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Interview mit Wietske van Tongeren

Bekannt geworden ist sie durch Musicals wie Elisabeth und Rebecca. Sie durfte in Ihrer Zeit als Musicalsdarstellerin schon zwei Rollen neu kreieren, die “Ich” in Rebecca und “Adrian” in Rocky. Letztere spielt Sie nun schon seit der Uraufführung am 18. November 2012 in Hamburg. Wir haben uns mit Wietske van Tongeren getroffen und ihr eure Fragen gestellt.

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Wietske van Tongeren
Wietske van Tongeren © Stefanie Müller

Über Wietske

Wietske van Tongeren wurde in den Niederlanden geboren. Dort hat sie zuerst angefangen Jura zu studieren. Dies tat sie jedoch nicht lange, da sie beschloss eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin an dem Fontys Conservatorium durchzuführen. Danach zog es sie nach Wien, wo sie die Zweitbesetzung der Elisabeth in dem gleichnamigen Musical spielen durfte. Später übernahm sie in Stuttgart die Erstbesetzung. Wietske hat viele Rollen in Wien gespielt. 2012 hat sie ihr Weg jedoch nach Deutschland geführt. Um genau zu sein, nach Hamburg. Dort durfte sie bei einer Uraufführung eine Rolle ganz neu kreieren. Sie übernahm die Rolle der Adrian aus dem Musical Rocky. Diese spielt sie nun schon seit der Premiere am 18. November und hat noch immer viel Spaß.

Wir haben den Lesern von Musical1, die Chance gegeben, sich Fragen für Wietske zu überlegen. Einige haben dies auch getan und wir haben sie Wietske gestellt. Was sie geantwortet hat, erfahrt ihr in dem nachfolgenden Text.

Wie würdest du dich selbst in wenigen Worten beschreiben?

Ich bin Positiv, sehr energetisch und ungeduldig.

Weißt du noch welchen Beruf du als Kind haben wolltest?

Nein, aber ich habe schon als Kind immer gerne gesungen. Immer wenn ich Bilder von mir sehe, von damals, habe ich den Mund offen. Das war schon sehr früh und auch immer mit meiner Mama. Ich hatte so eine Puppe, die hatte einen Plattenspieler innen drin, wo ich die Platten wechseln konnte. Also gesungen habe ich schon immer. Als ich sehr jung war, war ich in einem Kinder Chor und durfte auch Sachen im Fernsehen machen, bis zu meinem 12. Lebensjahr. Dann habe ich damit aufgehört, weil ich die Schule gewechselt habe (In Holland wechselt man mit 12 die Schule) und dann habe ich gedacht, jetzt musst du mal ernst sein und hab dann auch lange nicht gesungen. Mit 16 habe ich dann wieder angefangen, mit Gitarre. Ich habe ein bisschen Country Musik gemacht und ich habe es einfach geliebt. Ich habe gar nicht gedacht, dass man was damit werden kann. Dann habe ich das Musical Miss Saigon gesehen, ich glaub da war ich 17 / 18 und das fand ich richtig toll. Das hat mich total berührt. Das war eine Art von Theater, das kannte ich so gar nicht, da ich aus einem kleinen Dorf komme. Das hat mich einfach so berührt.  Ich glaube 2 Monate später kam dann die CD raus, wo ich wieder diese Emotionen gespürt habe. Ich habe gedacht “Wow, wie cool wenn Leute so etwas machen können.” Ich habe mich dann aber doch entschieden Jura zu studieren, weil ich dachte, dass ich was gescheites machen muss. Und dann war mein Vater derjenige, der zu mir gesagt hat: “Wietske ich glaube, dass du irgendwie weiter machen solltest mit dem Singen.” Danach habe ich zusammen mit meinem Papa nach Schulen gesucht und dann hatte ich ein Vorsingen. Und so ist das dann ins Rollen gekommen. Ich habe auch nie gedacht, dass ich im Ausland arbeiten würde. Niemals. Ich bin nicht jemand der denkt, das will und das mach ich dann. Ich gebe immer mein bestes, ich versuche in jedem Moment das Beste zu geben und hoffe, dass ich nicht irgendwann vor einer Tür stehe die zu ist. Aber ich versuche aus jeder Situation das schönste zu machen. Gott sei Dank kommen da auch schöne Sachen raus und irgendwie führte der Weg dann ins Ausland und das gefällt mir auch gut.

