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Musical meets Opera – WEST SIDE STORY bei den Salzburger Festspielen

Wie nah sich Oper und Musical noch immer sind, zeigt sich aktuell in Salzburg. Bei den Festspielen in der Alpenmetropole wurde die WEST SIDE STORY auf den Spielplan gehoben. Das Musical wurde mit prominenten Opernstimmen besetzt. Zusammen mit dem Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela unter der Leitung von Gustavo Dudamel entsteht so ein besonderes Hörerlebnis.

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Jets und Sharks beim Kampf
Ensemble West Side Story © Salzburger Festspiele / Silvia Lelli

Doppelt hält nicht immer besser

Maria jung und alt

© Salzburger Festspiele / Silvia Lelli

Zur Umsetzung des Musical-Klassikers rund um die Liebe zwischen der in die USA eingewanderten Lateinamerikanerin Maria und dem heranwachsenden Toni hatte Regisseur Philip WM. McKinley eine kreative Idee: Er bringt zwei Marias auf die Bühne bei den Festspielen. Während die junge Frau (Michelle Veintimilla) die Handlung spielt, ist parallel dazu die gealterte Maria (Cecilia Bartoli) während der gesamten Inszenierung auf der Bühne präsent. Sie resigniert, denkt nach und fühlt die Situationen von damals noch einmal nach. Das gesamte Musical wird quasi in einer Rückblende erzählt. Keine neue Idee: Schon berühmte Filme greifen zu diesem Konzept. Auch im neuen Musical DON CAMILLO UND PEPPONE von Michael Kunze und Dario Farina wird die Geschichte aus der Sicht der alten Gina gezeigt. McKinley erläutert die Umsetzung damit, dass auf diese Weise das Publikum die Handlung so nicht als historisch verhaftet wahrnehmen würde. Doch diese Inszenierung wirft mehrere Fragen auf: Die ältere Maria tritt dazu zu wenig in Erscheinung. Die Regung, die die Erinnerungen hervorheben müssten, werden nur schwach ausgespielt. Auch die Argumentation ist nicht ganz schlüssig: Die Handlung der WEST SIDE STORY, die Shakespeares Romeo & Julia zum Vorbild hat, ist mit vielen grundlegenden Fragen ausgestattet, die seit der griechischen Antike das europäische Theater prägen und auch durchaus das aktuelle Publikum ohne eine stumme Erzählerfigur beschäftigen können. Die Suche nach der Liebe, auch über alle moralischen und ethischen Grenzen hinweg, das Kämpfen für Gerechtigkeit, für Freiheit und  seinen Traum sind keine Motive, die in den 50er Jahren aus der Mode gekommen sind. Auf den Trick einer zweiten Maria hätte man verzichten können. Die gegenwärtige Maria hat auf die Handlung kaum Einfluss, stört nicht weiter. Viel mehr irritiert es, wenn die alte Maria mit Toni singt, der wiederum das junge aber stumme Maria-Pendant anhimmelt. Auch musikalisch bietet WEST SIDE STORY von Leonard Bernstein mit den vielen Tempiwechseln, den verschiedenen Rhythmen und Motiven, dem Wechsel zwischen Stimmungen genug Anknüpfungspunkte. Das doppelte Lottchen wirkt daher wie ein Vorwand, um „Die Bartoli“ ohne passende Rolle in der Textvorlage dennoch in der Produktion in gebührender Größe zeigen zu können.

Starke Stimmen und schöne Details

Maria alt

© Salzburger Festspiele / Silvia Lelli

Dennoch ist die Darbietung einwandfrei. Mit einem kraftvollen Timbre präsentieren besonders die Hauptdarsteller Cecilia Bartoli und Norman Reinhardt ihre Rollen. Hier mischt sich das Musical deutlich hörbar mit dem Genre der Oper – gilt es doch als Zwitterstück zwischen den zwei Gattungen. Die Bernstein Lieder gehören wahrlich zu den eindrucksvollsten und anspruchsvolleren Musicalsongs. Neben „ I feel pretty“, „Tonight“ und „Maria“ gehört auch „America“ zu den absoluten Ohrwürmern. Letzterer wurde von Karen Olivio (Anita) mit kraftvoller dunkler Stimme hervorragend dargeboten.  Die Kostüme von Ann Hould-Ward sind historisch im Stil der Zeit angepasst. Die rivalisierenden Jugendlichen haben High-School Jacken in den jeweiligen Farben der Gangs. Diese Uniformität lässt zwar gut die Gruppenzugehörigkeit erkennen, aber innerhalb der Gruppe kann man die Mitglieder sehr schlecht voneinander unterscheiden. Schöner gelöst wurde das bei den Mädchen der Gangs – hier hatte jede ein individuelles Kleid. Nur die Tüllunterröcke der jeweiligen Girls waren einheitlich. Die Frauen der Jets tanzen mit dunkelblauen und die der Sharks in pinken Unterröcken. Die Choreografien von Liam Steel sind abwechslungs-und einfallsreich. In einer Szene lässt er die Jets eindrucksvoll mit den Stühlen aus Docs Drug Store performen.

