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WILDES BERLIN – Kritik zum tierischen Hauptstadtmusical

Wenn Füchse singen, Tauben rappen und Waschbären versuchen, Kriminalfälle zu lösen – dann befinden wir uns mitten im neuen Musical WILDES BERLIN am BKA Theater. Am 23. September 2016 feierte die schrille Hauptstadtfabel Premiere, natürlich in Berlin. Musical1 hat sich das Stück angesehen.

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Wildes Berlin Plakatgrafik
Wildes Berlin Plakatgrafik © Christoph Rode

Die tierische Seite der Hauptstadt

Berlin. Die deutsche Hauptstadt nennen nicht nur rund 3,5 Millionen menschliche Bewohner ihr Zuhause, hier leben auch allerlei wilde Tiere. WILDES BERLIN von Robert Löhr (Idee und Buch), Wolfgang Böhmer (Musik) und Tom van Hasselt (Songtexte) macht die animalischen Hauptstädter zu den Protagonisten einer schrillen Fabel. Unter der Regie von Dennis Fischer zeigen die tierischen Gesellen derzeit im BKA Theater, was das Leben in der Stadt ausmacht – und nehmen dabei so manches Berlin-Klischee auf die Schippe.

Der Tote im Görlitzer Park

Görlitzer Park: Hier treffen sich Wash, aus Seattle eingewanderter Hipster-Waschbär, Sechser, kurzsichtiges, auf einem Ohr schwerhöriges Kaninchen mit Nussallergie, und die Reinickendorfer Füchsin Faye, gerade frisch aus dem Tierheim entlassen. Nach einer Nacht auf THC wartet am nächsten Morgen der Filmriss – und Türkentaube Ülker macht die Freunde auf eine menschliche Leiche aufmerksam. Es besteht kein Zweifel: Den Toten kann nur ein Tier so zugerichtet haben.

Nach dem ersten Schock ist Wash schnell klar: Das ist ein Fall für ihn! Als tierischer Detektiv will er den Mord aufklären, mit CSI Sechser und Ülker als Gerichtsmedizinerin. Faye hat derweil ein ganz anderes Problem. Jemand hat sie in der Nacht besprungen – und es riecht verdächtig nach Kaninchen…

Wildes Berlin Entdeckung

© Musical1 / S.Gerdesmeier

Berliner Stereotype mit Fell und Schnauze

Wie CATS, nur mit mehr Sex und Drogen – das hatten die Macher von WILDES BERLIN versprochen. Und das haben die Zuschauer am Premierenabend auch bekommen. Der Humor ist derb, gerne ordinär, manchmal albern und zielt immer kräftig unter die Gürtellinie. Die eigentliche Handlung wird da eher zur Nebensache.

Vor allem lebt WILDES BERLIN von den vielen Berliner Stereotypen, für welche die Autoren tierische Pendants gefunden haben: Da ist zum Beispiel der Prenzlbiber, unterwegs mit Bio-Latte und schwer mit der Gentrifizierung zwischen Kastanienallee und Helmholtzplatz beschäftigt. Oder die Berberkatze Bella auf „Haste ma' ‘nen Euro“-Tour durch die S-Bahnen. Oder der polnische Automarder Jerzy, immer unterwegs auf kulinarischer Entdeckungstour unter der Motorhaube. Und nicht zuletzt der Bus M29, der im Musical noch eine wichtige Rolle spielen soll.

Auch die Songs zielen eher auf Schenkelklopfer denn auf feinsinnige Unterhaltung. Der Titelsong „Welcome to Berlin“ soll sich im Laufe des Abends – zumindest bei mir – aber noch als hartnäckiger Ohrwurm erweisen. Und die Gags zünden beim Berliner Premierenpublikum! Allen voran Prenzlbiber und Bella (ganz ohne Katzen geht es eben doch nicht) haben die Lacher auf ihrer Seite. Wer in Berlin lebt, ob schon von Geburt an oder erst seit einigen Jahren, kennt sie eben, die typischen Berlin-Klischees. Und so mancher Zuschauer wird vielleicht auch die ein oder andere Charaktereigenschaft der tierischen Hauptstädter bei sich selbst wiedererkennen.

Wildes Berlin Darsteller

© Musical1 / S.Gerdesmeier

Gut aufgelegte Darsteller haben die Lacher auf ihrer Seite

Die vier Darsteller haben sichtlich Spaß an ihren animalischen Rollen. Lars Kemter (HINTERM HORIZONT) gibt den Waschbären Wash, überzeugt aber sogar noch mehr als ordnungsliebender Schäferhund Rex. Emma Rönnebeck geht in ihrer Rolle als Füchsin Faye – eine Hälfte Reinickendorf, ein Viertel Brandenburg, ein märkisches Viertel – voll auf. Christian Nähte darf als Nerd-Kaninchen Sechser auch mal das Herz berühren. Konstanze Kromer kann an diesem Abend die größte schauspielerische Bandbreite und stimmliche Varianz beweisen: Sie steht als Türkentaube Ülker, als Katze Bella, Prenzlbiber und Marder Jerzi auf der Bühne und weiß alle Parts zu rocken.

Wer einen wilden Abend in Berlin erleben will, kann durch die Clubs ziehen – oder schaut im BKA Theater bei WILDES BERLIN vorbei. Weitere Vorstellungen gibt es noch vom 24. bis zum 30. September, am 1. und 2. Oktober, vom 3. bis zum 13. November 2016 und vom 1. bis zum 11. Februar 2017. Tickets gibt es über das BKA Theater Berlin.

Das Buch zum Musical

Falls jemandem nach der Vorstellung der Sinn nach noch mehr animalischem Humor steht: Autor Robert Löhr und Grafiker Christoph Rode haben mit „Wildes Berlin – Ein Bestarium der Hauptstadt“ das Buch zum Musical herausgegeben. Neben den Hauptdarstellern des Musicals lernen die Leser noch viele weitere tierische Stadtbewohner kennen, die es so nur hier in Berlin gibt. Erhältlich für 12 Euro beim be.bra Verlag.

Kategorie: Kritiken,Theater Eigenproduktionen

Tags:

Autor: S. Gerdesmeier (24.09.2016)

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