Tickets für die besten Musicals sichern: Jetzt Tickets kaufen

SHREK Kritik – Deutschlandpremiere in Düsseldorf

Bei "Musical" und "grün" denken die meisten zuerst an WICKED oder TARZAN. Doch ab jetzt gibt es einen neuen Mitstreiter in dieser Kategorie und der ist nicht nur grün, sondern auch ogermäßig groß und heißt SHREK. In einer Inszenierung von Andreas Gergen feierte das märchenhafte Musical am 19.10.2014 Premiere im Capitol Theater Düsseldorf. Wir waren für euch schon am Vortrag bei einer Preview dabei.

Teile diesen Beitrag

Shrek und Fiona vor dem ersten Kuss
Shrek und Fiona vor dem ersten Kuss © Jens Hauer

SHREK – ein unwahrscheinlicher Held mit großem Herz

(Fast) jedes Kind kennt die Geschichte des großen, grünen Ogers Shrek, der auszieht, um seinen Sumpf zu retten. In diesen hat nämlich Lord Farquaad alle unliebsamen Märchenwesen eingesperrt und die gehen dem Oger gewaltig auf die Nerven. Shrek will eigentlich nur seine Ruhe und wird dabei zum unwahrscheinlichen Helden. Auf der Reise lernt er nämlich nicht nur den geschwätzigen Esel kennen, der sich dazu entschließt, Shreks bester Freund zu werden. Er rettet auch noch stilecht die schöne Prinzessin Fiona aus ihrem drachenbewachten Turm. Was eigentlich nur ein Teil der Abmachung mit Lord Farquaad war, um seinen Sumpf wiederzubekommen, entpuppt sich schnell als vom Schicksal gewollte Begegnung. Denn Prinzessin Fiona ist ebenso unkonventionell wie Shrek selbst… Am Ende steht fest, dass wahre Liebe sich nicht von Äußerlichkeiten aufhalten lässt und auch Oger ein Happy End verdienen.

Märchenhafte Kostüme und Bühnenbilder

Der Esel und die Drachenlady kommen sich näher.

© Jens Hauer

Die bereits aus dem Kino bekannte Geschichte wird in der Inszenierung von Andreas Gergen auf der Bühne ebenso quirlig, lustig und kunterbunt umgesetzt. Aufwendige und detailliert gestaltete Kostüme lassen das Land Weit Weit Weg zum Leben erwachen. Das Bühnenbild ist eine spannende Mischung aus tatsächlichen Kulissen und Videoeinspielungen auf einer LED-Wand im Hintergrund. So können verwunschene Wälder, vulkanartige Landschaften oder das Schloss von Lord Farquaad auf die Bühne gezaubert werden. Ganz echt ist aber die Drachenlady (Deborah Woodson), die Rauch (und nicht ganz so echtes) Feuer speit und mit ihrem Gesang nicht nur den Esel zutiefst beeindruckt.

Die Chemie zwischen den Hauptfiguren stimmt

Shrek, der Esel und Prinzessin Fiona sitzen am Lagerfeuer.

© Jens Hauer

Der zunächst missmutige Oger Shrek (Andreas Lichtenberger, in der hier rezensierten Vorstellung Frank Winkels als alternierender Shrek) kann mit seinem furchteinflößenden Brüllen das ganze Podium zum Beben bringen. Trotzdem ist ihm immer die Sympathie des Publikums sicher, das sich mit dem Eigenbrötler gut identifizieren kann. Ein hervorragender Gegenpol zum grummeligen Shrek ist der stets bestens gelaunte Esel (Andreas Wolfram), der mit seinem pausenlosen Geplapper und seinem Charme alle Lacher auf seiner Seite hat. Und dann gibt es noch Prinzessin Fiona (Bettina Mönch), die manchmal verträumt und manchmal ganz praktisch veranlagt das Trio komplettiert und besonders durch ihr perfektes komödiantisches Timing auffällt. Alle Hauptdarsteller schaffen es mühelos, die eigentlich schon aus den Filmen bekannten Rollen für sich selbst neu auszufüllen und so eine ganz eigene Interpretation zu schaffen. Die prägnanten Dialoge der ungewöhnlichen Reisegefährten haben viel Witz und die Unterschiede der Figuren sorgen für viele unterhaltsame Szenen. Das Musical kennt aber auch leisere Töne, etwa wenn Shrek darüber nachdenkt, warum es als Oger so schwer ist, ein Held oder Dichter zu sein, oder wenn er nach Worten sucht, um Fiona seine Liebe zu gestehen. (Hier merkt man übrigens, warum der Oger als Dichter vielleicht tatsächlich nicht so geeignet ist…)

Tolles Ensemble in abwechslungsreichen Rollen

Das Shrek Ensemble als bunte Märchentruppe.

