Tickets für die besten Musicals sichern: Jetzt Tickets kaufen

Interview mit Benjamin Eberling

Zuletzt war Benjamin Eberling im Ensemble sowie in der Titelrolle im Musical SHREK zu sehen. Im kommenden Sommer dürfen sich die Besucher der Freilichtbühne in Tecklenburg auf ihn in der Rolle des Garcia in der deutschen Erstaufführung von ZORRO freuen. Im Musical1-Interview spricht Benjamin über seine bisherigen Musicalerfahrungen, seine Zeit auf den AIDA-Clubschiffen und gibt einen tiefen Einblick in sein Privatleben.

Teile diesen Beitrag

Benjamin Eberling
Benjamin Eberling © Agentur Shanti

Geboren wurdest du in Marburg an der Lahn. Wie hast du deine Kindheit & Jugend so verbracht?

Ich hatte eine sehr schöne Kindheit. Obwohl meine Eltern viel im eigenen Restaurant gearbeitet haben, hatten sie stets Zeit für mich. Laut Aussage meiner Mutter habe ich immer viel gesungen. Mein damaliges Lieblingslied war Knutschfleck von Ixi. Als ich im Alter von sechs Jahren mit der musikalischen Früherziehung anfing, meinte meine Lehrerin, dass ein Talent besitze, welches unbedingt gefördert werden sollte. Meine Eltern taten sich am Anfang sehr mit der Entscheidung, mich auf ein Internat zu geben. Doch ich ließ meiner Mutter eigentlich keine andere Wahl. Als ich bei den Limburger Domsingknaben ein sogenanntes Probe-Wochenende absolvierte und meine Mutter mich nach zwei Tagen wieder abholen wollte, sagte ich nur: „Ich bleibe hier und meine Mama holt nur noch meinen Koffer.“ Das war zwar ein Schock für meine Eltern, aber sie wollten meiner Zukunft nicht im Weg stehen. So kam es, dass ich im Alter von acht Jahren zu den Limburger Domsingknaben gegangen bin und dort im Internat lebte.

Wie du ja gerade selber schon angedeutet hast, begann deine musikalische Ausbildung bei den Limburger Domsingknaben bereits im zarten Alter von acht Jahren. Berichte uns doch bitte ein wenig von dieser Zeit.

Das Internat der Limburger Domsingknaben befand sich im hessischen Hadamar in der Nähe der Stadt Limburg. Für mich war diese Zeit ein großes Abenteuer und der Grundstein für mein späteres Leben. Aber ich muss auch gestehen, dass mich das Heimweh nicht gerade selten einholte. Zum Glück war ich aber meistens jedes zweite Wochenende, wenn nicht gerade eine Konzertreise stattfand, zu Hause. Für mich war es toll, ständig mit soviel Musik umgeben zu sein.

Morgens ging ich auf eine ganz normale öffentliche Schule. Nachmittags waren dann Hausaufgaben-Betreuung, Chorproben, Stimmbildung und Klavierunterricht im Internat angesagt. Zwar war der Tagesplan immer recht voll gepackt, aber es gab immer mal etwas freie Zeit in der ich mit den anderen Jungs Fußball spielen konnte oder im Fotolabor ein wenig herumtüftelte. Später gab es dann auch eine Zeit, wo ich gerne mal im Computerraum saß und das ein oder andere Spiel gezockt habe. Daneben gab es immer mal wieder Ausflüge ins Schwimmbad, in die Eissporthalle oder in Museen verschiedenster Art. Am Wochenende wurden oft sogenannte Geländespiele, sprich eine Art Schnitzeljagd, in den umliegenden Wäldern veranstaltet.

Neben der Musik war aber auch der katholische Glaube fester Bestandteil im Internat. Tägliche Morgengebete und Bibelstunden standen auf dem Plan. Einmal im Jahr ging es zu Exerzitien z.B. für ein Wochenende ins Kloster. Das Internat sowie der Chor wurden vom Bistum Limburg mitfinanziert. Aus diesem Grund veranstaltete der Chor nicht nur Konzerte, sondern gestaltete auch regelmäßig Gottesdienste.

Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und durfte damals schon viel von der Welt sehen. So war ich z.B. gemeinsam mit den anderen Chormitgliedern in Finnland, Großbritannien, Spanien, Israel und Südafrika. Auch waren wir mehrfach in Rom. Ein besonderes Highlight dabei war ein privates Konzert für Papst Johannes Paul II. und einigen Journalisten in der Sixtinischen Kapelle.

Im Alter von 10 Jahren kam ich dann in den Stimmbruch. Dieser ereilte mich im Vorsingen für die 3 Knaben in Mozarts Zauberflöte für die Oper Frankfurt. Für mich brach damals eine Welt zusammen. Ich rutsche in der Schule ab und war ein ziemlicher Rebell. Das ging aber zum Glück schnell vorbei, denn mit elf Jahren stand ich dann plötzlich schon im Tenor.

Mit zwölf Jahren fiel mir dann die Hamburger Aufnahme von DAS PHANTOM DER OPER in die Hände. Und aus dem Funken wurde ein Feuer. Auch war ich schon immer politisch sehr interessiert, war sogar 1997 bei Jugend und Parlament in Bonn dabei. Ich fühlte mich wegen meiner Eltern auch immer in der Gastronomie heimisch und das Hotelfach reizte mich auch. Aber an die Musik kam einfach nichts heran.

Das Internat wurde mittlerweile leider geschlossen, da das Bistum Limburg sparen wollte. Aber den Chor der Limburger Domsingknaben gibt es heute noch.

Nach dem Abitur und deinem Wehrdienst hast du 2006 den Studiengang „Musical und Show“ an der Universität der Künste in Berlin abgeschlossen. Schildere uns doch einmal die Etappen deiner Ausbildung.

Alles find damit an, dass ich 2000 bei meiner 1. Aufnahmeprüfung an der Universität der Künste in Berlin nicht angenommen wurde. Meine Stimme war ihnen damals zu klassisch. Ich hatte kaum Tanzerfahrung und passte auch nicht in die Gruppe der Aufgenommenen. An der Universität der Künste wird sehr darauf geachtet, dass die Chemie und Mischung in den Gruppen stimmt. Schließlich müssen die maximal 12 Personen, aus durchschnittlich 500 Bewerbern, in den vier Jahren zusammenhalten, zusammenwachsen und gemeinsam lernen.

So kam es, dass ich auf der Stage School in Hamburg in einem Jahrgang mit 120 Leuten, startete. Es war eine harte Schule für mich, denn ich hatte schon immer ein paar Kilos mehr, was insbesondere der Tanzabteilungsleiterin ein Dorn im Auge war. Aber ich ließ mich von ihr nicht unterkriegen, denn schließlich gab es auch Lehrer, die an mein Talent glaubten.

Nach zwei Jahren wollte ich, um noch mehr zu lernen, an die Stella Academy wechseln. Doch dann kam die große Stella Pleite und ich stand erst einmal auf der Straße. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich generell eine schwere Phase in meinem Leben. Und hier kommt nun mein Gesangslehrer Michael Dixon ins Spiel. Michael hatte mich seit meiner ersten Aufnahmeprüfung an der Universität der Künste nicht aus den Augen verloren. Er meinte, wenn ich offen wäre, noch einmal von Vorne zu beginnen, dann sollte ich doch einfach die Aufnahmeprüfung an der Universität der Künste wiederholen. Seitdem ist Michael ständiger Begleiter in meinem Leben und ich bin dankbar ihn als Stütze zu wissen. Also machte ich die Aufnahmeprüfung und wurde gleich ins 2. Jahr aufgenommen. Ich kam in eine Gruppe mit vielen talentierten Kollegen und Kolleginnen.

