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MY FAIR LADY – Wiederaufnahme an der Komischen Oper

Während in Berlin die ersten Schneeflocken vom Himmel fielen, erklang in der Komischen Oper in Berlin ein wohl allen bekanntes Lied - "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen". Am 5. Januar 2017 feierte MY FAIR LADY in ausverkauftem Haus eine umjubelte Wiederaufnahme. Musical1 war dabei, wie aus Eliza Doolittle "eene" Lady wurde.

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My Fair Lady Bühnenbild ©iko.freese drama-berlin.de

Wiederaufnahme am 5. Januar 2017

MY FAIR LADY – Pygmalion ist ein Schauspiel von George Bernard Shaw nach Ovids Darstellung des Pygmalion-Stoffs – und es ist definitiv nicht nur Musical- und Operettenkennern ein Begriff.

Robert Gilbert entschied sich bei der Übersetzung des Librettos von Alan Jay Lerner ganz bewusst für den Berliner Jargon als Gegenstück für den Londoner Upper Class Accent. So erlebte 1961 dieses wunderbare Werk seine Premiere im Berliner Theater des Westens und schuf eine Grundlage für die sich immer weiter ausbreitende Musicalleidenschaft.

“Eine gute Aussprache adelt den Menschen”, so jedenfalls sieht es der verschrobene und etwas an der Realität vorbeidenkende Professor Higgins, seines Zeichens Professor der Phonetik und bekennender Verfechter der klaren reinen Sprache.

Ausgerechnet ihm muss Eliza Doolittle, das Blumenmädchen, in den Weg stolpern und an seiner Ehre kratzen. Gemeinsam mit seinem Freund Oberst Pickering soll aus Eilza, dem Gossenmädchen, eine Lady oder vielmehr noch ein Prinzessin werden. Das anivisierte Ziel ist der in sechs Monaten stattfindende alljährliche Diplomatenball. Auf diesem soll Eliza als Grand Dame des Abends teilnehmen. Niemand soll mehr auf ihre wahre Herkunft schließen können.

Wird das gelingen und stimmt Professor Higgins Theorie?

Das ist die grobe Handlung von MY FAIR LADY, dem Broadwayhit von 1956 von Frederick Loewe, welchen Andreas Homoki jetzt wieder an der Komischen Oper inszeniert hat.

Inszenierung mit aktuellem Bezug zur heutigen Zeit, aber klassisch solide

An der Komischen Oper ist es zur Tradition geworden, den Zuschauern 30 Minuten vor Showbeginn eine kleine Werkseinführung zum Stück zu geben. Heute Abend wurde uns diese von Anne Mengs gegeben. Wir finden diesen Service sehr beeindruckend und interessant. Es wurde auf die Historie des Stückes eingegangen, auf seinen bisherigen Erfolgsweg. Das Publikum erfuhr hier bereits, dass man sich bei Inszenierung und Umsetzung des Stückes sehr stark an Shaws Urtext orientiert hat, der mit recht deftigen Ausdrücken gespickt ist. So waren wir für diesen Spielabend gut eingestimmt und neugierig auf das, was uns in den nächsten drei Stunden präsentiert werden sollte.

Ausgefeiltes Bühnenbild mit Überraschungseffekt

Als wir unsere Plätze einnahmen, bot sich gleich ein unverhüllter Blick auf die offene Bühne. Dort platziert: einzig und allein ein Grammophon mitten auf der Bühne. Keine weitere Dekoration, nur ein Grammophon und der Blick auf die schwarze Hinterbühne mit Metallgestängen.

Grammophon auf Bühne

©2017 inesmarquardt

Ein voller Orchestergraben – es spielte das Orchester der Komischen Oper Berlin – ließ auf einen Ohrenschmaus hoffen.

Während der Overtüre verwandeln zwei prunkvolle Vorhänge in Gold und Blau-Gold die Bühne. Diese Vorhänge werden im Laufe des Abends immer wieder einen genialen Szenenwechsel ermöglichen. Die Hauptrequisite, das Grammophon, welches sich von Miniaturgrösse bis überdimensional präsentierte und dem Publikum immer wieder ins Auge fiel, war nur eine der Besonderheiten der Bühnenpräsentation. Eine überaus gelungene und sehr aparte Bühnengestaltung, welche sich sehr gut in das ganze Stück fügt. Das Bühnenbild an sich ist sparsam, aber durchaus passend und ausreichend. Man vermisst nichts, da einen die Darsteller in ihren Bann ziehen.

Ausgewählte gute Darstellercast mit überzeugendem Potential

Eliza Doolittle (Mirka Wagner) kommt nicht wie erwartet im  London Look der 20iger Jahre daher, sondern in Latzhose und Karobluse. An Stelle des bekannten Blumenkörbchens haben wir aufgestapelte Pappkartons voller Blumen in Elizas Händen, mit denen sie stolpernd die Szene betritt. Passend wie wir finden. Würden wir die damalige Kleidung der Unterschicht heute doch eher fast als Retro-Chic empfinden. Der Gegensatz zur Oberschicht, der Londoner Upperclass kommt somit hervorragend zur Geltung.