© Jens Hauer

Bei allem Lob für die Hauptdarsteller muss aber auch gesagt werden, dass das Musical immer dann besonders an Fahrt gewinnt, wenn das gesamte Ensemble auf der Bühne steht. Neben den tanzfreudigsten Wachleuten, die man sich vorstellen kann, ist das Ensemble unter anderem auch noch als Spielzeugfiguren im Duloc-Begrüßungssong und vor allem als bunte Truppe an Märchenfiguren zu sehen. Hier fällt positiv auf, dass die Märchenbande neben den im Film vorkommenden Figuren wie Rotkäppchen, dem Lebkuchenmann (beide: Jessica Kessler) oder Pinocchio (Stephan Luethy) auch um einige typisch deutsche Figuren wie z.B. Frau Holle oder Max und Moritz bereichert wurde. Auch einige andere beliebte “moderne Märchenfiguren” haben einen Cameo-Auftritt und sorgen damit für große Begeisterung im Publikum. Und wenn die Märchenfiguren schließlich beschließen, das Label “Freaks”, unter dem sie von Anfang an ausgegrenzt wurden, für sich zu beanspruchen und ihre Andersartigkeit als etwas Positives ansehen, dann bekommt das Musical plötzlich auch eine politische Note und bekennt Flagge – eben für die Freaks.

Die bekannte Filmhandlung wird zitiert und sogar erweitert

Liebhaber des animierten Kinofilms werden im Musical voll auf ihre Kosten kommen. Viele Lieblingsszenen aus dem Film wurden eins zu eins übernommen, so z.B. die “Oger sind wie Zwiebeln”-Szene. Andere Gimmicks des Films wie die Schilder für Publikumsreaktionen haben im Musical sogar einen noch besseren Effekt. Leider fehlt der sprechende Spiegel und es stellt sich die Frage, warum Fionas Fluch hier anders übersetzt wurde als im Kinofilm. Dafür geht das Musical noch einmal besonders auf die Kindheit der Hauptfiguren ein und zeigt die Parallelen zwischen dem jungen Shrek und der jungen Fiona auf. Selbst der eigentlich unausstehlich selbstverliebte Lord Farquaad (Carsten Lepper, in der hier rezensierten Vorstellung Paul Kribbe, der eine beeindruckende körperliche Leistung an den Tag legt) erhält eine stimmige Hintergrundgeschichte.

Stimmige Musik und mitreißende Choreographien

Fiona hilft dem Rattenfänger von Hameln.

© Jens Hauer

Die Musik ist stimmig und passt in die bunte Märchenwelt. Manchmal wünscht man sich eine etwas andere Tonabmischung für bessere Textverständlichkeit, aber vielleicht wurde das zur Premiere schon behoben. So richtig im Ohr bleiben beim ersten Hören nur wenige Lieder, hier aber allen voran das stetige Thema der “schönen, strahlenden Welt”, die Shrek erst nach und nach für sich entdecken kann. Ein musikalischer Höhepunkt des Stücks ist sicherlich Fionas “Heut ist der Tag”, in dem wir miterleben, wie sie jahrelang und trotzdem voller Hoffnung im Turm eingesperrt auf ihren Traumprinzen wartet. Und wer die Musik aus dem Film vermisst, kommt spätestens beim Schlussapplaus auf seine Kosten. Bei “I’m A Believer” hält es niemanden mehr auf den Sitzen und das ganze Publikum feiert mit.

Noch mehr als die Songs passen die Tanzeinlagen voll und ganz ins Land Weit Weit Weg. Ob Märchenfiguren, Wachen oder die Ratten des Rattenfängers von Hameln (von den drei Mäusen und den Drachenbackgroundtänzern mal ganz abgesehen) – es geht heiß her in Duloc. Hier sprühen alle Beteiligten vor Begeisterung und Tanzfreude und diese Energie geht direkt auf die Zuschauer über.

Ein Spaß für die ganze Familie

Insgesamt ist das Musical ein großer familienfreundlicher Spaß. Auch wer den Film schon in und auswendig kennt, wird im Musical noch die eine oder andere Überraschung erleben. Wie die verrückte Märchenwelt auf der Bühne zum Leben erwacht und von schrulligen und gerade deswegen so liebenswürdigen Gestalten bevölkert wird, ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Und die vielen augenzwinkernden Verweise auf andere Märchen und ironischen Anspielungen runden den Spaß auch für Erwachsene ab und lassen humorvoll aber bestimmt auch ein paar ernstere Themen durchklingen. Was für ein Märchen!

 

SHREK ist noch bis zum 4. Januar im Capitol-Theater in Düsseldorf zu sehen, bevor die Tour zunächst nach Berlin weiterzieht. Alle Tourtermine findet ihr hier.

Und wer jetzt noch neugieriger auf das Musical geworden ist, kann hier schon einmal den neuen Trailer bewundern:

Kategorie: Kritiken,Shrek,Tour Musicals

Autor: M. Langbecker (21.10.2014)

Teile diesen Beitrag

Monatlicher Musical-Newsletter

Erhalten Sie einmal im Monat kostenlos die wichtigsten Musical-News im Überblick: Welche neuen Musicals laufen wo? Welche tollen Musical-Angebote gibt es? Verpassen Sie keine Hinweise mehr!

Die Abmeldung von dem Newsletter ist jederzeit möglich.

Kommentar hinterlassen

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)
Musical1 Newsletter
Zusammengefasste Musical-News
Hinweise auf gute Musical-Angebote
Regelmäßige Ticketverlosungen
Musical-Neuerscheinungen