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Eine Powerfrau mit Humor – Yvonne Köstler

Letzte Woche haben wir uns ganz gemütlich mit Yvonne Köstler im Wiener Caféhaus des SI-Zentrums getroffen. Es war ein langes und sehr interessantes Gespräch mit der aktuellen Rebecca aus TANZ DER VAMPIRE.

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Yvonne Köstler - Gebetszene
Yvonne Köstler – Gebetszene © Jan Ammann

Alles andere als typisch

Yvonne Köstler fällt aus dem Rahmen – und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Zum einen entspricht sie schon rein äußerlich nicht dem gängigen Bild einer Musicaldarstellerin, aber auch ihr Weg auf die Musicalbühne ist eher atypisch. Genug Gründe also, genauer nachzuhaken und etwas mehr über die gebeutelte Wirtsfrau Rebecca herauszufinden, die allabendlich Mann und Tochter an die Vampire verliert.

Erste Schritte ins Rampenlicht

Mit einem schnellen Überblick über den Lebenslauf zur Einführung würden wir Yvonne Köstler nicht gerecht werden. Auch wenn sie schon von klein auf gerne Menschen unterhalten hat, ist ihr Weg zur Bühne doch von einigen Umwegen geprägt. „Schon als Kind habe ich in das von meinem Großvater gebastelte Holzmikrofon gesungen und den ganzen Friseursalon unterhalten. Die Leute waren regelrecht enttäuscht, wenn meine Mutter mal ohne mich zum Friseur kam“, erinnert sich die in Halle/Saale großgewordene Darstellerin. Sie habe in Chören gesungen und außerdem sehr intensiv Rhythmische Sportgymnastik betrieben. Zwar sei ihr Vater Kulturattaché gewesen, aber dennoch war es in der damaligen DDR nicht einfach ohne entsprechende Kontakte in der Theaterszene Fuß zu fassen. Aus diesem Grund entschied sie sich (ziemlich genau zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung) für einen Realschulabschluss und eine Ausbildung zur Floristin. Ihre Lehre machte sie „in den alten Bundesländern“. Danach zog es sie zurück in die Heimat.

Irrungen und Wirrungen

Sie mag ihren erlernten Beruf. “Auch heute mache ich noch ab und zu was für Freunde  bzw. bin immer die, die beauftragt wird, etwas zu besorgen, wenn es an (Blumen-)Geschenke geht“. Dennoch war inzwischen ein neuer Wunsch in ihr gereift. Sie war entschlossen, Pathologin zu werden. Ja, betont sie, tatsächlich wollte sie Medizin studieren und ganz gezielt Pathologin werden. Hierzu absolvierte sie entsprechende Praktika, um auch wirklich sicher zu sein, dass sie das kann. Und da ein Studium für diesen Beruf unabdingbar ist, drückte sie nochmal die Schulbank und holte ihr Abitur nach. „Eigentlich ist meine damalige Deutschlehrerin schuld daran, dass ich dann doch noch mal umgeschwenkt habe“. Denn diese leitete während dieser Zeit eine Theater-AG, die eng mit dem Neuen Theater Halle zusammenarbeitete. „Dort war damals Peter Sodann Intendant. Er nahm mich zur Seite und sagte mir, ich solle das Medizinstudium vergessen, denn ich gehöre einfach auf die Bühne“. Neben einigen Hospitanzen am Neuen Theater bekam sie außerdem auch Regie-Assistenzen übertragen und konnte so sehr viel lernen.

Yvonne Köstler privat

© Tanja Hall

„Der einfachste Weg ist immer verkehrt“?

