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Magische Momente machen ihn glücklich – Jan Ammann

Graf von Krolock, Maxim de Winter, der Silberrücken Kerchak, Henry Jekyll & Edward Hyde, König Ludwig II. und ab Januar Dr. Jurij Schiwago - er gibt ihnen Gestalt und vor allem Stimme. Jan Ammann scheint ein Faible für tragische Gestalten zu haben. Und für einen vollen Terminkalender. Denn neben seinen Theater-Engagements ist er auch bei vielen Konzerten dabei. Sowohl als Gastgeber als auch als Gast. Zwischendrin nimmt er sich noch Zeit für ein Interview mit uns.

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Jan Ammann nach dem Interview
Jan Ammann nach dem Interview ©Musical1

Von der Kunst, den Elefanten in kleine Scheiben zu schneiden

Ständig unterwegs, selten zuhause, immer auf den Punkt fit sein – das ist das Los eines Musical-Darstellers. Dazu kommt, dass für jedes neue Projekt, für jede Rolle, jedes Konzert, auch neue Songs und neue Texte auf ihn zukommen. Und Proben muss man auch. Wie schafft man das? „Manchmal ist es schon sehr viel – und vor allem auch sehr vielfältig“, gibt Jan Ammann zu. „Da setzt man sich selbst ganz schön unter Druck“. Schon der Sommer dieses Jahr mit der Doppelbelastung von REBECCA und LUDWIG II. sei sehr anstrengend gewesen. Aber auch im Moment sei es recht viel, was er unter einen Hut bringen müsse. Von Hamburg – wo er noch bis Ende November als Graf von Krolock auf der Bühne steht – habe er noch nichts gesehen. „Bisher hatte ich in Hamburg ein einziges Mal die Gelegenheit, in einen freien Tag hineinzuschlafen. Den habe ich dann zum Kochen genutzt.“ Kochen, das sei für ihn der Ausgleich zum Bühnenleben.

„Ich merke mir Szenen eher mit bestimmten Gefühlen als mit Worten“

Viel Gelegenheit gibt es dazu zurzeit aber nicht. „Aktuell ist das Kreativteam in Hamburg. Das heißt, wir proben von 14 Uhr bis 17.30 Uhr. Danach gehe ich direkt in die Maske und dann zur Show.“ Die Rolle des Grafen von Krolock hat Jan Ammann unzählige Male gespielt, das macht er doch sicher wie im Schlaf. Nein, da täusche man sich, widerspricht er. Denn gerade, wenn man sich zu sicher fühle, berge das auch eine Gefahr. „Man spielt vielleicht 350 Vorstellungen ohne sich irgendwelche Gedanken zu machen, was man tut, weil man alles völlig verinnerlicht hat. Aber dann steht man plötzlich auf der Bühne und fängt wieder an, darüber nachzudenken.“ Wenn er sich eine Rolle erarbeite, mache er das sehr viel an bestimmten Gefühlen fest, die er mit Szenen verbinde. „Nach einer Weile kann es passieren, dass ich zwar genau weiß, welche Emotion ich an dieser Stelle einbringen, aber vielleicht nicht mehr, mit welchen exakten Worten sie kommen muss.“ Das könne für die Umstehenden dann unter Umständen sehr witzig sein, man selbst komme aber mächtig ins Schwitzen.

