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TITANIC begeistert in Bad Hersfeld – Kritik

Die TITANIC ging am 14. Juli 2017 zum ersten Mal in Bad Hersfeld unter. Die dort ansässigen Freilichtspiele stellten das Musical in diesem Jahr erstmals auf ihren Spielplan. Bad Hersfeld ist für seine Musicalproduktion von hoher Qualität deutschlandweit bekannt. Musical1 ist für TITANIC zur Freilichtbühne gepilgert und hat sich ein Bild davon gemacht, ob die Produktion mit ihren Vorgängern mithalten kann.

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Titanic Bad Hersfeld
Titanic Bad Hersfeld © Bad Hersfelder Festspiele/ K. Lefebvre

Nun fahr mit Gott, mein Schiff Titanic!

Mit dieser hoffnungsvollen Aussage beginnt ein tragisches Stück, welches am 14. Juli 2017 in der Stiftsruine in Bad Hersfeld Premiere hatte. Die Bad Hersfelder Festspiele zeigen wieder einmal wie fulminant, spannend und energiereich ein Stück auf der begrenzten Fläche einer Freilichtbühne aufgeführt werden kann. Nach dem sehr erfolgreichen MY FAIR LADY aus dem letzten Jahr, das dieses Jahr erneut auf dem Spielplan der Festspiele stand, setzt Intendant Dieter Wedel auf ein Stück der Weltklasse: TITANIC.

Die tragische Geschichte erzählt vom Ozeanriesen, der vor über 105 Jahren im Jahr 1912 im Atlantik versank. Wer nun aber eine kleinteilige Umsetzung des Films aus dem Jahr 1997 erwartet, der irrt und kann sich glücklich schätzen. Denn die Zuschauer in der Stiftsruine bekommen eine Umsetzung des Stoffes nach Peter Stone geboten, der sich für Story und Buch verantwortlich zeichnet, sowie die grandiose Musik nach Maury Yeston, die das klangvolle Orchester unter der musikalischen Leitung von Christoph Wohlleben zum Leben erweckt.

Die tragische Geschichte der Titanic ist weltweit bekannt. Um den spannenden Stoff ansprechend aufzubereiten, hat sich der Buchautor dazu entschieden, Personen aus den verschiedenen Bereichen des Schiffes näher zu beleuchten, mit denen der Zuschauer die Überfahrt mitverfolgen darf. Schon zu Beginn der Reise lernt der aufmerksame Zuschauer Mitglieder der Besatzung kennen, bevor dann die Reisenden der verschiedenen Klassen vorgestellt werden. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Inszenierung von Stefan Huber Fahrt auf. In vielen kurzweiligen Szenen werden die Personenkonstellationen näher betrachtet und die Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte der Personen an Bord detailliert aufgezeichnet. Die vorgestellten Personen sind größtenteils wirklich an Bord gewesen oder wurden aus dramaturgischen Gründen, nach authentischen Berichten von Überlebenden, hinzugefügt.

Ensemble Bad Hersfeld

© Bad Hersfelder Festspiele/ K. Lefebvre

Dramatik und Spannung pur sorgt für Magie im Zuschauerraum

Der erste Akt endet in dem grandiosen „Kein Mond“, das getragen vom Ensemble dem Zusammenstoß mit dem Eisberg entgegen fiebert. Der Zuschauer wird in einer emotionalen Erwartungshaltung in die Pause entlassen, um dann das endgültige Sinken der Titanic zu erleben.

Der zweite Akt ist in verschiedene spannende und emotionale Momente gegliedert, von denen besonders die traurige Abschiedsszene auffällt, in denen sich die Männer von ihren Frauen trennen müssen und sich ein Wiedersehen in einem anderen Leben versprechen. Zu diesen Momenten gehört auch die aggressive Auseinandersetzung zwischen dem Captain E.J. Smith (Michael Flöth), dem Schiffskonstrukteur Thomas Andrews (Alen Hodzovic) und dem Direktor der White Star Line J. Bruce Ismay (Frank Winkels), welche die Schuldfrage an dem Untergang klären soll.

Am Ende des Stückes treten die Überlebenden der Titanic an den Bühnenrand und konfrontieren den Zuschauer mit den traurigen Tatsachen des Unglücks. Die Zuschauer werden nachdenklich und doch beseelt zurückgelassen, während die Darsteller sowie das Orchester mit einem nicht enden wollenden Applaus beglückt werden.