Nachdem Yvonne Köstler dann die Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule gemacht hatte, schlug ihr Lebensweg noch einmal einen Haken. Ein schwerer Autounfall setzte sie für einige Zeit außer Gefecht. „Als ich wieder einigermaßen hergestellt war, fing ich an als Animateurin in Ferienclubs  zu arbeiten. Ich gehörte zur Entertainment-Crew, aber in solchen Clubs hat man dennoch verschiedene Pflichten. Man muss auch mal Küchendienst machen oder solche Sachen. Und zwar alle, inklusive dem Chef.“ Dort habe sie ebenfalls sehr viel für ihren weiteren Weg mitnehmen können, berichtet die 42-jährige. Insbesondere im Thema Teamarbeit war diese Zeit sehr prägend. Aber die Bühne ließ sie nicht los. Sie wiederholte die Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule und machte  parallel auch die Aufnahmeprüfung für den Studiengang Musical. Da sie die Wahl hatte und „man beim Musical schließlich alles lernt“, entschied sie sich für diese Richtung und begann ihr Studium in Wien.

„Dass sie komisch sind, wissen wir jetzt. Haben Sie auch was Ernstes dabei?“

„Ich habe auch heute noch eine besondere Bindung zu Wien, deswegen mag ich das Wiener Caféhaus hier auch so gern.“ Den Wiener Dialekt kann sie herrlich nachmachen. Köstlich, wenn sie mit entsprechenden Einlagen erzählt, dass in der Prüfungskommission für ihren Antrag auf eine Verkürzung der Studienzeit die berühmte Waltraut Haas saß. Die habe sie recht hart rangenommen. „Sagen Sie ihren vorbereiteten Text auf, aber immer wenn ich klatsche, wechseln Sie zwischen ihrem Heimatdialekt, Hochdeutsch und dem Wiener Dialekt“, habe sie von ihr verlangt. Die Kommission hielt danach Rücksprache mit der Hochschule und im Anschluss teilte man ihr mit, dass man sich entschlossen habe, ihr bereits ein Jahr vor der üblichen Studienzeit ihr Abschlussdiplom zu geben. Ein großer Erfolg, über den sie sich einerseits sehr gefreut hat. „Aber andererseits bekommt man auch kurz Panik und denkt ich bin doch noch gar nicht so weit und muss noch so viel lernen“.

Es muss nicht immer ins Klischee passen

Die Panik war unnötig, es folgten viele interessante Rollen, die sie seitdem spielen durfte. Dazu gehören unter anderem die Hexe in INTO THE WOODS, die Mabel in FAME, Ensemble-Rollen und Cover in verschiedenen Musicals wie SISTER ACT, der ROCKY HORROR SHOW oder HAIR. „Etwas ganz besonders Tolles ist es, wenn man eine Rolle extra auf den Leib geschrieben bekommt. Das passiert meist nur einmal im Leben und bei mir war das so bei der Uraufführung von SWINGTIME! Ich hatte für die Rolle der Inge vorgesungen. Da dieser Part aber schon vergeben war und man mich trotzdem dabeihaben wollte, wurde kurzerhand eine neue Rolle – die der Clara – extra für mich neu dazugeschrieben.“.

Im ersten Akt Rebecca, im zweiten Akte eine Ensemble-Rolle

Aktuell steht Yvonne Köstler als Rebecca in TANZ DER VAMPIRE auf der Bühne und wird in dieser Rolle auch mit nach Hamburg und Köln ziehen. Außer der Rebecca hat sie inzwischen im zweiten Akt eine Ensemble-Rolle. Das sei toll, da sie so einfach noch mehr dazugehöre. “Ansonsten wäre ich ja nur im ersten AKt auf der Bühne und könnte quasi in der Pause nach Hause gehen”. Dass sie nicht in jede Rolle passt, ist Fluch und Segen zugleich. „Einerseits gibt es weniger Rollen, für die ein Typ wie ich besetzt wird. Andererseits ist die Konkurrenz damit aber auch etwas kleiner. Dennoch würde ich mir wünschen, dass es mehr mutige Kreativteams gibt, die offener an so etwas herangehen. Gerade in vielen Ensemblerollen spielt es überhaupt keine Rolle, ob die Darstellerin nun schlank oder kräftig ist – solange sie tänzerisch mithalten kann, wäre doch eine bunte Mischung oft viel schöner.“ Ein Kollege habe ihr mal gesagt, ihre große Zeit komme dann, wenn sie altersmäßig für die typischen Mutterrollen gecastet wird. Aber nicht nur auf der Bühne hat sie eine mütterliche Art.

