Katzen verehren und achten ihn. Er ist alt und weise. Gestützt durch eine jüngere Katze wird er durch den Zuschauerraum auf seinen Platz gebracht. Nun kann der Ball endlich beginnen. Abermals wird der Jellicle Ball von der nahen Anwesenheit Macavatys gestört. Die Katzen sind unruhig und ängstlich. Old Deuteronimus kann sie aber beruhigen und es kann endlich gefeiert werden.

Grizabella versucht noch einmal die Chance zu nutzen, zur Jellicle Familie zurückzukehren. Nur eine Katze muss sie berühren und ihr Wunsch würde wahr werden, aber alle Katzen wenden sich wieder ab. Mit dem wohl bekanntesten Song aus CATS „Memories“ ist nun sicher auch der letzte Zuschauer voll und ganz im Musical und auf dem Schrottplatz angekommen. Carin Filippici als Grizabella, einfach toll und überzeugend. Stimmlich wie auch darstellerisch, trug sie die Emotionen, die diese Rolle beinhaltet, ins Publikum. Mit dieser alten grauen Katze musste man einfach Mitleid haben.

GUS der Theaterkater und fast vergessene Zeiten

Nach Grizabellas Song, der an vergangene Zeiten erinnert, erinnern sich die anderen Katzen an ihre Vergangenheit und sinnieren darüber was “GLÜCK” denn eigentlich ist.

Gus der Theaterkater

©VBW Wien

GUS der alte Theaterkater (Felix Martin), erzählt von seinen großen Rollen auf den Bühnen dieser Welt. Er erinnert sich mit welchen großen und berühmten Schauspielern er auf der Bühne gestanden hat. Seine wohl bedeutenste Rolle war der Growltiger, der gefürchteteste Pirat der Meere und raubeiniger Herzensbrecher.

Felix Martin scheint diese Rolle auf den Leib geschrieben. Mit echter Leidenschaft und Kampfbereitschaft präsentiert er einen stimmgewaltigen, liebenswerten Gus und einen dramatischen Growltiger. Vergessen sind GUSs körperliche Beschwerden und die das Alter mit sich bringenden Unannehmlichkeiten. In seinen Erinnerungen an den Growltiger wird GUS noch einmal jung und stark. Sein “Glück” wäre es, wieder auf einer Bühne spielen zu können.

Der Eisenbahnkater Skimbleshanks (Gerben Grimmius) ist ein Perfektionist und darauf bedacht, dass immer Ordnung und Disziplin in seinen Zügen herrscht. Er ist der freundliche Zugbegleiter, der von allen gemocht wird. Dies ist sein Bestreben nach “Glück”. Ich fand es toll, wie aus den Schrotteilen des Platzes eine Eisenbahn gebastelt und somit dem Lied von Skimblehanks der richtige Rahmen gegeben wurde. Man merkte den Darstellern dabei die Spielfreude und Identifikation mit dem Stück besonders an. Das Ganze sah nach viel Spaß und Freude aus.

Dieses lustige Treiben wird jäh durch einen dritten gewaltigen Krach unterbrochen. Macavity (Alex Snova) taucht mit seinen Kumpanen auf um  Old Deuteronimus zu entführen.

Verwirrung und Ratslosigkeit

Die Familie der Jellicle Katzen bleibt verstört und verängstigt zurück.

Demeter (Jo Lucy Rackham) und Bombalurina (Birgit Arquin) erzählen den Katzen in ihrem Lied von den Missetaten Macavitys. Er ist ein schrecklicher Kater und gefährlich. Plötzlich taucht Old Deuteronimus wieder auf dem Platz auf. Die Katzen sind erleichtert. Doch sehr schnell müssen sie feststellen, dass sich Macavity in dieser Verkleidung bei ihnen eingeschlichen hat. Es beginnt ein erbitterter Kampf zwischen den Katern und dem enttarnten Macavity. Diesem gelingt es die Elektrik des Schrotplatzes kurzzuschließen. Undurchdringliche Finsternis breitet sich aus. Macavity flieht und die Jelliclecats bleiben ratlos und orientierungslos zurück.

