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Interview mit Annemieke van Dam

Annemieke Van Dam konnte vor kurzem ihren 33. Geburtstag feiern. Die sympathische Niederländerin ist der Superstar der österreichischen Musicalszene. Aktuell steht sie seit der Wiederaufnahme am 12. September 2015 wieder als Mary Poppins im Wiener Ronacher auf der Bühne. Mit unserem Musical1-Redakteur Manuel Sommerfeld hat sie sich in Wien über die Studioarbeit an ihrer neue CD „Amateur“, über ihre Karriere und ihr Leben in Wien unterhalten.

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Annemieke van Dam Album Cover
Annemieke van Dam Album Cover © Jan Frankl

Bisherige Rollen

Nach ihrer Musicalausbildung in Tilburg spielte sie zunächst mehrere kleine Rollen, wie zum Beispiel die Beggar Woman in SWEENEY TODD oder Lucinda in INTO THE WOODS. Außerdem verkörperte sie in der Stuttgarter Inszenierung die Constance in 3 MUSKETIERE und Lisa Carew in JEKYLL&HYDE in Bad Hersfeld, bevor ihr 2008 die Rolle der ELISABETH zum Durchbruch verhalf. Nach der Tourneeproduktion blieb sie 2012 in Wien und verkörperte bei der Jubiläumsinszenierung die berühmte Kaiserin. Seither läuft es super bei Annemieke van Dam. In St. Gallen stand sie bei der Welturaufführung von ARTUS als Guinevere auf der Bühne. Mit MARY POPPINS konnte sie als Kindermädchen nun an die bisherigen Erfolge anknüpfen.

Vor wenigen Tagen ist Deine erste Solo-CD mit dem Titel „Amateur“. Wie kam es zu der Idee?

„Viele meiner Musical-Kollegen haben bereits ihre eigenen Musikprojekte. Ich habe auch schon oft mit dem Gedanken gespielt eine Solo-CD aufzunehmen. Aber ich wusste nicht, welche Lieder ich dann singen soll: Pop-Songs oder Coversongs berühmter Musical-Hits? Hauptsächlich sollte die Produktion mir große Freude bereiten und ich wollte etwas Neues entdecken. Daher kam ich auch nicht auf die Idee nochmal die Hits aus MARY POPPINS oder ELISABETH aufzunehmen.

Wann hast Du mit der Arbeit begonnen?

„Schließlich habe ich mir dann vor einigen Monaten ein Herz gefasst: Eine enge Freundin von mir, Tina Schosser, ist eine begnadete Musikerin. Sie hat hier in Wien ein komplett neues Musikstudio. Im Juni, kurz vor der Sommerpause von MARRY POPPINS, habe ich sie spontan gefragt, ob sie nicht Lust habe mit mir eine CD zu machen. Tina war sofort begeistert und wir haben uns schließlich bis September eine Frist gesetzt. Mit der Arbeit an meinem ersten Solo-Album haben wir auch ihr Studio eingeweiht, sozusagen eine Doppelpremiere.“

Hast Du die Songs auf Deinem Album selbst geschrieben?

„Zu Beginn unserer Zusammenarbeit habe ich Texte geschrieben, von denen aber schließlich nicht alles auf die CD kam. Bei zwei Songs habe ich selbst mitgeschrieben. Tina Schosser hat sich große Mühe gegeben und viel Arbeit in das Projekt gesteckt. Es sind wunderbare Kompositionen mit tollen Texten entstanden. Sie weiß besonders gut wann und wo die Stimme auf welche Art eingesetzt werden muss. Außerdem hat sie die Musiker ausgewählt.“

© Conny Wenk

© Conny Wenk

Für gewöhnlich singst Du immer vor großem Publikum auf der Bühne. Wie war es Dein Debut-Album alleine im Studio aufzunehmen?

„Mir hat die Arbeit an der CD sehr viel Spaß bereitet. Schon als ich das erste Lied eingesungen habe, habe ich mir gesagt, dass ich so etwas öfter machen muss. Es ist zwar sehr stressig und man muss viel organisieren, aber es war eine tolle Abwechslung. Obwohl ich seit Jahren singe, ist das Singen im Studio etwas komplett anderes, als auf der Bühne. Ungewohnt beim Einsingen waren die Kopfhörer. Es war ein komisches Gefühl sich selbst so intensiv und direkt zu hören. Teilweise wurde ich zu vorsichtig und es war ein intensiver Arbeitsprozess, bis die Lieder so klangen, wie sie sein sollten.“

Was erwartet die Hörer auf deinem ersten Soloalbum „Amateur“?