Nicht nur Sarahs Mama

Bei der Frage, für welche Eigenschaften ihre Kollegen und Freunde sie ihrer Meinung nach besonders schätzen, überlegt sie einen Moment. „Ich bin wohl die Mama der Cast. Ich bin ein fürsorglicher Typ, der am liebsten immer alle beschützen möchte“. Außerdem könne man mit ihr viel Spaß haben. Diesen Eindruck vermittelt sie auch während des Interviews. Die Kuchenliebhaberin, die während ihrer Zeit bei Sister Act sogar an einem Fernseh-Back-Wettbewerb teilgenommen hat, ist eine Powerfrau mit einer starken Präsenz. Sie strahlt etwas Zupackendes aus. Dennoch scheint sie bei aller Energie  völlig in sich zu ruhen. Ungehalten wird sie, wenn Kollegen respektlos mit dem Stück oder ihrer Rolle umgehen. „Natürlich ist es manchmal schwer, sich zum xten Mal für die gleiche Rolle zu motivieren. Aber es sitzen jeden Abend Menschen im Publikum für die es das allererste Mal ist, dass sie unser Stück sehen. Oder welche, die sehr viel Geld ausgeben, um uns immer wieder zu sehen. In beiden Fällen sind wir es ihnen schuldig, immer unser Bestes zu geben. Kleine Scherze, die das Publikum nicht bemerkt, gehören dazu und sind okay.“ Deswegen, fügt sie hinzu, könne es durchaus auch sein, „dass der ein oder andere Kollege mich auch als “Textpolizei” bezeichnen würde“.

Yvonne Köstler im Ensemble TdV

© Anja Wendzel

„Man darf mich gerne ansprechen“

Zum Abschluss angesprochen auf die aktuellen Diskussionen in manchen Foren zum Verhalten von Fans und einem gewissen Personenkult, positioniert sich Yvonne Köstler sehr klar. „Ich freue mich immer, wenn jemand mich anspricht und nehme mir auch gerne Zeit, mich zu unterhalten. Dennoch muss man manchmal eine klare Linie ziehen und dem ein oder anderen vorsichtig klarmachen, dass man deswegen nicht sein neuer bester Kumpel ist. Bei ihr halte sich das aber alles in Grenzen und ich kann nur sagen, traut euch ruhig, mich anzusprechen. Ich werde nicht von mir aus stehenbleiben, da ich ja nicht weiß, auf wen ihr wartet.“

Niederlagen muss man verschmerzen können

In diesem Beruf, gibt Yvonne Köstler zu bedenken, müsse man mit Ablehnung klarkommen können. “Selbst die Bestenk fallen immer wieder bei Auditions durch, weil sie einfach nicht der Vorstellung des Kreativteams entsprechen. Das gehört einfach zum Job und sagt noch lange nichts über die Qualität des Künstlers aus.” Aber auch wenn man es gewohnt sei, mit Enttäuschungen umzugehen, sei die oft harsche Kritik, die in der vermeintlichen Anonymität des Internets über Darsteller oder Stücke geäußert wird, manchmal schwer zu verdauen.

Wir bedanken uns für das ausgiebige Interview und zitieren Yvonnes Instagram-Post an uns: „Immer wieder gerne!“ – Beim nächsten Mal dann mit selbstgebackenem Kuchen.

Kategorie: Darsteller Geschichten,Interviews,Tanz der Vampire

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Autor: M. Kanz (13.08.2017)

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