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KU‘DAMM 56 – DAS MUSICAL: Frischer Wind und große Gefühle bei der Weltpremiere in Berlin

Seit dem 28. November 2021 ist das erfolgreiche Fernsehdrama KU‘DAMM 56 nun auch auf der Musicalbühne zu sehen, unter anderem mit Sandra Leitner und David Jakobs in den Hauptrollen. Die umjubelte Premiere zeigt: Mit modernem Sound und interessanten Themen bringt KU‘DAMM 56 - DAS MUSICAL frischen Wind in die deutsche Musicalszene.

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Plakat zur Weltpremiere von KU'DAMM 56 - DAS MUSICAL

Vom Fernseherfolg auf die große Musicalbühne

Das dreiteilige Fernsehdrama KU‘DAMM 56, produziert von UFA Fiction für das ZDF, war 2016 ein beeindruckender Publikumserfolg. Erzählt wird die Geschichte der Familie Schöllack im Berlin der 50er-Jahre: Mutter Caterina und ihre drei Töchter Monika, Helga und Eva. Am Beispiel der Schöllacks und der Männer in ihrem Leben thematisiert die Serie Sexualität und Geschlechterrollen, den Generationenkonflikt und die Rebellion gegen konservative Normen. Sie erzählt von Frauen, die versuchen, ihren Weg in einer Gesellschaft zu finden, die es ihnen nicht immer leicht macht.

Peter Plate, Annette Hess und Ulf Leo Sommer

© Ferran Casanova

Starke Frauen, große Gefühle und spannende Konflikte — Ein Stoff, der wie für ein Musical gemacht ist. Peter Plate und Ulf Leo Sommer waren sofort Feuer und Flamme, als Serienautorin Annette Hess ihnen vorschlug, das Fernsehdrama auf die Bühne zu bringen. Das Komponisten-Gespann ist eine regelrechte Institution der deutschen Musikszene. Seit mehr als 30 Jahren schreiben sie gemeinsam Songs, unter anderem für das Duo Rosenstolz (dem Plate auch angehört), Sarah Connor und Max Raabe. Auch Musicalerfahrung haben sie mit ROMEO UND JULIA und BIBI & TINA — DIE GROSSE SHOW bereits gesammelt. Gemeinsam mit Hess, die für ihre Drehbücher zu WEISSENSEE und der KU‘DAMM-Reihe unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde und das Libretto des Musicals verfasste, schufen sie nun KU‘DAMM 56 – DAS MUSICAL. Am 28. November 2021 feierte das Stück im fast vollbesetzten Theater des Westens in Berlin Premiere.

Moderner Sound und musikalische Vielfalt

Das Musical und das dazugehörige Album machen deutlich, dass hier zwei echte Pop-Legenden am Werk waren. Plate und Sommer wollten bewusst nicht mit der Musik der 50er-Jahre oder dem klassischen Musical-Sound der 80er-Jahre arbeiten. Stattdessen wählten sie einen frischen, modernen Zugang, der mehr als gelungen ist. Viele der Stücke erinnern eher an zeitgenössische Popmusik und lassen den Stil des Duos erkennen; sie gehen ins Ohr und laden zum Mitsingen ein, wie guter Pop es tun sollte. Anstelle eines Orchesters wird das Musical daher von einer Band begleitet, die mit auf der Bühne steht.

Ensemble von KU'DAMM 56 - DAS MUSICAL

© Jörn Hartmann, Dominic Ernst

Was die Musik von KU‘DAMM 56 – DAS MUSICAL jedoch besonders auszeichnet, ist ihre Vielfalt, durch die sie zu den vielseitigen Figuren passt, deren Geschichte sie erzählt. Der im Stück thematisierte Generationenkonflikt spiegelt sich beispielsweise im Kontrast zwischen dem klassischen Gesang von Mutter Caterina und den eher poppigen Songs der Töchter oder dem Rocksong „Mutter Brause“ wider. Der scheinbar sorglose Frauenheld und Partylöwe Freddy darf eine flotte Nummer über seine Verflossenen zum Besten geben, während „Zügellos“, gesungen von dem tyrannischem Waffenfabrikanten Otto Franck, passenderweise an einen Marsch erinnert. Und dann ist da noch „Berlin, Berlin“, die Pop-Hymne, die der schrecklich-schönen Stadt ein wunderbares Denkmal setzt und die das Publikum nach den Standing Ovations zum Schlussapplaus lauthals mitsingen durfte. Schade war speziell während der Premiere lediglich, dass bei den Ensemblenummern die Band teils den Gesang übertönte und die Texte daher schwer zu verstehen waren.