Noor Wobbes fragt: “Hattest du früher in der Schule Interesse für das Fach Deutsch, oder kam das erst dadurch, dass du nach Deutschland gegangen bist?”

Ich habe lustigerweise Abitur gemacht und ich hatte Deutsch, das heißt ja nicht, dass ich ein riesen Interesse hatte. Das heißt einfach, dass ich Französische zu kompliziert fand. Englisch hatte ich sowieso und ich wollte auf alle Fälle 2 Fremdsprachen haben. Es wurde nun mal nur Französisch, Englisch und Deutsch angeboten. Dadurch hatte ich dann Deutsch in der Schule. Ich hab damals, glaube ich, auch noch nicht so gut Deutsch gesprochen. Ich war aber sehr gut im Schreiben von Deutsch. Bin ich jetzt gerade nicht mehr so. Aber ich war einfach so eine kleine Streberin in der Schule, weißt du ich war nicht so cool. Ich war nicht einer von den Coolen in der Schule. Das Interesse für das wirkliche Deutsch kam erst später, aber ich war schon gut in Deutsch. Aber einfach, weil ich gelernt habe.

Wietske van Tongeren

© Stefanie Müller

Du hast ja vorher Jura studiert. Wieso hast du dich dann fürs Musical entschieden?

Ganz kurz habe ich das nur studiert. Eigentlich weil es ein Weg war. Ich war immer jemand, der etwas gemacht hat und das war dann gut. Ich hab immer mein Bestes gegeben und hatte gute Noten. Wenn die Noten schlecht waren, hab ich noch mehr gelernt. Ich habe das immer sehr systematisch abgearbeitet, aber irgendwie war da eine große Lücke. Ich war immer ein emotionales Wesen, auch damals schon. Und irgendwann hat mein Vater gesagt: “Ich glaube es steckt so viel Leidenschaft fürs Singen in dir. Bist du dir Sicher, dass das der richtige Weg ist?” Und dann war das doch nicht der richtige Weg.

Lena Arentz fragt: “Reist du privat gerne? Oder hast du in deinem Urlaub keine Lust mehr, da du durch den Job viel unterwegs bist?”

Oh, ich reise gerne. Man kommt nur selten dazu, wenn man in einem Long Run Engagement ist. Dann hat man maximal 2 Wochen Urlaub im Jahr. Ich war letztes Jahr auf den Seyschellen mit meiner besten Freundin Annemieke, das war ein Traum. Ich habe mit meinem Verlobten eine Rundreise durch Amerika gemacht, das war auch super. Ich faulenze schon gerne am Strand, aber meistens sieht es so aus, dass der Martin am Strand liegt und ich mach das dann 5 Minuten und frag dann, was machen wir jetzt? Annemieke habe ich schon in den Wahnsinn getrieben. Manche nennen das unruhig und sagen “finde deine Ruhe”. Aber ich glaube nicht, dass es was damit zu tun hat. Ich glaube einfach, dass ich so super zur Ruhe komme. Ich bin dann einfach am Wasser und spiele mit den Wellen oder ich suche Muscheln. Ich mag einfach die Action. Und das ist auch super. Ich mag es auch wenn wir unterwegs sind und uns die Städte anschauen. Auch hier in Hamburg, ich war letztens mit dem Fahrrad im alten Land. Ich mag es einfach etwas von dieser Welt zu sehen, oder von da, wo ich gerade lebe. Das heißt nicht, dass ein Tag faulenzen nicht auch gut ist. Ich kann das schon, heute Abend werde ich super faulenzen. Bei mir geht es immer bis zu einem Punkt, wo ich denke: “Jetzt kippst du um und musst dich hinlegen”.