Jan Ammann Porträt 1

© Karim Khawatmi

Anstrengendes mit noch mehr Anstrengung bekämpfen

Ins Schwitzen kommt er allerdings lieber beim Sport. Wie das Kochen sei das ein sehr wichtiger Ausgleich für ihn. Normalerweise trainiere er vier bis fünf Mal die Woche, das sei für ihn ein sehr gutes Ventil und seine Art mit den Belastungen der Shows umzugehen. Während er die körperlich enorm fordernde Rolle des Kerchak in TARZAN gespielt habe, sei er wann immer möglich morgens zum Sport gegangen. „Ich habe eine schwere Show mit einem noch schwereren Training bekämpft. So war die Show abends dann im Vergleich erholsam.“, schmunzelt er. Momentan bliebe ihm aber selbst dafür nicht genug Zeit, das sei mitunter frustrierend. Denn es fehle nicht nur der Ausgleich, sondern „auch eine gewisse Routine, die man einfach im Leben braucht“. Der enge Zeitplan mache es zudem zur großen Herausforderung, alle Fäden in der Hand zu halten. „Man ist ja nicht nur Darsteller, es gibt noch mehr, was man vereinen muss. Dazu gehören auch Familie, Freunde und ganz normale Themen, die jeder andere auch hat und um die man sich kümmern muss.“

„Man darf nicht zu weit voraus denken“

Ein weiterer Weg, den Jan Ammann für sich gefunden hat, um mit dem Druck umzugehen, klingt erst einmal ungewöhnlich. „Ich denke nie mehr als vier Tage voraus“, erklärt er. „Natürlich ist mein Leben bzw. mein Kalender viel weiter verplant. Andreas Luketa, mein Manager, hat da den vollen Überblick über alles, was ansteht. Aber wenn ich zu weit nach vorne schaue und sehe, was alles auf mich zukommt, kann das sehr erdrückend sein.“ Also portioniert er den Druck quasi. „Ich brauche zwischendrin auch mal einen Tag, an dem ich einfach nur völlig unbelastet kochen oder Sport machen kann, ohne darüber nachzudenken, was in den nächsten Wochen alles auf mich zurollt.“ Und das funktioniere mit der Methode, den Kalender sozusagen in kleine, leichter verdauliche Scheibchen zu schneiden, für ihn ganz gut. „Es ist sozusagen ein psychologischer Trick, um mich selbst zu überlisten.“

Premiere von DR. SCHIWAGO im Januar 2018

Die Pläne für die nächsten Monate sind bereits bekannt. Ende Januar feiert DR. SCHIWAGO als deutschsprachige Erstaufführung Premiere in Leipzig. Etwas Neues auf die Bühne zu bringen sei immer etwas Aufregendes. An der Rolle des Jurij Schiwago freuen ihn zwei Dinge aber ganz besonders. Zum einen darf er damit in die Fußstapfen seines Vorbilds Anthony Warlow treten, der die Rolle 2011 in der australischen Produktion gesungen hat. Zum anderen sei die Titelrolle tatsächlich für einen Bariton geschrieben, was ihm sehr entgegenkomme.

Jan Ammann sitzend

© Karim Khawatmi

„Man muss sich selbst treu bleiben“

Sich selbst und in diesem Zusammenhang auch seiner Stimme treu zu bleiben, ist dem Sänger sehr wichtig. Gerade bei längeren Engagements müsse man drauf achten, dass die Stimme dem auch gewachsen sei. Da bringe es nichts, wenn man beim Vorsingen zwar den Ton treffe und den Vertrag bekommt, weil man auch noch genau den Typ bedient, der gesucht wird. „Man will ja nicht jeden Abend mit Angst in eine Show gehen, weil man etwas singen muss, was die Stimme eigentlich nicht hergibt.“ Deshalb sei es unabdingbar, dass man ehrlich zu sich selbst sei. „Da denkt kein anderer für dich, das muss man letztlich ganz alleine für sich entscheiden.“ Er selbst habe durchaus auch schon mal eine Audition abgebrochen, weil er gemerkt habe, dass die Art der Musik seiner Stimme einfach nicht liegt. „Meine Stimme ist groß. Das ist einerseits gut, aber andererseits ist das eben wie bei einem großen Tanker. Man ist damit nicht so wendig.“ Zum Glück gibt es mehr als genug Rollen, die hervorragend zu diesem „Tanker“ passen.

