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ANASTASIA – Milan van Waardenburg im Interview

Erst Anfang dieser Woche wurde die Hauptcast für ANASTASIA - Das Musical im Stage Apollo Theater in Stuttgart bekannt gegeben. Wir freuen uns, dass wir unseren Lesern schon heute ein exklusives Interview mit einem der Hauptdarsteller, Milan van Waardenburg, präsentieren können. Milan van Waardenburg wird in dem neuen Musical die Rolle des Dimitri übernehmen. Er berichtet, wie es war, als er die Zusage bekam und welche neuen Herausforderungen die Rolle an ihn stellen wird.

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Milan van Waardenburg – ANASTASIA – Das Musical ©Milan van Waardenburg
Lieber Milan, zuerst unseren herzlichsten Glückwunsch zu Deinem neuen Engagement. Wie vor Kurzem bekannt gegeben wurde, übernimmst Du die Hauptrolle des Dimitri in ANASTASIA – Das Musical hier im Stuttgarter Stage Palladium Theater. Wir alle haben uns über diese Nachricht sehr gefreut und sind sehr stolz, das du dies geschafft hast.
Noch mehr freuen wir uns, dass wir – schon einer guten Tradition folgend – heute hier mit Dir zusammenkommen, um zu einem neuen Musical und Deiner Rolle darin, ein exklusives Interview zu führen.Unsere Leser sind sehr gespannt, was es über dieses tolle Stück und vor allem, Deine Rolle als Dimitri zu berichten gibt.

Kannst du kurz was zur Story sagen? Für die, die den Film/die Geschichte nicht kennen?

Ja natürlich, sehr gerne. ANASTASIA – das Musical handelt von einer der vier russischen Zarentöchter der Familie Romanow in Russland. Wie ja bekannt sein dürfte, wurden der letzte Zar und seine Familie in einer Nacht- und Nebelaktion hinterhältig ermordet. Seitdem vermutet man, dass eine der Zarentöchter, eben diese Anastasia, das grausame Massaker als Einzige ihrer Familie überlebt hat. Ob das geschichtlich belegt ist, sei dahingestellt.7

Heute geht man davon aus, dass niemand der Zarenfamilie überlebt hat. Im Film wird Anastasia von Dimitri gerettet, der als Kind auch im Zarenpalast als Dienstjunge gelebt hat. Im Musical ist dies etwas anders gelöst, aber auch da gelingt es Anastasia zu entkommen. Auf ihrer Flucht muss sie einiges erleben und durchmachen, dabei verliert sie ihre Erinnerungen. Sie weiß nicht mehr wer sie ist, wo sie herkommt. Sie ist fortan auf der Suche nach sich selbst, ihrer Herkunft, ihrer Familie. Das Einzige was ihr geblieben ist, ist eine kleine Kette die einen Hinweis darauf gibt, dass sie nach Paris reisen muss. So geht sie davon aus, dass auch ihre Familie dort leben muss und dort ihre Heimat ist. Damit beginnt ihre Reise auf der Suche nach sich selbst. Dabei lernt sie auch Dimitri kennen. Um aus Russland nach Paris zu gelangen, benötigt sie nämlich ein Visum und Papiere.

Dimitri und sein Kumpel Vlad sind Kleinganoven, die Papiere besorgen können. So erhält Anastasia die Information, sich an diese “Zwei” zu wenden.

