Jetzt Tickets kaufen

3 FRAGEN AN: Uwe Kröger

Bei unserem letzten Aufenthalt in Füssen haben wir die Pause des Musicals LUDWIG² für Euch genutzt, um uns mit Uwe Kröger zu unterhalten. In unserem neuen Format: 3 FRAGEN AN befassen wir uns mit seiner aktuellen Produktion, sowie den zwei kommenden Premieren in diesem Jahr. Sympathisch, ausführlich und ehrlich berichtet er über seine Rolle des Arztes Dr. Gudden und auf welches Debüt er sich dieses Jahr besonders freut.

Diesen Beitrag teilen

Uwe Kröger als Dr. Gudden
Uwe Kröger als Dr. Gudden © Michael Boehmlaender

ARTUS EXCALIBUR – eine Sommerpremiere

Musical1: Fangen wir mit einer Sommer-Produktion an: ARTUS EXCALIBUR. Dieses Stück wird bei den Schlossfestspielen in Zwingenberg im Juli aufgeführt. Wenn man Dich als Künstler wahrnimmt, dann ist ein Name mit Deinem scheinbar untrennbar verbunden: Pia Douwes. Auch sie wird in Zwingenberg auf der Bühne stehen.* Kannst Du uns ein bisschen was zu dem Stück verraten?

Uwe Kröger Pressefoto

© Stefan Gergely

Uwe Kröger: ARTUS EXCALIBUR ist ein Stück von Frank Wildhorn. Er hatte damals für die österreichische Uraufführung von DRACULA zwei Songs für mich geschrieben, einmal Roseanne und das Duett Zu Ende. Frank Wildhorn ist für mich ein kleiner Mozart der heutigen Zeit. Er ist jemand, der dir ganz „nebenbei“ ein Lied schreibt. „Brauchst Du noch einen Song?“ In der Nacht macht er dir das Lied fertig. (lacht)
Ich weiß gar nicht, wie er das macht. Jeder Titel klingt anders und es sind immer große Balladen. Das ist das eine, das andere ist: Die Artus-Sage hängt mir am Herzen – ich liebe das.

Einer für alle – alle für einen

Es gibt einen Film mit Keira Knightley, in dem die Geschichte etwas moderner erzählt wird. In der Artus-Sage geht es darum, Mut zu haben, an jemanden zu glauben, eine bestimmte Handschlagqualität zu beweisen: Einer für alle – alle für einen. Es ist ein bisschen wie die drei Musketiere, wenn man so will. ARTUS ist für mich ein ganz spannendes Thema, ebenso dort die Rolle des Merlin zu spielen. Ich liebe solche Rollen, da habe ich einen Hang zu. (lacht)

In ARTUS EXCALIBUR geht es u. a. auch um die ganzen Gottheiten, was mich dann auch wieder an DIE PÄPSTIN erinnert. Meine Rolle dort, Aeskulapius, ist irgendwie auch ein Merlin. Man weiß nicht genau, wo er herkommt oder ist er gar göttlich? Bei Herr der Ringe würde ich zum Beispiel sofort den Zauberer Gandalf spielen – das ist gar keine Frage (lacht).

„Die Kulisse ist unglaublich“

Daher ist es ein ganz tolles Thema und die Kulisse ist unglaublich. Es wird open-air gespielt, in einer Burg. Das passt zu der Zeit – was ich super finde. Mit Pia singe ich dort ein außergewöhnliches Duett, es heißt Begehren. Tatsächlich gibt es nicht so viele Stücke, in denen wir ein Duett haben. Häufig sind wir auf der Bühne und leben aneinander vorbei. Wir haben auch hier in Füssen schon zusammen gespielt, sind aber nicht in einer einzigen Szene zusammen auf der Bühne – das ist auch ganz lustig. Ich glaube, dass das wirklich eine großartige Produktion wird. Mit Nikolaj (Alexander Brucker), der die Rolle des Artus übernimmt, habe ich das PHANTOM DER OPER in Essen gespielt – er war Raoul. Ich freue mich darauf!

*Anmerkung der Redaktion/Uwe Kröger: Pia Douwes musste leider aus Krankheitsgründen – sie verarbeitet gerade den Tod ihres Vaters – in Zwingenberg absagen. Die wundervolle Caroline Stranka-Frank übernimmt die Rolle der Morgana.

LUDWIG² und Dr. Gudden

Musical1: Aktuell spielst Du in LUDWIG² die Rolle des Arztes und Psychiaters Dr. Gudden. Kannst Du die Rolle und den Hintergrund für alle Leser, die das Stück noch nicht gesehen haben, bitte beschreiben?