 

“Es muss wehtun” – Nostalgie sucht man bei KU'DAMM 56 vergeblich

Doch bei all der guten Laune, die die Musik und die komischen Szenen des Stückes zum Teil wecken, ist KU‘DAMM 56 – DAS MUSICAL weit davon entfernt, ein reines Wohlfühl-Stück für die ganze Familie zu sein. Im Gegenteil: Wie auch die Serie präsentiert es bewusst kein nostalgisch-perfektes Bild der 50er-Jahre sondern die zum Teil harte Realität. Das Trauma des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs ist den Figuren noch präsent; einige profitierten vom Nazi-Regime und trauern ihm sogar nach. Die Diskriminierung von Homosexuellen und Konversionstherapie spielen eine Rolle, ebenso wie sexuelle Gewalt (inklusive einer Vergewaltigungsszene), die auf eine Weise thematisiert wird, die man durchaus kritisch sehen kann. Wie Hess, Plate und Sommer in einem Interview erklären, soll das Stück nichts verklären. In Hess' Worten: „Es muss wehtun.“

Isabel Waltsgott (Eva), Katja Uhlig (Caterina), Tamara Pascual (Helga) und Sandra Leitner (Monika) in KU'DAMM 56 - DAS MUSICAL

© Jörn Hartmann, Dominic Ernst

Dieses Konzept hat seinen Reiz und macht das Musical zu etwas Besonderem, insbesondere da der Fokus auf den Frauenfiguren liegt. KU‘DAMM 56 – DAS MUSICAL zeigt, wie Frauen (und auch Männer) von sexistischen Geschlechterrollen und ungleichen Machtverhältnissen beeinflusst und eingeengt wurden und auf welch unterschiedliche Arten sie damit umgehen. Helga beispielsweise will zwanghaft ein „Heile Welt“-Image aufrechterhalten und Eva versucht, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen zu ihrem Vorteil auszuspielen. Monika eckt währenddessen mit ihrer unkonventionellen Art an und spielt sich in das Herz des Publikums, je mehr sie dazu steht, dass sie nun mal nicht so ist, wie andere sie haben wollen. Inspiriert sind die drei Schwestern von echten Frauen der Zeit, insbesondere Monika, benannt nach einer Jugendfreundin von Annette Hess‘ Mutter. Hess schreibt dazu im Programmheft: „Es ist so wichtig, von Frauen zu erzählen, die sich nicht abfinden mit Unterdrückung und Gewalt. Von Menschen, die für ihre Rechte kämpfen.“

Zu viel vorgenommen?

Sandra Leitner als Monika und David Jakobs als Freddy in KU'DAMM 56 - DAS MUSICAL

© Jörn Hartmann, Dominic Ernst

Diese guten Intentionen in allen Ehren wirkt das Stück jedoch teilweise inhaltlich überladen und kann nicht all seinen Themen gerecht werden. Beispielsweise erzählt Freddy in einer kurzen Szene von seiner Zeit im Konzentrationslager und der Ermordung seiner Familie. Später spielen das Thema und das sicher damit einhergehende Trauma jedoch keine Rolle mehr.  Auch ein Moment der häuslichen Gewalt, der von einem ansonsten als sympathisch dargestellten Charakter ausgeht, wird nie wieder thematisiert. Die Knappheit, mit der einige recht dramatische Themen und Entwicklungen abgehandelt werden, mag sich durch die Kürze der Zeit im Vergleich zum Fernseh-Dreiteiler erklären. In diesem Fall hätte es dem Stück jedoch möglicherweise gutgetan, einige Themen lieber gar nicht als nur oberflächlich zu behandeln.

 

Vielschichtige Figuren, großartig gespielt

Mit den ernsten Themen des Musicals geht auch eine interessante Ambivalenz der Figuren einher, die das Musical ebenfalls von vielen anderen abhebt und die Figuren sehr authentisch wirken lässt. Während man mit Protagonistin Monika mitfühlt und -fiebert, bewegen sich viele andere Figuren auf dem grauen Spektrum zwischen sympathisch und problematisch. Helga und Eva beispielsweise verdrängen die Nazi-Vergangenheit der Familie — sicher durchaus typisch für die Zeit —; dennoch kann man in anderer Hinsicht mit ihnen mitfühlen. Über Caterina erfährt man, wie schwer sie es hatte, ihre drei Töchter alleine durchzubringen. Ihre Nostalgie dem Nazi-Regime gegenüber und ihr toxischer Umgang mit Monika sind jedoch nur schwer zu verdauen. Joachim dagegen soll das Publikum irritierenderweise anscheinend eine Vergewaltigung verzeihen, wenn später deutlich wird, wie verletzlich und einsam er insgeheim ist.

