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Wie trainiert man für die Aufnahmeprüfung einer Musicalschule? Zu Besuch beim Musicalbooster Workshop

Traumberuf Musical-Darsteller: Der Weg dorthin ist lang und steinig. Eine Aufgabe, die Nachwuchsdarsteller für die Erfüllung ihres Traums meistern müssen, ist die Aufnahmeprüfung an einer Musicalschule. Der Musicalbooster Workshop in Berlin möchte ganz gezielt auf diese Auditions vorbereiten. Musical1 war beim ersten Intensiv-Workshop dieser Art dabei.

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Musicalbooster Gruppenfoto
Musicalbooster Gruppenfoto © S. Gerdesmeier/Musical1

„Und jetzt das Ganze mal auf Berlinerisch“

Ein Studio für orientalischen Tanz in Berlin Kreuzberg. Im großen Saal lassen heute allerdings keine Bauchtänzerinnen die Hüften kreisen. Stattdessen steht eine blonde junge Frau vor einer vierköpfigen Jury. Sie hat schon einen Tanz gezeigt, ist etwas außer Atem. Die nächste Aufgabe: einen Monolog vortragen. Ein Teenager bereitet sich aufs Ausgehen vor und sinniert dabei über das Leben. Ein Jurymitglied unterbricht: „Kannst du berlinern? Dann das Ganze jetzt auf Berlinerisch.“ In Sekundenschnelle denkt die junge Frau um und verleiht ihrem Auftritt mit Berliner Schnauze mehr Rotzigkeit.

Derartige Aufgaben erwarten Nachwuchsdarsteller, die sich an Musicalschulen bewerben. Die Jury heute ist jedoch keine „echte“ Jury, die Prüfung lediglich eine Simulation. Ich bin zu Gast beim Musicalbooster, einem dreitägigen Intensiv-Workshop. Vom 24. bis zum 26. Februar 2017 fand dieser zum ersten Mal in Berlin statt. Das Ziel: junge Talente gezielt auf die Aufnahmeprüfung an Musicalschulen vorbereiten.

Die 17-jährige Charlotte, die sich gerade durch ihre Schauspielszene berlinert hat, ist eine von sieben Teilnehmern. Sechs junge Frauen und ein Mann, alle zwischen 17 und 24 Jahren alt, teilen einen Traum: Sie möchten professionell auf der Bühne stehen.

Musicalbooster: Unterstützung auf dem Weg zum Traumberuf

Musicalbooster Tanztraining

© S. Gerdesmeier/Musical1

Singen, tanzen, schauspielern, die Zuschauer mit seiner Kunst begeistern, die Leidenschaft zum Beruf machen – mit diesem Wunsch tragen sich viele junge Menschen. Vor dem großen Auftritt auf der Musical-Bühne wartet jedoch das Studium an einer staatlichen oder privaten Musicalschule. Und vor dem Studium steht zunächst die Audition, die Aufnahmeprüfung vor einer strengen Jury.

Die Konkurrenz ist groß. Jedes Jahr bewerben sich zahlreiche junge Talente um einen der begehrten Plätze. Nachwuchsdarsteller müssen sich mit hunderten, manchmal tausenden von Mitbewerbern messen. Eine Aufgabe, die auch nach bestandenem Studium bei jedem Casting aufs Neue auf die Darsteller wartet.

Doch wie läuft die Audition an einer Musicalschule eigentlich genau ab? Was erwartet die Bewerber während der Aufnahmeprüfung? Es gibt viele Gerüchte und Berichte von ehemaligen Prüflingen. Allerdings unterscheidet sich der Audition-Prozess von Schule zu Schule. Einige Musicalschulen wechseln ihr Vorgehen auch von Jahr zu Jahr.

Das macht es für Bewerber schwierig, sich gezielt auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten. Genau hier setzt der Musicalbooster Workshop an.

Vier Coaches stehen den Nachwuchs-Talenten zur Seite

Vier Coaches stehen den Teilnehmern an diesem Wochenende zur Seite. Stephan Kostropetsch hat in Berlin Bühnenbild studiert und stand selbst viele Jahre als Schauspieler auf der Bühne. Heute ist er als systemischer Coach, Moderator und Trainer für Führungskräfte tätig. Beim Musicalbooster Workshop zeigt er den Teilnehmern, wie sie sich selbst am besten präsentieren können.

