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JEKYLL & HYDE bei den Schlossfestspielen Zwingenberg – Kritik

Im beschaulichen Örtchen Zwingenberg im nördlichen Baden-Württemberg halten bei den 34. Schlossfestspielen namhafte Musicalstars Einzug. Für insgesamt fünf Vorstellungen gaben sich Drew Sarich und seine Frau Ann Mandrella vor ausverkauftem Schlosshof hoch über dem Neckar zwischen Mosbach und Heidelberg die Ehre. Das Musical JEKYLL & HYDE von Frank Wildhorn sorgt vor traumhafter Schlosskulisse für eine schaurig-schöne Stimmung. Musical1 war zu Gast und hat sich angeschaut, ob die Trennung von Gut und Böse funktioniert.

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Lucy Harris und Edward Hyde
Jekyll & Hyde Zwingenberg Ann Mandrella und Drew Sarich © Barbara Nolten-Casado

Wandel zwischen den Welten

Der musikalische Sommer in Zwingenberg ist geprägt von Klassik und Moderne. Bereits seit 34 Jahren wird traditionell die Oper „Der Freischütz“ im Schlosshof Zwingenberg aufgeführt. Als Kontrapunkt gibt es auch in diesem Jahr die Inszenierung eines jungen Musical-Klassikers: JEKYLL & HYDE. Die Geschichte von Dr. Henry Jekyll und Mr. Edward Hyde – mehr zur Handlung lesen Sie hier – basiert auf der Romanvorlage von Robert Louis Stevenson. Die Musicalfassung bietet insbesondere für die Hauptdarsteller eine Vielzahl von schauspielerischen Möglichkeiten, da Gut und Böse eben in jedem Menschen existieren und selbst nach der Abspaltung des Mr. Hyde von Dr. Jekyll die beiden nicht in der Lage sind, als einzelne Individuen zu überleben. Und so wandelte man in diesem Jahr sowohl musikalisch als auch moralisch zwischen den Welten.

Eindrucksvolle Kulisse

Zwingenberg Ensemble

© Martin Hahn

Der Schlosshof in Zwingenberg ist reichlich bestuhlt und das Publikum sitzt in Blickrichtung der mit Kletterpflanzen bewachsenen beeindruckenden alten Gemäuer. Vor Beginn der Show werden das Schloss, der Hof und die Bühne schon vom Ensemble bespielt. So steht beispielsweise der Bischof hoch oben und blickt auf “seine Schafe“ herab. Die gerüstartige Bühne wirkt in dieser wunderschönen Location etwas fehl am Platz und dürfte in den kommenden Spielzeiten großzügiger ausfallen, um für die Ensemblenummern und Tanzszenen mehr Platz zu schaffen. Im hinteren Bereich auf dem höchsten Bühnenelement war das Festspielorchester untergebracht. Davor waren drei Ebenen errichtet,  die mit minimalen Elementen zu den verschiedenen Schauplätzen umgestaltet werden konnten. Dabei reichten Stühle, Schilder oder ein Sofa aus, um die Zuschauer auf die Reise durch die verschiedenen Orte der Handlung mitzunehmen. Eine Konstante im Bühnenbild waren das Labor und das Arbeitszimmer von Dr. Jekyll auf der rechten Bühnenhälfte. Für etwas mehr Tiefe im Raum sorgte das vereinzelt Spiel der Darsteller im Zuschauerraum. Hier wünscht man sich als Zuschauer, dass in den kommenden Jahren davon noch mehr Gebrauch gemacht wird.

Der Open-Air-Sound

Ein Risikofaktor bei Open Air Produktionen ist neben dem Wetter sicherlich auch immer die Tontechnik. Das Wetter war bei der besuchten Vorstellung ausgesprochen gut. Sicherlich hätte es dem einen oder anderen Mikrofon gut getan, wenn es etwas lauter eingestellt gewesen wäre. Aber das tat der Verständlichkeit der Darsteller keinen Abbruch und so war, auch begünstigt durch die exakte Artikulation, selbst in den hinteren Reihen der Text gut zu verstehen. Ein satterer Sound hätte jedoch dazu beigetragen, dass der Funke der Begeisterung schneller überspringt.

