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Ein fast normaler Tourstop von FAST NORMAL

Ein Musical, das eben FAST NORMAL ist, wobei sich dieses "fast" in mehreren Dingen äußert. Ein Stück, das keine seichte Unterhaltung mit einem Ohrwurm nach dem nächsten bietet, sondern sich sensibel an das Thema einer psychischen Erkrankung herantastet. Aktuell tourt das Stück mit einem Ensemble der Hamburger Kammerspiele durch Deutschland.

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Fast normal/ next to normal in der Version der Hamburger Kammerspiele
Fast normal/ next to normal in der Version der Hamburger Kammerspiele © Bo Lahola

Ein nachdenklicher und berührender Musicalstoff

Im Oktober 2013 wurde das Musical FAST NORMAL / NEXT TO NORMAL erstmals in deutscher Sprache am Stadttheater in Fürth aufgeführt und erhielt nicht zuletzt auch wegen der durchweg prominenten Besetzung große Aufmerksamkeit. Danach folgten zahlreiche weitere Aufführungen an Stadttheatern. Im Norden wurde das Stück bereits 2016 an den Hamburger Kammerspielen gezeigt und ist in ebendieser Version aktuell auf den Programmplänen einiger kleinerer Stadttheater zu sehen. Musical1 hat sich das Musical mit der Musik von Tom Kitt in Saarlouis angesehen.

Eine ganze Familie betroffen von einer Diagnose

Diana Goodman leidet seit 16 Jahren an einer bipolaren Störung verbunden mit Wahnvorstellungen, dennoch versucht sie erfolgreich den Alltag für ihren Mann Dan und ihre Tochter Natalie zu meistern. Doch immer wieder stößt sie dabei an ihre Grenzen und führt Gespräche mit ihrem als Kleinkind verstorbenen Sohn, der ihr Leben begleitet. Sie begibt sich in medizinische Behandlung bei mehreren Ärzten, mit Psychotherapie, Medikamenten, schließlich sogar Elektrokrampftherapie. Diana schwankt zwischen Manie und Depression, einem Auf und Ab, was auch an ihrer Tochter und deren sich anbahnender Beziehung mit Henry und ihrer Ehe mit Dan nicht spurlos vorbeigeht.

Während ein großer Teil von Musicals mit einem tanzenden Ensemble in meist schillernden Kostümen daherkommt, ist FAST NORMAL dagegen ein starker Kontrast. Ganz reduziert auf eine Diagnose, die eine ganze Familie betrifft und mit nur sechs Bühnendarstellern auskommt. Am Abend des 23. März und auch bei der besuchten Vorstellung am 24. März hatte das Ensemble zudem noch mit einem ganz anderen Umstand zu kämpfen, nämlich dem krankheitsbedingten Ausfall der Hauptdarstellerin Carolin Fortenbacher, der an dieser Stelle gute Besserung gewünscht sei. So war ein kurzfristiges Anpassungstalent von keiner Geringeren als Pia Douwes gefragt, die sich sehr kurzfristig bereit erklärte die beiden Vorstellungen zu übernehmen und für eine andere Inszenierung in den Ring zu steigen.

Die Bühne tief und schwarz – ein Blick in die Psyche?

Die sechs Personen auf der Bühne sind nicht nur gedanklich miteinander verknüpft, sondern auch durch die Musik. Mal rockig, mal leise, das fünfköpfige Liveorchester trifft jeden Ton, der die Handlung voranbringt und die Phasen einer bipolaren Störung akustisch verdeutlicht. Dianas und Dans Sohn, der bereits wenige Zeit nach seiner Geburt verstarb, aber in ihren Gedanken keinesfalls verstummte, wird sehr präsent von Dennis Hupka gespielt. Die Goodman-Tochter Natalie (Alice Hanimyan) ist mitten in der Pubertät und weiß zwischen Klavierüben, ihrer kranken Mutter und ihren Freund Henry (Jan Rogler) manchmal nicht, wo ihr der Kopf steht. Vermeintlich selbstbewusst flüchtet sich Natalie in einen Rausch aus Drogen und den Medikamenten ihrer Mutter. Jan Rogler, als Henry diesen Substanzen anfangs auch nicht ganz abgeneigt, gelingt es auf sensible Art Natalie zurück auf den richtigen Weg in ihre fast normale Familie zu führen. Ihm nimmt man diese Wandlung dabei ein Stück mehr ab als Hanimyan, deren Natalie bereits im ersten Akt stark aufdreht und fast hyperaktiv über die Bühne fegt.

Wenn Diana von “Mein Arzt, die Psychopharmaka und ich – eine Menage a trois” singt, könnte man in diesem Beziehungsdreieck fast ihren Mann Dan, gespielt von Robin Brosch aus den Augen verlieren. Aber auch nur fast, denn Brosch, u.a. auch Gründer der Joop van den Ende Academy, ist eine starke Stütze an Dianas Seite und für das ganze Stück. Unsicher im Umgang mit Dianas Krankheit und selbst nicht ganz über den Verlust des Sohnes hinweg, stellt er sich den Herausforderungen und Rückschlägen und vertraut den Vorschlägen des Arztes Dr. Madden. Madden (Tim Grobe in einer Ärztedoppelrolle) ist ein Psychiater wie man ihn sich vorstellt mit einer durchdringenden sonoren Sprech- und Singstimme, die sich direkt in die Psyche des Patienten bohrt und mit einem ganz leichten Hang zur Exzentrizität.

Und schließlich ist da noch Pia Douwes, die die große Herausforderung annahm und nach, wenn überhaupt wenigen Stunden Probenzeit in einer ihr komplett unbekannten Inszenierung von FAST NORMAL auf der Bühne stand.

© Thomas Langer (Stadttheater Fürth)

Douwes kreierte die Rolle der Diana Goodman bei der deutschen Erstaufführung und ist auch auf der veröffentlichen CD zu hören. Mit ihrer Stimme, die bereits auf CDs starke Emotionen zu transportieren vermag und die einem beim Liveschauspiel noch viel mehr berührt. Zudem eben ganz ein Vollblutprofi, dem man nicht vorhandene Probenzeit im Umgang mit Requisiten, Auf- und Abgängen und einer anderen Choreografie einfach überhaupt nicht anmerkt.

 

 

 

FAST NORMAL ist ein Stück, das sich aus der Musicallandschaft abhebt und sich auf das unübliche Feld der psychischen Störungen heranwagt, mit einem kleinen familiären Ensemble und einer besonderen musikalischen Umrahmung. Die Inszenierung der Hamburger Kammerspiele ist noch bei folgenden Tourstops zu sehen: 28.März 2018 Neumünster, 06.April 2018 Wolfsburg, 08.April 2018 Herford, 11.April 2018 Lüdenscheid, 12.April 2018 Wolfenbüttel, 13.April 2018 Hameln und am 15.April 2018 in Wörth am Rhein.

Kategorie: Next to Normal,Tour Musicals

Autor: N. Kroj (25.03.2018)

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