Tickets für die besten Musicals sichern: Jetzt Tickets kaufen

Sweeney Todd begeistert in Braunschweig

Mit Musicals werden oft fröhliche und teilweise kitschige Themen in Verbindung gebracht. Dass das Genre des Musicals aus viel mehr besteht, haben schon viele Stücke bewiesen. Auch die Mär von Sweeney Todd wird in dieser Form der Kunst auf der Bühne erzählt und ist ein weiteres Beispiel für ein Musical, weitab von einer heiteren Welt. Wer hätte gedacht, dass eine erfundene Geschichte über einen Serienmörder über Jahrhunderte hinweg so viel Beachtung erhält?

Teile diesen Beitrag

Chor, Maricel und Matthias Stier
Sweeney Todd Ensemble © Volker Beinhorn

Sweeney Todd – ein Musical, das begeistert

Sweeney Todd ist ein Name, der vielen Menschen mittlerweile bekannt ist. Im Jahr 1846 tauchte die Geschichte um den Barbier erstmals in einem Groschenroman auf und somit begann die Mär von Sweeney Todd. Seitdem befassten sich schon viele kreative Köpfe mit dem Plot, wodurch die verschiedensten Dramen und Theaterstücke entstanden. Am 1. März 1979 feierte die jetzige Fassung des Musicals in New York Premiere. Am Londoner West End fand die erste Vorstellung am 2. Juli 1980 statt, während es am 11. April 1985 endlich in Deutschland an den Städtischen Bühnen Freiburg uraufgeführt wurde. Musik und Gesangtexte sind von Stephen Sondheim, das Buch von Hugh Wheeler. Aber spätestens seit der Verfilmung des Musicals sollte Sweeney Todd auch dem nicht-musicalbegeisterten Teil der Bevölkerung ein Begriff sein.

Illusion der Fleet Street eindrucksvoll umgesetzt

Seit dem 4.11.2016 hat Sweeney Todd auch in Braunschweig ein vorübergehendes Zuhause gefunden. Das Kreativteam besteht aus Burkhard Bauche (Musikalische Leitung), Philipp Kochheim (Inszenierung), Anja Jungheinrich (Bühne und Kostüme), Georg Menskes und Johanna Motter (Chor), Christian Steinbock (Dramaturgie). Das Musical ist seit Beginn der Spielzeit sehr gut verkauft, welches einerseits auf die Neugierde auf das Stück, andererseits aber auch auf die hervorragende Vorstellung und Inszenierung zurückzuführen ist. Die besuchte Vorstellung fand am Abend des 18.11.2016 statt.

Mirella Hagen als Johanna

Mirella Hagen © Volker Beinhorn

Um dem Charme Londons im Jahr 1846 gerecht zu werden, wurde das Bühnenbild düster und bedeckt gehalten. Es ist ein schlichtes, aber effektvolles Bühnenbild. Die meisten Kulissen sind schwarz und grau, doch es gibt auch einige farbliche Hingucker. An den Wänden sind Rohre angebracht, die dem Ganzen einen industriellen Look verleihen und mit einer Neon gelblich/grünen Farbe bestrichen sind. Auch Mrs. Lovetts Pastetenbäckerei hat einen Hauch der besagten Farbe erhalten. Einzig und allein Johannas Zimmer hat durch einen Komplettanstrich der Farbe Helligkeit erhalten und strahlt dadurch einen reinen, unschuldigen Charakter aus. Doch nicht nur die Farbgestaltung, sondern auch die bewegbaren Elemente machen das gut durchdachte Bühnenbild aus. So wird zum Beispiel Johannas Zimmer je nach Belieben von innen oder auch von außen betrachtet. Auch das Bett, auf welchem Sweeney und Mrs. Lovett während des Liedes “Am See” über die Bühne rudern sorgt für einen gelungenen Effekt.

Die Individualität in der Masse

Das Ensemble besteht aus dem großen Chor des Staatstheaters Braunschweig und lieferte an dem besuchten Abend eine grandiose Darstellung ab. Die Größe des Chors kommt dem Stück nicht nur augenscheinlich zugute, sondern auch musikalisch. Es ist eine Wohltat so vielen guten Stimmen zuhören zu dürfen. Doch der Chor verstand es auch, perfekt zu schauspielern. Sie waren einheitlich in Rot gekleidet und verschmolzen dadurch zu einer Einheit. Doch nicht nur unterschiedliche und teilweise sonderbare Gegenstände, sondern auch Eigenarten sorgten dafür, dass der Zuschauer in jedem Mitglied des Ensembles einen individuellen Charakter mit eigener Geschichte entdecken konnte. Die Verrücktheit der Charaktere wirkte in keinem Fall überspitzt, sondern perfekt auf den Punkt gebracht und war sehr passend für das Musical.

Markus Schneider und Maricel

Markus S. und Maricel © Volker Beinhorn

“Denkt nur, so viel Fleisch.”

