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„Ludwig und Sisi waren Seelenverwandte“ – Interview mit Sarah Hummel

Sie war das weibliche Pendant zum bayerischen Märchenkönig: Sisi. Beide waren anders und passten nicht in das Gesellschaftsbild der damaligen Zeit. Nicht umsonst verstanden sie sich so gut. Erzählt man die Geschichte von König Ludwig II., darf seine Cousine Elisabeth nicht fehlen. Im Musical DER SCHWANENPRINZ – LEBE DEINEN TRAUM erscheint die schöne Ikone sogar in dreifacher Ausführung: als kleines Mädchen, junge Frau und erwachsene Kaiserin. Letztere wird – wie vergangenes Jahr – von Janet Chvatal gespielt. Die Rolle der jugendlichen Sisi hat erneut Sarah Hummel übernommen.

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Sarah Hummel alias Sisi
Sarah Hummel als Sisi © Peter Samer

„Man sollte sich nicht aufs Glück alleine verlassen“

„Träume – wer hat sie nicht. Doch nicht jeder ist in der Lage, sie zu leben. Oft fehlt der Mut, die Zweifel auszuräumen. Denn nicht selten gilt die Erfüllung eines Traumes als unvernünftig. Der Verstand siegt. Aber müssen wir uns tatsächlich entscheiden? Nein. Sarah Hummel ist das beste Beispiel. Schon als Kind wusste die Esslingerin: „Ich will Sängerin werden!“ Ein Lebenstraum, den sich die 18-Jährige gerade erfüllt – als junge Kaiserin Elisabeth im Musical DER SCHWANENPRINZ.

Die Zusage kam zum perfekten Zeitpunkt. Die schriftliche Abiturprüfung war bereits abgelegt. Nur die mündlichen und Sprachtests standen noch aus, als die gute Nachricht aus Füssen eintraf. Also hieß es kurze Zeit später: Abitur in der Tasche, Koffer packen! Seit einem Jahr lebt Sarah Hummel, die am 19. August ihren 19. Geburtstag feiert, nun im Königswinkel. Neben dem Schwanenprinz-Engagement jobbt sie in einem Hotel. Vor kurzem stand sie im Musical GRIMHILDE UND DER VERGIFTETE APFEL als Schneewittchen auf der Bühne. Ihr Prinz: Elias Herrmann, mit dem sie auch in DER SCHWANENPRINZ zusammenspielt. Der 18-jährige Allgäuer schwärmt: „Sie ist ein wirklich tolles Mädchen, voller Energie, Lebensfreude und Talent. Eine bessere Sisi und ein besseres Schneewittchen könnte ich mir gar nicht vorstellen.“ Was wie eine Liebeserklärung klingt, ist allerdings nur Freundschaft, denn Sarah ist bereits vergeben. An wen und wieso ihre Musicalkarriere im Weltall begann, erfahren Sie im folgenden Interview.

Sarah, wie spielt man bitte den Planeten Saturn?

Das ist ein gute Frage (lacht). In unserer Schule wurde damals ein Kindermusical aufgeführt. Es hieß LEBEN IM ALL. Jeder Planet war eine eigene Hauptrolle und durfte ein Sololied singen. Das Ensemble war der Sternenchor. Ich war damals zehn Jahre alt und spielte eben den Saturn.

Und das anscheinend mehr als gut. Denn mit diesem Auftritt begann deine Gesangskarriere.

Einige Leute kamen nach der Aufführung zu mir und meinten: „Sarah, du kannst so toll singen. Du solltest Gesangsunterricht nehmen.“ Das habe ich dann getan.

Es folgten weitere Schulvorführungen und Auftritte bei Galas – bis es schließlich in Hochdorf zu „dem“ Angebot kam.

Ja, so ungefähr. Marc Gremm, der den erwachsenen Ludwig spielt, kommt aus Hochdorf und zu Weihnachten findet dort immer das traditionelle Konzert mit ihm und Janet Chvatal statt. Ich habe gefragt, ob Janet Gesangsunterricht gibt. Da hat sie mir den Workshop in Füssen empfohlen. Den habe ich dann einmal im Monat besucht. Und eines Tages hat sie mir die Audition zu DER SCHWANENPRINZ angeboten. Ich habe vorgesungen und sie haben mich genommen.

Nach der Premierensaison 2016 spielst du auch dieses Jahr wieder die junge Kaiserin Elisabeth. Wie würdest du Sisi beschreiben?

