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Mark Seibert – “Ich bin mir meines Privilegs bewusst”

Er gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten Darstellern in der deutschsprachigen Musicalbranche: Mark Seibert – diese Woche noch als Graf von Krolock bei TANZ DER VAMPIRE in Stuttgart zu hören und sehen. Neben seinen Engagements steht er immer wieder auch mit Solo-Projekten auf der Bühne. Wir haben mit ihm über seine Konzertpläne und einiges andere gesprochen.

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Mark Seibert Interviewbild
Mark Seibert Interviewbild © Felicitas Matern

Über Solo-Konzerte, Schubladen und Soziale Medien

Am 21. Mai gab Mark Seibert den Termin für sein nächstes Solo-Projekt bekannt. “Musical Melodies in Concert” wird am 3. Januar 2018 im Theater Akzent in Wien zu hören sein. 66 Minuten nach Vorverkaufsstart waren die Karten ausverkauft – rund 450 Plätze für 450 glückliche Fans. Ähnlich lief es knapp einen Monat später, als der Sänger sein erstes Weihnachtskonzert ankündigte. “Mark Seibert – The Christmas Concert” war ebenfalls nach wenigen Minuten ausverkauft. Wer schnell genug war, kann sich am 23. Dezember 2017, ebenfalls im Wiener Theater Akzent, auf die Feiertage einstimmen lassen. Aber wie fühlt sich das an, wenn einem die Karten quasi aus den Händen gerissen werden?

Hauptjob sind die Musical-Rollen

“Das tut natürlich sehr gut”, freut sich der Wahl-Wiener. “Auch wenn ich mir durchaus bewusst bin, dass nicht alle zum Zug kommen, die gerne dabei wären. Ich weiß, dass der ein oder andere es mir übel nimmt, dass ich nicht mehrere Termine auf einmal bekannt gebe, aber ich mache lieber wenige ausverkaufte Konzerte als viele vor halbvollen Reihen. Außerdem trage ich, wenn ich selbst als Veranstalter agiere, ja auch ein gewisses finanzielles Risiko und muss erst sehen, ob meine Pläne den Geschmack meiner Fans treffen.” Dass der Wunsch nach mehr durchaus da sei, habe er verstanden und werde sehen, was sich über die bereits veröffentlichten Termine hinaus noch machen lässt. “Schließlich darf man nicht vergessen, dass die Konzerte für mich nur eine Nebentätigkeit sind, mein Hauptjob sind meine Musical-Engagements”, gibt er zu bedenken.

Fans machen auch Experimente mit

“Musical Melodies in Concert” ist ein kleines, intimes Format. Dabei sein wird ein Pianist, zwei weitere Sänger (Marle Martens und Lukas Perman) sowie eventuell zwei zusätzliche Musiker. Zu hören gibt es, wie es der Titel schon sagt, bekannte Musical-Melodien. Das Weihnachtskonzert dagegen verspricht mehr Show. Hier ist eine Bigband mit von der Partie und es werden neben Musical-Melodien auch ungewohntere Töne aus dem Jazz- und Popbereich vertreten sein. Die Idee zu einem Weihnachtskonzert trage er schon lange mit sich rum, erklärt der Vollblutmusiker. Als er dann endlich Kontakt zu einer Bigband aufgenommen hat, nahm das Format Gestalt an. “Ich freue mich sehr, dass meine Fans auch solche Experimente mit mir mitmachen”, betont er.

Vorbereitungen laufen bereits

Gefragt, wie die Vorbereitungen laufen, verrät uns Mark Seibert, dass die Songliste für Januar bereits steht, während er für Dezember noch nicht ganz so weit sei. “Aber es ist ja auch noch früh und ich bin gut in der Zeit.” Der kreative Teil der Vorbereitung liege bei ihm, beim Rest helfe das Theater. “Sie kümmern sich um die Technik oder darum Genehmigungen bei Behörden einzuholen. Aber auch um den Vorverkauf und solche Dinge.” In der Songauswahl sei er bei seinen eigenen Konzerten komplett frei. Er überlegt sich ein Konzept, im nächsten Schritt dann, welche Titel er gerne singen würde. “Aber natürlich auch, was das Publikum von mir erwartet”, ergänzt er. “Jeder kennt das ja, wenn er zu einem Konzert geht, möchte er bestimmte Titel des Künstlers oder der Band auf jeden Fall hören.” Darüber hinaus brauche man einen musikalischen roten Faden. “Man darf die Leute zwischendrin nicht verlieren.” Die richtige Mischung aus Balladen und up-Tempo-Nummern sei wichtig. Auch der Wechsel zwischen schwierigeren und einfacheren Stücken. “So richtig merkt man natürlich erst auf der Bühne, ob es passt.” Gegebenenfalls passe er die Setlist vor dem nächsten Auftritt auch nochmal an.