Im Studium in Berlin habe ich sehr viel über mich selbst gelernt. Ich musste mich dort mit den drei Sparten, Gesang, Tanz und Schauspiel, sowie mit vielen Ängsten auseinandersetzen. Durch Projekte und Workshops durfte ich mit großartigen Kollegen, wie z.B. Frederike Haas, Thomas Zaufke, den leider schon verstorbenen F. Dion Davis und Gayle Tuffts, zusammenarbeiten. Eines der großartigsten Momente war die Zusammenarbeit mit Peter Lund Und Thomas Zaufke. Gemeinsam mit ihnen kreierte ich das Stück ERWIN KANNES – TROST DER FRAUEN an der Neuköllner Oper in Berlin. Peter Lund hatte die Idee die Geschichte um „die lustigen Weiber von Windsor“ in ein Musical zu verwandeln. Thomas Zaufke machte mit uns Workshops um unsere Stimmen besser kennenzulernen und somit die Musik für uns zu schreiben. Das Endergebnis konnte sich sehen lassen: Spielzeiten in den Sommermonaten zweier aufeinander folgender Jahre und eine CD-Veröffentlichung unter dem Namen Letterland. Mit Thomas verbindet mich seither eine gute Freundschaft. Mit seinem Song Tanzschulzeit gewann ich beim Bundeswettbewerb für Gesang 2005 den Ralph Benatzky Chanson Preis. Bei diesem Wettbewerb, wurde dann Corny Littmann, Inhaber des Schmidt Theaters und Tivolis in Hamburg, auf mich aufmerksam und bot mir einen Job in der HEISSEN ECKE an.

Du durftest bereits schon in einigen namhaften Produktionen mitwirken. Gib unseren Lesern doch bitte mal einen Einblick in bisher gespielte Produktionen und gehe kurz auf jede genannte Show ein.

Meinen ersten professionellen Job hatte ich bei den Burgfestspielen Bad Vilbel. Dort wirkte ich im Ensemble von EVITA mit. Ein gelungener Start, wie ich finde. Danach folgte ERWIN KANNES – TROST DER FRAUEN. Diese Produktion liegt mir sehr am Herzen, da wir als Jahrgang daran mitgearbeitet hatten und viel Herzblut dafür investierten. Gleich danach kam DER GESTIEFELTE STRASSENKATER, wieder ein Stück von Zaufke und Lund, diesmal im Wiener Renaissance Theater. Die Kinder haben mich als Kater geliebt. Die Presse jedoch fand das Stück zu kommunistisch, was ich als sehr schade empfand.

Danach folgten drei Jahre festes Engagement in Hamburg in der HEISSEN ECKE, ein Kult-Stück, was bis heute noch sehr erfolgreich spielt. An die Zeit in der Schmidt-Familie erinnere ich mich unwahrscheinlich gerne zurück. Wenn ich heute etwas im Schmidt-Theater trinken gehe, ist es wie nach Hause zu kommen für mich. Im übrigen entdeckte ich dort mein Herz für den Schlager. Mit dem Stück KARAMBA, huldige das Schmidt-Theater im Jahr 2008 die siebziger Jahre. Ich durfte unter anderem als Hans Rosenthal und Biene Maja ein Teil davon sein.

Im selben Zeitraum erlaubte mir das Schmidts mich im neu gegründeten Musicalensemble des Theaters fürs Niedersachsen einzubringen. Hier durfte ich die Rollen des Richard in der deutschen Erstaufführung von William Finn’s A NEW BRAIN (NERVENSACHE) und des Lank Hawkins in CRAZY FOR YOU spielen. Das war ein sehr spannender Prozess für mich. Da heute ja immer wieder in der Kultur eingespart wird, war es die Chance für Hildesheim als Haus bestehen zubleiben. Ich kann Intendant Jörg Gade nur meinen Respekt aussprechen für seine Leidenschaft und wie er es geschafft hat mit dem Theater für Niedersachsen weiterhin ein Dreispartenhaus anzubieten. Er scheut sich nicht neue Stücke auf die Bühne zu bringen, die vielleicht der breiten Masse nicht so bekannt sind.

