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Keine Höhenangst – Victor Petersen ist auch Countertenor

Victor Petersen steht derzeit als Professor Abronsius in TANZ DER VAMPIRE auf der Bühne. Aber er ist nicht nur Musicaldarsteller. Er hat auch eine Ausbildung im seltenen Stimmfach Countertenor. Das hat uns neugierig gemacht und wir haben ihn gefragt, wie es dazu kam.

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Victor Petersen Interviewbild 2
Victor Petersen Interviewbild 2 © Christian Hartmann

Seltenes Stimmfach

Von der „Rückkehr der Countertenöre“ schrieb die Hannoversche Allgemeine im Oktober 2016 und bezeichnete sie als die „neuen Superstars der Klassik“. Und dennoch sind sie selten, eine Ausnahmeerscheinung. Wer, der nicht vom Fach ist, kann auf Anhieb einen oder gar mehrere Countertenöre nennen? Was ist das überhaupt? Wikipedia erklärt, ein Countertenor sei “ein männlicher Sänger, der mit Hilfe einer durch Brustresonanz verstärkten Kopfstimmen- bzw. Falsett-Technik in Alt- oder sogar Sopranlage singt”.

Die „Wahrheit“ von einem Profi

Jeder Tanz der Vampire-Fan kennt die Szene in der Professor Abronsius auf der Suche nach der „Wahrheit“ in höchsten Tönen von der „menschliche Kultur“ singt. Nicht alle Professor-Darsteller sind Countertenöre, aber es hilft und ist auf jeden Fall eine der ganz wenigen Paraderollen, in denen das Stimmfach im Musical-Bereich zum Einsatz kommen kann.

Wir haben uns mit Victor Petersen getroffen und ihn gebeten, uns ein bisschen mehr darüber zu erzählen. Die erste Überraschung: Von der Sprechstimme lässt sich in keinster Weise schließen, in welche Höhen der ausgebildete Musical-Tenor seine Stimme treiben kann. Aber wie merkt man dann, dass man eine so außergewöhnliche Fähigkeit in sich trägt?

Mozart-Musik motivierte zum Singen

„Als Kind habe ich einen Ghetto-Blaster von Fisher Price geschenkt bekommen und dazu eine CD mit „Mozart-Hits for Kids“, erzählt Victor Petersen. „Besonders gern habe ich die Arie der Königin der Nacht mitgesungen. Ich habe angefangen, mich zu verkleiden, bin bei Nachbarn aufgetreten und ab etwa der siebten Klasse bekam ich Gesangsunterricht. Bis zum Stimmbruch war ich ein Knabensopran.“ Gesang, erklärt er, sei für ihn immer mit großen Höhen verbunden gewesen. Auch nach dem Stimmbruch dachte er, dass sei eben Singen: Mit der Stimme hochgehen. Erst als er als Jugendlicher einer Musicalgruppe beitrat, entdeckte er seine normale Männertonlage. Da ihm schon seit den „Mozarthits für Kids“ klar war, dass sein Weg unweigerlich irgendwann auch auf größere Bühnen führen soll, begann er eine Ausbildung zum Musicaldarsteller an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München.

Veranlagung zum Countertenor erst während der Ausbildung entdeckt

Auf der Suche nach dem richtigen Stück für die erste Gesangsprüfung verblüffte er die Gesangslehrerin, als er ein „Frauen-Stück“ ansang. Sie empfahl ihm, genau diesen Song für die Prüfung vorzubereiten, holte einen Kollegen dazu und beide waren sich sicher, gerade etwas ganz Besonderes zu hören. Ein Talent, das kurz darauf an der Hochschule für Musik und Theater München ebenfalls bestätigt und dann gefördert wurde. „Ich studierte also neben meiner Musicalausbildung auch klassischen Gesang im Fach Countertenor“.

Gleich sei bei beiden Gesangsausbildungen, dass man “einzig seinen Körper als Instrument zur Verfügung hat”. „Physiologisch ist es jedoch ein großer Unterschied. Man nutzt andere Räume in sich, setzt andere Techniken ein“, beschreibt Victor Petersen die Unterschiede. Speziell bei einem Countertenor sei aber auch eine Veranlagung dazu unabdingbar, dies sei nicht allein durch Technik zu erlernen.

„Die Grenzen zwischen Klassik und Musical sind bei uns noch zu starr“

Für ihn sei es ein ganz besonderer Reiz, beides zu können. Bisher habe ihm das nur Vorteile gebracht. Schon seine erste Stuttgarter Rolle  – die der Mary Sunshine in CHICAGO – ermöglichte es ihm, seine Fähigkeit, auch mit Frauenstimme singen zu können, einzusetzen.

Man merkt ihm die Begeisterung darüber an, dass er die Möglichkeit hat, zwei oft sehr getrennte Welten zu vereinen. „In Deutschland ist die Trennung zwischen klassischer Musik und Musical meist noch sehr strikt und man beäugt sich gegenseitig eher etwas misstrauisch. In anderen Ländern, zum Beispiel den USA, sind die Grenzen da viel fließender. Dort wechseln die Darsteller auch viel öfter zwischen den verschiedenen Genres als bei uns.“ Es sei ihm wichtig, genau diesem Schubladendenken zu entkommen. Er sei durchaus auch für ein rein klassisches Stück offen – eine Countertenor-Rolle in einer Oper zum Beispiel. Aber auch für Crossover-Projekte, wo man beide Richtungen verbinden kann.

Mit Soloprogramm beide Welten verbinden

Victor Petersen Headshot

© Christian Hartmann

Verschiedene Richtungen verbinden will der gebürtige Niedersachse auch in seinem Solo-Programm EINE FRAU SCHAU. Wie wir bereits berichteten basiert die Show auf dem Buch „Der Kuss der Spinnenfrau“. Die Rolle des Alfred Molina ermöglicht es dem Darsteller, sowohl Stücke in normaler Tenorlage als auch Songs in Frauen-Stimmlage einzubauen. „Zum Beispiel „Maybe I like it this way“ aus THE WILD PARTY“ verrät Timo Radünz. Er zeichnet neben der Regie auch für Texte und Kostüme verantwortlich und hat das Programm ursprünglich für die Abschlussprüfung von Victor Petersen gemeinsam mit ihm entwickelt. „Besonders stolz sind wir aber auf die Konfrontation aus JEKYLL & HYDE. Wo im Original Gut gegen Böse kämpft, Jekyll gegen Hyde, singt bei EINE FRAU SCHAU Mann gegen Frau in einer Person.“

Egal ob als Professor Abronsius, den er auch in Hamburg als Erstbesetzung spielen wird, oder in seinem Soloprogramm: Der Sänger möchte dem Publikum mit seinen Fähigkeiten einen schönen Abend bereiten. „Ich möchte nicht langweilen, das ist mir wichtig. Auch dann nicht, wenn ich eine Rolle zum xten Mal spiele. Ich möchte mit meinen Figuren berühren, die Menschen erreichen. Egal ob sie sich über den Professor amüsieren oder sie mit Molina mitfühlen”.

Ob ihm dies gelingt und wer die Konfrontation „Mann gegen Frau“ gewinnt, berichten wir euch nach dem 31. Juli in unserer Kritik.

Kategorie: Darsteller Geschichten,Interviews,Tanz der Vampire

Tags:

Autor: M. Kanz (23.07.2017)

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