Tickets für die besten Musicals sichern: Jetzt Tickets kaufen

Interview mit Gino Emnes

Für seine Rolle als Simba bei DER KÖNIG DER LÖWEN kam der gebürtige Niederländer Gino Emnes nach Deutschland. Zuvor spielte Emnes schon in einigen Produktionen in den Niederlanden. Seit 2013 spielt er Apollo Creed in ROCKY. Im Musical1 Interview spricht Gino über seine erste Zeit in Deutschland, an welchen Orten er sich am wohlsten fühlt und verrät uns, in welchem Musical er bald spielen wird.

Teile diesen Beitrag

Gino Emnes
Gino Emnes © Stage Entertainment

Die Zeit bei DER KÖNIG DER LÖWEN hat mein Leben verändert

Gino Emnes wurde in Den Haag in den Niederlanden geboren, wo er auch seine Ausbildung zum Musicaldarsteller am Konservatorium absolvierte, ebenso am Lucia Marthas Institute for Performing Arts in Amsterdam.

Bereits mit 12 Jahren begann er mit seiner tänzerischen und musikalischen Ausbildung. Nach einigen Jahren pausierte er, um Public Relations zu studieren. Mit 20 erwachte seine Leidenschaft für Schauspiel und Musik wieder und er wechselte zur Ausbildung nach Amsterdam.

Er spielte in zahlreichen erfolgreichen Produktionen, wo er unter anderem in der Rolle von Tyron Jackson in FAME, in der Rolle des Benny in der niederländischen Produktion von RENT und in SATURDAY NIGHT FEVER in Utrecht zu sehen war.

Die Deutschlandpremiere von DER KÖNIG DER LÖWEN in Hamburg führte ihn schließlich nach Deutschland. Dort war Emnes Teil des ursprünglichen Ensembles, spielte den Simba. Danach brachte ihn seine nächste Station nach Österreich, wo er ebenfalls viele erfolgreiche Musicalproduktionen verbuchen konnte. Für sein Engagement bei dem Musical HAIR legte er einen Zwischenstopp in Zürich (Schweiz) ein. Die Rolle als kleiner Löwenkönig Simba ließ ihn nicht los, so übernahm der Musicaldarsteller die Rolle auch in der niederländischen Version des KÖNIGS DER LÖWEN. 2007 war Gino Solist auf der Tournee von BEST OF MUSICAL GALA. Im Anschluss dran schlüpfte er bei den Freilichtspielen Tecklenburg in die Rolle des Seaweed J. Stubbs in HAIRSPRAY.

Bevor er auch in der niederländischen Version von Disneys DER KÖNIG DER LÖWEN die Rolle Simba verkörperte, spielte Gino Tum Tugger in CATS.

In der Stuttgarter SISTER ACT Produktion war Gino als Eddie zu sehen. Derzeit spielt er die Rolle des Apollo Creed in ROCKY, den Gegenspieler des Titelhelden – nach Hamburg auch in Stuttgart. Neben seiner Musical-Karriere ist Emnes auch als Model tätig.

Bald wird der sympathische Niederländer in SISTER ACT in Berlin zu sehen sein.

Bereits als Teenager hast Du eine Tanz- und Musikausbildung absolviert. War die Bühne schon immer Dein Ziel?

Ja, das stimmt. Das ist witzig, denn mir war das gar nicht so richtig bewusst. Ich habe ständig zu meinen Lieblingsliedern getanzt und Lip-Syncing gemacht. Damals habe ich gar nicht darüber nachgedacht Darsteller zu werden oder auf der Bühne zu sein, aber ich tat es immer; unter der Dusche singen oder vor dem Spiegel schauspielern.

Für deine Rolle bei DER KÖNIG DER LÖWEN kamst Du nach Deutschland. Wie hast Du die Zeit damals empfunden?

Ich glaube, ich könnte ein Buch über diese Zeit schreiben. Ich habe ein Jahr lang in Hamburg in der Original-Cast gespielt und kurz danach auch in Holland. Ich spreche das nur an, weil viele denken, dass ich heute immer noch den Simba spiele. (lacht)

Die Zeit bei DER KÖNIG DER LÖWEN hat mein Leben verändert und füllte meinen Rucksack mit allem, was ich für meine Karriere brauchte. Natürlich spielte ich auch andere Rollen in Holland, Österreich etc. aber dort stand ich mit so vielen talentierten Menschen, aus so vielen verschiedenen Ländern auf einer Bühne, das machte mich nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch sehr reich.