Nachdem ich drei Jahre in kleinen und großen Rollen auf der Bühne stand, wollte ich einfach mal wieder Sänger sein. Und da kam mir das Angebot von AIDA Cruises mehr als recht. Bei KARAMBA im Schmidt-Theater habe ich mit den Choreografen vom Schiff gearbeitet. Diese haben mich damals empfohlen und somit bin ich zu diesem Job gekommen. Am Anfang wurde mir aufgrund meines, sagen wir mal, barocken Körperbaus, das Leben etwas schwer gemacht. Doch mit meiner Leistung konnte ich punkten und irgendwann verstummten dann auch die Kritiker. Abgesehen von den Startschwierigkeiten habe ich die 2,5 Jahre an Bord sehr genossen.

Ich hatte das Glück direkt, nach meinem Berufsleben auf dem Schiff wieder einen Job auf den nicht schwankenden Brettern, die die Welt bedeuten zu bekommen. Und dann gleich eine so wunderbare Show wie HAIRSPRAY. Das war im Sommer 2012. Zuerst in München, dann in Merzig.

Und dann kam die Zusage für SISTER ACT in Stuttgart. Ich erinnere mich noch genau daran, als ich während den Proben zu HAIRSPRAY den Anruf bekam und zu der Stimme am anderen Ende der Leitung sagte „Erstbesetzung? Seid Ihr Euch ganz sicher?“ Ich konnte es einfach nicht glauben, denn bis dahin hatte ich immer eher Pech bei Großproduktionen. Auch als das Sister-Act-Kloster nach Oberhausen wechselte, durfte ich mit von der Partie sein.

Ja und dann verschlug es mich in sumpfige Gebiete und ich bekam das Engagement bei SHREK – DAS MUSICAL. Im Sommer diesen Jahres gibt es dann gleich 2 Premieren für mich. Zum einen darf ich das erste Mal auf der Freilichtbühne in Tecklenburg stehen und zum anderen bin ich Teil der Deutschland Premiere des Musicals ZORRO. Dort werde ich den Garcia verkörpern.

Was ich seit 2005 aber auch noch sehr gerne und leidenschaftlich mache, ist das Synchronisieren. Vielleicht sagt ja dem ein oder anderen die Serie Die Moffels etwas. Das ist eine kleine aber feine Serie für Kinder, die auf dem RBB ausgestrahlt wird. Dafür habe ich gerade 8 neue Folgen eingesungen. Es macht mir einfach wahnsinnig Spaß und ich würde das ganze in der Zukunft gerne noch ein wenig ausbauen.

Zwischendrin hast du, wie oben schon angesprochen, gemerkt, dass du nicht nur auf den Bühnen an Land stehen willst. Und somit ging es für dich von 2009-2012 hinaus auf die Weltmeere. An Bord verschiedener AIDA-Clubschiffe standest du Abend für Abend auf der Bordbühne und hast in verschiedenen Shows von Schlager über Abba bis hin zu den Beatles dein gesangliches Talent unter Beweis gestellt. Teile uns bitte mit, was diese Erfahrung für dich bedeutet hat? Auf welchen Teilen der Erde warst du unterwegs? Welche Reiseroute hat dir am meisten Freude bereitet?

Die Zeit auf den Clubschiffen von AIDA war eine besondere Zeit und ich muss gestehen, dass das Kapitel für mich noch nicht so ganz abgeschlossen ist. Ich war meist drei bis fünf Monate an Bord des Schiffes und hatte dann kurze Landurlaube. Das Glück war auf meiner Seite, denn ich konnte in meiner Zeit auf der LUNA, der DIVA und der BLU sehr viel von der Welt sehen. Die LUNA ist übrigens mein Lieblingsschiff. Auf ihr durfte ich drei Einsätze fahren. Der Reiz an der Sache: innerhalb kurzer Zeit viel sehen von der Welt und sehr kreatives Arbeiten an Bord der Clubschiffe. Fast jeden Abend steht man für die verschiedensten Shows auf der Bühne. Jeder der einmal auf der AIDA war, weiß wovon ich spreche. Das Theater kann man sich wie ein großes Atrium vorstellen: in der Mitte die Bühne und auf drei Decks (Etagen) können bis zu 1000 Menschen Platz nehmen. Wenn es gefällt, bleibt man, wenn nicht geht man weiter. So hat man als Künstler natürlich den Ehrgeiz vor gut besuchten Haus zu spielen, was allerdings nicht immer möglich ist, denn dafür gibt es auf solch einem Schiff einfach zu viele Angebote.

