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ANATEVKA – Ein Klassiker ist zurück

Zum 70. Jubiläum kehrt in die Komische Oper in Berlin ein Klassiker des Musicals zurück – ANATEVKA. In der Inszenierung von Barrie Kosky ist dies ein wahrer Gewinn für die Berliner Musicalszene. Wir von Musical1, hatten letzte Woche die Möglichkeit, uns dieses wunderbare Werk vor Ort anzusehen. Wir verstehen nun, warum es für die aktuelle Spielzeit bis Juli 2018 nur noch Restkarten gibt. Nach 30 Jahren kehrt ANATEVKA zurück an die Komische Oper.

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Tevjie in Anatevka
Szene aus Anatevka ©Iko Freese/drama-berlin.de

Gefeierte ANATEVKA Premiere zum 70. Jubiläum

Am 3. Dezember 2017 feierte das Musical ANATEVKA in der Inszenierung von Barrie Kosky seine umjubelte Premiere in der Komischen Oper Berlin. Grund genug für Musical1, sich diesen Klassiker vor Ort selbst anzusehen.

ANATEVKA ist ein Musical in 2 Akten. Es basiert auf den Geschichten von Scholem Alejchem, mit ausdrücklicher Genehmigung von Arnold Perl. Es dürfte vielen unter dem Namen THE FIDDLER OF THE ROOF bekannt sein, spielte doch dieses grandiose musikalische Meisterwerk bereits von 1971 bis 1988 in Walter Felsensteins legendärer Inszenierung, in über 500 Aufführungen riesige Erfolge ein.

Die Komische Oper in Berlin feiert ihr 70 jähriges Jubiläum. Eine der Jubiläumsproduktionen ist ANATEVKA.

Wer oder was ist ANATEVKA?

ANATEVKA ist ein Dorf inmitten der Weiten des russischen Kaiserreiches zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In diesem kleinen jüdischen Schtetl lebt Tevje, der Milchmann, mit seiner Frau Golde und den fünf Töchtern.

Gemäß der Tradition müssen die Töchter dem Alter entsprechend verheiratet werden. Also die Älteste zuerst, dann die nächst jüngere und so weiter. Nach der jüdischen Tradition wird dazu die Dorf ansässige Heiratsvermittlerin Jentl bemüht, die einen geeigneten und möglichst kapitalen Ehemann heranschaffen soll. Die Ehen werden traditionell durch die Eltern der Heiratskandidaten beschlossen, verhandelt und festgelegt.

Wer aufmerksam gelesen hat bemerkt, es geht hier um Traditionen und alte Bräuche. Aber Tevjes Töchter Zeitl, Hodel und Chava, drei heiratsfähige junge Mädchen, haben es nicht so mit den Traditionen. Verlieben sie sich doch nach ihrem eigenen Willen, stellen die Traditionen der Familie, des Dorfes, der Gesellschaft in Frage und bringen den liebenden Vater Tevje in noch größere Schwierigkeiten, als er bereits hat. Er steht zwischen den Fronten: Sorge um die Familie, die politische Situation im Land, die Furcht des Dorfes vor Pogromen, die Angst vor Veränderungen überhaupt. Ist man doch verpflichtet, Traditionen zu pflegen.

Vaterliebe und Traditionen

Tevje liebt seine Töchter, er liebt seine Frau und lässt sich so manches einfallen, um den Familienfrieden zu erhalten. So gibt er der Liebe seiner ältesten Tochter Zeitl mit dem armen Schneider Mottel Komzoil eine Chance und er lässt Hodel, die zweite Tochter, mit dem neuen Hauslehrer und Revolutionär Perchik ziehen. Aber Tevjes Liebe hat seine Grenzen erreicht, als seine Tochter Chava sich in den russischen Intellektuellen und orthodoxen Christen Fedja verliebt. Glaube und Tradition haben einen so hohen Stellenwert, dass Tevje Chava nicht mehr als seine Tochter sehen kann. Es bricht ihm zwar das Herz, aber er kann nicht anders. Glaube und Tradition fordern dieses Opfer. Über das Dorf bricht nun zudem der Wandel der Zeit herein. Ein Pogrom zerstreut das Dorf und seine Bewohner in alle Himmelsrichtungen. Tevje verlässt mit den beiden jüngsten, noch im Hause lebenden Töchtern und seiner Frau Golde das Dorf. Die erwachsenen Töchter, die Dorfbewohner von ANATEVKA und Freunde zerstreut es. Alle verlassen sie ihr Schtetl ANATEVKA, ihre Heimat – für immer.

Wir begleiten eine Familie, die gefangen ist in ihren Traditionen, ihrem Glauben und in den Strudel der gesellschaftlichen und politischen Zeiten geraten ist. Ein altes Thema, ein sehr aktuelles Thema. An einigen Stellen merkt man dem Publikum die Betroffenheit an.

