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ALTAR BOYZ – Premiere des Boyband-Musicals in Berlin

Am gestrigen Abend rockten die Jungs von ALTAR BOYZ erstmals die Bühne in der Berliner Bar jeder Vernunft. Das Musical erzählt mit poppigen Rhythmen, flotten Choreografien und einer großen Portion Humor von der titelgebenden katholischen Boyband. Musical1 berichtet von der Deutschlandpremiere. ​

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ALTAR BOYZ Szenenbild
ALTAR BOYZ © OFFstage Germany

Der Off Broadway-Erfolg erstmals in Deutschland

Ein Musical über eine katholische Boyband? Was zunächst etwas befremdlich klingt, war in den USA viele Jahre lang ein großer Erfolg. In New York feierte ALTAR BOYZ, das aus der Feder von Gary Adler, Michael Patrick Walker (Musik), Kevin Del Aquila (Textbuch), Marc J. Kesser und Ken Davenport (Idee) stammt, 2004 im Rahmen eines Festivals Premiere. Von 2005 bis 2010 brachte die Show es am Off Broadway auf mehr als 2000 Vorstellungen.

Mit deutschen Texten von Laura Friedrich Tejero ist ALTAR BOYZ nun erstmalig in Deutschland zu sehen. Das Stück ist die zweite Produktion des gemeinnützigen Vereins OFFstage Germany e.V., der sich zur Aufgabe gemacht hat, Off-Musical nach Deutschland zu holen.
Wie bereits THRILL ME im vergangenen Jahr wurde auch ALTAR BOYZ von Michael Heller inszeniert, mit dem wir bereits im Interview über das Stück gesprochen haben. Lidia Kalendareva übernimmt gemeinsam mit Alin Cristian Oprea die musikalische Leitung der fünfköpfigen Band, die das Stück live begleitet.

Altar Boyz Logo Quer

© OFFstage Germany

Ein Konzert im Musical

Einer klassischen Handlung folgt ALTAR BOYZ nicht. Stattdessen ist das Stück aufgemacht als letzte Show der Boyband auf ihrer „Sensation Christ Tour“. Das Publikum wird daher durch den Abend begleitet, wie es auf einem echten Konzert der Fall wäre: Die Sänger präsentieren verschiedene Songs und lockern ihre Vorstellung dazwischen durch kleine Anekdoten und Showeinlagen auf. Dennoch lernt man die einzelnen Figuren durch teils sehr persönliche Lieder und Geschichten und durch ihr Verhalten untereinander recht gut kennen. Die Thematik der Freundschaft der fünf Jungs zieht sich durch das Stück und sorgt dafür, dass es trotz der eher losen Handlung ein Ende gibt, welches die Show gut abrundet.

Kirche und Boybands – Das funktioniert?

Die thematische Kombination aus katholischer Kirche und Boybands mag bei einigen Menschen Verwunderung oder Skepsis auslösen – Immerhin ist Religion, besonders in humorvoller Darstellung, nicht gerade traditioneller Musicalstoff und Boybands sind trotz ihres allgemeinen Erfolgs nicht jedermanns Sache.
Doch ALTAR BOYZ gelingt es so geschickt, die beiden Themen zu vereinen, durch intelligente Witze auf bekannte Klischees anzuspielen und vor allem, sich selbst nicht wirklich ernst zu nehmen, dass mit diesem Stück jeder lachen kann – Boyband-Fans und Katholiken, aber auch diejenigen, die es nicht sind. Eine Portion Selbstironie, nicht nur seitens der Darsteller, kann natürlich nicht schaden, doch ernsthaft kritisch oder beleidigend wird das Stück nie. In erster Linie ist es Musical-Comedy.
Um einige der Anspielungen zu verstehen, ist es sicherlich auch hilfreich, ein wenig „Boybanderfahrung“ zu haben und etwas über die katholische Kirche zu wissen. Viele Witze funktionieren jedoch auch aus sich selbst heraus gut.

ALTAR BOYZ Szenenbild

© OFFstage Germany

Unterhaltung garantiert

Ob man es nun als augenzwinkernde Kritik oder humorvolle Hommage sieht – ALTAR BOYZ ist Musical-Comedy und Parodie vom Feinsten.
Das fängt schon an bei der betont coolen „Boyband-Sprache“ bestehend aus Vokabeln wie „Yo!“, Bro“, „Swag“ und „Yeah“, die von den Darstellern konsequent durchgezogen wird und zum Schmunzeln bringt. In Kombination mit den engen glitzernden und glänzenden Outfits, den flotten Pop- und HipHop-Choreografien und den eingängigen Rhythmen und Melodien könnten die Jungs auf der Bühne wie eine Fusion der bekannten Boybands der 90er-Jahre wirken, was schon alleine äußerst unterhaltsam wäre.
Doch erst durch die Kombination mit den religiösen Elementen entsteht ein Großteil des Witzes von ALTAR BOYZ, etwa wenn die Jungs sich während ihrer Choreografien bekreuzigen oder in einem flotten Song Bibelgeschichten nacherzählen. Viele bekannte Klischees über Boybands und die katholische Kirche fließen auf unterhaltsame Art in die Songs und Gespräche der Bandmitglieder ein.