Viele meiner heutigen Freundschaften habe ich in dieser Zeit kennengelernt. Durch die Rolle habe ich gelernt, wie universell Kunst ist. Wenn man seine Rolle authentisch und ehrlich spielt, dann kann man sie auch auf Chinesisch spielen und sie wird trotzdem verstanden.

Wir waren 40 Darsteller aus den verschiedensten Ländern und kaum einer konnte Deutsch, geschweige denn Englisch, sprechen. Trotzdem verstand jeder worum es ging und wir haben es geschafft, die Magie des Stückes zum Leben zu erwecken. Ich bin stolz auf unsere Leistung und DER KÖNIG DER LÖWEN  ist immer noch die erfolgreichste Show Deutschlands. Und das seit 16 Jahren! Wir haben wohl eine gute Basis hinterlassen.

Welche Rolle war für Dich die größte Herausforderung?

Ich hatte die große Ehre, viele sehr anspruchsvolle Rollen spielen zu dürfen. Simba war die erste große Rolle meines Lebens und ich war zu dem Zeitpunkt noch sehr unerfahren. Simba verliert in dem Stück seinen Vater und kämpft sich durch das Leben. Das war praktisch meine eigene Geschichte, die ich täglich spielte und das ging mir natürlich sehr unter die Haut. Jeden Abend diese Rolle zu spielen, war für mich eine große Herausforderung. Aber dadurch, dass am Ende alles gut endete, schenkte das auch mir Hoffnung.

Später spielte ich den Milton in Avenue X in Wien. Das ist ein A Capella-Stück das heisst, es gibt keine Begleitmusik. Die letzte Person des Dialoges musste also den Ton vorgeben, der Grundlage für das nächste Lied war. Auch das Stück “Carmen Cubana” war stimmlich sehr anspruchsvoll. Es war für mich eine große Herausforderung, aber auch ein Riesen Spaß! Und zu guter Letzt war die Rolle des Apollo Creed natürlich sehr herausfordernd, da ich vorher noch nie geboxt hatte. Wie Sie merken, fällt es mir sehr schwer, mich auf eine Rolle zu begrenzen. Ich hoffe, Sie verstehen das. (Lacht)

Gibt es eine Person, oder einen Künstler, der Dich auf Deinen Wegen besonders inspiriert hat?

Die erste Person, die mir sofort in den Kopf kommt, ist meine Mutter. Sie starb noch vor meinem 20. Lebensjahr, also noch bevor ich meine Karriere begann. Aber sie war immer für mich da und sie inspirierte und motivierte mich, der beste Mensch und Künstler zu sein, der ich sein kann.

Was wäre für Dich eine peinliche Situation auf der Bühne?

Nach so vielen Jahren auf der Bühne und jeweils 7-8 Shows wöchentlich kann ich sagen, dass ich davon bereits einige erlebt habe! (lacht) Jetzt kann ich darüber lachen, aber in dem Moment wollte ich nur im Boden versinken. Von Blackouts über eine runtergerutschte Hose bis hin zu einem offenen Hosenstall in einem weißen Anzug, in dem ich mich ehrlicherweise ganz schön gut gefühlt habe, bis die komplette erste Reihe anfing zu lachen.

Ich habe schon alles erlebt, was man sich vorstellen kann. Aber genau solche Momente machen Live-Shows aus, denn sie sind authentisch und nicht immer perfekt, aber sie bringen viel Freude.

Könntest Du Dir vorstellen, irgendwann mal in einem völlig anderen Beruf zu arbeiten?

Es kommt der Moment, da denken wir Darsteller “was kommt danach”. Das ist seltsam, denn für uns ist es das Natürlichste der Welt, auf der Bühne zu stehen. Klar ist das nur eine unserer Facetten, also muss man sich früher oder später auch mit dem Thema befassen.

Ich persönlich habe auch Träume, die nichts mit den Bühnen dieser Welt zu tun haben und ich arbeite daran, sie auch irgendwann zu verwirklichen.

Gino Emnes als Apollo Creed

© Stage Entertainment

Bist Du selbstkritisch?

Ja, definitiv! Aber mit den Jahren habe ich gelernt, eine gewisse Gelassenheit zu entwickeln. Und wenn ich merke, dass ich mal wieder zu hart zu mir selbst bin, versuche ich mich daran zu erinnern, dass ich auch nur ein Mensch bin.

Was bereitet Dir Angst oder macht Dich traurig?