Uwe Kröger: Ich persönlich kenne die anderen vorangegangenen Versionen des Musicals nicht, daher kann ich jetzt nur von dieser Produktion sprechen. Ich finde es aber ganz schön, wie es sich jetzt entwickelt hat. Ich bin quasi der Schlüssel zwischen den Zuschauern und Ludwig für das Verständnis, was normal und was verrückt ist. Ab welchem Punkt verkauft man für eine Sache seine Seele? Was passiert in den Dialogen mit Ludwig? Da ist die Erkenntnis, einen Fehler gemacht zu haben, denn er hat etwas verraten – verkauft – weil die Machtmittel da waren. Das ist heute auch nicht anders, die Politik ist ja ein einziges Machtspiel.

Die Psychiatrie war eine junge und unerfahrene Wissenschaft

Gerade in dieser Zeit, in der die Psychiatrie noch eine so junge und unerfahrene Wissenschaft war, greift dieses Stück hier ein bisschen voraus. Es zeigt, dass der Therapeut selbst nach Opiaten süchtig war. Daran scheiternd und nach der Erkenntnis suchend erfährt er, dass er eigentlich die Wahrheit die ganze Zeit vor der Nase hatte. Er hat einen großen Mann – einen König – vor sich und es lange nicht gesehen. Und dann ist da dieses Wort: „Verrückt“ oder die Frage: „Was ist schon normal?“

Das ist ein ganz interessantes Thema für mich, da all meine Stücke, die ich in der letzten Zeit gespielt habe, damit zu tun hatten. Es mangelt an Respekt, wenn man, nur weil jemand anders ist, diesen be- und verurteilt.

Dr. Gudden – Uwe Kröger

©imarquardt

Es ist auch ein sehr surrealistisches Stück. Man greift vielen Dingen voraus, da die Psychotherapie zu dem Zeitpunkt bei weitem nicht so ausgereift war. Aber es ist spannend zu spielen, durch die Dialoge mit dem König und der Art und Weise, wie Gudden denkt. Wie nimmt er die Aufgabe wahr, die er hat, und wie die große Schuld, mit der er dann leben muss? Welche Opfer muss man bringen und was ist noch legitim? Das ist ja heute auch nicht anders. Man darf eines nicht vergessen: Einen König abzusetzen, so wie das hier passiert ist, das ist Hochverrat. Darauf hätte eigentlich der Tod gestanden. Letztendlich sterben beide, man weiß bis heute nicht, warum die zwei am Ende tot im See lagen. Die Leichen sind ja gefunden worden. Wir „spinnen“ uns da ein bisschen was zurecht – wenn man so möchte – erfinden aber nichts. Wir sind schon sehr nah an dem, was auch die Autoren, die Ludwig-Anhänger und die Familie unterstützen. Sonst wäre das gar nicht machbar, diese Geschichte so zu erzählen. Er ist immerhin eine historische Figur. Ich glaube, dem Ganzen wird dadurch sehr viel Respekt gezollt.

Verbote sind ein Thema der jeweiligen Zeit

Ich habe beispielsweise einmal selbst in einer Jugendpsychiatrie gearbeitet. Ich habe dem Chefarzt damals die Frage gestellt: „Entschuldigung, alles was ich hier sehe, alles was als verhaltensauffällig gilt – das tue ich auch. Warum sind diese Menschen jetzt auffällig und ich nicht?“ Die Antwort war: „Das ist eine Frage der Häufigkeit, eine Frage der Intensität und eine Frage der Erkenntnis, was daraus anders wird. Ob man es überhaupt verändern kann.“

Die eigenen Muster sind ja nie wirklich veränderbar, aber man kann ein Wissen darüber aufbauen und versuchen, gewisse Dinge zu umgehen – aber auch daran scheitern. Es gibt bestimmte Hemmschwellen, die der Mensch hat. Da habe ich echt einiges gelernt. Daher versuche ich, meinen Zugang zu dieser Thematik mit in die Rolle einfließen zu lassen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass zu dem Zeitpunkt dieser Geschichte, vor ca. 150 Jahren, die Einnahme von Opiaten legal war. Man konnte sämtliche Giftstoffe und Drogen ganz normal in der Apotheke kaufen. Die Geschichte der Opiate ist eine ganze einfache, gerade in der Psychiatrie wurden sie viel benutzt. Das diese süchtig machen und eine Sucht als Krankheit gilt, das kannte man damals einfach nicht. Deswegen ist das ein Thema, was mich persönlich sehr interessiert und was ich schon lange kenne. Darauf gekommen bin ich, als ich auf einer Modemesse in Los Angeles war und dort eine T-Shirt Firma, mit Original-Werbungen aus der Zeit, ihre Shirts vorgestellt hat; z.B. Zigarren gegen Keuchhusten. Gerade Tabak und Alkohol sind suchtfördernd und heutzutage legal – was für eine bigotte Zeit. Es wird aber akzeptiert, da der Staat mit den Steuern daran verdient. Beispielsweise ist allerdings Marihuana als Pflanze heilend, wenn man bestimmte andere Stoffe rausnimmt. Jedoch ist sie als Hilfsmittel in der Medizin noch immer verboten, obwohl es u. a. bei Krebserkrankungen nachweislich das Leiden lindern könnte. Deswegen finde ich das in diesem Stück ganz interessant, denn es zeigt, dass Verbote immer ein Thema der jeweiligen Zeit und der Umgebung sind.

