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Interview mit Christian Fröhlich

Christian Fröhlich absolvierte sein Musicalstudium an der Theaterakademie in München. Derzeit können ihn die Zuschauer am Theater in Linz in der Produktion LES MISERABLES erleben. Anschließend widmet sich der junge Mann wieder den Hörsälen, für ihn geht es diesmal aber ins Ausland. Musical1 hat Christian Fröhlich im Interview.

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Christian Fröhlich
Christian Fröhlich © Christian Hartmann

Dein Geburtsort ist Twistringen in Niedersachsen. Wie empfandest du deine Kindheit? Warst du als Junge schon gesanglich und schauspielerisch talentiert? Stand für dich schon sehr zeitig fest, dass du beruflich in die künstlerische Richtung gehen willst, oder hattest du auch andere Zukunftspläne?

Meine Kindheit war für mich sehr schön. Ich habe viel Zeit mit meiner Familie verbracht, viel mit Freunden gespielt und ich bin immer auf der Jagd nach Abenteuern gewesen. Mit meiner älteren Schwester und meinen beiden Cousinen habe ich auf manchen Familienfeiern Stücke für unsere Eltern aufgeführt. Ich erinnere mich, dass in mir mit 10 Jahren der Wunsch aufkam, Schauspieler zu werden. Als meine Schwester dann ans Gymnasium kam, ist sie in die Musical-AG des Gymnasiums eingetreten. Das erste Musical, in dem sie mitwirkte, war CABARET. Als kleiner Bruder war ich natürlich verpflichtet mir das anzuschauen. Ich war begeistert und fasste den Entschluss, sobald ich an das Gymnasium kam auch der Musical-AG beizutreten. Dort entdeckte ich dann mein Talent und meine Leidenschaft fürs Singen. Aus dem Wunsch, Schauspieler zu werden, wurde schnell der Wunsch Musicaldarsteller zu werden. Dabei ist es dann geblieben.

Im Jahr 2009 hast du deine Ausbildung an der bayerischen Theaterakademie August Everding in München begonnen. Warum hast du dich für diese Einrichtung entschieden? Was hat dir an der Ausbildung besonders viel Spaß gemacht und wie empfandest du die Zusammenarbeit mit den anderen Studienkollegen? Hast du heute noch Kontakt zu einigen von Ihnen?

Als es dann ernst wurde meinen Traum zu verwirklichen, war ich noch sehr grün hinter den Ohren und auch nicht wirklich informiert. Mir waren nur die Stage School und die Joop van den Ende Academy, beide in Hamburg, ein Begriff. Auch wegen der hohen Kosten beider Schulen habe ich mich dann im Internet informiert und bin auf die staatlichen Schulen gestoßen. Die Aufnahmeprüfung in Essen habe ich damals nicht gemacht, weil es schon im Sommersemester losgegangen wäre und ich zu der Zeit noch im freiwilligen sozialen Jahr gewesen wäre. Die nächste Aufnahmeprüfung war dann München. Ein paar Wochen vor der Prüfung bot die Akademie noch einen Orientierungsworkshop an, den ich auch wahrgenommen habe. Ich hab mich sofort an der Schule wohlgefühlt. Allerdings als ich dann hörte, dass nur 8 Studenten genommen werden, war ich nicht sonderlich überzeugt, dass es klappt. Also bin ich ohne große Erwartungen, blauäugig, zu der Aufnahmeprüfung gefahren und rückblickend war das wahrscheinlich mein Glück.

Ich habe das Studium aufgesogen und mir hat ehrlich gesagt alles Spaß gemacht. Natürlich war es ein sehr intensives Studium und wie auch in anderen Lebenswegen hat man mal bessere und schlechtere Tage, aber im Großen und Ganzen hat mir alles Spaß gemacht und das Studium hat mich sehr erfüllt. Die Zahl der Studenten im Jahrgang variiert von acht bis zehn. Natürlich ist es bei einer so kleinen Gruppe mit so unterschiedlichen Menschen, der Intensität des Studiums und der Zeit, die man miteinander verbringt, nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Trotzdem haben wir toll zusammengearbeitet und hatten aus meiner Sicht während des Studiums viel Spaß und schöne Zeiten miteinander.