Sascha Ernst fragt: “Wenn es einen Beamer gäbe, der dich für 2 Stunden Sonntagsmittags nach Holland bringt. Wo wärst du?”

Och, wenn es einen Beamer gibt, der mich öfters teleportiert, würde ich mich jede halbe Stunde woanders hin teleportieren. Meine Familie wohnt etwas voneinander entfernt. Dann würde ich zu meinem Bruder, meiner Mutter, meiner Schwester, meinem Papa, danach noch einen Kaffee in Amsterdam im Vondelpark und dann ist’s super. Also ich würde auf alle Fälle zu meiner Familie gehen.

Was wolltest du schon immer mal machen?

Ich träume davon mal eine Reise nach Asien zu machen. Aber an sich denke ich nicht so.

Hast du ein Lebensmotto?

Ja, früher war es immer Carpe Diem, also Pluk de dag. Und, ich weiß nicht, ob es ein Lebensmotto ist, aber ich versuche es und wenn ich es nicht schaffe, dann hab ich zum Glück eine ganz liebe Umgebung, die das schafft: Ich mag ein bisschen Bodenständigkeit, eine gewisse Positivität. Also nicht so viel meckern. “Niet klagen maar zingen”, also nicht jammern aber Singen. Das hört sich auf Holländisch besser an, aber ja, Carpe Diem. Lebe den Tag. Also verschwende den Tag nicht, dafür sind wir viel zu kurz hier, finde ich. Es passiert viel zu viel. Es weiß keiner wie lange wir hier sind und ich finde es schön, dass wir es hier genießen können.

Mit wem würdest du gerne mal für einen Tag das Leben tauschen?

Das sind alles so Dinge, da denke ich nicht drüber nach. Aber ich würde gerne mal auf einem anderen Kontinenten leben, wo es das alles, was ich habe, nicht gibt und schauen wie ich zurecht komme. Schauen, was es da für Werte gibt. Mich fasziniert es irgendwo hinzugehen, wo es nicht diesen Luxus gibt. Wo es nicht selbstverständlich ist, dass wir haben, was wir haben. Aber das ist nicht etwas, was ich gerne möchte, weil ich es so cool finde, sondern weil es mich interessiert und, weil es mich fasziniert. Das würde ich gerne mal machen, komplett eine andere Kultur für einen Tag hardcore und dann mal schauen. Oder in ein ganz anderes Land reisen, wo es vielleicht keine Häuser und kein fließendes Wasser, wie hier, gibt. Also das würde mich faszinieren.

Hast du eine bestimmte Angewohnheit / einen “Tick” ?

Ich habe immer mal wieder Ticks. Immer wenn im Theater, vor der Show, der Ausruf kommt, dass die Vorstellung beginnt, muss ich meine Zähne putzen. Nicht früher und nicht später, sondern genau dann. Meine Sachen müssen auch auf ihren Plätzen liegen. Ansonsten weiß ich es nicht genau. Aber ich bin schon jemand, der denkt, dass wenn ich auf eine rote Ampel zu fahre und diese dann grün wird, dann bekomme ich das und das. Wenn ich etwas im Kopf habe, denke ich schon, dass das Schicksal mir ein Zeichen gibt, dass es klappen wird. Und ich habe einen Glücksbringer, das sind Schmetterlinge. Das ist kein Tick, aber wenn ich einen Schmetterling sehe, in welcher Form auch immer, dann weiß ich, dass es ein guter Tag ist oder, dass das Universum es gut mit mir meint. Das ist mein Glaube.

