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Schwarz-Weißer Hollywood-Himmel an der Wiener Volksoper

AXEL AN DER HIMMELSTÜR – heißt die Operette mit der die Wiener Volksoper den Premierenreigen der neuen Spielzeit eröffnet. Das relativ unbekannte Lustspiel aus den 1930er Jahren verhalf damals Zarah Leander zu ihrem Durchbruch. Musicalgrößen wie Bettina Mönch und Andreas Bieber entführen das Wiener Premierenpublikum am 17. September 2016 mit einer außergewöhnlichen Inszenierung in eine Zeit als die Bilder Laufen lernten

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Bettina Mönch (Gloria Mills), Ensemble
Gloria Mills (Bettina Mönch) im Stummfilm und Ensemble © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Bemerkenswerte Schwarz-Weiß-Film Umsetzung

Selten wird sie gespielt die Operette AXEL AN DER HIMMELSTÜR von Ralph Benatzky. Diese Gelegenheit nun zu nutzen, das alleine wäre schon Grund genug sich das Stück einmal anzuschauen. Doch darüber hinaus hat sich das Leadingteam rund um Regisseur Peter Lund, der das Werk auch bearbeitet hat, eine ganz besondere Inszenierung ausgedacht. Das musikalische Lustspiel, welches am 1. September 1936 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde, wird in der Volksoper Wien als der wohl klangvollste Hollywood-Stummfilm der Theatergeschichte aller Zeiten inszeniert. Mit vielen Einfällen, komplett in Schwarz-Weiß, aber dennoch nicht farblos zeigen Regie, Bühnenbild und Kostüm was man alles in Graustufen – sozusagen 50 shades of grey einmal anders – auf die Bühne zaubern kann.

Einfache, humorvolle Story

Bettina Mönch und Andreas Biber

© Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Der erfolglose Gesellschaftsreporter Axel Swift (Andreas Bieber) ist immer auf der Suche nach der ganz großen Story. Über seine Freundin Jessie (Johanna Arrouas), die als Sekretärin in den Hollywood Filmstudios arbeitet, hofft er an ein Interview mit der weltberühmten Filmdiva Gloria Mills (Bettina Mönch) zu kommen, dass ihm zum großen Durchbruch verhelfen soll. Mit einer List, guter Verkleidung und viel pfälzer Dialekt gelingt es ihm in die Diven-Villa in den Hollywood-Hills zu gelangen. Der Schwindel hält aber nicht lange und er fliegt auf. Durch Wortwitz und Charme gelingt es ihm dennoch die Nacht im Haus des Hollywoodstars zu verbringen. Kurz bevor er nicht nur ein Interview, sondern auch das Herz der Schauspielerin gewinnt verschwindet ihr teurer Douglas-Fairbanks-Diamant. Sofort wird der mittellose Journalist verdächtigt. Axels eifersüchtige Freundin Jessie samt Neo- Lover und Friseur Theodor (Boris Eder), der Freund der Filmdiva Prinz Tino Taciano (Maximilian Klakow) und die auf der Suche nach dem Schmuckstück befindliche Polizei machen aus einer romantischen Sommernacht ein turbulentes und humorvolles Durcheinander.

Prädikat „Großes Kino“

Bettina Mönch (Gloria Mills), Hollywood Harmonists: Maximilian Klakow, Oliver Liebl, Jakob Semotan, Stefan Bischoff, Andreas Bieber (Axel Swift)

© Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Bettina Mönch zeigt eine Schauspielerin am Rande des Nervenzusammenbruchs. Von Beginn an wird klar, dass sie zwar nach außen ein Star aber tief in ihrem Inneren ein trauriger Clown ist. Die Figur ist eine Parodie auf zahlreiche weibliche Hollywood-Größen wie zum Beispiel Elizabeth Taylor. Die fiktive Gloria Mills feierte in ihrer Karriere angelehnt an die echten Hollywoodstars große Erfolge. Anstelle von Marlene Dietrich spielte sie „Den Blauen Engel“, war statt Greta Gabor in „Camille“ zu sehen oder schlüpfte für Bette Davis in „Girl from 10. Avenue“ in deren Hauptrolle. Trotz dieser übermenschlichen Universalkarriere wünscht sie sich in ihrem tiefen Herzen einen Mensch an ihrer Seite. Schon während der ersten Nummer, die als Kontrast zu ihrem Inneren beschwingt klingt, wird dem Zuschauer klar, dass sie sich unverstanden fühlt. Die Verzweiflung und theatralische Selbstmordgedanken bringt Mönch gut auf den Punkt. Die Balance zwischen Komödiantin, sexy Diva die mit den strapazierten Nerven jederzeit die Contenance verlieren könnte und exzellenter Sängerin gelingt der Darstellerin sehr gut. Sie spielt die Rolle der schönsten Frau der Welt, singt sich bei „Gebundene Hände“ mit kraftvoller Stimme in die Herzen der Zuschauer und verhilft der Inszenierung zum Prädikat „großes Kino“.

Tempo-Macher

Zu dieser Auszeichnung trägt auch Hauptdarsteller Andreas Bieber bei, der als charmantes Schlitzohr mit viel Pep und Slapstick schnell die Sympathien hinter sich hat. Ob er nun im  Dialekt den rüstigen Rentner mimt oder beschwingt  in Fred Astaire Manier die Showtreppe in Anzug und Fliege elegant hinabschreitet, alle Bühnendisziplinen meistert er sicher und verkörpert seine Rolle mit einer erfrischenden Leichtigkeit. Wie schon bei ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK, wo er in Wien im Raimund Theater bis vor kurzem bei der Tourproduktion zu sehen war, ist er einer der Garanten dafür, dass auf der Strecke von knapp 2 ½ Stunden Spieldauer der Drive erhalten bleibt.

Side-Kick avanciert zum Publikumsliebling

Boris Eder (Theodor Herlinger), Johanna Arrouas (Jessie Leyland)

© Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Johanna Arrouas und Boris Eder avancieren als sich neufindendes Liebespaar zu den Publikumslieblingen des Abends. Die impulsive aber dennoch vernünftige Sekretärin ist enttäuscht von Dauerfreund Axel, der sie immer wieder versetzt. Aber echte amerikanische Mädchen sind nie traurig. Ihrem Freund Theodor gelingt es sie mit Krautfleisch zu trösten. Der Schüchterne Friseur  mit Wiener Schmäh ist schon lange heimlich in die Freundin seines besten Freundes verliebt und hat ihr zuliebe sogar Englisch gelernt.

Spiel in die Herzen

Einen tollen Bühnenmoment erlebt das Publikum, wenn Theodor seiner Flamme Jessie die Haare schneidet und sie nach kurzer Zeit als Bühnentrick mit neuer gelockter Frisur hinter ihm auftaucht. Spätestens als beide in Unterwäsche durch die Villa der Filmdiva streifen, erklimmen sie nicht nur über die Stufen Gloria Mills Schlafzimmer, sondern auch die Herzen der Zuschauer, die sich das Lachen nicht mehr verkneifen können. Die humorvollen Szenen der beiden sind filmreif.

Eine handvoll Musik

Andreas Bieber (Axel Swift), Hollywood Harmonists: : Stefan Bischoff, Oliver Liebl, Roman Martin, Maximilian Klakow, Jakob Semotan

© Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Auch die Hollywood-Harmonists – ein Quintett aus fünf Männern, das immer wieder zwischen den Szenenwechseln agiert, sorgen für zahlreiche Lacher im Publikum. Optisch sind sie überzeichnete Figuren mit ausgestopften Kostümen mit zu dicken Bäuchen, zu breiten Schultern und zu wilden Frisuren. Dazu agieren sie – historisch korrekt unter dem Hollywoodland-Schriftzug – mit übertriebener Mimik und Gestik wie in Stummfilmzeiten. Gesanglich bringen sie die mehrstimmigen Einlagen und die dazu passenden Choreographien (Andrea Heil) immer exakt auf den Punkt. Sie sind für schöne schnelle und fließende Übergänge verantwortlich und verschmelzen teilweise mit den außerordentlich gelungenen Videoproduktionen von Andreas Ivancsics. Aus zunächst einfach schwarz auf weiß gezeichneten Umrissen entstehen nach und nach realistische Räume täuschend echte Locations auf 2D, wo sogar die Wolken realistisch echt am Himmel ziehen und am Ende durch Fotos und Videos ergänzt werden.

Freude für Wiederholungstäter

Mit Axel bis zur Himmelstür zu gehen lohnt sich in jedem Fall. Das Team hat aber so viele Details, Anspielungen und Querverweise versteckt, dass auch beim zweiten oder dritten Mal genug bis dahin unentdeckte Überraschungen auf den Zuschauer warten. Diese kleinen Ideen, wenn zum Beispiel Strauß und Schubert mit dem Kaiser Schuhplattln, sind es, die das Publikum schon während des ersten Aktes zum Kichern und Jubeln bringen.

Bettina Mönch

© Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Stimmiges Gesamtkonzept

Auch die Kostümbildnerin Daria Kornysheva hat sich große Mühe gegeben. Detailreich bis zur Perlenkette wurden authentische Kostüme geschaffen, die trotz der fehlende Farbe klare Figuren entstehen lassen.  Maske (Peter Köfler)  – die allen Schauspielern weiße Gesichter verpasst und Licht (Wolfgang Könnyü) tragen maßgebend zur Illusion des Schwarz-Weiß-Filmes bei, aus der man erstmals nach 70 Minuten mit dem roten Vorhang zur Pause wieder gerissen wird. Eingebettet wurde die ganze Operette zwischen einen zu Beginn gezeigten Vorspann inklusive einer kurzen Stummfilmszene und einer besonderen Applausordnung, angelehnt an eine im Zeitraffer gezeigte Stummfilmszene.  Eben mit diesen witzigen und detailreichen Einfällen gelingt es den Abed trotz der eher überschaubare Geschichte und der nicht sehr hitverdächtigen Songs zu etwas außergewöhnlichem zu machen. Dieser schwungvolle Schwarz-Weiß-Movie wird einem sicher lange im Gedächtnis bleiben.

Leading Team:

  • Buch: Paul Morgan und Adolf Schütz
  • Text: Hans Weigel
  • Musik: Ralph Benatzky
  • Regie: Peter Lund
  • Bühnenbild: Sam Madwar
  • Kostüme: Daria Kornysheva
  • Video: Andeas Ivancsics
  • Choreographie: Andrea Heil
  • Dirigent: Lorenz C. Aichner

Besetzung:

  • Gloria Mills, Filmstar: Bettina Mönch
  • Axel Swift, Reporter: Andreas Bieber
  • Jessie Leyland: Sekretärin: Johanna Arrouas
  • Theodor Herlinger, Friseur: Boris Eder
  • Cecil McScott, Filmproduzent  Richter Desmond Carter: Kurt Schreibmayer
  • Kriminalinspektor Morton: Gerhard Ernst

Die Hollywood Harmonists u.a. als:

  • Randy Racebottom, Klatschreporter / Autor: Stefan Bischoff
  • Bab Peppermint, Rechtsanwalt / Ausstatter: Jakob Semotan
  • Tommy Thomson, Polizist / Beleuchter / Clark, Glorias Chauffeur : Oliver Liebl
  • Meredith, Glorias Butler / Regisseur: Roman Martin
  • Prinz Tino Taciano / Tonmeister: Maximilian Klakow

 

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Kategorie: Kritiken

Tags:

Autor: M. Sommerfeld (18.09.2016)

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