Starbesetzung

Dr. Henry Jekyll

© Barbara Nolten-Casado

Für Musicalliebhaber ein besonderes Ereignis war die Besetzung der Hauptrollen. Dr. Jekyll/Mr.Hyde wurde von dem in Wien lebenden Drew Sarich verkörpert. Seine Ehefrau Ann Mandrella spielte die Prostituierte Lucy Harris, welche den mörderischen Trieben des Mr. Hyde zum Opfer fällt. Die beiden Wahlwiener gemeinsam auf der Bühne zu erleben hat einen gewissen Seltenheitswert. Sarich wechselt gekonnt zwischen dem akkuraten Jekyll, dessen linke Hand versteift war und dem verrückten, mordlustigen Hyde. Schauspielerisch und gesanglich bediente er beide Facetten seines Seins. Als tierischer Mr. Hyde erobert er die gesamte Bühne für sich und auch wenn er am Ende des Stücks als Dr. Jekyll den Tod wählt, ist er immer authentisch. Ann Mandrella als Lucy Harris beeindruckt besonders im Duett “Mädchen der Nacht” gemeinsam mit der stimmlich starken Bianca Spiegel die eine laszive Nelly verkörpert. Beide ergeben sich in diesem eingängigen Song ihrem Schicksal als Prostituierte. Aber auch in “Ein gefährliches Spiel” trumpft Mandrella gesanglich und schauspielerisch auf, wenn sie von Mr. Hyde bedroht wird und der Funke des Widerstandes aufblitzt. Sarich und Mandrella harmonieren perfekt und der Zuschauer erkennt ein gewisses Knistern und eine Vertrautheit. Als Jekylls Verlobte Lisa Carew zeigt Jana Marie Gropp eine stimmlich starke Performance. Das Niveau der Hauptdarsteller erreichen die übrigen Ensemblemitglieder nicht ganz. Dennoch liefern alle eine solide und fehlerfreie Leistung ab.Ein zusätzlicher Augenschmaus war der Einsatz von Artisten, die gekonnt in die Handlung eingeflochten und mit Zwischenapplaus bedacht wurden.

Zukunftschancen

Mit JEKYLL & HYDE gelingt den Schlossfestspielen Zwingenberg ein toller Abschluss der Saison 2016. Wenn die Festspiele weiterhin auf bekannte Musicalgrößen setzen und es gelingt, kleine Schwachstellen auszumerzen, ist es durchaus möglich, sich als Open Air Musical Standort zu etablieren. Mit einem großen Live-Orchester und der beindruckenden Schlossatmosphäre direkt am Neckar sind die Voraussetzungen jedenfalls gegeben. Wir sind gespannt was in den kommenden Jahren passiert.

Kreativ Team:

  • Musikalische Leitung: Rainer Roos
  • Regie: Anja Kühnhold
  • Choreografie: Barbara Tartaglia
  • Musikalischer Assistent: Oliver Vogt
  • Regieassistenz, Requisite: Annika Rink
  • Inspizienz: Elke Büttner
  • Bühnenbild: Elin Doka
  • Kostümbild: Valerie Hirschmann
  • Maske: Birgit Müller-Johannes
  • Chorleitung:Harald Braun

Besetzung:

  • Henry Jekyll/Edward Hyde: Drew Sarich
  • Lucy Harris: Ann Mandrella
  • Lisa Carew: Jana Marie Gropp
  • Gabriel John Utterson: Holger Ries
  • Nelly: Bianca Spiegel
  • Sir Danvers Carew: Werner Pürling
  • Lady Beaconsfield: Deborah Feth
  • Mr. Simon Stride: Benjamin Schuster
  • Bischof von Basingstoke: Sven Wagenhöfer
  • Lord Savage: Heiko Ihrig
  • General Lord Glossop: Avelino Casado
  • Sir Archibald Proops: Manfred Troll
  • Poole: Markus Wäsch
  • Bisset: Klaus Müller-Blask

Kategorie: Kritiken,Open Air

Autor: M. Sommerfeld (08.08.2016)

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