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Tom & Jerry über Freundschaft, Verträge und Lehrerinnen

Thomas Weaver und Alvin Kelby waren Freunde fürs Leben. Thomas Borchert und Jerry Marwig sind es. Im Kammermusical DIE STORY MEINES LEBENS stehen die beiden aber nicht nur gemeinsam auf der Bühne. Die zwei übersetzten das 2006 in Toronto, Kanada, uraufgeführte Stück von Neil Bartram (Musik, Liedtexte) und Brian Hill (Texte) auch vom Englischen ins Deutsche. Am 14. Oktober findet die Premiere der deutschen Erstaufführung im Stadttheater Fürth statt. Musical1 traf die beiden Künstler im Vorfeld.

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Jerry Marwig und Thomas Borchert in DIE STORY MEINES LEBENS © Günter Meier

Freundschaft – ein großes Wort

Was genau bedeutet es, ein Freund zu sein? Es ist kompliziert. „Der Begriff Freund hat in der heutigen Zeit nämlich an Wertigkeit verloren“, findet Thomas Borchert. Gerade in den sozialen Medien werden Freunde regelrecht gesammelt. Doch was heißt es schon, 1.500 Freunde auf Facebook zu haben? Nicht sehr viel, denn „1.500 Freunde hat man natürlich nicht wirklich“, weiß der Musicalstar. In der Produktion DIE STORY MEINES LEBENS spielt Borchert den Buchautor Thomas Weaver, dessen Freund sich am Weihnachtsabend das Leben nahm. Lange hat er Alvin (Jerry Marwig) nicht gesehen. Nun soll er für die Beerdigung einen Nachruf verfassen – auf seinen besten, guten oder doch ältesten Freund?

Bereits an dieser Stelle stutzt Thomas Weaver. Ausgerechnet ihm, dem erfolgreichen Schriftsteller, fehlen die Worte. Er und Alvin hatten sich in der ersten Klasse kennengelernt. Eine tiefe und langjährige Freundschaft ist entstanden – wie auch zwischen Thomas Borchert und Jerry Marwig, die sich 1988 ebenfalls am ersten Schultag an der Hamburger Stage School of Music, Dance & Drama gesucht und gefunden haben. „Hey, ich bin Thomas. Hallo, ich bin Jerry – ah, Tom und Jerry!“ Da war alles klar. „Daraus musste sich ja (neben der eigenen Tom & Jerry Show; Anm. d. Red.) eine Freundschaft entwickeln“, schwärmt Marwig noch heute von diesem Moment. „Seit damals waren wir immer in Verbindung, auch wenn mal Jahre dazwischen waren, in denen wir nichts voneinander gehört haben, weil jeder sehr viel zu tun hatte.“ Der Kontakt ist nie abgebrochen. Thomas Borchert denkt ebenfalls gern an die gute alte Studienzeit zurück: „Jerry und ich haben die gleichen Interessen gehabt, gleich gedacht und gefühlt. Wie Thomas und Alvin haben wir uns fast täglich auch außerhalb der Schule getroffen. Wir haben Quatsch gemacht oder uns gemeinsam Songs ausgedacht. Es ist schon fast spooky, wie ähnlich wir uns sind“, erkennt er.

Es wird sogar noch unheimlicher – im positiven Sinne: Denn auch die beiden Autoren des Originals, Neil Bartram und Brian Hill, kennen sich bereits seit über 30 Jahren und sind befreundet. „Als ich die beiden 2013 in New York getroffen habe, hab ich ihnen unsere Geschichte erzählt, dass wir nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde sind. Die zwei waren so gerührt und freuten sich tierisch, dass ihr Stück hier von uns aufgeführt wird“, erzählt Marwig. Doch trotz der vielen Freiheiten, die das Urheberduo den beiden Übersetzern gegeben hatte: Das intime Zwei-Personen-Stück auf das deutsche Publikum zuzuschneiden, war eine Herausforderung.

Thomas Borchert als Thomas Weaver © Günter Meier

Die Not der Noten und Aufführungsrechte

„Es war eine echte Challenge, das so ausgezeichnet geschriebene Stück zu übersetzen“, erklärt Thomas Borchert, der sich der Songtexte mit großem Respekt annahm. Dabei erging es ihm fast wie seinem Bühnencharakter Thomas Weaver. „Ich habe Tage damit verbracht, eine Formulierung zu finden, die erstens die Intention der Autoren wiedergibt, zweitens auf die Noten passt und sich drittens noch reimt“, seufzt der Künstler. Doch die Not der Noten machte erfinderisch. Dabei hätte er sich die Arbeit fast sparen können. Was Borchert und Marwig nämlich anfangs nicht wussten: Die Rechte für den deutschsprachigen Markt wurden vom Verlag zweimal vergeben. „Das verschlägt einem wirklich die Sprache“, gesteht Thomas Borchert. „Es war alles so gut wie fix. Den Vertrag für die deutsche Übersetzung hatten wir. Ein Theater war bereits gefunden, die Termine standen schon“, bestätigt er. „Unsere Anfrage nach den Aufführungsrechten in Wien war also nur noch pro forma.“ Die Absage kam daher umso überraschender: „Oh, das tut uns leid, für diesen Aufführungszeitraum sind die Rechte schon vergeben.“ Peng! „Da denkst du nur: Das kann doch nicht wahr sein! So sind wir erst darauf gekommen, dass andere Leute ebenso die Übersetzungsrechte besaßen.“ Und die waren auch noch schneller. Im Oktober 2014 erzählten Daniel Große Boymann als Thomas Weaver und Andreas Bieber als Alvin Kelby in Wien DIE GESCHICHTE MEINES LEBENS. Thomas Borchert und Jerry Marwig machten aber aus der Not eine Tugend und kreierten eine für sie stimmige, ganz persönliche „deutsche” Erstaufführung.

