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PRISCILLA – bunte und schrille KÖNIGIN DER WÜSTE

Man(n) nehme: Drei Dragqueens, einen alten Bus mit einem überdimensionalen Stiletto auf dem Dach und die Fahrt beginnt. Los ging die Reise durchs australische Outback 1994 mit Stephan Elliots Roadmovie „The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert“, das 2006 in Sydney als Musical auf die Bühne gebracht wurde. Der Uraufführung folgten Inszenierungen weltweit, unter anderem in New York und London. Seit dem 14. Dezember 2017 sind Priscillas Abenteuer in der deutschen Erstproduktion am Gärtnerplatztheater zu erleben. Und wer dachte, das oscarprämierte Kostümdesign der Tragikomödie sei nicht mehr zu toppen, wird in München eines Besseren belehrt.

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Das große Finale auf dem Ayers Rock © Marie-Laure Briane

„Go West“ – Dragqueens auf der Überholspur

© Marie-Laure Briane

„Suchen zwei Karten“, stand auf einem Blatt Papier, das zwei Damen vor dem Staatstheater am Gärtnerplatz hochhielten. Ein junger Herr hoffte ebenfalls darauf, noch ein freies Plätzchen in der bereits ausverkauften Vorstellung zu ergattern. Er hatte Glück. PRISCILLA – KÖNIGIN DER WÜSTE zieht – und nicht nur Homosexuelle an. Schwule Männercliquen, Hetero-Pärchen und Single-Ladies feiern das Musical. Die finalen Standing Ovations und Bravo-Rufe zeigten nur das, was sich die komplette Aufführung über angedeutet hatte. Denn nicht nur die Darsteller liefen auf Hochtouren. Abgesehen vom Quickie eines Zuspätkommers war auch das Publikum ausdauernd und trotzte dem Regen. The Weather Girls hatten es prophezeit. Erst fielen gut bestückte Kerle auf die Bühne, anschließend ihre Hüllen, die ein wenig an Rammstein und die Gestapo erinnern. Abkühlung sieht anders aus. Doch dafür wäre es auch zu früh gewesen, obwohl es nicht heißer hätte werden können.

Knapp drei Stunden dauert die Melange aus Party, Travestieshow und Christopher Street Day. Stunden, in denen die Dragqueens Tick, Bernadette und Adam durchs australische Outback streifen – in ihrem, auf den Namen Priscilla getauften, Tourbus. Taufrisch sind dabei weder das Vehikel noch die transsexuelle, frisch verwitwete Bernadette (Erwin Windegger), die sich vor allem eines wünscht: einen lieben Mann an ihrer Seite. Jungspund Adam, alias Felicia Jollygoodfellow, möchte dagegen nur den Uluru besteigen. Ganz andere Probleme hat Tick, gespielt von Armin Kahl. Sein Hauptreisegrund ist nämlich nicht das Engagement, das auf das Glamour-Trio in Alice Springs wartet. Tick ist verheiratet, mit Marion (Tanja Schön), die ihm vor acht Jahren einen Jungen schenkte: Benji (Jasper Baumann). Und der möchte seinen Vater kennenlernen.

Auf (High-)Speed im Discorausch

© Marie-Laure Briane

Also machen sich die Drei von Sydney auf gen Westen. Ohne Rücksicht auf Verluste wird aufs Gaspedal gedrückt, so dass bald ein unschuldiges Känguru und ein flauschiger Koalabär dran glauben müssen. Kylie Minogue als Tramperin wäre das nicht passiert. Allerdings wartete die australische Pop-Ikone nicht am Straßenrand, sondern nahm bereits vor der Reise im alten Discomobil Platz, wo sie für die nötige „Locomotion“ sorgt. Von Null auf Hundert springt auch die Münchner Inszenierung. Sie nimmt so schnell Fahrt auf, dass es zu Beginn der Vorstellung schwerfällt, dem Geschehen auf der Bühne zu folgen. Vor allem, da die Vergangenheit und Beweggründe der Figuren nur angeschnitten werden. Sobald man den roten Faden zwischen all dem bunten Treiben aber gefunden hat und diesen festhält, machen die Darsteller auf Speed so richtig Spaß.

Neben Regisseur Gil Mehmert (DAS WUNDER VON BERN) hat hier Dramaturg und Autor Michael Alexander Rinz ganze Arbeit geleistet. Verglichen mit der deutschen Film-Synchronisation sind die Texte in der deutschen Musicalversion bissiger und frecher. Die zweideutigen Wortspiele kommen viel besser zur Geltung. Nicht zuletzt, da diese von allen Beteiligten wirksam eingesetzt werden. So jagt im Zickenkrieg zwischen Bernadette und Felicia (Terry Alfaro) eine Verbalschlacht die nächste. Jeder Seitenhieb sitzt und landet meist knapp über der Gürtellinie. Die anzüglichen Dialoge schwanken zwischen Screwball-Komödie und Ping-Pong-Spiel. Man(n) glaubt ja gar nicht, was Frau so alles mit einem Tischtennisball anstellen kann. Was Björn Borg mit seinen Bällen auf und neben dem Tennisplatz vollbracht hat, dürfte weitgehend bekannt sein. Am Gärtnerplatz schlägt er als Drilling auf, bevor ein Fake-Aborigine seine Brustmuskeln spielen lässt.

Bittersüße Party unter dem Regenbogen

© Marie-Laure Briane

Ob Kostüm, Ausstattung, Choreografie oder (Video-)Projektion: Es sind die witzigen und kreativen Details, die einen mit dem Kopf schütteln lassen, nachdem man lauthals gelacht hat – und sind sie noch so kitschig. Cupcakes auf Rollschuhen werden einem schließlich nicht alle Tage präsentiert. In der Tat erinnern einige Szenen an einen LSD-Trip ohne Nebenwirkungen. Falls also am nächsten Tag die Stimme versagt, liegt das eher an den Bravo-Rufen oder den 30 Discoklassikern und Popsongs, die vom Cast und Ensemble individuell präsentiert werden. Dazu verleiht das Orchester den Hits eine ganz besondere Note. Wer hier nicht mitsingt, wippt zumindest mit dem Fuß.

Doch so witzig und spritzig das Musical auch ist, der sozialkritische Unterton ist deutlich herauszuhören. Noch hält sich das Publikum vor Lachen den Bauch, schon verstummt es. Denn PRISCILLA – KÖNIGIN DER WÜSTE ist nicht nur „komisch“, wie Benji seinen Vater liebenswert bezeichnet, sondern auch tragisch. Mögen Männer in Frauenkleidern noch so viel Spaß und Freude bereiten, Homophobie und Intoleranz sterben trotz „Ehe für alle“ nicht aus. Dass beides aber niemandem in die Wiege gelegt wird, zeigen der kleine Benji und Mama Marion. Um es mit ihren Worten aus Stephan Elliots Kultfilm zu sagen: „Moral ist etwas, das man selbst wählt.“

Am Samstag geht das Travestie-/Jukebox-Musical im Gärtnerplatztheater in die nächste Runde. Und auch diese Vorstellung ist bereits ausverkauft. Weitere Termine und Infos zum Stück finden Sie hier.

Kategorie: Kritiken

Tags:

Autor: B. Schlager (11.01.2018)

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