Christine Kostropetsch, Schauspielerin, Regisseurin, Tänzerin und Schauspielcoach, unterrichtet Schauspiel und Präsenz. Anja Jochem-Skowronek leitet den Unterricht in Tanz und Rhythmus, der junge Musical-Darsteller Christian Miebach, Absolvent der UdK Berlin, ist Experte für Stimme und Gesang.

Gemeinsam haben sie das Konzept für den dreitägigen Workshop entwickelt. Die Prüfungssimulation ist ein wichtiger Teil. Zuhause haben die Teilnehmer Songs, Schauspielszenen und Tänze einstudiert. Ihr Programm haben sie selbst zusammengestellt, genau so, wie sie es vor einer Aufnahmeprüfung tun würden.

Christian Miebach, Anja Jochem, Christine und Stephan Kostropetsch

© Cuba Stern Junior

Konkretes Feedback: Wie falle ich positiv auf?

Vor dem Prüfer stehen, sich vorstellen, Fragen beantworten, das Programm vorführen und Anweisungen spontan umsetzen: All das müssen die jungen Talente auch in einer Audition meistern. Anders als bei einer Prüfung bekommen die Teilnehmer beim Workshop jedoch direktes Feedback, sowohl von den anderen Nachwuchsdarstellern als auch von ihren Coaches.

Auf die kurze Feedbackrunde direkt nach der Prüfungssituation folgt später am Tage ein längeres Einzelgespräch. Dabei erfahren die jungen Talente nicht nur, wie gut sie die einzelnen Disziplinen – Gesang, Schauspiel, Tanz – meistern. Die Coaches beraten sie auch in der Frage, ob sie sich mit dem gewählten Repertoire wirklich optimal präsentieren. Nicht immer stimmen Selbstbild und Fremdbild überein. Was ein Teilnehmer für seine Paraderolle hält, stellt seine Fähigkeiten vielleicht gar nicht vollständig heraus.

Die Coaches geben Tipps, wie es besser klappen könnte. Die Teilnehmer erhalten konkrete Vorschläge für Songs und Schauspielszenen, mit denen sie in einer Audition ihre Stärken unter Beweis stellen können.

Bei der Aufnahmeprüfung geht es immerhin darum, aus der Menge an Bewerbern herauszustechen, den Prüfern im Gedächtnis zu bleiben. Das gelingt mit einer überraschenden Performance, die den Prüfern mal etwas anderes zeigt. Etwas, was sie nicht schon dutzende Male gesehen oder gehört haben. Ein wichtiger Tipp von Christian Miebach für die Song-Auswahl lautet daher: „Denkt daran: Es gibt nicht nur Stage [Entertainment, d. Red.] Musicals. Es gibt auch Kammermusicals, Opern, Chansons.“

Eine andere Sichtweise kennen lernen

Genau so ein konkretes Feedback haben sich die Teilnehmer vom Workshop erhofft. Das bestätigt auch Laura, 18 Jahre, die aus Recklinghausen nach Berlin gekommen ist. Sie tanzt, seit sie vier Jahre alt ist, hat vor eineinhalb Jahren mit Ballett angefangen, spielt schon lange Theater. Eigentlich wollte sie mehr in die Schauspielrichtung gehen, überlegt aber, ihre Bewerbungen auf Musicalschulen auszuweiten.

Beim Musicalbooster hat ihr die Prüfungssimulation besonders gut gefallen. Dort gab sie das Gretchen aus Faust – und bekam Tipps, wie sie ihre Darstellung individueller gestalten kann. „Dadurch, dass wir dabei zusehen konnten, haben wir gemerkt: Welche Fehler machen die anderen, welche mache ich?“ erklärt sie. Die Teilnahme hat sich für sie auf jeden Fall gelohnt.

Das sieht auch Ömer so, 21 Jahre. Er hat bereits an einigen Aufnahmeprüfungen teilgenommen, bis jetzt hat es mit dem Studium an einer Musicalschule aber nicht geklappt. „Ich wollte von Profis zu hören bekommen, wie weit ich schon bin, wo ich stehe. Eltern sagen einem immer, man ist toll,“ beschreibt er seine Motivation, am Workshop teilzunehmen. Jetzt wollte er erfahren, wie gut sein Repertoire wirklich zu ihm passt, eine andere Sichtweise kennen lernen.