Elizas Gassenhauer, berlinerisch vorgetragen, ist authentisch und gewohnt passend. Professor Higgins (Max Hopp) gab uns einen überrethorischen, ehrgeizigen Sprachfanatiker. Gemeinsam mit seinem Freund Oberst Pickering (Tom Erik Lie) drangsaliert er die arme Eliza mit Sprachübungen und Konversation der hohen Schicht bis in die späten Nachtstunden. Einzig und allein der guten Seele des Hauses Higgins,  Mrs. Pearce (Christiane Oertel), ist es zu verdanken, dass die beiden Herren mit ihrem Drill nicht über ihr Ziel hinaus schießen.

Aber auch Mrs Higgins (Susanne Häusler), Prof. Higgins Mutter, steht nach anfänglicher Skepsis zu Eliza. Dass sie unkonventionell für diese Zeit ist, zeigt sich in ihrer Person und ihrem Kleidungsstil. Sie macht auch keinen Hehl daraus, dass sie ihrem eigenbrödlerischem, sturen und vernarrten Sohn diese Herausforderung in Form von Eliza Doolittle gönnt.

Musicalhits, die Ohrwürmer sind, ungekürzte witzige und spritzige Dialoge

Lieder wie “Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht”, “Bringt mich pünktlich zum Altar“, “Ich hätt‘ getanzt heut’ Nacht“ oder das unvergessene “Es grünt so grün“ sind nur einige der bekannten Melodien aus MY FAIR LADY, welche zu Evergreens geworden sind. Es sei hier angemerkt, dass mich diese Lieder noch bis zum nächsten Tag begleitet haben. Also wirklich Ohrwürmer.

Der Sprachwitz der Dialoge ist unvergleichlich und sorgte durchweg für Gelächter und unverholenes Schmunzeln bei den Zuschauern. Ein augenscheinlich vielzahliges Ensemble „bevölkert“ dann und wann die riesige Bühne – mal in Strassenszenen, auf der Pferderennbahn und schließlich auf dem Diplomatenball – wir sind beeeindruckt!

Herausstechend dabei die wohl bekannte Szene beim Pferderennen in Ascot. Dort soll Eliza ihre erste Prüfung in der gehoben Gesellschaft bestehen. Als sie allerdings im Eifer der angespannten Rennatmosphäre ihr favorisiertes Pferd mit “Lauf, Dover, lauf, sonst streu ick dir Pfeffer in den Arsch” anfeuert, fliegt die ganze Sache auf. Higgins ist verzweifelt. Es spornt ihn aber noch mehr an, Eliza weiter mit Sprachübungen zu quälen. Beim Diplomatenball dann brilliert sie mit Anmut und Aussprache. Professor Zoltan Karpathy (Zoltan Fekete) ist von Elizas Anmut und Loyalität so angetan, dass er sie seiner transsilvanischen Verwandschaft vorstellen möchte. Ein Erfolg auf ganzer Linie. Higgins und Pickering feiern “ihren” Triumph. Eliza ist für sie aber nicht Gegenstand des Erfolges sondern nur die eigene Eitelkeit.

Wie manches mal im wahren Leben

Eliza kommt uns hier weder als scheues Reh, noch als junges biegsames Ding daher – im Gegenteil! Wir werden überrascht von einer gestanden jungen Frau, die jede Menge Alltagsschwierigkeiten bewältigen muss, und den Trunkenbold von einem Vater unterstützt. Dem zu Folge merkt sie sehr schnell, dass sie nur Mittel zum Zweck war und Henry Higgins sie schamlos benutzt hat, um sich selbst zu beweisen, wie genial und großartig er ist.

Mirka Wagner verleiht hier einer Eliza Charakter, die sich zwar schließlich in ihre „Umgestaltung“ fügt, Erfolg hat, dennoch aber erkennt, dass es ihr nicht wirklich viel einbringt. Alle glamourösen Äußerlichkeiten können ihre inneren Gefühle, Werte und Vorstellungen nicht ersticken. Das ist wirklich schon genial!

Ist Higgins aber überhaupt in der Lage zu lieben? Seine Frage “Warum kann eine Frau nicht so sein wie ein Mann?” lässt zweifeln.

Doch ein Herz und keine Boulette

Ganz am Anfang hatte Eliza festgestellte das Higgins kein Herz hat, sondern an dessen Stelle dort eine Boulette.

©iko.freese drama-berlin.de

Nein, man kann doch am Ende den Schluss ziehen, er hat ein Herz und auch wenn er selber meint, es sei nur Gewohnheit – da war mehr und die Verliebtheit zu Eliza ist echt und innig.

Ein Musicalabend der allerbesten Sorte. Durchgehende Unterhaltung, ausgereifte Stimmen zu Ohrwürmern der Musicalszene. Humor und sozialkritische Slapstick. Live-Orchester und ein Tanz- und Chorensemble, das seinesgleichen sucht. Ein rundum gelungener Musicalabend der besonderen Art.

Wir können abschließend nur fragen ” Ach war det nich wunderscheen?”

“Ja et war wunderscheen und richtich Knorke!”

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Kategorie: Allgemein,Theater Eigenproduktionen

Tags:

Autor: I. Marquardt (07.01.2017)

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