Dimitry und Vlad haben aber noch ein ganz anderes Ziel. Sie haben erfahren, dass die Großmutter der Zarenfamilie, welche in Paris leben soll, eine sehr hohe Belohnung ausgesetzt hat, für denjenigen der ihre Enkelin findet und zu ihr zurückbringt. Die beiden haben daraufhin einen Plan entwickelt. Sie wollen ein Mädchen finden, das Anastasia ähnlich ist, um ihr alles über die Zarenfamilie beizubringen und sie dann irgendwann der Zarinmutter präsentieren zu können, um an die hohe Belohnung zu kommen und reich zu werden.
Als nun Anastasia, die sich jetzt Anya nennt, auf Dimitri und Vlad trifft, erkennen beide sofort eine Ähnlichkeit mit der gesuchten letzten Zarentochter. Bei ihrem Kennenlernen mag Dimitry Anya nicht so gut leiden, aber im Laufe der Zeit bemerkt er immer mehr Ähnlichkeiten und glaubt, sie könne wirklich die gesuchte letzte Zarentochter Anastasia sein. Dimitri und Vlad beschließen Anya nach Paris zu begleiten und dort als die verlorene Tochter zu präsentieren. Die Reise dorthin ist abenteuerlich und gefährlich, aber auch romantisch. Zum Schluss kommt die ganze Wahrheit ans Licht, als sich herausstellt, das Anya wirklich Anastasia ist. Das Dimitris Wunsch nach einem besseren, reichen Leben am Ende in Erfüllung geht, hat er dann aber nicht seinen Gaunereien zu verdanken sondern der LIEBE.
Aus dem armen Straßenjungen und Kleinganoven Dimitri wird letztendlich ein Prinz an der Seite von Anastasia.
ANASTASIA – Das Musical ist schon anders als der Film. Es ist ein Erwachsenen-Musical. Es gibt im Musical z.B. nicht die Figur des Rasputin mit seiner sprechenden Fledermaus Bartok. Rasputin wurde im Musical durch Gleb ersetzt.

Ich selbst mag diese Änderungen alle sehr, dadurch erhält das Musical Anspruch und es wird eine abenteuerliche, spannende Liebesgeschichte daraus.
Soviel vielleicht zur Story, für diejenigen, die Anastasias Geschichte bisher nicht kannten.

Was erwartest du von dem Musical?

Ich freue mich wahnsinnig darauf. Ich habe das Musical noch nicht live gesehen, da ich noch nicht in New York war. Dank der heutigen Medien gibt es im Internet einige Aufnahmen dazu, die ich mir natürlich angesehen habe und die mich sehr beeindruckt und neugierig gemacht haben. Dieses Musical ist eine so große aufwendige Produktion an sich. Klassisches Bühnenbild, pompöse Kostüme einerseits und anderseits die Verschmelzung mit den heute möglichen Technologien. Zum Beispiel: Ein klassisches Bühnenbild, kombiniert mit einer gigantischen LED-Wand und fantastischen Projektionen, die faszinierende Illusionen erzeugen.
Ich muss ganz ehrlich sagen: Eigentlich mochte ich solche Kombinationen bisher nicht wirklich, aber das was da in ANASTASIA – Das Musical vollbracht wird, ist überwältigend und ich bin total begeistert.

Ich erwarte vom Musical ANASTASIA, dass die Verschmelzung von den heutigen technologischen Möglichkeiten auf einer modernen Bühne, zusammen mit den klassischen Theatermöglichkeiten etwas wunderbar Neues erzeugen. Dazu kommt dann die absolut tolle Musik, die viele sicherlich aus dem Film kennen. Aber es gibt auch viele neue, wunderschöne Songs, die extra für das Musical dazugekommen sind. Das Besondere dabei ist, dass die neuen Songs total an die alten Bekannten angepasst sind, sodass man keinen Unterschied feststellen kann. Es ist überwältigend, dass man da keine Unterschiede wahrnimmt und denkt, die waren schon immer dabei.

Hast du große Solo-Gesangsparts in Deiner Rolle? So, dass wir so richtig viel von Milan – Dimitri zu hören bekommen!

JA, ich habe dort sehr, sehr viel zu singen. Die Rolle des Dimitri ist in ANASTASIA eine große Rolle und für mich in meiner beruflichen Laufbahn eine völlig neue Herausforderung, auf die ich mich ganz wahnsinnig freue.

Es ist etwas ganz Neues, Spannendes. Bisher habe ich Charaktere gespielt, die nicht komplett real waren. Herbert zum Beispiel, aus TANZ DER VAMPIRE ist keine reale Figur, körperlich ja, aber er ist eine erfundene Person, kein Mensch.

