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Interview mit Musicaldarstellerin Juliane Dreyer

Juliane Dreyer hat schon in einigen Musicals mitgespielt. Momentan ist sie in Berlin bei Hinterm Horizont zu finden. Für ihre Zukunft hat sie aber noch einige Wünsche. Donna aus Mamma Mia, Velma aus Chicago oder Elphaba aus Wicked. Wir haben die bodenständige junge Darstellerin mit einer großartigen Stimme bei einem Interview besser kennengelernt und drücken ihr die Daumen, dass sich diese Wünsche bald erfüllen.

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© Christopher Alexander Komm
Juliane Dreyer © Christopher Alexander Komm

Seit dem Tag an dem Juliane Dreyer als Kind das Musical das Phantom der Oper gesehen hat, wollte auch sie Musicaldarstellerin werden. 2008 absolvierte Juliane ihre Ausbildung an der Universität der Künste. Seitdem hat sie schon in Musicals wie Die drei von der Tankstelle, Rocky Horror Show und Anatevka mitgespielt. Außerdem war sie in der Premierenbesetzung von Rocky – Das Musical in Hamburg. Sie spielte dort die Joanne und war Cover der Gloria. Nun ist Juliane Teil der Hinterm Horizont Cast in Berlin. Dort steht sie als Swing, Cover der Mutter und Barbara Saftig auf der Bühne. Wir haben uns mit Juliane Dreyer getroffen, um mehr über sie zu erfahren.

Beschreibe dich mit wenigen Worten.

Mich selbst zu beschreiben ist immer so schwierig. Ich glaube, dass man manchmal von sich selbst ein anderes Bild hat, als andere. Deswegen stimmt das vielleicht nicht eins zu eins oder andere Leute sehen mich anders, aber so wie ich jeden Tag mit mir so lebe, kann ich mich so beschreiben, dass ich nachdenklich bin. Aber trotzdem laut. Manchmal ein bisschen langsam im verstehen, aber irgendwie versuche ich immer alles mit Humor zu nehmen.

Wolltest du schon als Kind Musicaldarsteller werden?

Nein. Ich habe mit 12 mein erstes Musical gesehen. Das war Phantom der Oper. Da war ich mit meiner Schwester und meinen Eltern in Hamburg in der neuen Flora. Wir haben die Hauptdarstellerin der Christine damals unten in dem Parkhaus gesehen. Sie kam gerade zu spät zum Auftritt und hat uns den Parkplatz weggenommen. Sie musste sich total beeilen und war völlig hektisch. Irgendwie hab ich gedacht, dass sie so spannend wirkt und das hat mich angezogen. Ich hab sie erst ungeschminkt gesehen und dann auf der Bühne. Diese ganze Welt hat mich so fasziniert und auch, dass man mit Gesang, Tanz und Schauspiel so viel erzählen und vermitteln kann. Dann hat meine Schwester Musical studiert und ich habe ein paar Auftritte von ihr gesehen. Da hab ich dann gedacht, das kann ich auch. Das will ich auch.

Was fasziniert dich an deinem Beruf?

Mich interessiert die Vielschichtigkeit. Also, dass man mit vielen Rollen auch viel über sich selbst erfahren darf. So geht es mir. Man trifft faszinierende und inspirerende Menschen. Oder (so wie bei Wietske und Alex und Franzi), dass man auch manchmal Menschen trifft die einen ins Herz treffen und die zu Freunden, zur Familie werden. Ich mag es gerne auf der Bühne Geschichten zu erzählen und die Menschen für 2 Stunden aus ihrem Alltag zu holen. Ich finde es auch immer sehr schön, wenn man danach ein Danke bekommt. Es ist nicht selbstverständlich, dass man in einem Beruf Applaus erhält. Ein Busfahrer bekommt nicht täglich applaus dafür, dass er uns von A nach B fährt. Früher im Flugzeug war es so, da hat man bei der Landung noch geklatscht. Das vermisse ich heute auch schon. Ich fände es so schön, wenn man wertschätzt, dass Leute einen sicher irgendwo hintransportieren. Ich würde auch gerne einem Arzt mal applaudieren und sagen Bravo, dass sie mich gesund operiert haben. Bei uns ist das so eine Wertschätzung, das finde ich ganz toll. Das hat man nicht all zu oft.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Also ich bin ziemlich  langweilig, muss ich sagen. Ich bin eigentlich eine Hausfrau, die ab und zu mal ein Musical spielt. Ich glaube, ich bin ein sehr häuslicher Mensch. Ich lese gerne ein gutes Buch, ich teile mit Wietske die Leidenschaft zu häkeln. Wir sind echt die Strick-und Häkelschwestern. Ich bin noch auf der Suche nach einem Strick-Café in Berlin, damit ich auch mal wieder ins Café gehen und stricken kann. Ich treffe mich gerne mit Freunden, ich habe gerne gute Gespräche. Ich koche gerne, koche gerne für andere und lasse mich auch gerne bekochen. Also ich mach eigentlich eher so ruhige Sachen. Ich bin nicht so der Party-gänger.