Mark Seibert mit Flügel

© Theater Akzent

“Bei meinen Konzerten kann ich mich nicht verstecken”

Bei all seinen Soloprogrammen sei es im Vergleich zu den Musicalrollen so, dass “man viel nackter ist, dass man sich nicht hinter einer Rolle verstecken kann”, gibt er zu. “Aber das ist es ja auch, was meine Fans wollen. In meinen Konzerten wollen sie ein Stück des echten Mark sehen.” Außerdem werde im Vorfeld nicht so akribisch geprobt wie für eine Rolle. Das Wichtigste sei es, die Songtexte zu kennen, schmunzelt er. “Man muss mehr improvisieren, aber das macht den Abend dann auch einmalig.” Das habe er lernen müssen und sei über die Jahre “da reingewachsen” – für einen bekennenden Controlfreak wie ihn sicherlich nicht einfach. Er werde schon etwas nervös, wenn er kein festes Konzept habe und sei jemand, der immer versucht, auf alles vorbereitet zu sein und ein paar Schritte vorauszudenken. Beruflich bringe ihn allerdings nur noch wenig aus dem Konzept. “Wenn es einem nicht gut geht oder man auch mal Angst hat, dass man bestimmte Töne an dem Abend nicht trifft oder ähnliches, dann bekommen die Zuschauer das im besten Fall nicht mit.” Mit Druck muss man umgehen können in diesem Beruf, der es erfordert immer auf den Punkt fit zu sein. “Das ist die größte Herausforderung an diesem Job.” Aber Erfahrung helfe, nicht gleich die Nerven zu verlieren, wenn sich ein Kratzen im Hals ankündigt. Mit der Zeit lerne man, auch mal angeschlagen eine Show durchzustehen. Unter normalen Umständen sei es aber so, dass man sich nicht schonen kann, wenn man auf die Bühne geht. “Das Publikum erwartet Höchstleistung”, ein gewisses – sehr gutes – Grundniveau müsse also auf jeden Fall immer da sein. “Und wenn es besonders gut läuft, kann man auch mal über sich hinauswachsen.”

Die Herausforderung ist, sich an der Spitze zu halten

Mark Seibert ist auf dem Zenit angekommen – mehr geht nicht im deutschsprachigen Raum. “Jetzt heißt es, dort für die nächsten Jahre zu bleiben.” Er sei sich seines Privilegs durchaus bewusst. Der Erfolg bringe viele Möglichkeiten mit sich, aber gerade dann, sei es wichtig, sehr gezielt auszuwählen und nicht alles anzunehmen. Dies höre sich im ersten Moment zwar widersinnig an, aber die Meldungen in den letzten Wochen über Kollegen, die Engagements absagen mussten, bestärken ihn in dieser Einstellung. Auch wenn es oft schwer falle, interessante Angebote abzulehnen.

Das Rezept für seinen Erfolg? Er habe sehr viel Glück gehabt. “Aber man muss das Glück natürlich auch nutzen können, wenn man eine Chance bekommt und sich immer wieder neu beweisen”. Es helfe zudem, wenn man “”kein Problem mit Arbeit hat” und auch über lange Zeit hart arbeiten könne. “Ich wurde immer wieder neu gefordert, habe viele unterschiedliche Rollen gespielt”. Er sei stolz darauf nicht in Schubladen steckengeblieben zu sein, sondern sich immer wieder auch an Rollen zu wagen, die man ihm erst nicht unbedingt zugetraut hätte. Als Beispiel nennt er hier überraschenderweise den Galileo in WE WILL ROCK YOU. “Ich sehe nicht aus wie der typische Rocker. Aber nur, weil ich nicht jede Menge Tattoos habe und in Lederklamotten rumlaufe, heißt das nicht, dass mir die Musik nicht gefällt oder ich nicht die Stimme dazu habe.” Es sei ihm wichtig, sich über Vorurteile hinwegzusetzen und es sei ihm ein Ansporn gewesen über die Jahre im wahrsten Sinne des Wortes gegen den Stempel “Schönling” anzusingen.

