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JESUS CHRIST SUPERSTAR bei den Domfestspielen

Bereits zum 57. Mal finden die Gandersheimer Domfestspiele statt. In diesem Jahr stand unter anderem die Rockoper JESUS CHRIST SUPERSTAR von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice auf dem Programm. Dafür gewannen sie u. a. Christian Alexander Müller für die Rolle des Jesus von Nazareth während, Alexander di Capri in die Rolle des Verräter Judas schlüpft.

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Jesus hadert mit Gott, ob sich sein Tod auch wirklich lohnt
Jesus (Christian Alexander Müller) hadert mit Gott ©Hillebrecht/Die Foto-Maus

Das perfekte Freilicht-Wetter und der besondere Charm der Domfestspiele

Mit perfektem Wetter empfängt der Himmel über Bad Gandersheim das Publikum der Domfestpiele am ersten Augustwochenende. Schon vor Beginn der Vorstellung JESUS CHRIST SUPERSTAR, am 01. August, wird man Zeuge des ganz besonderen Flairs, das Bad Gandersheim und seine Domfestspiele versprühen. Immer wieder huschen die Darsteller an einem vorbei und würden ohne ihre Headsets – die sie bereits tragen – in dem regen Treiben auf dem Vorplatz der Stiftskirche gar nicht groß auffallen. Generell bekommt man hier gleich das Gefühl, alles läuft bei den Domfestspielen ein bisschen anders. Hier geht der Dramaturg und Pressesprecher Florian Götz noch persönlich von Tisch zu Tisch und lädt das wartende Publikum zu einer kleinen Einführung in das Stück ein.

Abweichung von der Orginalsprache

Dadurch, dass die Gandersheimer Domfestspiele JESUS CHRIST SUPERSTAR auf Deutsch auf die Bühne bringen, zeichnen sie sich aus und heben sich zeitgleich von anderen Produktionen ab. Bereits im Jahr 2001 war JESUS CHRIST SUPERSTAR in Bad Gandersheim in deutscher Sprache zu sehen, damals wurde sogar eine CD davon produziert. Dies ist natürlich in so fern ein Pluspunkt, dass jeder aus dem vielschichtigen Publikum (Alt und Jung) die gleiche Chance hat, die Rockoper zu verstehen und dem Verlauf der Handlung zu folgen. Gehört man jedoch zu jenen, die das Stück kennen und daran gewöhnt sind, es auf Englisch zu sehen bzw. zu hören, fällt es einem im ersten Moment recht schwer, sich in die deutschen Texte einzufinden. Dies verliert sich jedoch recht schnell.

‚Follow Me‘: der moderne Jesus

Jesus kurz vor seinem Tod mit seinen Jüngern

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

Insgesamt wurde die Inszenierung ein wenig modernisiert, so tragen Jesus Jünger z. B. Laptops bei sich und auch Hannas filmt Jesus und seine – wie man sie wohl heute nennen würde – ‚Follower‘ mit einem Smartphone. Das Transparent, das seinen Platz unübersehbar über der Bühne gefunden hat, ziert die Worte ‚Follow me‘. Dieser ‚Leitsatz‘ findet sich auch auf dem Buch, das Jesus bei sich trägt und welcher zu einem späteren Zeitpunkt auch auf den Oberteilen des Ensembles und auf dem des Judas-Darsteller di Capri aufgedruckt ist. Generell sind die Kostüme auch voll und ganz im Heute angekommen. Auffällig dabei ist, dass weder Jesus noch seine Anhänger schwarz tragen, mit nur einer Ausnahme, Judas. So grenzt sich Judas optisch von Anfang an ab und passt so – rein vom äußeren Erscheinungsbild – eher zu Kaiphas, Annas und Pilatus. Geschickt werden moderne Elemente mit historischen verknüpft. So beginnt die Szene des letzten Abendmahls damit, dass die Darsteller das berühmte Gemälde „Das Abendmahl“ von Leonardo da Vinci – als Standbild – nachstellen.

Schlichtes aber wandelbares Bühnenbild

Generell ist das Bühnenbild recht schlicht und besteht nur aus einigen Tischen und Stühlen, welche sich jedoch der jeweiligen Szene anpassen und sich verstellen/verschieben lassen. Besonders gelungen ist hierbei der Wechsel von der langen Tafel – die Jesus und seine Jünger in Verbundenheit zeigt – hin zum Kreuz, an dem Jesus stirbt. Dadurch, dass durch das Umstellen der Tische immer neue Bühnenbilder entstehen, vermisst man keinesfalls ausladende Kulissen. Nach dem Wechsel im Leitungsteam von JESUS CHRIST SUPERSTAR äußerte sich Intendant Christian Doll sehr positiv zu dieser Veränderung, was die Regie (wir berichteten) betrifft, und versicherte: “Wir stehen bei ‘Jesus Christ Superstar’ voll im Zeitplan für die Premiere am 02. Juli (…).” und dies lässt sich nur bestätigen. Die Inszenierung wirkt zu keinem Zeitpunkt undurchdacht oder unvollendet.

