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Was gibt es beim Urheberrecht für Musical-Aufführungen zu beachten?

Musicals sind erfolgreich und beliebt. Nicht nur professionelle Theater und große Musical-Produzenten möchten Musicals auf die Bühne bringen, sondern auch viele ambitionierte Laien. Musical-Gruppen an Schulen möchten sich an die Produktion ihres Lieblings-Musicals wagen, Musical Companys ihre Zuschauer mit immer neuen Inszenierungen unterhalten. Zuvor müssen allerdings die rechtlichen Voraussetzungen stimmen.

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Ein Theatervorhang
Theatervorhang © sxc.hu djnorway

Vor der Aufführung das Urheberrecht klären

Vorab: Wir von Musical1 sind keine Anwälte und dürfen keine Rechtsberatung vornehmen. Der folgende Artikel gibt daher nur allgemeine Hinweise, was für eine Musical-Produktion zu beachten ist.

Für Schul-Theatergruppen, Jugendgruppen und weitere freie Theatergruppen sind Musicals geradezu ideal. Sie vereinen Tanz, Gesang und Schauspiel und geben so vielen Talenten die Möglichkeit, auf der Bühne zu stehen. Und auch hinter den Kulissen können sich ambitionierte Laien kreativ betätigen. Ein Musical ist allerdings auch ein Werk, das dem Urheberrecht unterliegt. Hat die Musical-Gruppe ein Stück selbst geschrieben, die Musik entwickelt und selbst ein Logo erarbeitet, steht der Aufführung nicht mehr viel im Wege. Anders sieht es dagegen aus, wenn bekannte Musicals wie JESUS CHRIST SUPERSTAR, CATS oder WEST SIDE STORY auf die Bühne gebracht werden sollen. Das ist nicht ohne Weiteres erlaubt. Bevor mit der Probenarbeit begonnen wird, muss zunächst geklärt werden, ob die Gruppe das Stück überhaupt aufführen darf, und falls ja, unter welchen Konditionen. Welche Rechte genau betroffen sind, hängt immer vom jeweiligen Einzelfall ab.

Noten und Aufführungsrechte

Ist das Stück ausgewählt, geht es im ersten Schritt daran, den Urheber oder den Musikverlag zu recherchieren, der die Noten und Texte herausgibt. Achtung: Nicht jedes Musical ist für Laien-Produktionen und freie Theater freigegeben. Ob dem so ist, lässt sich beim Musikverlag herausfinden. Dort gibt es auch die Noten und Texte für das Musical zu erwerben. Das Kopieren von Noten ist übrigens verboten. Das gilt auch für das Kopieren für den Privatgebrauch!

Dürfen die Musicals denn für eine Aufführung abgeändert werden? Bedingt. Änderungen am Originalwerk bedürfen der Zustimmung des Urhebers oder des Verlags. Vielen Rechteinhabern ist daran gelegen, dass ihr Stück nicht zu sehr abgeändert wird.

Im nächsten Schritt geht es daran, die Aufführungsrechte für das Musical zu erwerben. Wer für die Vergabe der Rechte zuständig ist, hängt von der Art der Aufführung ab:

  • Bei konzertanten Aufführungen, bei denen die Lieder aus dem Musical lediglich gesungen und mit musikalischer Begleitung vorgetragen werden, vergibt die GEMA die Aufführungsrechte (so genanntes „kleines Recht“).
  • Bei einer szenischen Inszenierung mit Kostümen und Bühnenbild vergibt der Urheber selbst die Aufführungsrechte bzw. sein Vertreter wie beispielsweise ein Musikverlag (so genanntes „großes Recht“).

Frühzeitig die rechtlichen Voraussetzungen klären

Um für die Aufführung zu werben, sollen wahrscheinlich auch Plakate und Flyer gedruckt werden. Auch das ist nicht ohne Weiteres möglich. Die Logos und typischen Schriftzüge eines Musicals unterliegen ebenfalls dem Urheberrecht. Ob und zu welchen Konditionen diese Bilder für Werbezwecke verwendet werden dürfen, ist mit dem Musikverlag oder dem Urheber direkt zu klären. Bei einigen Musikverlagen gibt es das Werbematerial zum Erwerb der Noten und Aufführungsrechte dazu.