Die Prüfung aus Sicht des Prüfers

Der Musicalbooster Workshop beschränkt sich aber nicht nur auf die Prüfungssimulation. Am Samstag hatten die Teilnehmer unter der Überschrift „Meet the Prof“ die Gelegenheit, mit einem langjährigen Professor einer staatlichen Musicalhochschule zu sprechen.

Der gebürtige Australier Rhys Martin, Produzent, Regisseur, Choreograf, unterrichtet an der Berliner Universität der Künste. Beim Musicalbooster brachte er den Teilnehmern die akademische Ausbildungspraxis näher. Er schilderte die Auditions aus Prüfersicht und warb für Verständnis: Prüfer seien schließlich auch nur Menschen mit einem langen Arbeitstag, und es sei ihnen durchaus daran gelegen, eine Beziehung zu den Prüflingen aufzubauen.

Der Musicalbooster Workshop möchte den Teilnehmern zudem einen geschützten Raum bieten, um die eigenen Emotionen in die Arbeit einfließen zu lassen, erklärt Stephan Kostropetsch. Der Konkurrenzdruck bleibt auch nach der Aufnahmeprüfung groß, der Druck auf die sensible Künstlerseele ist hoch. Welche Ratschläge nimmt man an, wie geht man mit Stress um, wie schützt man sich am besten? Auch auf solche Fragen gehen die Musicalbooster-Coaches ein.

Großes Finale mit Songs aus RENT und LION KING

Musicalbooster Affentanz

© S. Gerdesmeier/Musical1

Beim Workshop ist die Atmosphäre intim, innerhalb sehr kurzer Zeit hat sich ein spürbarer Gruppenzusammenhalt entwickelt. Intensiv arbeiten die jungen Talente zusammen. Gemeinsam studieren sie ein kurzes Programm ein. Erst geht es einzeln an die Erarbeitung von Choreografien, Songs und Schauspielszenen. Eben tanzen sie noch mit Anja Jochem-Skowronek zur Musik aus TARZAN, im nächsten Augenblick studieren sie mit Christian Miebach Musical-Songs aus, Lieder aus RENT und LION KING. Nur wenige Augenblicke später üben sie mit Christine Kostropetsch einen aus ihren Monologen entnommenen Satz.

Am Abend führen die Teilnehmer dann alles zusammen. Schauspiel, Tanz, Gesang – that's Musical, die Einheit aller drei Elemente. Zum großen Finale präsentieren die sieben Nachwuchsdarsteller eine zusammenhängende Szene.

Nach dem Workshop ist vor dem Workshop

Nach dem Workshop ist natürlich nicht alles zu Ende. Für die Teilnehmer geht die Arbeit jetzt erst richtig los, mit der Vorbereitung auf die nächsten Auditions. Über eine geschlossene Facebookgruppe wollen alle miteinander in Kontakt bleiben.

Am Montag trudelte auf Facebook und Instagram auch das erste Feedback der Teilnehmer ein. „Zusammengefasst ist der Musicalbooster eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte,“ schreibt etwa Lisa. „Durch gezieltes und konstruktives Feedback können wir nun ansetzen und uns weiter verbessern, was zum einen harte Arbeit bedeuten, aber auch großen Spaß mit sich bringen wird.“

Ann-Kathrin hat die Teilnahme über Musical1 gewonnen und war sich zunächst gar nicht so sicher, ob sie wirklich zum Workshop fahren soll. Sie hat es jedoch nicht bereut, im Gegenteil: „Ich kann nur ALLEN raten: Nutzt die einmalige Gelegenheit! Die Kombination aus Professionalität, Spaß und wertvollen Informationen sind nur ein klitzekleiner Grund dafür. Es ist nicht in Worte zu fassen, was der Musicalbooster mit einem macht / (-en kann)!“

Fortsetzung folgt. „Auf jeden Fall soll der Musicalbooster ein regelmäßiges Angebot werden,“ sagt Stephan Kostropetsch. Schon im Herbst 2017 soll es weitergehen. Bis zu 12 neue Teilnehmer können sich dann gezielt und unter professioneller Anleitung auf die Aufnahmeprüfung der Musicalschulen vorbereiten. Den genauen Termin möchte das Musicalbooster-Team in den kommenden Tagen auf der Webseite und auf Facebook bekannt geben. Eine frühzeitige Anmeldung ist auf jeden Fall von Vorteil.

 

Kategorie: Ratgeber

Tags:

Autor: S. Gerdesmeier (02.03.2017)

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