Eine starke Inszenierung

Die Inszenierung tritt stark auf, die gesamte Cast schafft es, die Bühne voll und ganz auszufüllen. Besonders die Ensemblenummern stechen durch gut choreografierte Tanzszenen (Choreografie Marc Bollmeyer) heraus und alle sind stimmlich gut aufeinander abgestimmt. Ein großes Ensemble, wie es in anderen Produktionen der Fall ist, vermisst man zu keiner Zeit. Die Festspiel-Band (unter der Leitung von Heiko Lippmann) ist international besetzt und bietet den Darstellern so einen sicheren Klangteppich.

Christian Alexander Müller und Alexander di Capri

Judas wird sich der schwere seines Verrats bewusst.

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

Die Titelrolle des Jesus von Nazareth füllt Christian Alexander Müller voll und ganz aus. So sagt Müller im Festspielmagazin der Gandersheimer Domfestspiele 2015: „(…) Die Rolle des Jesus ist für mich aber vor allem auch eine stimmliche Herausforderung (…)“. Diese Herausforderung meistert er mit Bravour und überzeugt dabei nicht nur gesanglich sondern auch schauspielerisch. Besonders kurz vor seiner Festnahme, als er beginnt zu zweifeln – an Gott und dem Sinn seines Todes – zieht er das Publikum gänzlich in seinen Bann. Hierdurch wird Gottes Sohn greifbarer und für den Zuschauer als ,normaler Mensch‘ antastbarer. Das Zusammenspiel mit seinem Verräter Judas, der in Bad Gandersheim von Alexander di Capri übernommen wird, harmoniert sehr gut und lässt das Pulikum spüren, wie vielschichtig und verzwickt die Situation und Beziehung zwischen den beiden ist. Alexander di Capri versteht sich darauf, das Publikum spüren zu lassen, wie schwer die Entscheidung gegen seinen Freund Jesus und hin zum Verrat für Judas gewesen sein muss.

Die Anhänger Simon und Petrus und die Geliebte

Innerhalb der Apostel stechen besonders Simon (Tobias Berroth) und Petrus (Jannik Nowak) heraus. Tobias Berroth zeichnet sich durch eine tolle Stimme aus, die besonders in seinem Solo zur Geltung kommt. Jannik Nowak hingegen – der vielleicht einigen als Fabian Voss aus der Serie ‘Rote Rosen’ ein Begriff sein könnte – glänzt mit seinem schauspielerischen Talent. Julia Lißel als Jesus Geliebte Maria Magdalena besticht besonders in den leisen Tönen. Leider wirkt Jannik Nowak im Duett mit Julia Lißel (Song: „Lass uns neu Beginnen“) ein wenig unsicher, was seine Stimmführung betrifft.

Jesus Gegner

Herodes lacht den angeblichen Messias Jesus aus

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

Auf Seiten der Jesu Gegner tun sich besonders Kaiphas (Daniel Dimitrow), Annas (Oliver Polenz) und Herodes (Dirk Weiler) hervor. Daniel Dimitrow und Oliver Polenz harmonieren als Gespann sehr gut. Beide überzeugen sowohl stimmlich als auch schauspielerisch. Dirk Weiler, der in seinem Herodes-Kostüm ein wenig an Elton John erinnert, besticht neben seinem Gesang – der Jesus verhöhnt und genau den Revue-ähnlichen Charakter versprüht, welcher für die Rolle angedacht ist – auch durch seine gekonnte Stepp-Einlage. Der bekannte Hit “Superstar” wird zum Highlight der Show und ist im gesamten Stück der einzige Song, der in der Originalsprache Englisch verbleibt.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass es den Gandersheimer Domfestspielen mit dieser Inszenierung geglückt ist, die Rockoper aus dem Jahr 1971 ins Heute zu transportieren. Dabei verlieren sie die historischen Aspekte jedoch nicht gänzlich aus den Augen und kombinieren ‚damals und heute‘ geschickt miteinander. Gut durchdachte Tanzszenen und ein wirklich aufeinander abgestimmtes Ensemble füllen die Bühne zur Gänze aus und sorgen dafür, dass man sich weder ein größeres Ensemble noch ausladende Kulissen wünscht. Noch bis zum 16. August ist diese Produktion in Bad Gandersheim zu sehen.

Verbleibende Termine:

  • Mittwoch, 05.August 2015 20 Uhr
  • Donnerstag, 06.August 2015 20 Uhr
  • Samstag, 07.August 2015 20 Uhr
  • Sonntag, 08.August 2015 15 Uhr
  • Mittwoch, 12.August 2015 20 Uhr
  • Freitag, 14.August 2015 19 Uhr
  • Sonntag, 16.August 2015 20 Uhr

Die Besetzung

Jesus von Nazareth: Christian Alexander Müller
Judas Ischariot: Alexander di Capri
Maria Magdalena: Julia Lißel
Pontius Pilatus: Daniel Ris
Kaiphas: Daniel Dimitrow
Annas: Oliver Polenz
Petrus: Jannik Nowak
Simon Zelotes: Tobias Berroth
Herodes: Dirk Weiler
Ensemble: Tobias Berroth, Alice Hanimyan, Johannes Kiesler, Silvio Römer, Jens Schnarre, Luise Schubert, Dominika Szymanska, Bosse Vogt, Dirk Weiler
Statisterie: Magnus Heitmann, Carsten Schneck

Kategorie: Jesus Christ Superstar,Kritiken

Tags:

Autor: K. Heinen (05.08.2015)

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