Für mich hatte die Zeit an Bord einen Geschmack von Freiheit, auch wenn es teilweise sehr anstrengend war. Bei AIDA Cruises gehört man zur Crew und hat keinen Gaststatus, wie bei manch anderen Kreuzfahrtunternehmen. Bevor die Reise überhaupt beginnt, muss jeder in das Assessment Center nach Rostock. Dort absolviert man ein Sicherheitstraining. Dazu gehört nicht nur das Löschen von Feuer im Feuercontainer, das Rettungsboot fahren und ein Erste Hilfe Kurs. Auch jede Menge Theorie, Sicherheitsklauseln und wie man sich in möglichen Notfallsituationen an Bord verhalten sollte, bekommt man dort beigebracht.

Ich habe in meiner Zeit viel gesehen, angefangen mit den Kanaren. Dann Westeuropa (Lissabon, Paris, London, Amsterdam), das östliche Mittelmeer (Istanbul, Athen, Santorin, Kairo), die Ostsee (Helsinki, Stockholm, St Petersburg), Nordamerika (Montreal, Boston, New York), Südostasien (Singapore, Bangkok, Kuala Lumpur) und die Karibik. Meine Highlights waren auf jeden Fall New York City, wo ich an manchen Abenden die Chance hatte von Bord zu gehen, um mir die ein oder andere Show anzusehen. Des weiteren Koh Samui, eine wunderschöne Insel von Thailand mit so herzlichen Menschen. Cozumel in Mexico mit Fahrten zu den Maya Tempeln, die Überfahrt von Hamburg nach New York über Island und Grönland mit den gigantischen Eisbergen.

Und ich bin zwei Mal mit Rochen geschwommen, zum einen in der Karibik sowie auf den Cayman Inseln. Bis heute ist dies ein unvergessliches Erlebnis, besser noch als mit Delfinen zu schwimmen. Ich bin jemand der sich gerne viele Sachen anschaut, und so konnte ich allem etwas positives abgewinnen.

Im Herbst 2012 hast du die Rolle des Joey in SISTER ACT am Stuttgarter Apollo Theater übernommen und hast diesen Charakter dann auch in Oberhausen weiterhin verkörpert. Welche Erfahrung durftest du in SISTER ACT machen? Gab es eine Szene, die dir besonders gut gefallen hat?

Benjamin in Sister Act

© Winkler Photografie

SISTER ACT war meine erste Großproduktion. Das erste Mal im meinem Leben musste ich für bis zu acht Shows in einer Woche die selbe Rolle spielen. Diese Tatsache stellte mich vor eine besondere Herausforderung, da ich bis dato immer viel Abwechslung hatte.

Es war spannend zu sehen, wie eine Produktion von solch einer Größe in all ihren Abteilungen aufgebaut wurde. Bei dem Stück handelt es sich um ein Gute-Laune-Musical, was Abend für Abend eine Menge Spaß gemacht hat. Ich weiß nicht wie es z.B. bei einem Stück wie LES MISERABLES ist, bei dem man am Ende von lauter toten Menschen umgeben ist. Ich denke, dass dies sehr hart ist.

Ich habe bei SISTER ACT insgesamt in 450 Aufführungen spielen dürfen. Mein Rekord liegt bei 570 Shows, damals bei der HEISSEN ECKE in Hamburg. Doch langweilig wurde mir nie. Das Stück hat so viel Liebe, dass es für mich ein Leichtes war, die Show so lange zu spielen.

Meine Lieblingsszene ist definitiv das Finale des ersten Aktes. Die Verwandlung in die Kirche und die tanzenden Nonnen, einfach göttlich.