Welche Musik hörst du privat?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich liebe Jessie J, Dixie Chicks, Country Music, Folk Music, ich liebe  alles was live ist. Ich mag auch Sara Bareilles. Ich höre nicht so viel Musical. Also wenn eine neue CD raus kommt bin ich manchmal neugierig, wie sie ist. Früher habe ich schon öfters Musical gehört, aber ich höre jetzt lieber Pop, Rock, Country. Pink liebe ich auch. John Legend. Ich höre viel Musik, aber eher in diese Richtung.

Wietske van Tongeren

© Stefanie Müller

Wir haben Wietske nach einigen ihrer Lieblingsdingen gefragt.

Lieblingsort: Amsterdam.

Lieblingslied: Das ist jede Woche anders. Das ist auch Stimmungsabhängig. Ich bin auch jemand, der den ganzen Tag singt. Ich nerve Leute auch gerne damit. Dann singe ich immer nur eine oder maximal zwei Zeilen von einem Lied und das wiederhole ich dann die ganze Zeit. Es hängt dann von meiner Laune ab, welches Lied es wird.

Lieblingsfarbe: Blau.

Lieblingsjahreszeit: Sommer und Spätsommer.

Lieblingsrestaurant: Bens d’Avall auf Mallorca. Da war ich diesen Sommer, das war einfach total schön und romantisch. Ich liebe auch alles von Asiatisch bis Italienisch und Hollandkost. Sogar Currywurst Abends um 3 bei der Bude wenn wir zu lange getrunken haben. Mit dem Essen bin ich gar nicht pingelig.

Lieblingsblume: Alle, die pastellfarben sind. Lilien finde ich wunderschön. Gänseblümchen. Jegliche Art von Blumen. Ich mag alles von weiß bis altrosa. Es muss nicht zu knallig sein.

Lieblingsgetränk: Capuccino, grüner Tee und Rotwein. Also wir fangen an mit Capuccino in der Früh, um wach zu werden. Mittags wollen wir es nicht mit Kaffee übertreiben, dann trinken wir lieber einen grünen Tee. Abends hängt es davon ab, was wir kochen. Weißwein oder Rotwein. Und ich liebe Kirschsaft.

Was würdest du dir wünschen, wenn du einen Wunsch frei hättest?

Dass ich schon jetzt heirate und nicht erst im Sommer. Ich kann’s kaum abwarten! Das ist etwas worauf ich mich wirklich total freue und ich es nicht abwarten kann bis der Tag da ist.

Bist du noch anderweitig kreativ?

Ich stricke gerne, ich male gerne. Ich habe hier letztens zum ersten Mal wieder Malsachen gekauft. Das letzte Mal, dass ich gemalt habe, war wahrscheinlich in Wien. Also das ist wirklich lange her. Das Häkeln habe ich auch entdeckt. Ich bastle gerade Deko für unsere Hochzeit. Ich liebe es auch zu Dekorieren und Wohnungen einzurichten. Gib mir hässliche Ecken und ich mach was schönes daraus. Oder ich habe ein Möbelstück, das hässlich ist und dann denke ich mir, das kann ich abschleifen und neu anmalen. Oder ich habe eine alte verrostete Lampe und da mach ich etwas Sprühfarbe drauf. Ja, ich glaube ich bin schon kreativ.

Ich bin kreativ und deswegen bin ich ganz schlimm mit Papierkram. Manche Leute haben das so super geordnet, bei mir geht’s in so eine Kiste rein. Da bin ich ausbaufähig. Das lustige ist, wenn man etwas braucht, findet man es trotzdem so schnell. Alles ist da, es ist nur nicht geordnet.

Sarah fragt: “Spielst du nächstes Jahr wieder in Tecklenburg?”

Das weiß ich nicht. Ich habe auf alle Fälle immer eine wunderschöne Zeit. So wie dieses Jahr, auch wenn es nur ganz kurz war, war es echt wieder schön. Immer wieder gerne.

