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LUTHER – REBELL GOTTES: Wieso, weshalb, warum?

500 Jahre Reformation: Da muss ein Musical her. Kein Problem. Beherrschten die Kirchenleute des 16. Jahrhunderts doch, wie man(n) sich richtig in Szene setzt. Auch Martin Luther war ein „Showman“, vor allem aber eine zerrissene Persönlichkeit. Der perfekte Protagonist für ein Musiktheater? Das entscheiden die Besucher der Uraufführung in Fürth – am Freitag, den 13. Januar. Abergläubisch?

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Luther (Thomas Borchert) auf Reformationskurs © Thomas Langer

Nichts als die Wahrheit

Das Foyer des Stadttheaters füllt sich. Immer mehr Kulturfreunde finden den Weg in den ersten Stock, um die Vorstellungsreihe „Theater im Gespräch“ zu besuchen. Sie sind gespannt. Was werden Dramaturg Matthias Heilmann, Komponist Christian Auer und Regisseur Werner Bauer Interessantes erzählen? Thomas Borchert und Ramin Dustdar sind dem Fürther Publikum ja bereits bekannt. Im Musical NEXT TO NORMAL waren die beiden Darsteller bereits in der Kleeblattstadt zu sehen. Doch können sie als Martin Luther und dessen Gegenspieler Johannes Eck überzeugen? Die Stühle werden langsam knapp. Die Zuschauer scheinen Christian Auers Meinung zu teilen: „Luther bietet den besten Stoff für ein Musiktheater.“

Warum? Weil er eine widersprüchliche Person war. Auer erklärt: „Einerseits war Luther ein Choleriker, der brachiale Reden schwang. Auf der anderen Seite war er ein grüblerischer, unsicherer Künstler, der komponierte und die Bibel ins Deutsche übersetzte.“ Ein sowohl in- als auch extrovertierter Mann also. „Wie geht das zusammen?“, fragt sich da Werner Bauer. „Wie kann jemand, der so voller Selbstzweifel ist, in seinem Glauben eine solche Stärke zeigen und am Ende sogar sein Leben riskieren?“ Bauer kann sich Luthers Zerrissenheit nicht erklären. Aber gerade deshalb ist sie ja „psychologisch für einen Regisseur sehr interessant.“

Von Blues Brother bis Broadway

Für den Musikalischen Leiter Christian Auer und Autorin Nina Schneider ebenfalls. Der Song „Niemals gut genug“, den Thomas Borchert am Sonntag zum Besten gab, zeigt zum Beispiel die Unsicherheit des Reformators. „Werde ich auch heut’ einen Fehler begehen?“, fragt und quält sich Borchert als Luther. Auch die anderen Charaktere erhielten ihre persönliche musikalische Note. So präsentiert Auer den Theologen Johannes Eck in der Blues-Nummer „Seid mir gegrüßt“ als gnadenlose Schlange, die Luther angiftet. Klaus Brantzen, alias Friedrich der Weise, darf dagegen als politischer Artist zu einer lustigen Zirkusmelodie mit seiner Stimmte jonglieren. Auer macht vor nichts halt. Nicht einmal vor einem selbst komponierten Kyrie eleison, das archaisch mit Keyboard und E-Gitarre vorgetragen wird. Blues meets Klassik meets Rock! Alles ist erlaubt. Nur zu ernst darf es nicht sein. Schließlich ist es ein Musical. Und zu dem gehören nun mal steppende Kardinäle. So viel sei verraten. Was auf dem Broadway geht, geht in Rom nämlich schon lange.

Moderne „Medienschlacht“ – damals wie heute

Die Brücke zwischen früher Neuzeit und Gegenwart wird in LUTHER – REBELL GOTTES geschlagen. Musikalisch sowie auch bezüglich der neuen Medien. Denn die spielten bereits bei der Reformation eine große Rolle. „Ohne Buchdruck wäre die Geschichte anders verlaufen“, ist sich Werner Bauer sicher. Mit Flugblättern lieferten sich die Parteien damals die „erste Medienschlacht.“ Heute wird im Internet Stimmung gemacht. Die Folgen: „Unordnung, Aufruhr, eine Werteveränderung und Spaltung der Gesellschaft.“ Und immer wieder geht es dabei um den Glauben. Parallelen, die der Regisseur zum Anlass nahm, die neuen Medien zu thematisieren und in das Bühnenbild zu integrieren. Statt einer klassischen Kulisse gibt es bewegte Projektionen, für die Marc Jungreitheimer zuständig ist. Der Szenograf war unter anderem an der Produktion DER TUNNEL beteiligt. Für sein dortiges Bühnenbild erhielt er den „Deutschen Musical Theater Preis 2016“. Ziel seiner aktuellen Arbeit ist es, „die digitale Welt mit der realen zu vermischen“, erklärt Regisseur Bauer. Beide Welten sollen so miteinander verschmelzen, dass der Zuschauer nicht mehr erkennt, was nun Illusion und was Wirklichkeit ist.

Fake News oder freie Interpretation?

Ein alltägliches Problem: Was soll man glauben, was nicht? Luther bringt es am Ende des Musicals auf den Punkt: „Wir kennen die Wahrheit nicht.“ War Luther wirklich der erste Bibel-Übersetzer? Hat er die 95 Thesen tatsächlich selbst an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen? Wer weiß das schon. Was heute wahr ist, kann morgen schon durch eine Studie widerlegt werden. Daher ist auch der Plot des Ensemble-Stücks nicht so wirklich wahr – oder sagen wir: subjektiv wahr.

Wir schreiben das Jahr 1530. Die Reformation ist in vollem Gange. Martin Luther erfreut sich seiner wachsenden Anhängerschaft. Umso mehr will sein Gegner Johannes Eck nur eines: ihn loswerden. Ein Komplott wird geschmiedet. Dem Ketzer soll für all seine (Un-)Taten der Prozess gemacht werden. Doch der Reformator verteidigt sich, indem er auf sein Leben zurückblickt und davon erzählt. Eigentlich wollte er  immer nur eines: Den Menschen Gottes Gnade näherbringen. Kann er das Tribunal überzeugen?  Wahrlich, „die Handlung hätte so stattfinden können“, gesteht Dramaturg Heilmann, „hat sie aber nicht.“

Kategorie: Stadttheater,Theater Eigenproduktionen

Autor: B. Schlager (13.01.2017)

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