Bis zum 16.02.2015 warst du im Musical SHREK zu sehen sein. Dort warst du im Ensemble verankert und spieltest auch die Titelrolle. Anfangs warst du eigentlich für die komplette Tour geplant, jedoch hast du vor wenigen Wochen bekannt gegeben, dass nach München für dich Schluss sein wird. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Hinter dieser Entscheidung stecken familiäre Gründe. Mein Papa lag im Krankenhaus und kam jetzt Mitte Februar wieder nach Hause. Ich möchte für ihn und meine Mutti da sein. Aus diesem Grunde habe ich mich entschieden, die beiden letzten Stationen der Tour, sprich Zürich und Wien, nicht mehr mitzumachen. Mehr Entertainment! hat dafür Verständnis.

Als SHREK war es von Nöten ein speziell für dich angefertigtes Kostüm mit einem Fett-Suite zu tragen. Was steckt dahinter knapp drei Stunden mit diesem Kostüm auf der Bühne zu stehen?

In der Tat ist es bei SHREK eine sehr aufwendige Prozedur, um den Oger zum Leben zu erwecken. Vor der Vorstellung sitze ich 100 Minuten in der Maske und bekomme die aufwendige Maske angezogen. Bis kurz vor der Show wird man dann ins Kostüm eingeschnürt. Mein Fett-Suite ist jedoch nicht so aufwendig wie z.B. das von Andreas Lichtenberger und Frank Winkels. Ich habe von Natur aus einfach schon ein wenig mehr auf den Rippen. Bei mir wird also nur der Po, der Bauch und die Schultern ein wenig ausgepolstert, damit das Bild stimmt. Bei den anderen SHREK-Darstellern handelt es sich um einen kompletten Anzug.

Benjamin als Shrek

© Privat

Die dreistündige Show ist dann ein hartes Ausdauertraining. Man muss viel trinken, jedoch nicht nur Wasser, sondern auch Magnesium sowie andere Elektrolyte, damit es nicht zu Krampfanfällen in den Gliedmaßen kommt. Während der gesamten Show steht einem keine richtige Pause zur Verfügung. Wenn du nicht gerade auf der Bühne stehst, versuchst du so viel Flüssigkeit wie möglich in dich reinzubekommen, dich auf deinen nächsten Auftritt vorzubereiten oder du sitzt in der Maske und bekommst die SHREK-Maske aufgefrischt. Alles in allem eine sehr interessante und fordernde Erfahrung.

Wie hast du die Arbeit bei SHREK empfunden? Wie empfandest du die Zusammenarbeit mit den anderen Darstellern und dem Kreativteam?

Die Zeit bei SHREK war sehr aufregend und lehrreich. Mit den Kollegen hatte ich jede Menge Spaß, sei es auf der Bühne wie auch daneben. Es sind dabei wirklich einige tolle Freundschaften entstanden. Andreas Gergen, als Regisseur, kannte ich ja schon von HAIRSPRAY. Ich habe mich riesig darüber gefreut wieder mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen. Andreas hat eine natürlich und ehrliche Herangehensweise an Stücke, mit dem richtigen Gespür für Humor, wie ich finde.

Auf Kim Duddy war ich sehr gespannt, denn es war meine erste Zusammenarbeit mit ihr. Aber schon während der Auditions habe ich gemerkt, dass wir viel Spaß haben werden. Und so war es dann auch. Was wir zusammen gelacht. Kim war immer offen für neue Ideen und hatte immer das Ziel uns gut aussehen zu lassen. Wir waren ja ein sehr charakterstarkes Ensemble bei SHREK. So viele verschiedene Typen in Einklang zubringen ist manchmal gar nicht so einfach. Es war ein sehr spannender und kreativer Prozess, den wir mit Kim, Andreas und natürlich auch mit Heribert Flecker, unserem musikalischen Leiter, durchlebt haben, um dem „Sumpf“ das nötige Leben einzuhauchen. Ich denke das Endergebnis kann sich sehen lassen. Und ich kann nur Danke sagen, dass ich ein Teil davon sein durfte.