Dimitri hingegen ist körperlich und charakterlich ein realer Mensch. Als Dimitri habe ich nicht nur sehr viele anspruchsvolle Gesangsstücke, sondern auch viel gesprochenen Text. Das ist auch etwas Neues für mich. Ich habe den Anspruch an mich selbst, bei solch einer bedeutenden und großen Rolle, den gesprochenen Text akzentfrei darbieten zu können. Das muss einfach sein, auch wenn ich kein deutscher Muttersprachler als Niederländer bin, hat gerade in der Rolle des Dimitri ein holländischer Akzent nichts verloren. Das würde das Ganze unglaubhaft machen. Ich kann mich in dieser Rolle hinter nichts verstecken, wie z.B. bei Quasimodo, bei dem es durch seine gewollten sprachlichen Diskrepanzen nicht aufgefallen ist, wenn etwas nicht im einwandfreien Deutsch präsentiert wurde. Bei Dimitri wäre das ein No-Go. Ein russischer Straßenjunge mit niederländischem Akzent wäre nur peinlich. Ich hoffe, ich kann diesen Anspruch an mich selber auch erfüllen.

Ich lebe und arbeite jetzt seit drei Jahren in Deutschland und es ist immer noch schwierig für mich. Ich tue aber alles, was mir möglich ist, um ein akzentfreies Deutsch auf der Bühne zu sprechen. Derzeit habe ich vier Stunden in der Woche Phonetikstunden, in denen ich das hart trainiere. Ich habe mir auch viele deutsche Gesangs- und Sprechtexte besorgt, um das immer und immer wieder zu üben. Das ist nicht immer einfach, meist fehlt die ausreichende Zeit dafür, aber ich werde es schaffen, weil ich das will und ich mich so wahnsinnig darauf freue, in der nächsten Zeit mit dieser Rolle soviel Neues machen zu können. Ich will das gut, nein, wenn möglich, perfekt machen.

Die Zuschauer werden von mir in der Rolle des Dimitri vieles sehen, was sie bisher so noch nicht von mir gesehen haben. Die Rolle und die Songs sind so vielfältig, dass ich da sicher einiges zeigen kann.

Was gibt es für Unterschiede zwischen Film und Musical?

Wie ich ja am Anfang schon erwähnte, fehlen im Musical der Charakter Rasputin und seine weiße sprechende Fledermaus Bartok. Dafür gibt es Gleb. Ich sagte ja schon, dass das Musical erwachsener ist. Der Film ist ein Kinderfilm, obwohl das dortVermittelte und Gesehene auch schon sehr heftig und anspruchsvoll ist. Ich frage mich immer wieder, ob es gerade für kleinere Kinder nicht sehr angsteinflößend ist.

Im Musical ANASTASIA ist es moderater gehalten. Eher die Geschichte einer Familie, der etwas unwahrscheinlich Schreckliches passiert ist und deren einzige Überlebende sich in ihr neues, altes Leben kämpfen muss. Die Rolle des Gleb, die den Rasputin ersetzt, ist viel ernster und authentischer. Ich möchte da aber nicht zuviel verraten. Man muss es sehen, hören und in der Gesamtheit der Geschichte erleben.

Wer in das Musical mit vielen Erwartungen aus dem Film geht, wird es vielleicht nicht so mögen. Es ist Geschmackssache. So sind im Musical z.B. die Reihenfolge der Songs anders als im Film. Ich selber mag die Umsetzung im Musical sehr, es wirkt reifer und  aussagekräftiger für mich.

Hättest Du gerne in Angedenken an die Vampire die sprechende Fledermaus aus dem Film mit auf der Bühne gehabt? 😉

(lacht) Nein wohl eher nicht! Die Story würde dann genau das, was ich gerade sagte, verlieren. Es wäre dann nicht so authentisch und ausgereift. Die sprechende Fledermaus passt gut in den Film, aber nicht auf unsere Bühne im Musical ANASTASIA. Ganz ehrlich: Nein ich vermisse sie ganz und gar nicht – (auch wenn ich eine Zeit lang dieser sagenumwobenen Gattung angehörte 😉 )

Was ist Dimitri für ein Typ? Was macht ihn aus?