Was für Musik hörst du privat?

Ich liebe Adele. John Legend finde ich ganz toll. Jamie Cullum, Gregory Porter und Dianne Reeves finde ich ganz toll. So eine Mischung aus Jazz, Rock/Pop, Funk, Soul. So eigentlich die ganz bunte Mischung, aber es muss mich irgendwie berühren. Der Text muss mich berühren. Max Herre liebe ich über alles. Oder jetzt ganz neu Andreas Borani, den finde ich auch ganz toll. So deutsche Texte höre ich gerne.

Was wolltest du schon immer mal gerne machen?

Also ich habe riesen Schiss davor, aber ich würde gerne mal Paragliding machen. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, gibt es viel, was ich gerne mal machen würde. In den Bergen wandern. Unbekannte Orte sehen. Ich möchte gerne ganz viel reisen und die Welt sehen.

Hast du einen Tick?

Ja. Ich habe einen Ordnungstick. Ich mag Ordnung und ich habe auch gerne ein System. Meine Freunde lachen mich immer aus wenn sie in meine Wohnung kommen. Dann nehmen die irgendein Kissen und werfen das in eine andere Ecke und fragen ‘Juliane stört dich das jetzt? Was macht das jetzt mit dir? Hast du jetzt schon paranoide Zuckungen?’ und ich muss dann immer lachen, weil sie recht haben. Wenn ich mal lange nicht in meiner Wohnung war und dann rein komm, erschrecke ich mich immer selbst wie ordentlich ich bin. Alles hat ein System, alles hat irgendwo eine Ordnung. Ich hab einen Ordnungstick, aber damit fühle ich mich irgendwie wohl und Zuhause. Aber ich weiß das jetzt auch schon über mich und ich kann da schon sehr gut über mich selbst lachen.

Woher kannst du so viele Dialekte?

Das ist eine gute Frage. Ich komme aus Weimar. Weimar ist ja so in der Mitte von Deutschland und ist ja auch eine Kulturstadt von 1999. Immer wenn man nach Weimar mit dem Zug eingefahren ist, kam so eine Ansage ‘Herzlich Willkommen in Weimar, der Kulturstadt von 1999. Wo Goethe und Schiller gewohnt haben.’ Ich habe damals versucht so ein bisschen Geld zu verdienen und hab Touren gemacht. Also ich war ein kleiner Tour-Guide fürs Goethe Gartenhaus zum Beispiel oder für Lists altes Wohnhaus. Ich hab Touristen rumgeführt und die Geschichten von Goethe und Schiller erzählt. Da waren natürlich viele Leute aus anderen Städten und aus dem Umland. Auch aus Sachsen oder aus Bayern kamen die ganzen Leute. Ich habe die Dialekte gehört und konnte das schnell irgendwie nachmachen. Ich konnte schnell nacheifern und habe gemerkt, dass die Leute dann auch über mich lachen. Dass mich die Leute in dem Moment lustig finden. Und dann habe ich gedacht ‘Oh, damit kriege ich Aufmerksamkeit.’ Ich habe angefangen das so etwas zu trainieren. Also ich kann jetzt nicht alle, aber ich kann sächsisch, bayrisch oder wienerisch.

 Hast du ein Vorbild?

Mein Vater, er ist mein Vorbild. Ich hab ihn immer bewundert, wie er sein Leben meistert. Er war ein außergewöhnlicher Mann und mein Held! Er hat mein Leben so schön gemacht und ich werde ihn sehr vermissen!

