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Schlösser sind sein Ding – Jan Ammann in LUDWIG²

Der König ist zurück – am vergangenen Sonntag hatte Jan Ammann (wieder) Premiere in der Rolle, die ihn einst bekannt machte. Das Musical LUDWIG² ist dieses Jahr vom 3.-27. August im Festspielhaus in Füssen zu sehen. Wir haben uns den Tausch Vampirumhang gegen Königsmantel angeschaut.

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Ludwig² - Jan Ammann Kalte Sterne
lLudwig² – Jan Ammann Kalte Sterne © Peter Samer

Die Rückkehr des Königs

Vom Vampirschloss zum Königsschloss, mit einem kurzen Zwischenstopp auf Manderley. Die Aristokratie und gediegenes Wohnambiente scheinen es Jan Ammann angetan zu haben. Seine Rückkehr an den Forggensee wurde von den Fans des Musicals LUDWIG² fieberhaft erwartet. Zur Premiere am Sonntagmittag lag Neuschwanstein stilecht und passend zur eher düsteren Stimmung des Stückes im Nebel.

Bereits zum dritten Mal schlüpft Jan Ammann in die Rolle des König Ludwig II. mit der er vor siebzehn Jahren bekannt wurde. Damals wurde er noch während des Studiums für das Vorgänger-Stück „LUDWIG II. – SEHNSUCHT NACH DEM  PARADIES“ ausgesucht und spielte diese von 2000 bis 2003. In LUDWIG² gab er von 2005 bis 2007 wieder den Märchenkönig. Bei den Wiederaufnahmen 2011 und 2016 war er nicht dabei. Matthias Stockinger übernahm die Erstbesetzung. Dieses Jahr gibt es gleich drei Könige: Matthias Stockinger, Jan Ammann und als Cover Oedo Kuipers.

Kein Blick zurück

Gleich vorweg: Wir wollen nicht vergleichen. Weder das jetzige Stück mit den Versionen aus den Jahren davor noch die Besetzungen. Wir haben uns ganz bewusst auf eine Momentaufnahme eingelassen und uns voll und ganz auf die Aufführung mit König Jan am 6. August 2017 konzentriert.

Das Festspielhaus ist gut besucht, die Spannung steigt. Gleich beim ersten Heben des Vorhangs ist er zu sehen und zu hören, wenn auch im Hintergrund. Der Anfang gehört dem kleinen Ludwig (am Sonntagmittag wunderbar gespielt von Leander Lutz) und seinem Kindermädchen Sybille Meilhaus. Monika Staszak begeistert vom ersten Augenblick als lebenslange Bezugsperson und Mutterersatz Ludwigs und ihr „Mein Ritter, schlaf und träume“ gehörte zu einem der (nicht wenigen) Highlights der Aufführung.

Ludwig und Sisi?

Nach der Krönung des sehr jungen Kronprinzen, verlobt er sich überraschend mit Kaiserin Elisabeths jüngster Schwester Sophie. Genauso schnell löst er die Verbindung allerdings auch wieder auf. Dieser Affront (von Ludovika mit dem auflockernden „Der König ist nicht ganz bei Trost“ kommentiert) führt auch zu einem Zerwürfnis zwischen Ludwig und Elisabeth. Die angedeutete (historisch nicht belegte) unerfüllte Liebesbeziehung zwischen den beiden bietet Raum für die von einem groß inszenierten Blütenregen begleitete „Rosen-Arie“ von Sisi („Rosen ohne Dornen“) und das romantische Duett „Liebe, die in Freiheit blüht“. Immer wieder im Verlauf des Stückes erscheint der kleine Ludwig und fungiert als eine Art Gewissen für den erwachsenen König.

„Kalte Sterne“ lassen nicht kalt

Im zweiten Akt ist aus dem jungen, mit großen Plänen und Hoffnungen gestarteten König, ein erwachsener und deutlich ernüchterter Mann geworden, den die Realität des Regierens eingeholt hat. Die Konflikte, die er mit sich selbst  – aber auch mit seinen Beratern – ausfechten muss, beschreibt er eindrucksvoll in „Wir sind von altem Adel“. Nachdem sein Bruder Otto verletzt und geistig verwirrt aus dem Krieg heimkehrt, hadert Ludwig immer mehr mit den Folgen seiner Entscheidungen. Mit seinem Solo „Die Nacht marschiert“ und auch im Duett zwischen den Brüdern („Wann kommst du wieder“) überzeugt Julian Wejwar als Prinz Otto sowohl stimmlich als auch darstellerisch.

Mit tosendem Zwischenapplaus und Jubel bedacht wurde das dramatische und fantastisch gesungene „Kalte Sterne“, das alleine schon den Besuch im Festspielhaus lohnte.