Dimitri ist ein Straßenjunge, in Holland sagt man er ist eine „Street rat“ – eine Straßenratte.

Er lebt und agiert auf der Straße, seine Eltern sind gestorben als er noch sehr klein war. Seine Mutter starb als so jung war, dass er sich an sie gar nicht erinnern kann. Sein Vater kam in einem Arbeitslager ums Leben. Um zu überleben, musste er sich durchkämpfen. Manchmal auch mit nicht ganz legalen Methoden. Dimitri hat sich selber großgezogen, dass dies nicht einfach war, kann man nachvollziehen, vor allem wenn man die damalige Zeit und die Umstände in Russland dabei beachtet.

Er hatte gegen Hunger und Aggression zu kämpfen. Im Musical sagt er in dem Song „My Petersburg“ – „… und ich wurde hier zu dem Mann, der ich bin und sein kann!“ Ich denke, das drückt es am Besten aus. Dimitri ist ein Mensch, der aber auch stolz auf das ist, was er ist. Im Grunde ist er mit dem, was er für sich erreicht hat, zufrieden. Dimitri ist aber auch stolz auf das, was er erreicht hat, da er alles aus eigener Kraft geschafft hat.

Er ist allerdings auch ein kleiner Ganove und überall, wo Dimitry vermutet an Geld zu kommen, ist er dabei. Er verkauft falsche Ausweise und Papiere und entwickelt den Plan, eine falsche Zarentochter zu erschaffen, um an das ganz große Geld zu kommen und reich zu werden.

Er ist aber auch sehr clever und vernünftig, er hat in seinem Leben viel gelernt, was ihn am Ende zu einem sehr tollen Menschen gemacht hat. Einen Menschen mit Verstand, Herz und Liebe. Seine größte Stärke ist sein Überlebenswille. Er hat es einfach im Blut nicht aufzugeben und zu kämpfen. Dimitri ist kein Mensch, der aufgeben würde, wenn er noch irgendwie die Hoffnung auf Erfolg oder Besserung seiner Lage sieht. Allerdings würde er damit nie absehbar jemanden in Gefahr bringen oder seines Lebens bedrohen. Wenn man Dimitri im Laufe der Geschichte besser kennen lernt, merkt man, er ist sehr stark, aber auch emotional, einfühlsam und liebevoll.

Welche Eigenschaft an Dimitri magst Du am liebsten?

Seine Stärke nicht aufzugeben und seinen Kampfgeist. Er sing in einem Lied „… ja wir können auf andere vertrauen, doch ich lernte von Vater nach vorne zu schauen.“ Das ist eigentlich das, was ihn am besten und genausten beschreibt. Er sieht immer nach vorne, wofür es sich dann auch lohnt zu kämpfen. Ich selber bin auch so ein Mensch. Nach vorne schauen, nicht zurück. Wir Menschen erleben alle Dinge im Leben, die einmal nicht so gut sind, aber man rappelt sich dann wieder auf und hat neue Ziele und Wünsche, die man erreichen will und für die es sich zu kämpfen lohnt. Bei mir war es gerade erst ähnlich: Ich hatte das Ziel die tolle Rolle des Dimitri zu bekommen, dafür habe ich hart gearbeitet und gekämpft. Für etwas zu kämpfen, was man wirklich will, lohnt sich immer und dann erreicht man es auch. Also ihr seht: In jedem, der Ziele und Wünsche hat, steckt etwas von Dimitri und man kann sich mit ihm identifizieren

Worin siehst du in der Rolle deine Herausforderungen?

Ich hatte es ja schon angedeutet, die Rolle hat auch sehr viel Text und verlangt schauspielerische Umsetzung. Es ist also etwas ganz anderes als das, was ich bisher gemacht habe. Ich spiele einen ganz realen, normalen Menschen. Ich kann mich nicht hinter der Rolle verstecken, wie z.B. bei Herbert, da konnte ich viel mit Körpersprache ausdrücken. Das ist bei Dimitri nicht möglich. Ich will und muss Dimitri etwas geben, was ihn ausmacht und das geht in diesem Falle nur über reines Schauspiel.
Ich habe nicht die Erfahrungen machen müssen, auf der Straße aufzuwachsen, ich musste nicht ums Überleben kämpfen und was wirklicher Hunger bedeutet, habe ich Gott sei Dank auch nie erfahren müssen – aber genau das ist in der Rolle des Dimitri umzusetzen, um ihn authentisch, glaubwürdig und ehrlich daherkommen zu lassen.