Eine Lösung muss her. Rum Tum Tugger hat eine großartige Idee. Er ruft den magischen Mr. Mistoffelees (Stephen Martin Allan) um Hilfe an. Mit seinen Zauberkräften gelingt es Mr. Mistoffelees, die Lichter wieder erstrahlen zu lassen und schließlich Old Deuteronimus zu finden.

Mr. Mistofelees

©Deen van Meer

Stephen Martin Allan ist mit seinen 19 Jahren einer der jüngsten, aber auch ein sehr beeindruckender Darsteller. Der gebürtige Schotte hat seine Tanzausbildung in Kanada gemacht und zeigt hier alle Facetten seines Könnens. Mehr als beeindruckend!!

Ende gut, Alles gut

Nach der ganzen Aufregung ist es nun an der Zeit, den Höhepunkt des Festes zu begehen. Die Wahl “DER” alleinigen Jellicle Katze. Die Katze, die als Auserwählte wieder geboren wird und ein neues Leben geschenkt bekommt.

Aus einiger Entfernung hat Grizabella dies alles beobachtet und fasst noch einmal Mut und tritt in die Runde ein. Dieses Mal wird sie akzeptiert. Die Jellicle Familie nimmt sie wieder auf. Ihr größtes “Glück” ist eingetreten. Doch es ergibt sich für Grizabella noch Überraschenderes.

Sie wird zur Jelliclecat gewählt und darf mit Old Deuteronimus in die magischen Sphären eintreten und wird wieder geboren.

Eine Story mit Moral

Zu guter Letzt erfährt das Publikum noch, wie man eine Katze anspricht und dass der Mensch der Katze doch sehr ähnlich ist. Einzigartig jeder für sich. Mit eigenem Namen, eigenem einzigartigen Charakter und Gefühlen.

Welche Katze hättet ihr zur Jellicle Cat gewählt?  Ich finde die Frage schwierig, verdient hätte es doch jede Katze. Einzigartig auf ihre eigene Art und Weise sind sie alle.

Fazit

Auch 20 Jahre nach meinem ersten Besuch auf dem Jellical Ball, hat mich das Musical in dieser Inszenierung wieder in seinen Bann gezogen. Einige Titel haben mich auf dem Nachhauseweg als Ohrwurm begleitet.

Die jetzige Wiener Inszenierung ist super gelungen. Ein, den Zuschauer einfangendes Bühnenbild, welches eine Illusion des Dabeiseins vermittelt. Detailverliebte Kostüme und ein überzeugendes Make up.

Die Cast ist insgesamt perfekt ausgesucht und überzeugt mit absolut grandiosen Tanzszenen und genialen Stimmen. Jede einzelne Katze ist ein Unikat und eine für sich stehende Persönlichkeit auf dieser Bühne. Besonders hervorheben möchte ich die Synchronität der Tanznummern und die  hervorragenden, geschmeidigen Bewegungen der Darsteller in Katzenmanier, die einen vergessen lassen, dass dort Menschen und keine Katzen agieren.

Dieses Musical hat nichts an Faszination verloren, was dem ganzen Team vor und hinter CATS zu verdanken ist. Vollendet wird die Perfektion durch das 28 Mann starke Orchester, das die allseits bekannten Songs zu einem Hörgenuss werden lässt.

Dieses Musical ist nicht nur ein “MUST SEE” für Katzenfans. Ich habe beschlossen mir das Musical im nächsten Jahr nochmals anzusehen um die vielen einzigartigen Details noch weiter erkunden zu können.

Allen Erstbesuchern möchte ich empfehlen, sich in die Story bei Google einzulesen, oder in T.S. Elliots Gedichten zu stöbern. Es macht sowohl die Geschichte, als auch die Songs weitaus verständlicher und „süchtiger“ für den Fortgang des Geschehens auf der Bühne.

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Kategorie: Cats, Kritiken

Tags: Wien

Autor: I. Marquardt(09.10.2019)

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