Ich sehe Sisi als sehr selbstbewusste und selbstbestimmte Frau, die es nicht gemocht hat, wenn ihr andere reinreden wollten. Sie hat ihr eigenes Ding durchgezogen – selbst als sie Kaiserin geworden war. Sisi hat versucht, sich treu zu bleiben und sich nicht zu sehr dem Hofzeremoniell zu unterwerfen. Sie war fortschrittlich und hat ihre eigenen Standards durchgesetzt, obwohl sie dabei schief angeschaut wurde. Dazu war Sisi natürlich eine der schönsten Frauen ihrer Zeit und hat sich auch in Sachen Schönheit ein Denkmal gesetzt.

Du hast die Ehre, sie spielen zu dürfen. Inwieweit ähnelt Sisis Charakter deiner Lebenseinstellung?

Ich würde so gerne so sein wie sie und mir selbst treu bleiben. Doch manchmal lasse ich mich zu leicht von anderen beeinflussen. Ich bin zwar schon selbstbewusst, möchte aber versuchen, diese tolle Charaktereigenschaft noch etwas auszubauen und zu verstärken.

Wie interpretierst du Sisi für dich auf der Bühne?

Wir hatten letztes Jahr Glück, dass DER SCHWANENPRINZ eine Uraufführung war. Denn so durften wir einen Großteil unserer Rollen selbst interpretieren. Das war total ungewohnt, da wir ja teilweise sehr jung sind und noch keine Ausbildung haben. Natürlich mussten wir uns an die Texte, Noten und Lieder halten. Wie wir manche Szenen spielen oder Stellen betonen, durften wir aber selbst entscheiden. Wir konnten uns die Rollen so erarbeiten, dass sie uns wie auf den Leib geschneidert waren. Besonders wichtig war mir dabei, Sisi aus verschiedenen Perspektiven zu sehen und zu zeigen. Sie wird ja in jedem Film und Musical anders dargestellt. Das habe ich berücksichtigt.

Sarah Hummel mit dem Kelch der Träume

Sarah Hummel als Schwan © Peter Samer

Deine persönliche Sisi war erschaffen. Und sie erscheint Ludwig sogar als Schwan.

Richtig. Es gibt ja den großen Schwan an Land mit den großen Flügeln (gespielt von Nia Hawyes und Harriet Chafer; Anm. d. Red.). Doch am Ende des Musicals kommt er auf das Schiff, um Ludwig von seinen Albträumen zu befreien und ihn an die Träume seiner Kindheit zu erinnern – eigentlich genau das, was Sisi auch tat. Wenn er traurig war, war sie für ihn da. So gesehen verkörpert der Schwan in gewisser Weise Sisi.

Du hast es eben angesprochen: das Verhältnis zwischen Ludwig und Elisabeth. Die beiden waren sehr miteinander verbunden. Wie würdest du diese enge Beziehung beschreiben?

Ich würde sie Seelenverwandschaft nennen. Ludwig und Sisi hatten sehr viel gemeinsam. Beide haben sich für Kunst, Musik und die Natur interessiert. Deshalb haben sie sich auch so gut verstanden. Wenn sie zusammen waren, konnten sie sich über ihre Gefühle, Wünsche und Träume unterhalten. Sie hatten im jeweils anderen einen Ansprechpartner, der so gedacht hat wie sie selbst. Ja, Ludwig und Sisi waren Seelenverwandte.

Heutzutage tauscht man sich vorzugsweise über Smartphones und die sozialen Medien aus. Denkst du, dass Träume dabei zu kurz kommen?

Ich glaube, dass sich viele zu sehr von der Außenwelt beeinflussen lassen. Ich nehme mich als Beispiel. Wenn ich erzähle, dass ich Sängerin werden möchte, sagen viele: „Mach das nicht, das ist ein unsicherer Beruf. Lern lieber etwas Anständiges.“ Sie mischen sich ein – vielleicht gerade, weil sie ihre Träume selbst nicht leben dürfen oder können.

Deine Mutter wollte Kinderkrankenschwester werden, hat allerdings Industriekauffrau gelernt. Sie hat sich ihren Traum nicht erfüllt, unterstützt dich aber auf deiner Karrierelaufbahn. Genau wie dein Vater, der als selbständiger EDV-Dienstleister seinen Weg geht. Dazu lieben beide Musicals. Das erleichert die eigene Traumerfüllung sicherlich.