Thomas fragt: “Wirst du nochmal Sound of Music in Salzburg spielen?”

Wahrscheinlich nicht. Das macht die Mili und da ist nichts geplant. Die Mili macht das wunderbar und ist in Wien. Obwohl es eine meiner schönsten Rollen war, die ich gespielt habe, werde ich sie wahrscheinlich nicht wieder spielen.

Marie-Christin Hafner fragt: “Wo hast du am liebsten gespielt?”

Ich bin jemand, ich freunde mich eigentlich überall an, wo ich bin. Ich mag einfach alles. Ich habe es geliebt in Wien zu leben, ich habe es geliebt in Salzburg zu spielen und trotzdem konnte ich dann in Amsterdam leben. Ich muss echt sagen, vielleicht ist es in zwei Jahren wieder anders, aber ich hab mich wirklich in Hamburg verknallt. Ich bin gesegnet mit einer wunderschönen Produktion und mit ganz tollen Kollegen. Ich weiß, das sagt man bei jeder Produktion, aber ich kann wirklich sagen, dass mich das jedesmal bereichert. Ich habe noch nie so lange in einer Produktion gearbeitet. Im November sind es zwei Jahre an einem Stück und es geht noch weiter. Das längste was ich bisher gemacht habe, war Rebecca und das war auch immer mit Unterbrechungen. Rocky ist jetzt ohne Unterbrechung, ohne Sommerpause, einfach durchgehend. Ich habe gedacht, dass es mir schwer fällt, aber es ist so eine Freude in so einer Stadt zu leben und zu spielen und ich mag die Mentalität hier. Im Moment definitiv Hamburg.

Jasmin Koch fragt: “Welche Inszenierung von Elisabeth findest du besser? Wien oder Stuttgart?”

Ich habe die Show das erste mal 2004 in Wien gesehen. Das hat mich verzaubert. Ich weiß nicht mal, ob es die Inszenierung war, oder ob es an mir lag. Daran, wo ich gerade in meinem Leben war. Andererseits muss ich auch sagen, egal welche Inszenierung, es war für mich wunderschön, meine beste Freundin in der Rolle auf der Bühne zu sehen. Das war so besonders, vor allem weil die Produktion uns beiden viel bedeutet. Die Inszenierung betreffend sage ich, glaube ich, eher Wien.

Laura Lang fragt: “Hattest du lustige Pannen, an die du dich noch erinnerst?”

Ja, es gibt immer wieder Pannen. Wenn so etwas passiert, was lustig ist, denke ich, dass sollte ich mir merken aber ich merke mir das dann natürlich wieder nicht. Ich hab mal bei Rebecca, bei einer letzten Vorstellung vor der Sommerpause, den ganzen Epilog nur zwei Wörter gesungen und danach hatte ich einen Black Out. Aber das fand ich selber nicht ganz so lustig. Ich habe vorher noch gedacht, dass das eine coole Show wird und dann kam ich auf die Bühne. Da stand ich auch noch ganz alleine vor dem Vorhang und dann war es aus, da hat Wietske nicht mehr gesungen. Man fällt mal hin. Ich hab mal vergessen meine Schuhe an zu ziehen. Es passiert vieles, auch bei Rocky passiert so vieles. Aber ich vergesse es immer wieder. Aber wenn man mit mir spielt gibt es immer viel zu Lachen.

Lena Arentz fragt: “Würdest du jede Rolle wieder spielen oder würdest du eine streichen wollen? Und welche Rolle würdest du gerne mal spielen?”

Ich denke eigentlich gar nicht darüber nach, was ich noch gerne spielen möchte. Ich glaube, dass ich fast alle Produktionen, die ich gemacht habe, auch wirklich sehr gemocht habe. Ich würde Sound of Music jederzeit wieder spielen wollen. Das ist, glaube ich, wirklich die Rolle, die mir am meisten Spaß und kindliche Freude gebracht hat. Da habe ich wirklich gespürt, wie das Kind in mir noch brennt. Und ich würde keine Rolle von meiner Liste streichen wollen. Wenn es kommt, dann kommt es und dann mach ich das einfach gerne. Ich glaube, dass das Schicksal das schon bestimmen wird.