Wenn ich ehrlich bin macht mir am meisten Angst, wohin sich unsere Welt entwickelt. Terrorismus,  Armut, Gewalt – das macht mich traurig und es macht mir auch Angst.

Worüber lachst Du gerne?

Ich lache generell sehr gerne. Manchmal entwickelt sich in meinem Kopf eine verrückte Story in einer völlig alltäglichen Situation. Ich stelle mir dann Dinge vor, die eigentlich gar nicht wirklich passiert sind und das ist manchmal so lustig, dass ich mich nicht zusammenreißen kann.

An welchen Orten fühlst Du Dich am wohlsten?

Ich liebe Amsterdam, die Stadt ist einfach großartig! Ich habe einen großen Teil meines Lebens als Erwachsener dort verbracht. Meine Schwester lebt in der Karibik, wo wir ursprünglich herkommen. Ich liebe es, denn dort sind meine Wurzeln. Momentan aber lebe ich in Hamburg, wo ich mich auch irgendwie heimisch fühle. Ich würde sagen, dass ich ein Bürger dieser Welt bin.

Was würdest Du auf keinen Fall tun? Gibt es da eine Grenze?

Ich habe gelernt, niemals nie zu sagen! Im Leben weißt du nie, was auf dich zukommt. Man denkt, man würde dies oder das niemals tun aber dann führt dich das Leben in eine gewisse Situation, die dich eines Besseren belehrt.

Woran glaubst Du?

Ich glaube an Karma. Was man gibt, kriegt man auch wieder zurück. Wenn man gütig mit anderen Menschen ist, dann gibt einem das ein so gutes Gefühl. Ich erwarte keine Gegenleistung der Person, denn es reicht mir schon, dass ich etwas Gutes für jemanden getan habe. Während man etwas Gutes für andere tut, kriegt man schon etwas dafür zurück; nämlich das Gefühl von Glück und Zufriedenheit.

Womit verbringst Du Deine freie Zeit am liebsten?

Seit zwei Jahren bin ich jetzt bei ROCKY. Da die Rolle körperlich sehr anstrengend ist, schlafe ich am liebsten in meiner freien Zeit. So kann sich mein Körper von der Anstrengung erholen.

Gibt es noch ein Ziel dass Du im Leben erreichen möchtest?

Ich bin sehr dankbar für alles, was ich bisher erlebt habe und immer noch erlebe. Wenn ich mich nur auf ein Ziel konzentriere, fühlt es sich an, als gebe es nichts mehr danach. Wie ein Loch. Daher arbeite ich immer an mir, um noch besser zu werden, egal was da noch kommen mag. Sowohl als Mensch, als auch als Künstler!

Wo siehst Du Dich in 5 Jahren?

In 5 Jahren bin ich hoffentlich genauso glücklich wie jetzt und hoffentlich stolzer Besitzer meiner eigenen Lounge, denn das ist mein großer Traum.

Gibt es schon Zukunftspläne, von denen Du erzählen darfst?

Ich beende bald meine Zeit bei ROCKY und werde bei SISTER ACT in Berlin sein. Ich freue mich schon sehr darauf!

Du bist auch als Model tätig. Könntest Du Dir vorstellen, langfristig in dieser Branche zu arbeiten?

Ich mache immer mal wieder nebenbei ein paar Modeljobs, aber ich sehe mich nicht als Model. Aber wenn mich jemand als Model bucht, dann sage ich natürlich nicht nein.

Hast Du eine Botschaft an die Musical1-Leser?

Ja, ich möchte euch gerne für eure tolle Unterstützung danken. Wir können das tun, was wir lieben. Uns wurde diese Gabe geschenkt und zu wissen, dass es Menschen gibt, die das zu schätzen wissen, ist das größte Geschenk, was ihr uns geben könnt. Danke dafür!

Kategorie: Interviews,Rocky

Autor: N. Hofmann (20.08.2016)

Teile diesen Beitrag

Monatlicher Musical-Newsletter

Erhalten Sie einmal im Monat kostenlos die wichtigsten Musical-News im Überblick: Welche neuen Musicals laufen wo? Welche tollen Musical-Angebote gibt es? Verpassen Sie keine Hinweise mehr!

Die Abmeldung von dem Newsletter ist jederzeit möglich.

Kommentar hinterlassen

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)
Musical1 Newsletter
Zusammengefasste Musical-News
Hinweise auf gute Musical-Angebote
Regelmäßige Ticketverlosungen
Musical-Neuerscheinungen