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Musicaltage 2016 St. Gallen II – WEST SIDE STORY

Wenn sich die Spirale der Gewalt weiter dreht, wird aus einem Spiel schnell totbitterer Ernst: Am zweiten Abend der Musicaltage zeigte das Theater St. Gallen seine Inszenierung des Bernstein-Klassikers WEST SIDE STORY. Mit viel Kreativität ist es dem Team um Regisseurin Melissa King gelungen, die Vorlage am Scheideweg zwischen Oper und Musical modern und unterhaltsam umzusetzen.

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West Side Story Ensemble © Andreas J. Etter

Aktuell und zeitlos

Bereits vor mehr als 60 Jahren ist die Handlung entstanden, in der sich die Gang der amerikanischen Jets und die der aus Puerto Rico neu zugewanderten Sharks auf den Straßen New Yorks gegenüber stehen. Doch noch immer sind die Themen wie Sozialneid, Gewalt unter Jugendlichen sowie die Suche nach Anerkennung, Heimat und einer sicheren Zukunft aktuell. So verzichtet der in Berlin geborene Knut Hetzer mit seinem Bühnenbild darauf, die Handlung konkret zu verorten. Der Zuschauer findet sich in einem düsteren Straßenzug aus Brücken, Leitern und Gittern wieder – selbst konkrete Fassaden fehlen den Aufbauten vor den Gassen.

Bandenkrieg in New York

© Andreas J. Etter

© Andreas J. Etter

In dieser unwirklichen Welt, in der es keinen Schutz gibt, treffen die Jets und die Sharks aufeinander. Jede Gang hat ihren eigenen Style von Kostümbildnerin Magali Gerberon bekommen, ohne durch gemeinsame Kleidung uniformiert zu wirken. Ein Dutzend Mitglieder finden sich in Spitzenzeiten auf jeder Seite: Genug um glaubhaft eine Bande zu sein, gerade nicht zu viel, um noch elitär zu wirken. Für die bevorstehenden Schlachten gelingt es dem halbstarken Jets-Anführer Riff (Jörn-Felix Alt) seinen Freund und Bandengründer Toni (Andreas Bongard) wieder zurück in die Gang zu holen. Noch vor dem ersten Kampf begibt er sich zwischen die Fronten: Auf einem Ball verlieben sich Toni und Maria, die erst seit kurzer Zeit in Amerika wohnende Schwester von Sharks-Chef und Erzrivale Bernado (Juriaan Bles).

Starke Hauptdarsteller perfekt ausgeleuchtet

© Andreas J. Etter

© Andreas J. Etter

Als Toni überzeugt Andreas Bongard. Scheinbar mühelos meistert er den von Bernstein auferlegten Tonumfang, immer klar und präzise. Auch Lisa Antoni kann als Maria die Kraft ihrer Stimme beweisen. Hinreisend schließlich ihr Duett während der Balkonszene. Die zwei auf einem Steg über dem Orchestergraben stehend, erlebt der Zuschauer diese Szene physisch nah – durch ihre Interpretation vermitteln die Darsteller eine zusätzliche Nähe und zeigen die Tiefe aber auch ungestüme Liebe der zwei jungen Menschen. Dies wird durch die Lichtgebung von Michael Grundner unterstützt. Er schafft es selbst bei Gruppenszenen, den Blick der Zuschauer auf das Wesentliche zu lenken. Trotz vieler kleiner Nebenschauplätze, die die Inszenierung interessant machen, geht der Haupthandlungsstrang so nie verloren.

Dialoge, Musik und Choreografie im Einklang

Auch die anderen Darsteller stehen dem Liebespaar in nichts nach. Die präzisen hochemotionalen Dialoge von Leonard Bernstein haben auch in der Übersetzung von Frank Thannhäuser und Nico Rabenald nichts an Sprengkraft verloren. Die Lieder – in Englisch gesungen – sind gut artikuliert. Ein Glücksgriff scheint es gewesen zu sein, dass die studierte Politikwissenschaftlerin Melissa King nicht nur für die Inszenierung verantwortlich war, sondern auch die Choreographie übernommen hat. Aus dem Nichts entwickeln sich abwechslungsreiche und unterhaltsame Bewegungsabläufe, rasant und mit viel Energie, die gekonnt an die langen offenen Musikpassagen von Bernstein angepasst wurden. Spannend auch der scheinbar minutenlange Zweikampf der Bandenanführer am Ende des ersten Aktes, selbst wenn man den Ausgang aus dem Programmheft schon kennt (Kampfszenenchoreografie: Deborrah Maier).