„Manchmal muss man stimmlich aus der Komfortzone herauskommen“

Bei Konzerten sei das etwas anderes. Da könne man mehr ausprobieren, auch mal ein Risiko eingehen. Oft sei es so, dass Songs auf dem Programm stünden, mit denen man sich im ersten Moment schwertut. „Aber da muss man sich auch mal außerhalb seiner Komfortzone bewegen“. Konzerte seien für ihn häufig auch eine Gelegenheit „einfach mit Freunden zu musizieren.“ Das mache ihm sehr viel Spaß. Aber wie bei allem, gibt es auch hier zwei Seiten. Normalerweise fühle er sich für einen Auftritt bereit, sobald er in sein Kostüm schlüpft. Bei Galas sei das anders. „Da bin ich nur Jan“. Da könne er sich nicht verstecken.

Das Pausenbrot der anderen

Dazu kommt, dass er ein sehr selbstkritischer Mensch sei, gesteht Ammann ein. „Ins Theater kommen die Menschen, weil sie ein Stück, eine Geschichte oder eben eine bestimmte Figur sehen möchten. Das kann ich ihnen geben, in dem ich zum Beispiel Graf von Krolock meine Stimme leihe.“ Bei einem Konzert gehe es aber ausschließlich um seine Stimme. Da hinterfrage man sich deutlich mehr, ob das denn genug sei, um das Publikum zu fesseln. Das sei eben wie bei dem berühmten Pausenbrot, sagt er lachend. „Das was man selbst hat, ist nicht so spannend. Das was andere dabeihaben, ist immer viel interessanter.“ So neige er dazu, von der eigenen Stimme manchmal genervt zu sein und „viel toller zu finden, was andere haben.“ Wenn dann aber in einem Konzert sehr authentische und manchmal geradezu magische Momente im Zusammenspiel mit befreundeten Sängern und im Dialog mit den Zuhörern entstehen, dann mache ihn das sehr glücklich.

Jan Ammann Porträt 2

© Karim Khawatmi

„Ich suche mir Zeitfenster, in denen ich aufnahmebereit bin“

Was treibt ihn neben diesen magischen Momenten noch an? „Als Schauspieler will man sich darstellen, man will kreieren“, beschreibt der Wahl-Stuttgarter seine Motivation. Klar sei es nicht immer einfach, sich in einer laufenden Produktion auf das, was danach kommt, vorzubereiten. Da könne es schon mal passieren, dass man einen Text mehrmals liest und doch nichts hängen bleibt. „Aber ich suche mir kleine Fenster, in denen ich aufnahmefähig bin und nutze diese zum Lernen.“ Oft sei das zum Beispiel kurz vorm Schlafengehen. Da brauche er manches nur einmal zu lesen und könne es sich merken. Gut so, denn es geht in diesem Tempo weiter. Während DR. SCHIWAGO wird er sich auf seine Rolle als Gerold in DIE PÄPSTIN vorbereiten, die er im März 2018 für sechs Vorstellungen im Stuttgarter Theaterhaus übernimmt.

Magische Momente auch für das Publikum

Wir haben Jan Ammann im Interview sehr authentisch und offen erlebt. Aber wie würden ihn seine Kollegen wohl beschreiben? „Sie würden mich vermutlich als Chaot bezeichnen, dazu lustig und höflich.“ Nach kurzem Nachdenken fügt er an, es könne aber auch durchaus sein, dass sie als Erstes sagen würden „Der Ammann ist ein Schlumpf“, was daran liege, dass er privat absolut uneitel sei und meist in Kapuzenshirt oder -jacke rumlaufe. Auf der Bühne ist davon nichts zu sehen. Pünktlich zum Konzertbeginn in Filderstadt steht er top gestylt für ein letztes Foto bereit, tritt auf die Bühne und lässt sie geschehen, diese magischen Momente, die nicht nur ihn, sondern auch sein Publikum sehr glücklich machen.

Kategorie: Darsteller Geschichten,Interviews,Tanz der Vampire

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Autor: M. Kanz (18.11.2017)

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