Mit wem würdest du gerne mal einen Tag das Leben tauschen?

Ich glaube, ich würde schon mal gerne mit einem richtig großen Hollywoodstar tauschen. Mit Julia Roberts. Um zu wissen, wie es sich anfühlt immer erkannt zu werden. Immer irgendwie undercover zu sein. Aber irgendwie auch abgesichert zu sein. Zu wissen, dass die Leute auf einen zukommen. Und mit Julia Roberts würde ich gerne tauschen, weil ich finde, dass sie eine der charismatischsten Schauspielerinnen ist.

Hast du ein Lebensmotto?

It’s okay not to be perfect.

Was ist das verrückteste, das du jemals gemacht hast?

Ich habe schon viele verrückte Dinge gemacht. Einige, die ich im Nachhinein auch bereue, aber andere wo ich sage, damit bin ich in den Köpfen der anderen geblieben. Ich bin den Machu Picchu hoch gelaufen. Der Machu Picchu ist eines der sieben Weltwunder und liegt in Peru. Mit meinem besten Freund Francisco del Solar, der bei Rocky mitmacht, war ich 2006 in Peru. Mit ihm durfte ich das ganze Land kennen lernen. Ich finde, dass war eines der schönsten und verrücktesten Dinge. Denn wenn du da oben stehst, bist du mitten in den tropischen Regenwäldern in den Anden. Im nachhinein, ich war Anfang 20, war das alles schon gefährlich. Wir mussten bei einer Busfahrt unsere Fingerabdrücke abgeben, weil jeder zweite Bus einen riesen großen Unfall hat. Die Straßen sind meistens zu schmal für die Busse. Und damit sie die Leichen identifizieren können, musste man seinen Fingerabdruck abgeben. Das wussten wir aber nicht. Der Bus hat geruckelt und immer hin und her, die ganze Nacht durch. Nachher habe ich erstmal begriffen wie gefährlich das war.

Lieblings…

Jahreszeit: Ich finde jede Jahreszeit hat etwas schönes. Jetzt ist ja Herbst und ich liebe Kürbis. Man kann sich einmummeln und ein gutes Buch lesen. Aber am Besten fühle ich mich immer im Frühling. Da erwacht alles wieder. Man war so im Tran und man geht raus und die Leute sitzen draußen im Café. Der Körper ist wieder wach und der Geist auch. Die ganze Winterdepression ist wieder weg.

Getränk: Latte Macchiato, mit Lactosefreier Milch. Leider Gottes, ich bin auch einer von denen.

Stadt: Ich habe ein geteiltes Herz. Eigentlich Berlin, aber sehr sehr nah und knapp dahinter, weil einfach so liebe Menschen da sind, Hamburg.

Musical: Mamma Mia. So kitschig das auch ist, aber irgendwann will ich Mamma Mia spielen. Irgendwann bin ich die Tanja oder Cover Donna oder so. Ich hätte da so lust drauf, weil das so einfach und puristisch gebaut ist. Da ist nichts mit großer Technik, aber es ist sehr berührend. Eine tolle Familiengeschichte und einfach sehr schön zu singen. Ich hätte einfach Lust das irgendwann mal zu spielen.

Blume: Margeriten

Film: Einer meiner Lieblingsfilme ist Oben. Das war, nach Findet Nemo, einer der Animationsfilme, die mich total gekriegt haben.

Nun bist du ja in Berlin. Bist du eher ein Großstadt- oder ein Kleinstadtmensch?

Beides komischerweise. Ich bin ja in der Kleinstadt aufgewachsen, in Weimar. Beides hat seine Vor- und Nachteile.
In einer Kleinstadt kennt man jeden, die Käsetante und den Wurstmann. Man kennt sich eben und hat so ein Familiengefühl. Das hat man in einer Großstadt nicht. Dort fühlt man sich schnell anonym, welches auch sein Vorteil hat. Aber ich glaube ab 30 tendiere ich zum Kleinstadtmenschen.

Machst du regelmäßig Sport oder bist du eher ein Sportmuffel?