Voller dramatischer Klang

© Andreas J. Etter

© Andreas J. Etter

Das Orchester präsentiert einen satten Sound. Starke Bläserpartien, die flehend-tragische Geigenpassagen. Unter der Leitung von Dirigent Stéphane Fromageot erreichen die Musiker eine Dramatik, die schon alleine – auch ohne Schauspiel in einer Konzertanten Aufführung – die Zuschauer für zwei Stunden fesseln könnte.

Der Stoff der West Side Story hätte vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise leicht mit aktuellen Bezügen gespickt werden können. Diese Chance nutzt St. Gallen nicht. Wie sehr wünscht man sich nach zwei Stunden dieser modernen Romeo & Julia Geschichte ein Happy End. Mit dem tragischen Schluss ist WEST SIDE STORY einmal mehr eine Mahnung für Offenheit. Es zeigt, dass Integration, Nächstenliebe und das Springen über seinen eigenen Schatten der wahre Kampf ist, der in jeder Generation aufs neue gefochten werden muss und welch ein Schicksal es sein kann, den Rachegelüsten zu folgen.

Kreativteam:

  • Idee: Jerome Robbins
  • Buch: Arthur Laurents
  • Musik: Leonard Bernstein
  • Gesangstexte: Stephen Sondheim
  • Deutsche Fassung: Frank Tannhäuser / Nico Rabenald
  • Musikalische Leitung: Stéphane Formageot
  • Inszenierung und Choreografie: Melissa King
  • Bühne: Knut Hetzer
  • Kostüme: Magali Gerberon
  • Licht: Michael Grundner
  • Sounddesign: Stephan Linde

Besetzung:

  • Tony: Andreas Bongard
  • Maria: Lisa Antoni
  • Doc: David Steck
  • Lieutnant Schrank: Max Gertsch
  • Officer Krupke: Christian Hettkamp

Jets:

  • Riff: Jörn-Felix Alt
  • Action: Adrian Hochstrasser
  • Baby John: Stephan Luethy
  • A-Rab: Tobias Brönner
  • Big Deal: Stefan Schmitz
  • Diesel: Richard Leggett
  • Gee-Tar: Lorian Mader
  • Snow Boy: Jack Widdowaon
  • Mouthpiece: Andrew Cummings
  • Anybody´s: Annakathrin Naderer
  • Graziella: Samantha Turton
  • Velma: Kim Tassia Kreipe
  • Clarice: Stefanie Fischer
  • Minnie: Robina Steyer

Sharks:

  • Bernardo: Jurriaan Bles
  • Chino: John Baldoz
  • Pepe: Danilo Brunetti
  • Luis: Luke Giacomin
  • Indio: Roberto Martinelli
  • Nibbles: Exequiel Barreras
  • Juano: Hoang Anh Ta Hong
  • Anxious: Calvin Bernauer
  • Anita: Sophie Berner
  • Rosalia: Yara Hassan
  • Consuelo: Conchita Kluckner-Zandbergen
  • Teresita: Dapheny Oosterwolde
  • Estella: Emily Pak
  • Francisca: Ana Sánchez Martinez

Termine:

  • Donnerstag 19. Mai 2016, 19:30 Uhr
  • Sonntag 29. Mai 2016, 17:00 Uhr
  • Mittwoch 01. Juni 2016, 19:30 Uhr

Tickest gibt es auf der Homepage des Thester St. Gallen.

 

Kategorie: Allgemein,Kritiken

Tags:

Autor: M. Sommerfeld (09.05.2016)

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