Michi Kr fragt: “Hast du eine Lieblingsszene bei Rocky? Und hast du schonmal deinen Text vergessen?”

Ja, gestern Abend habe ich noch den Text vergessen. Da habe ich an irgendwas anderes gedacht und dann dachte ich: “Oh ich muss eigentlich singen. Oh mein Mund bewegt sich sogar, was singe ich denn jetzt.” Ich wusste nicht mehr weiter und dann war stille. Ich habe sogar mal meinen Text vergessen, als der Regisseur im Saal war. Natürlich passiert das, das passiert uns allen mal. Aber deswegen haben wir bei Rocky auch die Wand der Schand. Wenn wir Pannen haben, (du solltest da hin gehen und schauen was wir für Pannen haben, da gibt es lustige Pannen) schreiben wir immer unsere Versprecher oder unsere Pannen dort auf.

Ich finde so viele Szenen bei Rocky schön. Ich liebe den Moment wenn ich meinen Bruder anschreien darf, weil das einfach geil ist. Das ist einfach etwas, das vielleicht auch nicht jeder von mir erwartet. Wenn man mich am Anfang sieht, denkt man vielleicht eher “das süße Holländische Mädel” und dann plötzlich ist da doch noch irgendwie eine andere Seite. Das mag ich, das unerwartete. Ich finde es schön wenn eine Show gut läuft. Wenn sich die Energie gut anfühlt, dann freue ich mich auf jede Szene.

Sigrun fragt: “Was ist deine lustigste oder interessanteste Erinnerung mit Fans?”

Ich hatte dieses Jahr mein 10 jähriges Jubiläum. Da hat Carmen für mich, ohne, dass ich das wusste, ein Buch gemacht. Von ganz vielen Darstellern und Freunden. Die haben Briefe geschrieben und Fotos gemacht. Die hat sie da eingeklebt und wir haben uns kurz gesehen, wo sie mir das das Buch gegeben hat. Ich habe erstmal drei Seiten durchgeblättert und dachte mir “ Oh wie schön, so schöne Fotos, das ist ja super.” Dann habe ich gemerkt was sich eigentlich gemacht hat und das hat mich einfach total berührt. Dass sich jemand so eine Mühe gegeben hat so etwas zu machen. Das fand ich sehr schön und das ist auch für mich eine wunderschöne Erinnerung. Ansonsten finde ich so viele Momente schön. Wenn die Fans lang genug warten, weil wir noch etwas länger im Theater waren, gibt es oft mal lustige Gespräche. Meistens ist es bei den Sommerproduktionen am lustigsten, finde ich. Da ist es noch lockerer und die Leute kommen öfters angereist. Aber ich habe immer meinen Spaß und wenn die Leute mich nicht erwischen, bin ich einfach ganz schnell nach Hause geschlichen, weil ich müde war.

Bartool fragt: “War es schwierig sich, bezüglich Drew als Gegendpart, von der zornigen Stephanie auf die zarte, liebevolle Adrian umzustellen?”

Nein, im Gegenteil. Nein gar nicht. Ich habe mich so über Drew gefreut. Ich kannte Drew schon, natürlich nicht so gut, wie ich ihn jetzt kenne. Wir waren schon einmal Kollegen und deshalb war schon von Anfang an ein Vertrauen da. Das war auch sehr wichtig, weil das erste was Drew und ich gemacht haben, bevor wir geprobt haben, war ein Trailer. So ein kleiner Film, der sich in Hamburg abspielt. Da war sofort am ersten Tag die Kussszene und ich war einfach super froh, dass es Drew war. Jemand, bei dem ich mich sofort wohl gefühlt habe. Den ich toll finde als Mensch und als Darsteller und mit dem ich lachen kann. Das war eher ein schöner Moment. Ich weiß auch noch, dass er am Ende der Audition gefragt hat, ob jemand mit auf ein Bier mitkommt? Ich habe natürlich ja gesagt. Es ist Drew, das wird gemütlich. Dass wir beide letztendlich die Rollen spielen dürfen ist einfach ein Traum. Das war gar nicht schwierig, das war super. Super Idee.