Ich glaube, meine Grundnatur ist ein Sportmuffel. Aber, natürlich bedingt durch meinen Beruf, muss und möchte ich ja fit bleiben. Daher tendiere ich doch dazu, dass ich auch viel dafür tue, dass alles steht und bleibt wo es ist und nicht gen Boden hängt. *Lacht*

Du spielst ja jetzt bei HiHo eher Personen, die älter sind als du. Ist das eine große Herausforderung? Welche Altersgruppe spielst du lieber?

Ich habe nie Leute gespielt, die in meinem Alter sind. Eine Gloria war ja auch schon Ende 30/ Anfang 40. Dadurch, dass ich eine große Frau bin und eine tiefe Stimme habe, hat man mich schnell in dieses Charakterfach geschoben. Eben auch durch die Dialekte und so. Da hat man schnell gedacht, die kann so Charakterrollen abdecken. Ich war nie ein Püppchen, habe nie so Prinzessinnenrollen oder jüngere Frauen gespielt. Aber natürlich, eine 73-Jährige zu spielen, oder eine Ost-Berlinerin, ist schon eine Herausforderung. Damit muss ich erst einmal noch ein bisschen warm werden. Aber ich finde es immer gut Dinge zu spielen, die weit weg von mir sind. Und das Alter ist ja auch noch weit weg von mir.

Welche Rolle würdest du gerne mal spielen?

Donna in Mamma Mia wäre eine meiner Träume. Gerne auch ein Cover, ich bin da ganz hierarchielos.
Natürlich ist auch eine große Traumrolle die Velma aus Chicago und Elphaba aus Wicked. Aber da muss ich natürlich noch ein bisschen schreien lernen. Das sind auf jeden Fall Rollen die mich inhaltlich, künstlerisch und auch stimmlich herausfordern würden. Aber ich glaube, dass das ein Traum bleibt.

Würdest du auch gerne mal in einem Film oder einer Serie mitspielen?

Das weiß ich nicht. Ich würde jetzt mal sagen, ja. Neugierig und offen bin ich auf jeden Fall dafür. Ich habe jedoch noch nicht so viel Erfahrung mit Kameras und das ist ja noch ein ganz anderes Arbeiten. Das ist eher technischer und man muss etwas kleiner spielen. Die Bühne ist natürlich immer groß bespielt. Aber ja, ich würde das gerne mal probieren. Ich wüsste nur nicht, ob ich darin gut wäre oder das könnte.

Was ist deine Lieblinsgszene bei Hinterm Horizont?

Auf jeden Fall die Minister-Büro-Szene als Barbara Saftig. Die an einem Tisch mit lauter Stasi-Mitarbeitern sitzt, mit lauter Männern. Und einfach mal so, in sächsischem Dialekt redet, es aber ganz ernst meint und die Bewegungen des Udo L studiert hat. Das finde ich großartig.

Hast du Udo schon einmal getroffen?

Er war einmal da, aber er musste auch gleich wieder gehen. Aber ich glaube, dass er ein ganz entspannter, loyaler und toleranter Typ ist. Er hat viel für den Mauerfall getan und auch für die deutsche Hintergrundgeschichte. Also,ich habe sehr viel Respekt vor ihm. Auch wenn manche sagen, die Musik mag ich nicht. Er polarisiert so krass. Manche mögen es, manche halt nicht.

Erzähl uns doch mal eine lustige Panne.

Mir fällt nichts ein. Es passieren immer mal wieder Pannen, aber das gehört dazu!

Würdest du gerne mal ein Konzert geben?

Ja, ich habe schon Konzerte gemacht und würde auf jeden Fall gerne wieder bei so etwas mit dabei sein. Musicallieder interpretieren oder auch Rock/Pop Songs. Mal so richtig rocken auf der Bühne. Super gerne. Auch gerne mal klassisch.

Was rätst du anderen Leuten, die auch mal gerne Musicaldarsteller werden wollen?

Bleibt euch selber treu. Lasst euch nicht verbiegen und habt Spaß an dem, was ihr macht. Nehmt euch nicht so ernst, aber nehmt die Sache ernst. Das würde ich den Leuten mit auf den Weg geben. Dann macht es Spaß.

Kategorie: Interviews

Tags:

Autor: S. Müller (01.12.2014)

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