Ein Bühnenbild der Spitzenklasse

Christine Rothacker, Uwe Dreves, Mathias Schlung - Titanic

© Bad Hersfelder Festspiele/ K. Lefebvre

Highlight der Inszenierung ist sicherlich das grandiose und gleichzeitig funktionale Bühnenbild von Timo Dentler und Okarina Peter. Es besteht aus sieben Elementen, die auf der Bühne verschoben werden können. Es sind Stahlgerüste, die auf der einen Seite mit einem Buchstaben versehen sind. Nur in einer Szene wird die Kombination der einzelnen Letter gezeigt. So entsteht in der Eröffnungssequenz in riesengroßen Buchstaben die TITANIC eigenständig auf der Bühne.

Stilistisch ist dies gut umgesetzt, da das A wie ein Eisberg geformt ist, das nach dem Zusammenstoß mit dem eigentlichen Eisberg zerbricht und somit das Ende der Titanic offenbart. Am Ende des Stückes sind alle Bühnenelemente verschwunden und gleichzeitig das riesige Schiff.

Die Inszenierung kommt erstaunlicherweise ohne viele Requisiten aus, denn sie glänzt vor allem durch das Kostüm von Susanne Hubrich, der es gelingt, durch die verschiedenen Bekleidungen die Standesunterschiede auf dem Schiff deutlich zu machen.

Gelungene Auswahl der Akteure, die die TITANIC zum Leben erwecken

Getragen wird das Stück von dem glanzvollen 25-köpfigen Orchester, dessen Klangvolumen die volle Stiftsruine erfüllt. Auf der Bühne der Stiftsruine stehen sagenhafte 40 Darsteller, die der Titanic Leben einhauchen. Alle Darsteller hier einzeln aufzuführen, würde diese Rezension sprengen, aber seien Sie sich bewusst, dass alle auf der Bühne stehenden Personen dies verdient hätten.

Hervorzuheben ist sicherlich Captain E.J. Smith, gespielt von Michael Flöth, der hier in Bad Hersfeld nach Hamburg erneut in diese Rolle schlüpft und diese mit Stimmgewalt ausfüllt und stetig versucht, das Richtige zu tun. Ihm entgegen steht Frank Winkels als Schiffseigentümer J. Bruce Ismay und Schiffskonstrukteur Thomas Andrews, die in der Schuldfrage nur schwerlich gegen ihn ankommen. Trotzdem beweist besonders Frank Winkels in seiner unsympathischen Rolle, dass er die interessanten Charaktere mit Leichtigkeit transportieren kann.

In ihren Rollen der Besatzungsmitgliedern Frederick Barrett und Harold Bride überzeugen David Arnsperger und Andreas Bongard in besonderem Maße. In der großen Riege der mitreisenden Passagiere kann vor allem Kristin Hölck in ihrer Rolle als Alice Bean, die unbedingt mit den Passagieren der 1. Klasse reisen möchte, auftrumpfen. In vielen Szenen sorgt sie für ein Schmunzeln und kann ihr Bestreben verdeutlichen.

Melanie Gebhard, Gabriela Ryffel, Veronika Hörmann - Titanic

© Bad Hersfelder Festspiele/ K. Lefebvre

Das für die Hamburger Inszenierung eingefügte Duett „3 Tage“ findet seinen Weg nicht in die Bad Hersfelder Inszenierung und somit fällt für die beiden Passagiere der dritten Klasse, Kate McGowan und Jim Farrell, dargestellt von Gabriela Ryffel und Rupert Markthaler, eine gute Möglichkeit weg, sich noch präsenter in den Vordergrund zu spielen. Dennoch gelingt es besonders Gabriela Ryffel in ihrer vorlauten und frechen Spielart, sich durchzusetzen.

Als besonders herzerwärmend bleiben Uwe Dreves und Christine Rothacker in Erinnerung, die das Ehepaar Strauss verkörpern und sich kurz vor dem Untergang ihre Liebe gestehen.

TITANIC erfüllt alle Erwartungen

Alles in allem erwartet die Zuschauer in Bad Hersfeld eine grandios besetzte und fantastisch umgesetzte Inszenierung des Stückes TITANIC, das wir in solcher Weise nur selten erleben werden. Obwohl der Ozeanriese seit so langer Zeit auf dem Grunde ruht, lässt uns die Faszination nicht los und deshalb sollte jeder Leser die Möglichkeit nutzen und dieses Musical anschauen.

Das Stück ist noch bis Mitte August in der historischen Stiftsruine des zentral gelegenen Bad Hersfeld zu sehen. Es gibt nur noch wenige vorhandene Restkarten, deswegen lassen Sie sich Ihre Chance nicht entgehen und genießen sie einen Abend oder einen Nachmittag voller Dramatik, Emotionen, einem grandiosen Ensemble und einer spannenden Fahrt auf der Titanic.

Kategorie: Kritiken

Autor: C. Demme (25.07.2017)

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