Ich hab einige tolle Freunde während des Studiums gewonnen, zu denen ich noch regelmäßig Kontakt habe. Zu manch anderen hin und wieder mal und zu einigen gar nicht. Man lernt in diesem Beruf so viele Menschen kennen, dass es fast unmöglich wäre, zu allen steten Kontakt zu halten. Das geschieht aber nicht aus Böswilligkeit oder weil man sich nicht mag, sondern einfach, weil sich die Wege trennen, man wieder andere Menschen trifft und oft mit seinem Leben vor Ort genug zu tun hat. Hin und wieder sieht man sich dann auf Auditions wieder oder arbeitet wieder zusammen. Das ist dann sehr schön.

Dein erstes Musicalengagement hattest du am Deutschen Theater in München. Dort spieltest du in FRÜHLINGSERWACHEN. Wie bist du auf diese Produktion aufmerksam geworden? Gehe bitte auch darauf ein, wie die Audition dazu ablief.

In jedem Jahr macht der vierte Jahrgang ein Musical als Abschlussproduktion. Die Studenten des vierten Jahrgangs spielen dann meist die Hauptrollen. Als Ensemble oder für kleinere Nebenrollen wird der dritte Jahrgang mit einbezogen. Für ein paar Jahre war diese Produktion in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater. Das war der Fall bei FRÜHLINGSERWACHEN. In dem Jahr war es so, dass der vierte Jahrgang die A-Cast war und der dritte Jahrgang die B-Cast. Ich hatte das Glück, dass ein Student aus dem vierten Jahrgang schon ein Engagement in der Schweiz hatte und deshalb beim Abschlussstück nicht mitmachen konnte. Seine Zweitbesetzung ist dann als Erstbesetzung nachgerückt und ich wurde dann aus dem zweiten Jahrgang glücklicherweise ausgewählt, seine Position zu übernehmen.

Danach folgen bereits zahlreiche weitere Produktionen, in denen man dich sehen konnte. Gib unseren Musical1-Lesern bitte einen Einblick in weitere von dir gespielte Produktionen. Hast du dabei eine Lieblingsproduktion?

Das darauf folgende Jahr war ich dann als Trekkie Monster in AVENUE Q und in meiner eigenen Abschlussproduktion als Titelrolle in DRACULA sowie alternierend Van Helsing zu sehen. Während meines letzten Semesters an der Akademie spielte ich dann die Rolle des Action in WEST SIDE STORY in Regensburg. Im Anschluss ging es dann auf die Freilichtbühne in Augsburg, wo ich in HAIR mitspielen durfte. Als nächstes war ich als Aschenputtelprinz und Wolf in INTO THE WOODS zu sehen. Das war bisher meine Lieblingsproduktion. Ich finde das Stück wirklich toll. Es ist sehr witzig und zugleich sehr tiefgründig. Außerdem ist es eine unglaubliche Herausforderung für alle Darsteller.

Derzeit stehst du gemeinsam mit Riccardo Greco in LES MISERABLES am Landestheater Linz auf der Bühne. Welche Rolle verkörperst du dort und welche Erfahrung machst du in diesem Musical?

Genau, momentan bin ich in Linz und erlebe hier eine tolle Zeit. Ich spiele den Studenten Coufeyrac und verschiedene Ensemblerollen. Ich war schon immer sehr begeistert von dem Musical. Ich mag die Musik, die Zeit zu der das Stück spielt und die Handlung sehr. Es ist schön in Linz bei dieser tollen Produktion mitwirken zu können. Das Kreativteam ist super und auch die Cast mit tollen Darsteller ist grandios. Aber auch hinter der Bühne gibt es viele nette Menschen.

Christian Fröhlich

© Christian Hartmann

Gibt es schon Pläne für die Zeit nach LES MISERABLES, über die du reden darfst? Schauen wir mal zehn Jahre in die Zukunft, ins Jahr 2025. Wo siehst du dich da?

LES MISERABLES läuft noch bis Ende Juni in Linz. Währenddessen mache ich noch ein eigenes Projekt mit einem Freund und Kollegen und noch ein paar kleine andere Projekte nebenbei. Ab September geht meine Reise erst einmal nicht in Deutschland weiter und ich widme mich noch ein Jahr dem Studium. In diesem Berufsfeld gibt es viele Wege, die man einschlagen kann und daher ist es für mich schwierig zu sagen, wo ich mich in zehn Jahren sehe. Der nächste Schritt ist erst mal wieder ein Studium, um mich weiter zu entwickeln und meine Chancen zu erweitern, um mich international aufzustellen. Für alles, was dann kommt, bin ich offen.