ALTAR BOYZ Szenenbild

© OFFstage Germany

Bunte Mischung an Figuren

Wie jede gute Boyband bestehen auch die ALTAR BOYZ aus sehr unterschiedlichen Typen. Matthew ist der Frontmann und wirkt mit seinem strahlenden Lächeln wie der Traumprinz schlechthin, während Luke nicht unbedingt der hellste in der Truppe und dem Alkohol recht zugeneigt ist. Juan verzaubert das Publikum mit lateinamerikanischen Charme und spanischen Akzent, Mark hat ein (recht offensichtliches) Geheimnis und Abraham? Der ist eigentlich Jude und nur durch Zufall in der Band.
Alle Figuren sind überzeichnet, bedienen so einige (Boyband-)Klischees und haben ihre eigenen Running Gags. Das Stück an sich ist schon herrlich komisch, doch diese fünf Jungs runden es ab zu einem Musical, das einen kaum aufhören lässt zu lachen.

Die perfekte Besetzung

Man hätte sich kaum eine bessere Premierenbesetzung für ALTAR BOYZ vorstellen können als Tobias Bieri (Matthew), Martin Mulders (Mark), Christopher Bolam (Luke), Daniel Tejeda (Juan) und Tom Schimon (Abraham). Alle fünf verkörpern ihre Rollen mit so viel Charme und Charakter, dass man ihnen die Darstellung sofort abnimmt, aber auch mit der der nötigen Portion Witz und Selbstironie, die es bei solch teilweise überzeichneten Figuren braucht. Das Stück fordert von ihnen schauspielerisches Talent, harmonischen, aufeinander abgestimmten Gesang, der ihnen dennoch ab und an erlaubt herauszustechen, und Exaktheit und Rhythmusgefühl bei den Choreografien. Mit all dem können die Darsteller dienen, doch vor allem überzeugen sie allesamt durch Charisma und Witz, mit dem sie das Publikum schnell für sich gewinnen können.
Hervorgehoben sei hier Martin Mulders, der mit „Epiphanie“ das wohl anspruchsvollste Solo im Stück hat und es mit seiner mehr als beeindruckenden Stimme großartig meistert.

ALTAR BOYZ Szenenbild

© OFFstage Germany

Lob an das Kreativteam

Ein Stück wäre nichts ohne die Darsteller, doch ohne das Kreativteam hinter ALTAR BOYZ wäre die Show ebenfalls nicht dieselbe.
Michael Heller und Christopher Bolam sind abwechslungsreiche, flotte und nicht selten anzügliche Choreografien gelungen, die sowohl zur Hommage an klassische Boybands als auch zum intelligenten Humor des Stückes passen und mitunter beeindruckend anzusehen sind. Auch die von Michael Heller ausgewählten Kostüme mit Sinn fürs Detail und Witz tragen ohne Frage zu der unterhaltsamen Optik des Stückes bei und sind ebenfalls Teil der Anlehnung an den „Boyband-Style“.

Ein besonderes Lob unsererseits gilt Laura Friedrich Tejero für die deutschen Texte. Die Musicaldarstellerin übernahm bereits die schwierige Aufgabe einer Übersetzung des Hiphop-Musicals IN THE HEIGHTS von HAMILTON-Autor Lin-Manuel Miranda und erhielt dafür großes Lob.
Auch ihre Übersetzung von ALTAR BOYZ ist unserer Meinung nach mehr als gelungen. Das Stück lebt von starken Rhythmen, auch im Gesang, die in der deutschen Version genauso eingängig und auf den Punkt sind wie im Original. Vor allem aber enthält die Show eine Menge Wortwitze, ohne die einige Songs nicht halb so lustig wären. Laura Friedrich Tejero gelingt es ausgesprochen gut diese zu erhalten und dem Humor des Originals ihren eigenen Schliff zu verpassen. Zum Teil modernisiert sie die Texte auch behutsam und passt sie an das Jahr 2019 und das deutsche Publikum an.

Lassen auch Sie sich von den ALTAR BOYZ bekehren!

Wer nun neugierig geworden ist, sollte sich schnell Karten besorgen, denn es sind leider nur wenige Vorstellungen von ALTAR BOYZ geplant:

  • 17.-20. Januar in Berlin (Bar jeder Vernunft)
  • 21.-24. März in Berlin (Bar jeder Vernunft – Vorverkauf ab 20.01.)
  • 20.-22. April in Hamburg (First Stage Theater)
Tickets für ALTAR BOYZ in Berlin
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Wir können einen Besuch nur empfehlen, wenn Sie einen Abend lang herzlich lachen und von den charmanten und talentierten Darstellern großartig unterhalten werden möchten.

 

Kategorie: Kritiken

Tags: Berlin, Hamburg

Autor: C. Hain(16.01.2019)

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