Meine Eltern haben ein Gespür für Kunst und verstehen, dass ich sie zu meinem Beruf machen möchte. Mein Opa hat meiner Mama damals ihren Traumberuf ausgeredet. Er hat immer gesagt: „Lass das, geh ins Büro.“ Und sie hat auf ihn gehört. Ich glaube, das bereut sie heute noch. Mein Papa ist sein eigener Chef in seiner Ein-Mann-Firma und unterstützt mich, wo er kann. Bevor ich nach Füssen gezogen bin, hat er mich jeden Monat für einen Tag zum Workshop gebracht und abends wieder heimgefahren. Das machen nicht viele Eltern.

Dafür dürfen dich deine Eltern als Sisi bewundern. DER SCHWANENPRINZ geht in sein zweites Jahr. Was hat sich seit der Uraufführung verändert? Es gibt einige Neuerungen.

Ein großer Unterschied ist die Außenszene mit der Gralsburg am Wasserwerk. Letztes Jahr hat der Zauberer Klingsor seinen Kelch im Zaubergarten versteckt. Dieses Jahr ist es die Gralsburg. Ansonsten ist die Grundgeschichte gleich geblieben. Die Reihenfolge der Szenen und Songs wurde stellenweise noch verändert, damit sie besser in die Handlung passen. Und einige ehemalige Textpassagen werden jetzt gesungen.

Das Musical wurde also noch musikalischer – perfekt für eine Musikhochschulen-Anwärterin. Deine Zukunftspläne hast du ja neben dem Schwanenprinz-Engagement schon geschmiedet.

Ich möchte zum nächsten Sommersemester Musik beziehungsweise Gesang studieren und bereite mich gerade auf die Aufnahmeprüfungen vor. Im letzten Jahr habe ich mich dazu entschlossen, nicht Musical, sondern klassischen Gesang zu studieren. Denn ich glaube, dass man dadurch später viel mehr Möglichkeiten hat. Man kann zum Beispiel unterrichten, wenn es mit den Engagements nicht so klappt und ist allgemein breiter aufgestellt. Ich denke, wenn ich mich auf Musicals spezialisiere, würde das nicht lange gutgehen.

Somit erfüllst du dir deinen Traum und lernst dennoch etwas „Anständiges“.

Genau. Ich bin bin ja nicht blind in die Branche gekommen. Ich wusste schon, worauf ich mich einlasse. Allerdings bin ich jetzt seit knapp zwei Jahren mit meinem Freund zusammen. Da verändern sich natürlich die Wünsche. Ich will auf der Bühne stehen, möchte aber auch irgendwann eine Familie gründen und sesshaft werden. Wäre ich dann auf Musicals angewiesen, wäre dies fast nicht möglich. Da müsste ich schon viel Glück haben. Man sollte sich aber nicht aufs Glück alleine verlassen. Das wäre ein bisschen dumm.

Du bist mit deinem Kollegen Chris Green zusammen, der vor zwei Jahren nach Deutschland kam.

Ja, wir haben uns beim Workshop kennengelernt und es ging alles recht schnell. Er ist Engländer, sein Deutsch ist aber schon sehr gut. Es bleibt ihm auch gar nichts anderes übrig, denn meine Familie spricht nur Deutsch mit ihm…

…und Schwäbisch.

Das kann er auch schon ein wenig (lacht).

Deinen Traummann hast du also bereits gefunden. Wie sieht es mit deiner Traumrolle aus? Als Sisi bist du ihr ja schon recht nahe gekommen.

Richtig. Gerade die weiblichen Hauptfiguren, wie MARY POPPINS, Christine aus dem PHANTOM DER OPER oder ELISABETH, reizen mich. Ich denke auch, dass diese klassischen Musicalrollen am ehesten zu mir und meiner Stimme passen. Wenn ich später eine dieser großen Rollen, auch im Ausland, bekommen würde, wäre das natürlich toll. Allerdings erst im Anschluss an mein Musikstudium. Die Schule würde ich dafür nicht abbrechen. Denn ohne Abschluss geht es nicht.

Weitere Interviews zum Musical:

„Jeder sollte das sein und machen, was er möchte“ – Interview mit Janet Chvatal

„Treuer Diener“ Ludwigs – Interview mit Christopher Green

SCHWANENPRINZ-Träume – Elias Herrmann und Philipp Maul im Interview

Kategorie: Interviews

Tags:

Autor: B. Schlager (01.08.2017)

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  • Betina 15. August 2017 at 09:13 / Antworten

    Ein sehr gut gelungenes Interview, habe es gern durchgelesen.

    Lg Betina

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