Eindrucksvolle Felsenreitschule

Tanzabend

© Salzburger Festspiele / Silvia Lelli

Die Felsenbühne beeindruckt schon allein durch die enorme Größe der Spielfläche und den wuchtigen Stein im Hintergrund. Vor die historische Kulisse des Spielorts hat Bühnenbildner George Tsypin ein dreistöckiges, langes Gerüst gesetzt. In der riesigen Stahl-Holz-Konstruktion, die an die Gerippe der amerikanischen Wolkenkratzer erinnert und damit den Spielort New York wieder aufnehmen, finden sich die einzelnen Spielorte: Marias Zimmer, das Brautmodengeschäft oder der Drug-Store von Doc. An dem Gerüst ist eine semitransparente Grafitti-Wand befestigt. Wenn diese aufgeschoben wird – dies wirkt wie ein Riss  zwischen den Welten der Amerikaner und der Einwanderer aus Puerto Rico – gibt sie den Blick in den Raum frei. Dadurch konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer immer auf eine Szene, aber sie sitzen auch größtenteils im wahrsten Sinne des Wortes vor einer Wand. Die Chance das Gerüst, dass ein Symbol für die Fragilität der Gesellschaft hätte sein können, in der die einzelnen Heranwachsenden schlecht Halt finden, oder es durch seine schiere Größe wirken zu lassen, sowie die Wirkung durch den Blick auf den kalten, massiven Stein, der ein Sinnbild für die düsteren Zukunftsaussichten und das harte Leben hätte sein können – all dies verpufft und wird nicht genutzt. Nur ab und zu erkennt der Zuschauer die Umrisse der Chormitglieder, die in den Logen der Felsenreitschule verteilt sind.

Tony

© Salzburger Festspiele / Silvia Lelli

Die Inszenierung bietet viele kleine Ideen und gute Ansätze, die sich aber nicht zu einem großen Ganzen verbinden –  da helfen auch die einwandfrei gesungenen Songs nicht. Im Gedächtnis bleibt der Schluss, als sich die gealterte Maria in der New Yorker Bronx vor die U-Bahn wirft – auch optisch toll umgesetzt da hoch oben die Schienen der Subway zu sehen sind –  um ihrer einzigen Liebe Tony nach dem Tode endlich wieder zu begegnen. Hier ist die Idee einer doppelten Maria konsequent zu Ende gedacht. Hier liegt der Mehrwert der Inszenierung. Es ist die Stelle, die den Zuschauer nachdenklich nach Hause schickt. Dieses tragisch-schöne Ende zwischen Tod und Happy End lohnt sich. Am Ende ist das Publikum respektvoll begeistert, aber der Funke springt nicht vollkommen über. Jubelschreie und Bravorufe ist den Zuschauern nach drei Stunden die Inszenierung nicht wert.

Leading Team:

  • Buch: Arthur Laurents
  • Musik: Leonard Bernstein
  • Gesangstexte: Stephen Sondheim
  • Musikalische Leitung: Gustavo Dudamel
  • Regie: Philip Wm. McKinley
  • Choreografie: Liam Steel
  • Bühne: George Tsypin
  • Kostüme: Ann Hould-Ward
  • Licht: Patrick Woodroffe
  • Sounddesign: Gerd Drücker

Besetzung:

  • Cecilia Bartoli, Maria alt
  • Norman Reinhardt, Tony
  • Michelle Veintimilla, Maria jung
  • Karen Olivo, Anita
  • George Akram, Bernardo

Dan Burton, Riff

The Jets
Jon-Scott Clark, Action
Michael Carolan, A-Rab
Josh Tye, Baby John
Sean Lopeman, Snowboy
Alastair Postlethwaite, Big Deal
Linus Henriksson, Diesel
Callum Aylott, Gee-Tar
Aston Newman Hannington, Mouthpiece
Austin Fagan, Tiger

Jets Girls:
Kirstie Skivington, Anybodys
Carrie Willis, Graziella
Jacquie Biggs, Velma
Lizzi Franklin, Minnie
Michelle Antrobus, Clarice
Nell Martin, Pauline
Hannah McDonagh, Debbie
Sorina Kiefer, Maxine
Anna Friederike Wolf, Donna
Meri Ahmaniemi, Tammy

The Sharks:
Liam Marcellino, Chino
Nathan Graham, Pepe
Matt Jones, Indio
Lorenzo Soragni, Luis
Gregor Krammer, Anxious
Zak Nemorin, Nibbles
Fletcher Dobinson, Juano
Marcell Prét, Toro
José Antonio Domínguez, Moose

Sharks Girls:
Amanda Digón Mata, Rosalia
Mariana Souza, Consuelo
Carly Mercedes Dyer, Francisca
Angela Marie Hurst, Teresita
Lara de Toscano, Estella
Anna Bárbara Bonatto, Margarita
Noluyanda Mqulwana, Wanda
Marika Gangemi, Carmen
Giulia Fabris, Lucy

The Adults:
Cheyne Davidson, Doc
Dave Moskin, Schrank
Daniel Rakasz, Krupke
Marco Dott, Gladhand

 

Kategorie: Kritiken

Autor: M. Sommerfeld (23.08.2016)

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