Das ist die größte Herausforderung an diese wunderbare Rolle. Ich muss für mich einen Weg finden, genau diese Eigenschaften und Erfahrungen von Dimitri glaubhaft zu präsentieren, damit er das für die Zuschauer wird, was er ist: Ein starker Mann mit Prinzipien und, trotz seiner jungen Jahre, ein Mensch mit viel Lebenserfahrung ohne altklug zu wirken. Ich muss an mir eine Seite entdecken auf der Bühne, die ich selber noch nicht kenne, da ich so etwas noch nie gespielt habe. Darauf freue ich mich sehr.

Wie war das Gefühl, als die Zusage kam? Wie hast du reagiert?

Das war sehr spannend. Man geht zur Audition, hat sein Final und dann weiß man, es dauert seine Zeit, bis man die endgültige Entscheidung mitgeteilt bekommt. Eine E-Mail ist kein so gutes Zeichen, das sind meistens Absagen. Hat man aber noch keine Mail und bekommt einen Anruf, dann ist das sicher ein Angebot. Das ist immer sehr nervenaufreibend. In diesem Falle hier, war es allerdings noch viel aufregender.

Ich hatte meinen Final gemacht und es waren viele, sehr gute Kandidaten mit dabei, wie ich meine. Bei mir war dann noch die Besonderheit, dass ich ja noch beim Glöckner unter Vertrag bin und dort nur vorzeitig beenden kann, wenn ich eine First Cast Rolle angeboten bekomme. Der Final war, so glaube ich, an einem Donnerstag. Freitag kam keine Info, also hieß es das Wochenende abzuwarten. Am Montag hörte ich dann, dass Einige bereits eine E-Mail erhalten hatten, bei mir aber nichts.

Auch die nächsten Tage passierte nichts, keine Mail, kein Anruf. Am Donnerstag, also eine Woche nach dem Final, kam dann der erlösende Anruf mit der Nachricht, dass ich die First Cast Rolle Dimitri erhalten habe und nunmehr in diesem wundervollen Stück dabei sein darf. Die Freude war überwältigend, zumal dieses Musical und genau diese Rolle, bereits seitdem das Album erschienen ist einige Zeit auf meiner Bucketlist stand. Ich habe erst einmal ganz laut geschrien, dann habe ich meine Mutter angerufen, meinen Freund und meine besten Freunde. Ich musste meine Freude weitergeben und dieses Ereignis mit den mir nahe stehenden Personen sofort teilen. Es war ein unglaubliches Glücksgefühl in diesem Moment – und auch der Stolz, es geschafft zu haben.

Fiel es dir schwer, die Nachricht so lange geheim zu halten?

Au ja sehr, es ist so unglaublich schwierig. Man ist so freudig, so euphorisch und auch stolz, und möchte es der ganzen Welt erzählen… und darf es nicht. Ich finde es furchtbar. Es ist, glaube ich, das Schlimmste an unserem Beruf, es nicht in die Welt hinausschreien zu können und sein Glück mit allen zu teilen. Man muss ja meist noch sehr lange warten, bis man es bekannt geben darf. Wenn es dann aber soweit ist und es endlich alle wissen dürfen, dann ist es einfach nur ein geiles Gefühl.

Hast du das Musical oder den Filmklassiker (nicht den Zeichentrickfilm) selbst schon gesehen?

Es gibt einen Filmklassiker zu der Geschichte? Das wusste ich bisher noch gar nicht, da muss ich im Anschluss gleich im Netz recherchieren. Das ist spannend.