Im Sommer wirst du bei den Freilichtspielen in Tecklenburg in der Produktion ZORRO zu sehen sein. Du wirst die Rolle des Garcia verkörpern. Wie bist du auf dieses Engagement aufmerksam geworden und was reizt dich besonders daran?

Hierzu muss ich sagen, dass ich da ein wenig Glück hatte. Der Regisseur Ullrich Wiggers war Gastdozent an der Universität der Künste und ich habe vor einiger Zeit bereits mit ihm zusammengearbeitet. Die Chemie zwischen uns hat einfach gestimmt. Er war es, der mich für Tecklenburg vorgeschlagen hat. Als das Angebot rein kam, habe ich mit großer Freude zugesagt. Ich finde es toll mit Ullrich Wiggers und Kati Heidebrecht, die übrigens mein Dance Captain bei SISTER ACT war, erneut arbeiten zu dürfen. Und dann auch noch in Tecklenburg auf dieser wunderschönen Naturbühne, wo ich bereits schon einige gute Produktionen sehen durfte, erstmals selber zu spielen. Das alles erfüllt mich mit sehr viel Freude.

Zwischen deinem Ausstieg bei SHREK und der Produktion in Tecklenburg liegen ungefähr fünf Monate. Was wirst du in den Zwischenzeit anstellen?

Ich habe es ja vorhin schon angesprochen. In erster Linie werde ich mich jetzt erst einmal um meine Eltern kümmern. Nebenher werde ich aber auch ein wenig Urlaub machen und meine Wohnung braucht auch mal wieder eine Generalüberholung.

Der Beruf des Musicaldarstellers verlangt so einiges von einem ab. Gibt es in deinem Privatleben eine Schulter zum Anlehnen und wie verbringst du deine Freizeit in der Regel?

Ich persönlich sage ja immer „Augen auf bei der Berufswahl!“ Nein, jetzt mal im Ernst. Ich liebe den Beruf des Musicaldarstellers und bin sehr dankbar, dass ich das machen kann was mir Spaß macht. Es ist wundervoll zu wissen, dass meine Eltern und auch mein Freundeskreis mich dabei voll unterstützen.

Um mich ein wenig abzulenken, gehe ich gerne ans Wasser. Aus diesem Grund ist wohl auch Hamburg, mit seinen ganzen Gewässern, nun bereits seit zehn Jahren meine Heimat. Schwimmen hilft mir immer gut beim abschalten, aber auch beim Textlernen. Ich ziehe meine Bahnen und lerne dabei Songs und Texte. Gerne unternehme ich aber auch mal gesellige Spielerunden mit meinen Freunden oder zocke ab und an mal eine Runde Mario Kart auf Nintendo Wii. Da kann ich eigentlich ganz gut abschalten. Und ich liebe es ins Kino oder Theater zu gehen.

Der richtige Mann an meiner Seite fehlt mir leider noch. Mein Beruf nimmt eben viel Zeit in Anspruch und der Richtige hat sich bis jetzt noch nicht gezeigt. Jedoch glaube ich an die wahre Liebe. Manchmal dauert es eben etwas länger bis sich die zwei richtigen Menschen begegnen. Ich gebe die Hoffnung da auf keinen Fall auf.

Kategorie: Interviews

Autor: C. Demme (19.02.2015)

Teile diesen Beitrag

Monatlicher Musical-Newsletter

Erhalten Sie einmal im Monat kostenlos die wichtigsten Musical-News im Überblick: Welche neuen Musicals laufen wo? Welche tollen Musical-Angebote gibt es? Verpassen Sie keine Hinweise mehr!

Die Abmeldung von dem Newsletter ist jederzeit möglich.

Kommentar hinterlassen

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)
Musical1 Newsletter
Zusammengefasste Musical-News
Hinweise auf gute Musical-Angebote
Regelmäßige Ticketverlosungen
Musical-Neuerscheinungen