Ebenfalls umjubelt der Auftritt des zweiten Publikumslieblings Kevin Tarte als Schattenmann nach der Verhaftung Ludwigs.

Das Ende bleibt offen

Ludwig² - Jan Ammann und Oedo Kuipers

© Peter Samer

Das Ende kennt – ähnlich der Titanic – jeder: Ludwig II. wird entmündigt und stirbt sagenumwoben im Starnberger See. Auch das Musical lässt hier der Fantasie der Zuschauer freien Lauf. In dem Moment als Ludwig immer tiefer ins Wasser geht, ertönen Schüsse. Ob er nun also ertrank oder erschossen wurde, bleibt dem Glauben des Einzelnen überlassen.

Fazit: Der König ist zurück und er heißt Jan Ammann! Sein Publikum liebt ihn. Man nimmt ihm jedes Gefühl ab: die Zerrissenheit, den Wille Gutes zu tun für seine Untertanen, die Verzweiflung über den Zustand seines Bruders, seine Enttäuschung über den Verrat durch seine Berater, die Liebe zur Kunst und zu seinen Bergen. Seine klassisch geprägte Stimme passt perfekt zur Rolle. Die Musik von Konstantin Wecker und Nic Raine ist opulent, die Chorszenen beeindruckend. Die fehlende Live-Musik wird durch die große Besetzung des eingespielten Orchesters wettgemacht und fällt erstaunlicherweise nicht negativ ins Gewicht.

Tolles Ensemble

Bühne und Kulisse (Gerd Friedrich) sind angenehm spartanisch bis auf einige tolle Effekte wie den See mit Springbrunnen, der am Anfang und am Ende auf der Bühne zu sehen ist und der auch genutzt wird. Das Kapital wurde hier aber statt in eine opulente Ausstattung oder Kostüme offensichtlich in das bis in die kleinsten Rollen top besetzte Ensemble gesteckt:

  • Dr. Gudden –> Alexander Kerbst
  • Kaiserin Elisabe –>  Anna Hofbauer
  • Graf Dürckheim –> Oedo Kuipers
  • Kaspar –> William Cohn
  • Freiherr von Lutz –> Oliver Polenz
  • Graf Rettenberg –> Harald Tauber
  • Sophie –> Dorothea Baumann
  • Max von Bayern / Lew Vanderpool –> Oliver Frischknecht
  • Marie von Preussen –> Stefanie Kock
  • Graf Hohnstein –> Pablo Botinelli
  • Ludovika –> Marina Krauser
  • Kammerdiener –> Manfred Loosen
  • Kaiser Franz Joseph –> Christian Lucke
  • Schwanentanz –> Stefanie Gröning

In weiteren Rollen:

Kathrin Lothschütz, Lisa Hörl, Alexandra Windholz, Antonia Haufe, Rebecca Raitz, Anna-Lena Just, Franziska Zimmermann, Angelika Linder, Julia Kretz, Nina Hirschler, Sandra Franke, Michael Schneider, Alexander Spazier, Sven Fliege, Peter Ramlow

Der König ist anders als die Anderen

Ob es nun am Sparen liegt oder es ein bewusster Kniff ist, dass nur der König im Laufe des Stückes älter wird und nur er verschiedene Kostüme trägt, während alle anderen sich nicht verändern, wissen wir nicht. Im Ergebnis verdeutlicht es jedoch, dass Ludwig anders ist als die anderen und er immer weniger in die Welt passt. Die getragene Stimmung und die Dramatik des Stoffs wird an mehreren Stellen durch humorvolle Interpretationen kurz durchbrochen (z.B. bei „Schon wieder Familienkrach im Hause Wittelsbach“), was auflockernd wirkt. Einziger Kritikpunkt: Das irgendwie nicht stimmige und nicht wirklich zum Rest passende „König Technik“. Die Technikaffinität und Fortschrittlichkeit Ludwigs hätte man mit etwas weniger Klamauk noch glaubhafter darstellen können, das Stück hat es nicht nötig, alle Genres bedienen zu wollen.

Ludwig fragt im zweiten Akt „Ist man denn verrückt, wenn man den Menschen etwas Kunst und Poesie schenken möchte?“ Nein, ist man nicht. Wir freuen uns, dass Regisseur Benjamin Sahler dies auch wollte und für eine Wiederaufnahme des Musicals gekämpft hat.

Mit einem weiteren Zitat Ludwigs lässt sich zusammenfassen, was viele Zuschauer – nicht nur am Sonntag in Füssen – sicher aus ganzem Herzen bestätigen: „Das Ende von Musik ist für mich auch heute noch ein kleines bisschen wie Sterben“.

 

Kategorie: Kritiken

Autor: M. Kanz (08.08.2017)

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  • Han 10. August 2017 at 15:20 / Antworten

    Leider würde alle Musik inclusive Ensemble Stimmen von einem Tonband gespielt

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