Beeindruckende Besetzung

Ensemble von KU'DAMM 56 - DAS MUSICAL

© Jörn Hartmann, Dominic Ernst

Dass die meisten dieser Figuren auf der Bühne so wunderbar funktionieren, so real wirken und in dem Publikum ebenjene ambivalenten Gefühle auslösen, ist selbstverständlich zu großen Teilen der großartigen Besetzung zu verdanken. Dank der zauberhaften Sandra Leitner, die uns bereits in der Titelrolle von DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE begeisterte, ist es beinahe unmöglich, Monika mit all ihren Unsicherheiten, Ängsten und ihrer Entwicklung im Laufe des Stücks nicht ins Herz zu schließen. Leitner spielt nicht nur die Rolle äußerst charmant und liebenswert, sondern überzeugt auch mit glasklarem, kraftvollem und emotionalem Gesang. David Jakobs, bekannt unter anderem als Quasimodo in DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME, ist die Rolle des Freddy wie auf den Leib geschneidert. Seine einzigartige Stimmfarbe passt perfekt zu den kraftvollen, rockigen Songs seines Charakters. In der Rolle des Frauenhelden und Partylöwen geht er sichtlich auf und diese Begeisterung steckt an.

Isabel Waltsgott, die die kokette, berechnende und doch auch naive Eva absolut überzeugend verkörpert, legt mit ihrem verspielten Solo „Das kann nur die Rumba“ eine beeindruckende Gesangseinlage hin. Als Schöllack-Matriarchin Caterina gibt Katja Uhlig in „Früher“ imposante Höhen im Opern-Stil zum Besten. Dennis Hupka scheint perfekt für die Rolle des Wolfgang, denn seine Darstellung des jungen Manndes, der darunter leidet, seine Homosexualität verheimlichen zu müssen, ist einfach herzzerreißend. Auch die charmante Tamara Pascual (Helga) und David Nádvornik (Joachim) erwecken die zwanghaft optimistische Schöllack-Schwester und den von Selbsthass und einer schwierigen Familiengeschichte zerfressenen jungen Mann wunderbar zum Leben. In diesem Ensemble gibt es wahrlich keine einzige Schwachstelle.

 

Auch optisch etwas Neues

Visuell ist KU‘DAMM 56 – DAS MUSICAL ebenfalls ein erfrischendes Erlebnis. Die Choreografien, besonders die der schnelleren und rockigen Nummern, sind flott, frech und machen gute Laune. In viele Musiknummern sind Standmikro-Attrappen im Stil der 50er-Jahre eingebaut, was dem Stück teilweise den Stil eines Konzerts verleiht; auch, weil die Figur des Freddy teilweise als Moderator und Frontman der Band zu fungieren scheint.

In Bezug auf Bühnenbild und Kostüme setzt das Stück dagegen nicht auf Opulenz, wie man sie von anderen Musicals kennt. Bis auf die quirlige Helga tragen die Figuren gedeckte Farben und das Bühnenbild erweckt mit den nackten Steinwänden und Gerüsten den unfertigen Eindruck einer Baustelle, die gut die Aufbaustimmung im Nachkriegsdeutschland und den Übergang von alt zu neu symbolisieren könnte, der im Stück thematisiert wird. Auch hier zeigt sich der Wunsch des Produktionsteams, das Berlin der 50er-Jahre nicht als idealisierte Wunschvorstellung zu präsentieren. Bewegung kommt in das eher statische Bühnenbild vor allem durch Requisiten und am Ende eine bewegliche Zwischendecke, deren modernes Lichtdesign jedoch etwas die Ästhetik stört. Ein Tipp für den Musicalbesuch: In dem Stück spielen sich einige relevante Szenen am Rand der Bühne ab, weshalb es vor allem im Hochparkett und den Rängen sinnvoll ist, nicht zu weit am Rand zu sitzen.

Logo KU'DAMM 56 - DAS MUSICAL

Ein Besuch am Ku'damm lohnt sich

Insgesamt ist KU’DAMM 56 – DAS MUSICAL trotz kleinerer Schwächen ein sehenswertes Erlebnis, insbesondere aufgrund der großartigen Besetzung, der frischen, eingängigen Musik und der interessanten Thematik. Wer nun neugierig geworden ist und dem Ku‘damm selbst einen Besuch abstatten will, kann sich das Stück noch bis zum 24. April 2022 im Berliner Theater des Westens ansehen.

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Die Wartezeit bis zum Besuch kann man wunderbar mit dem Album zum Musical überbrücken, welches bereits zum Streamen, auf CD und sogar auf Vinyl erhältlich ist. Einen Vorgeschmack geben auch die Musikvideos auf dem YouTube-Kanal des Musicals.

Wir wünschen dem Team von KU‘DAMM 56 — DAS MUSICAL alles Gute für die restliche Spielzeit und allen Zuschauer*innen viel Vergnügen!

Autor: C. Hain

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