„Das hätte Ihnen jedes Kind sagen können – Ja, aber nicht jeder König“

Dr. Gudden

© Peter Samer

In der letzten Szene, da greife ich jetzt ein bisschen vor, weiß man nicht wo wir sind. Sind wir in der Transzendenz, sind wir kurz davor, bevor die Seelen ins Licht gehen, sind wir schon tot? Wir sind barfuß – ist das schon der Zustand nach dem Tod? Das weiß man nicht. Ich behaupte, dass wir uns schon „im Danach“ befinden. Nur die Frage der Schuld und Vergebung ist noch nicht gelöst. Deshalb müssen diese beiden Seelen noch einmal miteinander umgehen, um dann am Ende erlöst zu sein. Und dann kommt der Satz, in dem der König im Prinzip die Schuld von Gudden nimmt. Am Ende sagt Gudden auf die Aussage des Königs, „Das hätte Ihnen jedes Kind sagen können“: „Ja, aber nicht jeder König.“ Es ist fast so, als wäre Ludwig plötzlich der Therapeut für Gudden.
Er erkennt, wie groß, weise – und vielleicht nicht geeignet für diese Welt – Ludwig war; aber eben ein unglaublicher König. Das wird im Prinzip durch Gudden noch verstärkt. Es ist wahnsinnig kompliziert zu erklären, man muss es sich anschauen.

Regie-Debüt im Theater Hof

Musical1: Du wirst noch ein Debüt in der Spielzeit 2019/2020 haben. Im Theater Hof wirst Du erstmalig Regie führen. Wie ist diese Zusammenarbeit zustande gekommen?

Uwe Kröger: Der Intendant, Reinhardt Friese, ein ganz, ganz lieber und toller Mensch, hat mich über Facebook angeschrieben und ich habe das nie so ganz ernst genommen. (lacht)

Irgendwann kam dann die Bitte: „Können Sie mich anrufen?“ Ich habe ihn dann zurückgerufen. Da sagte er: „Wir hätten gerne, dass Sie Regie bei uns führen – und zwar für SPAMALOT.“ Und ich reagierte erschrocken: „Regie? – Gerne. Aber warum muss es denn gleich SPAMALOT sein?“

Monty Python's Spamalot – Pia Douwes und Uwe Kröger

© Anna-Maria Löffelberger

Ich hatte das gerade gespielt – mit Andreas Gergen – in einer unglaublich tollen Inszenierung mit Kim Duddy (Choreographie) und Pia. Und ich hatte Angst davor. Das war das Eine. Und zweitens habe ich zu ihm gesagt: „Ich habe noch nie Regie geführt.“ Obwohl ich für all die Konzerte, die ich gebe, immer das Buch geschrieben hatte. Ich dachte einfach, ich kann nicht Regie führen; ich wäre dann ein Hochstapler – das geht nicht.

Es ging alles sehr früh los – ein Jahr vor der Produktion. Ich kam zum ersten Treffen – sprich die erste Sitzung – und wusste genau, was ich zu erzählen habe. Die erste Bauprobe war voll mein Ding. (lacht) Daher bin ich sehr gespannt, aber auch sehr nervös. Es ist ein tolles Haus in Hof!

Wir danken Uwe Kröger und Kristin Backes vom Festspielhaus Füssen herzlich dafür, dass sich beide in der wohlverdienten Pause die Zeit für das Interview genommen haben. Wer Uwe Kröger dieses Jahr noch live auf der Bühne erleben möchte, hat die Qual der Wahl zwischen ganz vielen besonderen Stücken.

Zu den Tickets für LUDWIG²
Zu den Tickets für LUDWIG²
Zu den Tickets für DIE PÄPSTIN
Zu den Tickets für DIE PÄPSTIN

Kategorie: Interviews

Tags: Füssen

Autor: M. Rose(13.07.2019)

Diesen Beitrag teilen

Monatlicher Musical-Newsletter

Erhalten Sie einmal im Monat kostenlos die wichtigsten Musical-News im Überblick: Welche neuen Musicals laufen wo? Welche tollen Musical-Angebote gibt es? Verpassen Sie keine Hinweise mehr!

Die Abmeldung von dem Newsletter ist jederzeit möglich.

Kommentar hinterlassen

Hiermit stimme ich zu, dass meine Angaben aus dem Kommentarformular zur Beantwortung meiner Antwort erhoben und verarbeitet werden. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info@musical1.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Newsletterhinweis schließen
Musical1 Newsletter
Zusammengefasste Musical-News
Hinweise auf gute Musical-Angebote
Regelmäßige Ticketverlosungen
Musical-Neuerscheinungen
Sicherheit des Newsletters