Es gibt zwei Filmversionen, vielleicht auch interessant für unsere Leser und natürlich für Dich Milan. Die Verfilmung aus den USA von 1956 mit Ingrid Bergmann als Anastasia und dem legendären Yul Brynner als General Bounine. Grundlage des Drehbuches war hier das Bühnenstück von Marcelle Maurette. Ein Schauspiel in drei Akten aus dem Jahre 1953. Im gleichen Jahr also 1956 gab es auch eine deutsche Verfilmung mit Lilly Palmer und Ivan Desny, unter dem Titel „Anastasia die letzte Zarentochter“ basierend auf der Geschichte der Anna Anderson, welche ja Anastasia gewesen sein soll. Anna Anderson ist eine historische Person, sie starb 1984 in den USA. Ob sie wirklich die Zarentochter Anastasia Nikolajewna Romanowa war? Wer weiß, da streiten sich die Gelehrten. Inzwischen ist es allerdings erwiesen, dass niemand der Zarenfamilie den feigen Mord überlebt hat.

Das ist ja sehr interessant, das muss ich mir ansehen.

ANASTASIA – Das Musical selbst, habe ich komplett noch nicht gesehen, nur das, was man im Netz und auf YouTube so findet und das hat mir sehr gut gefallen.

Kanntest Du die Geschichte um die letzte Zarentochter schon vorher?

Ganz ehrlich? Nein! Von der wirklichen Story hatte ich bis dahin keine Ahnung. Aber wenn man sich mit der wahren Geschichte etwas beschäftigt, ist das sehr aufregend und interessant. Ich habe mir jetzt die Biografie der Romanows bestellt und bin schon sehr gespannt, was ich da noch alles erfahren werde.

Worin liegt deiner Meinung nach die Faszination im (Mythos) Anastasia?

Das ist eine sehr interessante Frage. Ich denke, das liegt an der Geschichte Russlands, der Zeit der Romanows. Das ist etwas, was wir hier in Deutschland und auch bei mir in den Niederlanden nicht kennen. Ja auch hier gab es Herrscher, Fürsten, Könige, die in Schlössern und im Reichtum herrschten. Dies ist aber alles nicht mit dem Prunk und dem Reichtum der russischen Zarenfamilie vergleichbar. Das ist überdimensional. Die Kultur Russlands an sich ist sehr faszinierend und dies gepaart mit dem Schicksal der Familie… Ja ich glaube darin liegt das Geheimnis um Anastasia. Vielleicht etwas vergleichbar mit Elisabeth von Österreich. Auch sie umgibt ein Mythos und eine Faszination. Ob dies aber der einzige Grund ist, das kann ich heute nicht abschließend beantworten. Ich denke, dazu muss ich das jetzt erst einmal eine Weile spielen, um darauf eine vollständige Antwort geben zu können. Lass uns zu Weihnachten nochmals darüber reden.

Du hast deine letzte Glöckner und Quasimodo Show für den 4.10. angekündigt. Bist du traurig, dass diese Episode nun vorbei ist?

Das ist ein wenig schwierig zu beschreiben. Für mich kommt jetzt mit ANASTASIA etwas Neues. Etwas worauf ich mich sehr, sehr freue. Auf der anderen Seite spiele ich im Glöckner jetzt bereits seit über anderthalb Jahren und bin stolz, ein Mitglied dieser mega Show zu sein. Ich konnte erfahren, dass der GLÖCKNER VON NOTRE DAME eine wirkliche Special-Show ist und so etwas erlebt man nur einmal. Ich bin stolz und dankbar, dass ich dabei sein durfte. Allerdings ist es nach dieser langen Zeit als Ensemble/Cover Quasimodo nun an der Zeit, etwas Neues anzugehen und sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Man muss sich weiterentwickeln. Neues ausprobieren, das ist wichtig und notwendig in unserem Job.

Wird dir der Glöckner fehlen?