Thomas, Jerry oder Alvin?

Doch wie viel Persönliches findet sich in dem von Martin Maria Blau inszenierten Stück tatsächlich wieder? Borchert überlegt: „Es fließt sicherlich etwas an Inspiration mit ein, ich könnte jetzt aber nicht konkret benennen, was.“ Marwig hilft ihm: „Es ist die Nähe. Man spürt auf der Bühne, dass wir nicht nur Kollegen sind. Ich denke, über einen großen Teil der Inszenierung merkt das Publikum, dass wir eine Verbindung haben.“ Ein bisschen von Thomas Borchert und Jerry Marwig findet sich also in Thomas Weaver und Alvin Kelby wieder. Aber steckt Thomas Weaver auch in Thomas Borchert? Und ist Alvin Kelby gleich Jerry Marwig? „Nein, gar nicht“, stellt der gebürtige US-Amerikaner klar. „Wir saßen am Anfang zusammen und fragten uns: Wer spielt nun wen? Willst du oder soll ich?“ Dass Thomas Borchert schließlich seinen Namensvetter spielt, sei dann eher eine praktische Entscheidung gewesen. „Ich denke, wir sind eine Mischung aus beiden“, legt Borchert nach. „Und das wiederum ist ja auch so spannend, weil diese beiden Figuren auf der Bühne gewissermaßen eine Figur sind. Der verstorbene Alvin taucht in Thomas’ Kopf, in seiner Seele auf, so dass beide zu einer Person werden.“

Jerry Marwig als Alvin Kelby © Günter Meier

And here’s to you, Mrs. Wilkinson

Aus zwei Freunden wird also ein Mann, der mit sich, Alvins Freitod und der Vergangenheit kämpft: „Was war entscheidend? Was war die Story?“ Und „was war dabei mein Verschulden?“ Fragen, die sich Thomas Weaver stellt und die Alvin versucht, zu beantworten. Als eine Art Engel kehrt der Verstorbene zurück und erinnert sich mit seinem Freund an die Stories ihres gemeinsamen Lebens sowie an Menschen, die prägend für sie waren – wie zum Beispiel Mrs. Wilkinson, die liebenswürdige Lehrerin mit dem schwarzbehaarten Kinn. „Im amerikanischen Original heißt sie ja Mrs. Remington“, verrät Borchert, „doch in Deutschland ist die Marke Wilkinson mit den zwei Schwertern einfach bekannter.“ Ob nun mit Bart und Klinge oder ohne – eine Dame wie Mrs. Wilkinson gab es in Jerry Marwigs Schulzeit wirklich: „Sie war meine Englischlehrerin. Ich kam ja aus Amerika und konnte kaum Deutsch. Ich hatte arge Probleme und sie war so lieb und geduldig. Sie hat mir den Weg ins deutsche Schulsystem gebahnt. Ich hab ihr viel zu verdanken.“

Kollege Borchert hatte da weniger Glück: „Die Lehrerin, an die ich mich erinnere, hieß schon so böse: Frau Schellscheidt. Sie war das Gegenteil von Mrs. Wilkinson, nur äußerlich ähnelte sie ihr. Wobei sie nicht nur Haare im Gesicht, sondern auch auf den Zähnen hatte.“ Und die präsentierte sie ihrem Schüler, der im Unterricht gerne mal aus dem Fenster träumte, nur zu gerne. „Sie hat einen vor der ganzen Klasse lächerlich gemacht. Wenn sie gemerkt hat, dass jemand nicht aufpasst, hat sie dich an den Ohren hochgezogen. Mir hat sie sogar mal eine Ohrfeige gegeben.“ Schlechte Erinnerungen werden wach und der Musicalstar bedauert weiter: „Auch später hätte ich gerne eine Mrs. Wilkinson gehabt. Ich komme ja aus dem Essener Stadtteil Kettwig. Als ich dann nach Hamburg auf das Gymnasium wechselte, hatte ich plötzlich ein anderes Schulsystem und völlig neue Leute um mich, die sich größtenteils schon kannten. Ich stand da am Anfang sehr außerhalb und hab ganz lange gebraucht, um von der Klassengemeinschaft akzeptiert zu werden.“ Thomas Borchert fehlte damals also nicht nur eine Mrs. Wilkinson, sondern auch ein Freund wie Alvin. Den fand er nämlich erst später an der Schauspielschule – in Jerry Marwig.

Es gibt noch so viel zu erzählen – über Thomas Borchert, Jerry Marwig und das Musical DIE STORY MEINES LEBENS, das laut Borchert „eher ein Theaterstück ist, in dem zufällig auch gesungen wird.“ Welche Botschaft steckt hinter der Geschichte? Was macht Martin Maria Blaus Inszenierung so besonders und die Musik so wertvoll? Diese und weitere Fragen beantworten wir in der Rezension zur Premierenvorstellung vom 14. Oktober.

Kategorie: Stadttheater

Tags:

Autor: B. Schlager (13.10.2017)

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