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SUNSET BOULEVARD: Gil Mehmert inszeniert wieder für das Theater Dortmund

Am 08. Oktober feierte SUNSET BOULEVARD am Theater Dortmund Premiere. Nach der Erfolgsproduktion JESUS CHRIST SUPERSTAR im Jahr 2014 folgt nun das nächste Musical aus der Feder von Andrew Lloyd Webber. Musical1 hat die zweite Vorstellung am 16. Oktober besucht.

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Pia Douwes (Norma Desmond) verliert jeden Bezug zur Realität ©Thomas Jauk, Stage

Was folgt auf Mehmerts großen Erfolg mit JESUS CHRIST SUPERSTAR?

… Wieder ein Webber Stück. Nach Alexander Klaws nun Pia Douwes, Oliver Arno und Wietske van Tongeren. Inszeniert hat auch dieses Mal Gil Mehmert, aber reichen all diese Parallelen, um mit SUNSET BOULEVARD an den Erfolg aus dem Jahr 2014 anzuknüpfen?

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Der Sunset Boulevard, eine große Villa, ein Pool und eine Leiche, die in den frühen Morgenstunden in eben diesem Pool treibt. Es ist kein geringerer als der Drehbuchautor Joe Gillis. Aber wie kam es zu seinem Tod, was war passiert? Wurde er vielleicht sogar ermordet? In einer Rückblende erzählt Joe aus seinem Leben: Von der verzweifelten Suche nach einer neuen Idee oder einem Buch, das er zum Drehbuch umschreiben kann. Es läuft nicht wirklich gut für Gillis, selbst die Gläubiger sind inzwischen hinter ihm her. Viel gibt es nicht von ihm zu holen, doch sein Auto will er sich auf keinen Fall pfänden lasse. Auf seiner Flucht landet er schließlich auf dem Anwesen der gealterten Stummfilm-Diva Norma Desmond.

Als Norma erfährt, dass es sich bei dem Mann um einen Drehbuchautor handelt, stellt Sie ihn ein. Er soll ihr Stummfilmdrehbuch „Salome“ überarbeiten. Die labile Frau zieht sich an dem Gedanken hoch, wieder ins Rampenlicht zurück zu kehren und klammert sich nicht nur an diese Hoffnung, sondern auch daran, dass Sie in Joe auch wieder eine Liebe gefunden hat. Doch Norma engt Joe immer weiter ein. Der Luxus, den er sich so sehr erhofft hatte, bekommt einen bitteren Beigeschmack. Schon lange hat der einstige Stummfilmstar jeden Bezug zur Realität verloren. Daran ist auch ihr Butler Max nicht unschuldig. Seit Jahren fälscht er Fanbriefe und lässt Norma im Glauben, dass ihre Fans Sie immer noch vermissen. Als sie erfährt, dass Joe mit einer anderen Frau – der jungen Betty Schäfer – zusammenarbeitet, bricht ihre Welt zusammen. Im Streit offenbart Joe Norma, dass alles eine Lüge war und aus ihrer Rückkehr ins Scheinwerferlicht nichts wird. So endet die Beziehung zwischen Norma und Joe endgültig. Sie ist gefangen in ihrer eigenen Welt und kann ihrer Vergangenheit nicht entfliehen.

©Thomas Jauk, Stage Picture

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Die Besetzung

Pia Douwes kehrt nach einigen Jahren in die Rolle der Norma Desmond zurück. Bereits auf der Tour durch die Niederlande – im Jahr 2008 – verkörperte Sie diese Rolle. Auch Wietske van Tongeren und Oliver Arno sind nicht zum ersten Mal in ihren Rollen zu sehen. 2014 auf der Landgraf-Tournee verkörperte Oliver Arno die Rolle des Joe Gillis, während Wietske van Tongeren 2011 die Betty Schäfer in Bad Hersfeld verkörperte.

Die alternde Diva

©Thomas Jauk, Stage Picture

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Die gebürtige Holländerin Pia Douwes verkörpert die Rolle der Norma Desmond mit großen Gesten und eindrucksvoller Mimik. Die perfekte Art, um die alternde Diva darzustellen, jedoch fragt sich der Zuschauer phasenweise, wer die wahre Norma ist. Im Zusammenspiel mit Oliver Arno schafft es Pia Douwes, überzeugend die emotionale Abhängigkeit herauszukehren. Man spürt, wie geschickt Norma Joe zum Bleiben überredet und versteht, warum der Drehbuchautor sie nicht verlassen kann. Zu Recht bekommt Douwes für Nur ein Blick viel Applaus.