Die Haupt – und Nebenrollen trugen normale, zeitlich angepasste Kostüme und hoben sich so von dem Chor ab, wodurch sie selbst in der Masse leicht zu entdecken waren. Anders, als in manchen Produktionen zuvor, besteht die Cast in Braunschweig aus einer recht jungen Darstellerregie. Sie bringen eine hervorragende Dynamik und großes Engagement mit auf die Bühne.
In der Hauptrolle des Sweeney Todds stand Markus Schneider auf der Bühne. Er schaffte es, die Verzweiflung und die Verrücktheit, so wie den immer größer werdenden Hass des Sweeneys, auf die Bühne zu bringen. Während Mrs. Lovett ihm von ihrer gemeinsamen Zukunft vorschwärmt, interessiert sich Sweeney nur für seine Rachepläne. Momente, in denen er deshalb nur halbherzig zuhört, stellt Schneider sehr humoristisch dar. Generell ist sein Schauspiel von großer Vielfalt und Fingerspitzengefühl geprägt. Auch seine Stimme passt hervorragend zu seiner Rolle. Mit Mrs. Lovett, welche von Maricel verkörpert wird, harmoniert er nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch.
Markus Schneider und Maricel haben auf der Bühne sichtlich Spaß und tauchen komplett in die Extravaganz ihrer Rollen ein. Maricel darf noch mehr skurrile und ausgefallene Momente genießen, denn der Charakter der Mrs. Lovett ist der Inbegriff der Skurrilität. Sie wirkt einerseits verrückt, überspitzt, etwas düster und nicht sehr auf Hygiene in ihrer Bäckerei bedacht. Doch andererseits scheint sie zu oft allein gelassen worden zu sein und auf der Suche nach etwas Liebe. Maricel ist eine perfekte Besetzung für diese Rolle. Sie schafft den Spagat zwischen den verschiedensten Emotionen der Bäckerin und hat nebenbei noch eine schöne Gesangsstimme.

Randy Diamond

Randy Diamond © Volker Beinhorn

Als Richter Turpin und Büttel Bamford standen Randy Diamond und Mike Garling auf der Bühne. Wenn man in diesem Musical die Charaktere überhaupt in Gut und Böse aufteilen kann, verkörpern diese beiden einwandfrei die Bösewichte des Stücks. Sie schaffen es, dass man ihre Rolle, wie für einen Bösen gebührlich, nicht ausstehen kann. Vielleicht ist diese Unterteilung jedoch nicht passend und sie sollten eher als Feinde Sweeneys angesehen werden. Die Darstellung und den Gesang der Darsteller kann man dafür umso mehr leiden.
Anthony Hope wurde von Philipp Georgopoulos gespielt. Er mimt den hoffnungslos Verliebten und naiven jungen Mann, der sich schneller in Gefahr begibt, als er denken kann. Mit Johanna Zett, die an dem Tag ihre Premiere der Johanna gab, harmonierte er ideal.Johanna selbst war es nicht anzusehen, dass das gerade ihre erste Darbietung der Rolle war. Sie war sehr souverän und verzauberte das Publikum mit ihrer Stimme und ihrem Schauspiel, sodass es sehr gut nachzuvollziehen ist, dass sich der junge Anthony in sie verliebt.

In den weiteren Rollen stand Matthias Stier als Tobias Ragg, Andreas Sebastian Mulik als Pirelli und Milda Tubelytė als Hure auf der Bühne. Matthias Stier schaffte es sehr gut, die Naivität seiner Rolle darzustellen. Andreas Sebastian Mulik spielte äußerst treffend den schleimig wirkenden Italiener und Konkurrenten Sweeneys, während Milda Tubelytė mit ihrer grandiosen Stimme und hervorragendem Schauspiel die sogenannte Hure des Musicals spielte.

Lachen und Schrecken fließen zusammen

Es gibt selten ein Musical, in dem alles perfekt zu sein scheint. Doch die Inszenierung des Musicals SWEENEY TODD durch das Staatstheater in Braunschweig kann getrost als perfekt betitelt werden. Vom Bühnenbild bis hin zu den Kostümen ist alles sehr gut durchdacht und umgesetzt worden. Das große Ensemble sorgt für Gänsehautmomente, hervorgebracht durch einzigartige Stimmen und schaurig-schönem Schauspiel. Das große Staatsorchester Braunschweig sorgt ebenfalls für Begeisterung durch die Vielfalt der Instrumente und deren umwerfende Bespielung durch die Musiker. Dazu kommen die Haupt – und Nebendarsteller, die vollkommen in ihren Rollen aufgehen und die skurrilen und horrenden Vorgänge auf der Fleet Street schauspielerisch und gesanglich auf hohem Niveau darstellen. Der Spagat zwischen Humor und düsterem Thriller ist allen Beteiligten gelungen. Das Publikum in so einem Musical mit einzubeziehen, ohne es erzwungen wirken zu lassen, verlangt großes Geschick. Eben dieses wurde hier gekonnt bewiesen. Um zu erfahren, wie der Zuschauer zu einem kleinen Teil der Vorführung wird, sollten Sie den Barbier der Fleet Street lieber selbst kennenlernen. Nutzen Sie die Chance, bevor es zu spät ist. Das Musical läuft in verschiedenen Abständen nur noch bis zum 24. März 2017. Es ist jedoch zu hoffen, dass das Musical in der nächsten Spielzeit erneut aufgeführt wird.

Kategorie: Kritiken

Autor: S. Müller (12.12.2016)

Teile diesen Beitrag

Monatlicher Musical-Newsletter

Erhalten Sie einmal im Monat kostenlos die wichtigsten Musical-News im Überblick: Welche neuen Musicals laufen wo? Welche tollen Musical-Angebote gibt es? Verpassen Sie keine Hinweise mehr!

Die Abmeldung von dem Newsletter ist jederzeit möglich.

Kommentar hinterlassen

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)
Musical1 Newsletter
Zusammengefasste Musical-News
Hinweise auf gute Musical-Angebote
Regelmäßige Ticketverlosungen
Musical-Neuerscheinungen