Wurden von der Aufführung Videos angefertigt, dürfen Musical-Gruppen diese auch nicht einfach als DVD verteilen oder ins Internet stellen. Einige Musikverlage erlauben diese Verbreitung von Videos, andere hingegen nicht oder nur in Einzelfällen. Daher sollte man sich auch hier im Vorfeld unbedingt mit dem Rechteinhaber abstimmen. Bei konzertanten Aufführungen ist die GEMA der Ansprechpartner für derartige Vervielfältigungsrechte für Musikstücke.

Der Erwerb von Noten und Aufführungsrechten kostet in der Regel Geld. Wie viel, lässt sich pauschal nicht beantworten. Viele Verlage berechnen die Lizenzgebühren individuell für jede aufführende Gruppe. Zuvor ist oft ein Fragebogen auszufüllen, der nach Aufführungsorten, Anzahl der Sitzplätze, Anzahl der Aufführungen, Eintrittspreisen und weiteren Details fragt. Wer ein Musical aufführen möchte, sollte sich frühzeitig mit den jeweiligen Rechteinhabern in Verbindung setzen, noch bevor die Proben überhaupt begonnen haben. Erst, wenn die Rechte erteilt wurden, darf das Stück auch vor Publikum aufgeführt werden.

70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erlischt das Urheberrecht übrigens. Stücke, die dieses Alter überschritten haben, sind daher gemeinfrei. Das gilt jedoch nur, sofern das Urheberrecht nicht an Familienangerhörige oder Rechteverwerter wie etwa Bühnenverlage vererbt werden. Bevor man die Aufführung älterer Stücke angeht, muss man sich daher auf jeden Fall erkundigen, bei wem aktuell die Verwendungsrechte liegen.

Kategorie: Ratgeber

Autor: S. Gerdesmeier (28.08.2015)

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  • Chris Woelk 4. September 2015 at 22:34 / Antworten

    Ihr habt da einen kleinen Fehler. Ja, 70 Jahre nach Tod der Urhebers erlischt das Urheberrecht – das Werk wird dann aber nicht automatisch gemeinfrei. Denn das Urheberrecht kann auch vererbt werden, entweder an Familie oder Rechteverwerter. Deshalb muss man für Opern, die 200 oder 300 Jahre alt sind, ja auch immer noch Aufführungsrechte erwerben bei den Bühnenverlagen, weil die Rechte mittlerweile bei denen liegen, da die Urheber länger als 70 Jahre tot sind.

  • S. Gerdesmeier 5. September 2015 at 12:53 / Antworten

    Hallo Chris,
    danke für deinen Kommentar. Das ist auf jeden Fall ein wichter Hinweis!
    Ich habe den Artikel dahingehend überarbeitet.

    Gruß,
    Simone Gerdesmeier

  • Jochen 8. März 2016 at 00:09 / Antworten

    Wie ist es denn mit einem eigenen Theaterstück dass Szenen aus diversen Musicals parodistisch darstellt bzw zitiert und auch Songs aus verschiedenen Musicals beinhaltet?

    • S. Gerdesmeier 8. März 2016 at 10:12 / Antworten

      Hallo Jochen,
      das ist schwierig zu beantworten, ohne den Einzelfall genau zu kennen. Parodie und Satire sind zwar grundsätzlich zulässig, es kommt aber zum Beispiel auch darauf an, wie Ihr die Songs ins Stück einbindet. Das sagt zum Beispiel der Bundesgerichtshof:

      “Bildet den Gegenstand einer Parodie ein unter Urheberschutz stehendes Werk, so darf die Parodie nur dann ohne Genehmigung des Urhebers des parodierten Werkes vervielfältigt und verbreitet werden, wenn sie ein selbständiges Werk darstellt, das in freier Benutzung des parodierten Werkes geschaffen worden ist. Ob und inwieweit urheberrechtlich geschützte Teile des parodierten Werkes unverändert oder mit unwesentlichen Änderungen in die Parodie übernommen werden dürfen, hängt u. a. davon ab, inwieweit die Entlehnung erforderlich ist, um die parodistische Wirkung zu erreichen.”

      Das sagt das UHG §24:
      “(1) Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden.
      (2) Absatz 1 gilt nicht für die Benutzung eines Werkes der Musik, durch welche eine Melodie erkennbar dem Werk entnommen und einem neuen Werk zugrunde gelegt wird.”

      Wir können und dürfen hier aber keine Rechtsberatung geben, daher wendet Euch im Zweifel besser an einen Fachanwalt.

      Viele Grüße,
      Simone Gerdesmeier

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