Der desillusionierte Drehbuchautor

Oliver Arno als Joe Gillis steht so gut wie immer auf der Bühne. Er schlüpft in die Rolle des großen Verlierers dieses Musicals. Eigentlich träumt der Drehbuchautor vom Erfolg in der Traumfabrik Hollywoods, doch anstelle von Erfolgen sammelt er immer mehr Schulden an. Der Schlüssel zu einem Leben im Luxus scheint Norma zu sein – hier lebt er aber wie in einem goldenen Käfig. Sie kontrolliert ihn auf Schritt und Tritt. Zu allem Übel verliebt er sich auch noch in die Verlobte seines besten Freundes. All das findet sich in seinem Spiel wieder. Nicht nur im Zusammenspiel mit Wietske van Tongeren und Pia Douwes kann der gebürtige Österreicher überzeugen, sondern auch in seinem großen Solo zum Beginn des zweiten Aktes zeigt er, was in ihm steckt.

Herrlich optimistisch

©Thomas Jauk, Stage Picture

©Thomas Jauk, Stage Picture

Während Norma ihrer Karriere nachtrauert und Joe hinter die Fassade der Hollywoodindustrie geschaut hat, verkörpert Betty Schäfer den puren Optimismus. Man kann sich aber nie sicher sein, ist Betty optimistisch oder doch naiv; und das drückt Wietske van Tongeren mit jeder Faser ihres Körpers aus. Schon wenn sie die Bühne betritt, hat sie eine unglaublich positive Ausstrahlung. Das Zusammenspiel des desillusionierten Joe und der optimistischen Betty ist überaus geglückt. Dies zeigt sich auf eindrucksvolle Weise auch im Duett Viel zu sehr zwischen Joe und Betty.

Der Geist, der über allem schwebt

Über allem scheint der Buttler Max von Mayerling zu stehen. In Dortmund schlüpft der Tenor Ks. Hannes Brock. Er hat in seinem Auftreten etwas Geisterhaftes. Er weiß alles und zieht die Strippen, er kontrolliert alles was zu Norma durchdringt und schafft für sie die perfekte Illusion. So bleibt Norma stets in dem Glauben, ihre Fans vermissen sie und warten nur auf ihre Rückkehr. Welche Rolle er wirklich spielt wird erst im Verlauf des Stückes klar. Dennoch schafft es Brock, dass der Zuschauer ihm gegenübe ein gewisses Misstrauen entwickelt.

©Thomas Jauk, Stage Picture

©Thomas Jauk, Stage Picture

Musikalisch auf hohem Niveau

Was unter der Leitung von Ingo Stadtmüller aus dem Orchestergraben dringt, ist ein Genuss für die Ohren. Als Musicalbesucher ist man es kaum noch gewohnt, ein voll besetztes Orchester zu hören. Instrumente vom Band sind da keine Seltenheit mehr. Umso schöner ist es den Dortmunder Philharmonikern zu lauschen. Generell gibt es musikalisch wenig zu bemängeln. Das Ensemble ist gut aufeinander abgestimmt. Phasenweise leidet jedoch die Verständlichkeit der Liedtexte, besonders in den Ensemblenummern. Ergänzt wird das Ensemble und das Orchester durch ein funktionales und sehr gut durchdachtes Bühnenbild.

Dunkel und doch Wandelbar

©Thomas Jauk, Stage Picture

©Thomas Jauk, Stage Picture

Ein abgeschrägtes Bühnenpodest, das zu Beginn als Pool fungiert, wandelt sich im Laufe des Stückes zu den Paramount Studios, wird zu Schwab’s Drugstore oder auch zum privaten Kinosaal, in dem Norma Abend für Abend ihren großen Erfolgen nachtrauert. Diese schnellen Wechsel sind durch Klappen im Podest möglich. Auf der Unterseite der Klappen kommen große rote Sitzkissen zum Vorschein. Ihren großen Auftritt ermöglicht Heike Meixner (Bühne und Kostüm) Norma über eine große Treppe auf der linken Bühnenseite.

Die Treppe bleibt konstant auf der Bühne wie auch der ‚Turm‘ auf der rechten Seite. Dennoch schafft es Meixner, dass sich das Bühnenbild wandelt. Der Schlüssel hier: der ‚Turm‘ ist drehbar und wird so schnell von den Orgelpfeifen in Normas Villa, über die Probebühne im Studio 18 der Paramount Studios bis hin zu Joes Räumen über der Garage der Villa. Nach Gillis Umzug in das Haupthaus der Villa werden die Garagenräume ersetzt durch Bettys Büro. Hier arbeiten Betty und Joe an ihrem gemeinsamen Drehbuch. Im Hintergrund sieht man während des Großteils des Stückes die große Fensterfront der Villa, in der trübe, fast schon blinde Fensterscheiben davon zeugen, dass Normas große Zeit längst der Vergangenheit angehört.

Fazit

Mit SUNSET BOULEVARD setzt das Theater Dortmund seine Reihe an wirklich geglückten Musical-Inszenierungen fort. Großes Orchester, tolle Darsteller und ein schlichtes, aber gut durchdachtes Bühnenbild. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall. Die Produktion ist noch bis zum 22. Januar 2017 im Dortmunder Opernhaus zu sehen.

Kategorie: Kritiken,Stadttheater

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Autor: K. Heinen (20.10.2016)

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