Kein klassisches Musical-Ende

Wer ANATEVKA anschaut, wird kein Musical mit dem üblichen Happy End erwarten können. Am Ende steht die Tragik und das Verschwinden des Dorfes ANATEVKA. An Orten wo es keine Menschen gibt, gibt es auch keine Dörfer mehr. Sie verschwinden von der Landkarte.

ANATEVKA ist ein Musical mit einer tiefen Geschichte und Aussage

Der Neuinszenierung von Barrie Kosky ist es gelungen, diese Aussage zu inszenieren, ohne das theatrische Vergnügen verloren gehen zu lassen. Es gibt viele Momente im Stück, die dem Zuschauer ein Lächeln ins Gesicht zaubern und auch wirklich spaßige, lustige Szenen.  Tevjes Zwiegespräche mit Gott, seine Fragen zum Einerseits und Andererseits sind wunderbar umgesetzt. Grandiose Tanzeinlagen, bekannte Musik, aber eben auch Nachdenkliches.

Das im ersten Moment irritierende Bühnenbild aus übereinander getürmten Schränken, Tischen und Koffern erklärt sich am Schluss von ANATEVKA. Wer oder was war ANATEVKA? Ein Stuhl, ein Bett, ein Tisch! Ein Ort mit Menschen, Gefühlen, Traditionen!

Intendant Barrie Kosky selbst betroffen

©Iko Freesen /drama-berlin.de

Barrie Kosky hat in dieser Inszenierung auch viele eigene Emotionen und Familientradition einbringen können. Stammte doch sein Großvater auch aus einem Schtetl in Russland. Musste doch auch sein Großvater mit der Familie diesen Ort aus exakt den gleichen Gründen verlassen. Ganz genau wie in ANATEVKA. Dies ist wohl auch der Grund, warum dieses Stück so authentisch daherkommt und jeden Einzelnen der es verstanden hat, derart berührt.

Exzellente Besetzung der Cast

Wir haben bei unserem Besuch einen sympathischen und überzeugenden Max Hopp als Milchmann Tevje erlebt, der im täglichen Leben mit seiner geliebten Frau Golde (Dagmar Menzel) so manche Situation zu meistern hat. Das unterscheidet sich sicher nicht zu heutigen Ehen. Auch die Töchter Zeitl (Talya Liebermann), Hodel (Alma Sadé) und Chava (Maria Sadilier) sind heutigen jungen Mädchen nicht unähnlich. Haben doch auch sie ihren eigenen Willen, beschwören des Vaters liebendes Herz und erreichen damit ihr Ziel. Bis auf eine Tochter: Chava, die sich von den Traditionen zu weit entfernt und sie gefährdet, durch ihre Liebe zu einem Andersgläubigen.

Spielt ANATEVKA auch am Anfang des 20. Jahrhunderts, heute ist es aktueller denn je. Kämpfen doch auch heute  Menschen mit den Veränderungen der Zeit, müssen ihre Heimat verlassen, leben und quälen sich mit oder in Traditionen. Es ist eine furchtbare Ironie, dass sich nichts geändert zu haben scheint, seit Tevje und seine Frau Golde in ANATEVKA lebten. Leider!

Ein volles Orchester und perfekte Tanz-Choreographie

Alle Rollen-Charaktere waren für uns darstellerisch und stimmlich perfekt besetzt. Das Orchester der Komischen Oper ist ein Genuss fürs Ohr und ohne Abstriche herausragend. Unterstützt wurde die Cast von ANATEVKA von den Chorsolisten und Komparsen der Komischen Oper Berlin. Sie gaben dem Dorf ANATEVKA die Authentizität, die es für die Aussagefähigkeit des Stückes brauchte.

Die Tänzer und Tänzerinnen beeindruckten in den Tanzszenen und rundeten das Gesamtbild somit perfekt ab.
Ein wunderbares Musical, das dem 70 jährigen Jubiläum der Komischen Oper mehr als gerecht wird.

Es wäre wunderbar, wenn das Stück wie vor über 30 Jahren wieder für lange Zeit in den Spielplan integriert würde und man auf weitere 500 Vorstellungen hoffen könnte.

Bekannter Musicaldarsteller übernimmt vor Weihnachten die Rolle des Perchik

Es gibt noch eine Neuigkeit! Kurosch Abbasi wird ab dem 21.12.2017 die Rolle des Hauslehrers und Revolutionärs Perchik übernehmen.

Für die laufende Spielzeit bis Juli 2018 gibt es noch einige wenige Restkarten, die sich Interessierte schnell sichern sollten.

Tickets für ANATEVKA
Tickets für ANATEVKA

 

 

 

 

 

 

Kategorie: Anatevka,Stadttheater,Theater Eigenproduktionen

Tags:

Autor: I. Marquardt(20.12.2017)

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