Saskia’s Frage: Sie singt seit sie 12 ist im Chor und möchte Darsteller werden. Sie macht erst eine andere Ausbildung als Basis und fragt, ob es sich vom Alter her noch lohnt, die Musicalausbildung anschließend zu machen?

Das kann ich nicht sagen, das hängt wirklich vom Typ ab. Ich finde, so etwas ist ganz schwierig zu beantworten, wenn ich jemanden nicht vor mir sehe. Ich glaube, das hängt davon ab, was für ein Typ du bist. Wenn du ein Typ bist, der jung und zierlich wirkt, dann solltest du jung starten. Ich hatte immer gedacht, dass ich warten muss, bis ich älter bin. Aber bei mir ging es in jungen Jahren. Ich weiß es nicht. Ich glaube grundsätzlich, dass man nie zu alt ist. Das ist meine Einstellung. Denn ich denke, dass man positiv sein sollte. Jedoch soll man auch realistisch sein. Der Markt ist überfüllt und vor allem mit Frauen.

Also, ich finde, dass es sehr gesund ist, eine andere Basis zu machen. Ich glaube auch, dass man sich das gut überlegen muss. Es ist harte Arbeit und hat auch viel mit Schicksal zu tun. Ob es nun Sinn macht, oder nicht, ist einfach schwierig zu sagen. Dafür soll sie weiter singen und bei den Leuten Meinungen einholen, bei denen sie Unterricht hat.

Boxt du immer noch mit den Männern?

Ja, heute sogar noch. Ich konnte eine kurze Zeit nicht, aber heute war ich das erste mal wieder da. Dann hat mich der Arzt untersucht und ich bin fit. Ich bin im Moment das einzige Mädchen bei dem Boxtraining.

Was denkst du, was ist der Reiz an Rocky?

Der Reiz ist, dass keiner glaubt, dass man aus Rocky ein Musical machen kann. Ich habe das auch gedacht. Dann saß ich drin und dachte “Oh das haben die wirklich ganz toll umgesetzt.” Außerdem ist es für mich reizvoll, dass es im ersten Akt sehr erzählend und intim ist. Man denkt, dass das so ungewöhnlich für ein Musical ist. Im zweiten Akt kommt dann plötzlich so’n riesen Spektakel. Auch ganz ungewöhnlich, weil dann boxen die auch noch in der Mitte vom Theater. Ich glaube das Ungewöhnliche, das ist der Reiz an Rocky.

Wietske van Tongeren

© Stefanie Müller

Wie sehr kann man eine Rolle selbst beeinflussen und wie viel ist vorgegeben?

Die Rollen sind immer vorgegeben. Es gab natürlich einen Film, also gibt es die Geschichte. Aber du spielst die Rolle und du bringst etwas von dir selbst mit. Das ist sogar bei Disney Produktionen oder wenn du in einem Anzug bist und man sieht dich nicht. Oder du bist Elphaba und grün angemalt, trotzdem ist dann Willemijn Elphaba oder Kerry Ellis Elphaba. Da steckt so viel Persönlichkeit drin, auch wenn das äußerliche sehr grün ausschaut und man vielleicht sehr wenig von diesem Menschen sieht. Da ist immer sehr viel eigenes mit dabei. Deine Stimme ist deine Seele, deine Bewegung ist in deiner Seele. Also vieles kann man einstudieren, aber ich finde es am schönsten, wenn die eigene Persönlichkeit noch mit durchschaut.