Auch Kritik sollte respektvoll sein

Natürlich gibt es dennoch auch heute hin und wieder kritische Stimmen. “Man muss mich nicht mögen, aber man sollte respektieren, dass ich mich erfolgreich gegen die meisten Kritiker gewehrt beziehungsweise sie überzeugt habe.”

In den sozialen Medien gibt es trotzdem immer mal wieder heftige Kommentare. Verfolgt man das als Künstler? “Ich lese nicht alles, aber in manche Foren oder Portale schaut man schon mal rein. Zum Beispiel dann, wenn eine neue Besetzung bekanntgegeben wird.” Und da gäbe es auch heute noch das ein oder andere, das ihn wurme, gibt er zu. “Manches ist einfach anmaßend. Wenn ein Creative Team einen Darsteller aussucht, muss man davon ausgehen, dass dieser sich gegen alle anderen Bewerber durchgesetzt hat. Er oder sie kann also gar nicht völlig schlecht sein. Es kann hier eigentlich nur um persönlichen Geschmack gehen, nicht um die objektive Qualität des Darstellers.”

Den Alltag vergessen machen

Der Grund, warum er den Beruf eines Darstellers gewählt habe, sei, weil er verzaubern wolle, etwas auslösen in den Menschen. Heute seien manche vor Pseudo-Fachsimpeleien kaum in der Lage, sich einer Show oder einem Konzert wirklich hinzugeben und einfach mal komplett abzuschalten. Nicht zuletzt deswegen sei es eines der größten Komplimente, die man ihm machen kann, wenn jemand sich völlig unbedarft auf die Vorstellung einlässt. Wenn man sich berühren lässt und den Alltag darüber für einige Stunden vergisst.  “Aber auch wenn mir jemand sagt, dass zum Beispiel mein Album ihm über schwierige Zeiten geholfen hat oder ich jemanden mit einem Song oder einer Rolle Tränen in die Augen treiben konnte, lässt einen das als Künstler nicht unberührt.” Oft sei es doch so, dass sich eine gewisse Routine einschleicht, wenn man eine Rolle zum xten Mal spielt und man selbst den Zauber gar nicht mehr so spürt. “Aber wenn man dann merkt, dass man ganz nah am Publikum dran ist, dass man es mitnehmen kann auf eine gemeinsame Reise, dann ist es ein guter Abend.”

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Mark Seibert glaubt nicht daran, dass ein Musicaldarsteller einen bemerkenswerten Abdruck auf der Welt hinterlässt. “Aber wenn man mal über mich sagt, ich hätte einigen Rollen Leben eingehaucht oder hätte dazu beigetragen, das Genre Musical mit zu erhalten, dann bin ich zufrieden.” Daran arbeitet er weiterhin hart. Gefragt, was andere über ihn sagen würden, wenn wir sie nach seinen drei wichtigsten Eigenschaften befragen, nennt er als erstes seine Zielstebigkeit. Dies sei allerdings nicht ausschließlich positiv, denn seine Zielstrebigkeit verbunden mit seinem Spaß an der Arbeit habe auch dazu geführt, dass sein Privatleben hinter der Arbeit oft zurückstehen musste. Im Nachhinein betrachtet sei dies “nicht nur gut und vielleicht doch nicht hundertprozentig weiter zu empfehlen”, bekennt er selbstkritisch. Weiter hofft er als respektvoller Teamplayer gesehen zu werden, der auch in Stresssituationen anständig mit Menschen umgeht. Die dritte Eigenschaft, die er nennt, ist seine Verlässlichkeit. “Ich glaube, dass meine Kollegen mich als verlässlichen Spielpartner bezeichnen würden.”

Interessanter Einblick

Wir bedanken uns für ein interessantes Gespräch, das uns einen kleinen Einblick hinter die kunstvolle Schminke des Grafen von Krolock gegeben hat. Auch ganz ohne Musik und Gesang hat es berührt und gezeigt, dass selbst hinter einem hochprofessionellen, zielstrebigen und routinierten Darsteller ein Mensch steht, der gute und schlechte Tage hat, der auch mal an sich zweifelt oder sich ärgert. Vor allem aber jemand, der hart arbeitet, um bei jeder Show, bei jedem Konzert, sein Bestes zu geben und sein Publikum mit auf eine unvergessliche Reise zu nehmen.

Kategorie: Darsteller Geschichten,Interviews,Tanz der Vampire

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Autor: M. Kanz (24.07.2017)

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