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THE PRODUCERS – Mit Stechschritt und Hakenkreuz durch Regensburg

„Griaß di God, bitsch, batsch“ zu einem Musical, das so aktuell ist, wie lange nicht mehr. Dabei ist es fast 50 Jahre her, dass Mel Brooks THE PRODUCERS zunächst auf die Leinwand brachte. Im deutschsprachigen Raum als FRÜHLING FÜR HITLER bekannt, diente die Komödie als Vorlage für das im April 2001 am Broadway uraufgeführte Musical. Was liegt auch näher, als einen Film über eine Musicalproduktion tatsächlich auf die Bühne zu bringen. In der Spielzeit 2016/17 nahm sich das Theater Regensburg des Stücks an. Mit so großem Erfolg, dass es nach der Premierensaison am 3. Oktober 2017 wieder aufgenommen wurde.

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Matthias Laferi als Führer – hier mit Simone Elliott (li.) und Louisa Poletti © Jochen Quast

Hopp oder top oder Flop?

Was darf Satire? Angeblich alles. Doch nicht selten bleibt so manchem das Lachen im Halse stecken, wenn eine Persiflage einen Nerv getroffen hat. Ein anderer dagegen amüsiert sich prächtig – wie ich bei Mel Brooks’ THE PRODUCERS. Ganz nach dem Motto „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ werden in dem Musical Nationalsozialismus und Führer durch den Kakao gezogen. Was heutzutage zum Alltagsgeschäft von Kabarettisten, Comedians und Filmemachern gehört, sorgte vor Jahren noch für Zündstoff – in diesem Fall im New York des Jahres 1959, in dem die Handlung spielt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass dem Publikum in beiden Filmversionen beim Anblick der Nazi-Uniformen der Atem stockt. Empört wollen die ersten Zuschauer den Saal verlassen, als plötzlich Adolf Hitlers Ebenbild auf der Bühne erscheint.

© Jochen Quast

Ausgerechnet der Diktator ist es, der das flüchtende Publikum zurück zu seinen Plätzen führt und es zum Lachen bringt. Aus dem vermuteten Misserfolg wird ein „satirisches Meisterwerk“. So hatten Broadway-Produzent Max Bialystock, in Regensburg gespielt von Sebastian M. Winkler, und Buchprüfer Leo Bloom (Benno Schulz) das nicht geplant. Ein Flop sollte das Stück werden! Mit dem ließe sich nämlich mehr Geld verdienen, als mit einem Hit. Eine These, die Bloom während Bialystocks Bilanzdurchsicht aufgestellt hatte und die den Broadway-König nicht mehr losließ. Schon seine letzten Produktionen waren alles andere als erfolgreich gewesen. Also wurde ein Plan geschmiedet. Sollte Max viel mehr Geld zur Verfügung haben, als die nächste Show kostet, könnte er sich mit Leo und dem Überschuss nach Rio absetzen. Die Voraussetzungen: Geld muss her! Und das schlechteste Musical aller Zeiten muss produziert werden. Zunächst wehrte sich der neurotische und ehrenhafte Buchprüfer gegen den Vorschlag. Die Angst vor dem Gefängnis war groß, die Verlockung schließlich aber doch größer.

Moshammers Auferstehung

Träumt Bloom doch schon lange davon, selbst ein Musicalproduzent zu werden – wie Max, dessen nicht mehr ganz so junge Groupieschaft den Flop finanzieren sollte. Mit Franz Liebkinds Frühling für Hitler war auch schnell das passende Stück gefunden. Roger DeBris (Matthias Laferi) wurde als Glamour-Regisseur engagiert. Im Schlepptau: sein Gefolge – bestehend aus Carmen Ghia (Tamás Mester), Mister Spock/Spuck, Freddie Mercury, Rudolph Moshammer – Gott hab beide selig – und der charmanten Shirley, die in der Pause auf der Bühne die Stellung hielt und ihr Vesper auspackte. Zuvor wurde aber noch der sexy Schwedin Ulla eine Rolle zugeteilt. Kein Wunder: Martina Fenders unnachahmlicher, dezenter Hüftschwung begeisterte und verzückte nämlich nicht nur Max und Leo. Die blonde Augenweide komplettierte die irre Truppe, die sich nun – eins, zwo, drei vier – ans Werk machte.