Aber klar wird er mir auch fehlen und ich werde diese Zeit im Leben nicht vergessen. Die Rolle des Quasimodo war schon eine spezielle Herausforderung. Diese Rolle hat mir auch persönlich sehr viel gebracht. Ich habe von Quasimodo viel gelernt, was auch mich als Person, Milan, verändert hat, in einigen Dingen. Auf bestimmte Dinge habe ich jetzt eine andere Sichtweise. Diese Rolle hat mich erwachsener gemacht und auch ausgeglichener in einigen Sachen. Wenn man einmal das Leben mit den Augen Quasimodos gesehen und auch erlebt hat, dann macht das schon was mit einem selber. Aber nicht nur allein die Rolle, auch meine wundervollen Kollegen und Freunde, die ich beim Glöckner gefunden habe, haben dazu beigetragen, dass ich vieles erleben durfte, was mich in meinem Leben weitergebracht hat und dafür möchte ich allen von Herzen danken.

Mir wird der Abschied sicher schwer fallen, aber – und das ist fantastisch – es war auch mein Wunsch, dass ich den Glöckner mit einer Quasimodo-Show verlassen kann. Sicher wird der Abend sehr emotional werden, aber in der Zukunft wartet auch Tolles auf mich, worauf ich mich sehr freue.

ANASTASIA – Das Musical spielt dann ab 15.11. 2018 parallel zum Glöckner in Stuttgart. Könnte es theoretisch passieren, das Du im Notfall noch einmal beim Glöckner-Team aushilfst, falls dort durch Urlaub oder Krankheit Not am Mann ist?

Da kann immer mal passieren. Die Variante gab es vor kurzen, z.B. auch mit David, als alle Quasimodo- Darsteller aus den unterschiedlichsten Gründen nicht verfügbar waren. Es könnte also schon sein, dass es in einem wirklichen Engpass einen Anruf gibt und ich kurzfristig auf die andere Theaterseite wechsle. Aber wirklich nur, wenn gar nichts anderes möglich ist und es sich bei ANASTASIA organisieren lässt. Es ist eher unwahrscheinlich, aber man sollte niemals NIE sagen.

Ist schon bekannt, wie lange ANASTASIA in Stuttgart zu sehen ist?

Derzeit kann man, glaube ich, Tickets kaufen bis zum 31. Mai nächsten Jahres. Solange sind wir also in jedem Fall hier in Stuttgart. Wie das dann weitergeht, werdet ihr sicher im Laufe der Zeit alles noch erfahren.

In ANASTASIA hast Du einige Tanzszenen! Nun ist bekannt, dass Du nicht der leidenschaftlichste Tänzer bist.

Das was wir in ANASTASIA tanzen, das kriege ich ganz gut hin. Wir müssen Charleston, Quickstepp und Walzer tanzen, das kann ich ganz gut und es macht mir in dem Stück auch sehr viel Spaß. Extra- Tanzstunden oder Proben werde ich da nicht brauchen.

Da fällt uns ein, dass immer noch die versprochene Tanzstunde mit Maximilian Mann aussteht. Wird es die vorher noch geben? Vielleicht als Abschiedsgeschenk, für die Glöckner-Fans? Hinterher wäre es sicher nicht mehr ganz fair, denn dann wirst Du besser tanzen können als Fred Astaire und der arme Maximilian hätte null Chance!

Oh mein Gott ja, das hatte ich schon ganz vergessen. Es stimmt, da war noch was. Ich werde mir da zum Abschied sicher etwas lustiges einfallen lassen. Lasst euch überraschen.

Lieber Milan einen ganz lieben Dank für die Zeit, die du uns und somit unseren Lesern mit diesem ersten exklusiven Interview geschenkt hast. Es war wieder sehr unterhaltsam, interessant und spaßig mit Dir zu talken. Wir wünschen dir für deine letzten Glöckner-Shows alles Gute und dass es keine Verletzungen gibt. Ja, und natürlich für die Proben und die anstehenden neuen Aufgaben bei ANASTASIA – Das Musical ganz viel Energie und Spaß. Wir sehen uns zur Premiere und in der ein oder anderen Show, um dich bei Deinem Abenteuer zwischen Sankt Petersburg und Paris zu begleiten.
TOI TOI TOI

Für alle die nun richtig neugierig geworden sind und Milan und seine Kollegen Live on Stage erleben möchten, gibt es die Tickets hier:

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Kategorie: Anastasia,Interviews

Tags:

Autor: I. Marquardt(23.08.2018)

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