Bei Rocky wurde bislang schon einiges an Textstellen geändert. Adrian’s Zimmer wurde rausgenommen. Was hältst du davon?

Grundsätzlich sind es immer Entscheidungen, die für etwas gutes getroffen werden. Sie wollen nur, dass die Show länger läuft. Sie wollen immer nur das Beste für uns, denn wir spielen ja gerne hier. Auch wenn es heißt, dass Sachen vielleicht gekürzt oder geändert werden müssen, weil die Produktion einfach sehr sehr teuer ist. Aber natürlich finde ich es schade. Ich glaube, wenn man es nicht weiß, fällt’s nicht auf. Aber wenn man es weiß, dann ist es schade. Und die Frettchen wurden gut verteilt. Der Schrank steht bei mir zu hause. Ich finde es schade, aber so ist es. Ich hätte es doof gefunden, wenn sie meine Rolle gestrichen hätten. Aber es ist keiner gekündigt worden und es ist nichts schlimmes passiert. Ich glaube wir werden es überleben.

Würdest du gerne mal am Broadway oder West End spielen? Oder in Holland in deiner Muttersprache?

Ich sage ja, aber ich bin nicht jemand, der das nachstrebt. Also in Holland wollte ich schon immer unglaublich gerne spielen, aber ich glaube mein Weg liegt hier in Deutschland und in Österreich. Irgendwie fühle ich mich hier wohler und es klappt hier, also da muss es einen Grund dafür geben. Ach, wenn mich jemand fragt, ob ich am Broadway singen will, dann wäre ich doch die Letzte, die Nein sagt. Aber, ob ich jetzt zum Broadway gehe um da vorzusingen, nein. Ich bin ganz Glücklich da, wo ich bin.

Du hast am Anfang von Rocky, Sound of Music nebenbei gespielt. Vor kurzem hast du ein paar Shows in Tecklenburg bei Sunset Boulevard übernommen. Ist die Abwechslung wichtig für dich?

Ja, es ist wichtig, aber auch schwer. Das habe ich bei Sound of Music gespürt. Deswegen habe ich es irgendwann auch nicht mehr verlängert. Es war zu schwer, es war mit Rocky kaum zu kombinieren. Du fliegst nach Salzburg, über Frankfurt. Spielst eine Show und fliegst zurück. Wenn die Show am Samstag ist, bist du am Sonntag gerade richtig für die Doppelshow bei Rocky. Ich habe gespürt, dass ich nicht mehr die Leistung geben konnte, die ich einfach von mir selbst erwarte. Das war nicht so schön. Andererseits war die Abwechslung herrlich, daher habe ich es auch geliebt. Aber mit 8 Shows in der Woche und so weit auseinander… . Wenn die Orte näher beieinander wären, wäre es super. Deswegen war Tecklenburg auch voll das schöne Geschenk. Tecklenburg war spannend, weil ich kaum geprobt habe. Augen zu und durch. Aber es hat super Spaß gemacht.

Spielst du die Adrian, nach fast 2 Jahren, anders als am Anfang?

Ich denke sicher, weil man darin wächst. Aber ich glaube schon, dass das Grundgefühl immer noch da ist. Und Gott sei dank haben wir eine Amtspielleitung. Wir haben jede Woche eine Note Session. Da kriegen wir Kritik von dem Chef, der drin war und der sagt uns, was funktioniert hat und was nicht. Manches verändert sich zum positiven und bei manchem sagt der Chef auch, “ne ne jetzt mal ein bisschen zurück”. Also, ich finde es gut, dass es sich entwickelt und jemand ein Auge drauf hält, dass wir trotzdem noch die gleiche Geschichte erzählen. Denn das ist was der Regisseur wollte. Aber sicher habe ich Sachen geändert.

Kategorie: Interviews

Tags:

Autor: S. Müller (27.12.2014)

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