Tauben und Schäferhund vs. Frauchen und Herrchen

Dominik Wilgenbus’ Inszenierung hält sich sehr an die Originalfassung. Wer das Musical also bereits kennt beziehungsweise die Filme THE PRODUCERS (2005) oder Frühling für Hitler aus dem Jahr 1968 gesehen hat, wird sicherlich Vergleiche ziehen und über die eine oder andere Szene schmunzeln. Das Besondere an der Regensburger Aufführung ist jedoch nicht die (bekannte) Story an sich, sondern wie diese umgesetzt und durch witzige Details erzählt und ergänzt wird – angefangen beim Bühnenbild über die Choreografie bis hin zu den Figuren. Das Ensemble und die Gastdarsteller verstehen es, die Rollen mit ihrer Persönlichkeit und Optik so auszufüllen, dass es ein Vergnügen ist, zuzuschauen. Dabei fällt gleich zu Beginn auf, wie jung und fesch Max Bialystock sein kann, wenn man den „König des Broadways“ als Zero Mostel und Nathan Lane vor Augen hat. Man sehe es der Nonne im Stimmbruch also bitte nach, dass selbst sie bei Herrn Winkler schwach wird. Nicht aber die attraktive Ulla. Die findet nämlich Leo Bloom weitaus interessanter.

© Jochen Quast

Zugegeben: Wenn Benno Schulz gequält sein Schnuffeltuch umklammert, möchte man ihn wirklich in den Arm nehmen. Sein hysterisches Schluchzen ist herzzerreißend. Grandios: Matthias Laferi als singender, tuntiger Führer. Und auch Christian Schossig überzeugt im lässigen Wehrmachtslook als komischer und zugleich beängstigender „Nazi-Bazi“ Franz Liebkind. Ein Jammer, dass ausgerechnet seine heißgeliebte Taube Adolf das Zeitliche segnen muss(te). Gehören sie und die drollige Federvieh-WG in der Inszenierung doch zu meinen Favoriten. Als dann bei den Auditions zu Frühling für Hitler noch ein rülpsender Schäferhund in Uniform stramm steht, laufen die tierischen Charaktere ihren Frauchen und Herrchen beinahe den Rang ab. Dafür stehen sie aber doch zu kurz im Rampenlicht. Ruth Müller hat ebenfalls unvergessliche Auftritte. Mir bleibt sie allerdings vor allem als rüstige Seniorin im Gedächtnis, die sich nur allzu gern von Max begrabschen und betatschen lässt. Dabei taucht sie in Situationen auf, in denen man sie nicht erwartet. Der nächste Lacher ist programmiert.

Heil Hitler! Petry Heil!

Ja, die Inszenierung macht Spaß, ist kurzweilig und individuell. Die Wiederaufnahme ist aktuell. Sogar Frauke Petry bekommt ihren Auf- und Austritt. Der Part ist allerdings so subtil, dass er nicht sofort bei allen Zuschauern ankam. Die Trump-Schlagzeile und Fake-News-Anspielungen sind dagegen offensichtlich.

Nach all den Lorbeeren, die ich verteilt habe, muss ich am Ende leider noch eine Panne erwähnen, die ausgerechnet im „Musical des Musicals“ passierte. Gerade als Angelo Pollak gesanglich loslegte, ging seine Stimme unter. Sicherlich lag dies am Mikrofon, sorgte aber für Verwirrung. Zuschauer, die THE PRODUCERS zum ersten Mal besucht oder gesehen haben, fragten sich, ob dies denn so sein müsse. Schließlich beabsichtigten Bialystock und Bloom einen Flop. Wer das Stück allerdings kannte, wusste: Nein, das war so eher nicht gewollt. Dazu war auch in weiteren Musikstücken der Text manchmal – zumindest für mich – schwer zu verstehen.

Doch nicht nur trotzdem, sondern gerade deshalb würde ich die Inszenierung gerne ein weiteres Mal besuchen – vor allem, um meine Lieblingsstelle diesmal live mit Ton zu erleben: Wenn der SS-Mann die Showtreppe hinabschreitet und lauthals „Springtime for Hitler“ beziehungsweise „Frühling für Hitler“ trällert. Drei Vorstellungen stehen im Theater am Bismarckplatz noch an: am 3., 12. und 16. Dezember. Bis dahin sage ich: „Hals- und Beinbruch“ und „Pfia di God, bitsch, batsch!“

Weitere Infos zur Regensburger Inszenierung:

Musikalische Leitung, Choreinstudierung: Alistair Lilley; Choreographie: Yuki Mori, Tamás Mester; Bühne: Peter Engel; Kostüme: Claudia Doderer; Licht: Martin Stevens; Dramaturgie: Christina Schmidt

Kategorie: Kritiken,Stadttheater

Tags:

Autor: B. Schlager (11.10.2017)

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