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß? Was würdest du den Leuten mit auf den Weg gehen, die überlegen, ein Studium zum Musicaldarsteller zu absolvieren?

Ich liebe an meinem Job die Vielseitigkeit, die er bietet. Im besten Fall bekommt man die Möglichkeit, in unterschiedlichen Produktionen auf unterschiedlichen Positionen zu arbeiten. Man kann sich immer wieder neu ausprobieren, sich neuen Herausforderungen stellen und viel lernen. Außerdem kommt man viel herum und lernt immer wieder neue Menschen, Theater und Städte kennen. Allerdings würde ich jedem raten, sich das Ganze gut zu überlegen. Viele haben vielleicht nicht die Vorstellung von dem Beruf, die der Realität entspricht. Man sollte auch bedenken, dass es nicht immer gut läuft, man sich immer neu beweisen muss. Auch das viele Herumreisen und die Unsicherheit sind nicht jedermanns Sache. Sollte man sich allerdings für den Beruf mit all seinen Seiten entscheiden, ist er wirklich großartig.

Auch bei Stage Entertainment tut sich in diesem Jahr so einiges. Topaktuell der Wechsel von MAMMA MIA! nach Oberhausen und die Wiederaufnahme von ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK in Berlin. Im Dezember dann die Europapremiere von ALADDIN. Gibt es eine Produktion auf dem Spielplan der Stage Entertainment, die dich schon einmal reizen würde? Bist du in der Vergangenheit bereits bei einer Audition von Stage Entertainment gewesen?

Natürlich gibt es immer wieder Produktionen, die einen reizen, aber vielleicht passt man nicht in jede rein. Ich habe schon ein paar Auditions für Stage Entertainment gemacht, aber bisher sollte es noch nicht sein. Würde ich nicht das nächste Jahr im Ausland verbringen, wäre ALADDIN sehr spannend gewesen. Wenn TANZ DER VAMPIRE mal wieder nach Deutschland kommt, bewerbe ich mich dort sicherlich.

Upps! Die Musical-Pannen-Show: Ist dir in den letzten Jahren auf der Bühne mal etwas Peinliches passiert oder hattest du einen Black-Out oder ähnliches?

Mir ist tatsächlich schon die ein oder andere Panne passiert. Zu meinen Favoriten gehört eine Panne in Regensburg. In der Ouvertüre von WEST SIDE STORY musste ich dem Bernardo einen Koffer über den Kopf ziehen, während dieser sich duckt. In einer Vorstellung wollte der Koffer nicht mehr und löste sich von dem Griff. Der Griff blieb in meiner Hand und man konnte dem Koffer auf dem Weg ins Orchester förmlich zusehen. Der Koffer flog direkt auf einen Violinisten zu, der gerade seinen Bogen zum Spielen ansetzte. Glücklicherweise ist nur der Geigenbogen zerbrochen und niemandem ist etwas passiert.

Hast du einen Lebenstraum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest?

Ein Traum wäre eines Tages ein eigenes Musical zu schreiben und auf die Bühne zu bringen. Ob es dazu kommt, wird sich in der Zukunft zeigen.

Der Beruf des Musicaldarstellers verlangt natürlich so einiges von einem ab. Umso wichtiger ist ein Ausgleich dazu und Menschen, die einem zur Seite stehen und Verständnis für den Beruf haben. Gibt es für dich nach den Vorstellungen eine Schulter, an die du dich anlehnen kannst, und wie verbringst du deine freien Tage in der Regel?

In meinem Leben bin ich glücklicherweise von vielen wundervollen Menschen umgeben, die sowohl die unschönen Momente, als auch meine Freude am Leben und die Schönheit des Lebens mit mir teilen. Daher versuche ich in meiner freien Zeit so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen. Sei es bei einem netten Spieleabend, gemeinsamen Kochabenden oder einfach mal ausgelassen Tanzen zu gehen. Wenn ich mal Zeit für mich brauche, lese ich gerne und treibe Sport.

Kategorie: Interviews

Autor: C. Demme (23.02.2015)

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