„Insgesamt sind sechs neue Songs auf der CD zu hören. Die Lieder sind catchy und die Texte sind sehr eingängig. Es sind richtige Ohrwürmer und so muss ich seither ständig meine eigenen Leider singen und summen. Es gibt zwei Songs die etwas nachdenklicher sind die anderen sind sehr lebensfroh und melodisch.“

Warum hast Du Deinem Album den Titel „Amateur“ gegeben? In Sachen Gesang bist Du doch Profi.“

„Beim Albumtitel „Amateur“ war ich zuerst kurz skeptisch und dachte mir: ‚Was ist, wenn die Leute denken, dass es eine Amateur-CD ist und die Platte nicht gekauft wird?‘ Doch ein Song auf dem Album heißt ‚Amateur‘ und die Textzeile daraus spricht mich sehr an. Obwohl ich im Musicalbereich ein Vollprofi bin gibt es zum Beispiel im Privat- und Gefühlsleben Dinge, bei denen jeder von uns ein Amateur ist. Außerdem wollte ich nichts was typisch ist und was zu kitschig oder geschwollen klingt.“

Aus den Rollen in ELISABETH und MARY POPPINS kennen wir Dich als sehr strenge und akkurate Frau. Auf dem Cover von „Amateur“ bist Du wie aus dem Leben gerissen. Gibt es eine Geschichte zu diesem Foto?“

„Die CD ist sehr locker und entspannt und so sollten auch die Fotos sein. Ich wollte etwas Pures und Schlichtes, etwas das nicht gestellt wirkt und bei der sich die Künstlerin nicht inszeniert. So bin ich einfach mit dem Fotograf durch Wien gegangen und er hat viele Schüsse geknipst. Das Bild soll, wie die CD, Lebensfreunde ausdrücken. Ich wollte alles aus Spaß tun und es einfach genießen.“

© Jan Frankl

© Jan Frankl

Welche musikalischen Vorbilder hast Du außerhalb der Musicalszene?

„Da gibt es Viele. Popsängerin Emily Sande gefällt mir momentan sehr gut. Auch Adele mag ich gerne und ich liebe Beyonce. Singer Songwriter Melissa Polinar finde ich total klasse. Eventuell mache ich für mein nächstes Album einen Cover Song von ihr.“

Wie auf Deiner Facebookseite zu sehen war, hast Du Dich in Kopenhagen aufgehalten. Was hast Du dort gemacht?

„Bevor ich von der Verlängerung von MARY POPPINS erfahren habe, habe ich beschlossen eine Ausbildung zur Gesangslehrerin am CVT (A.d.R. Complete Vocal Training) in Kopenhagen zu absolvieren. Wie das Leben so spielt wurde MARY POPPINS, kurz nach der Anmeldung für die dreijährige Ausbildung, verlängert. Während den Seminarterminen bin ich dann nicht als Mary Poppins auf der Bühne im Wiener Ronacher zu sehen. Dennoch bin ich froh, dass ich das parallel machen kann.“

Das heißt Du willst nach Deiner Musicalkarriere als Gesangslehrerin arbeiten?

„Nach Abschluss der Schule bin ich diplomierte Gesangslehrerin und möchte dann nebenher – sozusagen als zweites Standbein – auch unterrichten. Die Workshops sind darauf ausgerichtet alle Altersklassen in Gesang zu unterrichten, was ich in Zukunft auch machen möchte. Es macht mir sehr viel Spaß anderen Menschen Singen beizubringen und das tolle dabei ist, dass ich selbst dabei noch so viel lernen kann: Einerseits durch Wiederholung und andererseits durch neue Sichtweisen die jeder Schüler mitbringt.“

Du hast in den vergangenen Jahren so viele Traumrollen gespielt – Gibt es noch eine Figur, die Du unbedingt verkörpern möchtest?

„Es gibt viel, dass ich noch machen möchte. Gerne würde ich die Elphaba Thropp in WICKED – DIE HEXEN VON OZ spielen. Da ich aber hierfür leider nicht der Typ bin, kann ich mir das sicher in die Haare schmieren. Genauso bei NATÜRLICH BLOND. Aber auch LAST FIVE YEARS, GHOST oder NEXT TO NORMAL, faszinieren mich. Es gibt viele interessante Projekte, aber ich habe bisher so viel Glück gehabt und lasse es momentan mehr auf mich zukommen. Derzeit genieße ich nur die Zeit bei MARY POPPINS und mache mir wenig Gedanken über die Zukunft. Langweilig wird mir nie.“

 © Deen van Meer

© Deen van Meer

In MARY POPPINS hast Du fliegen gelernt und schwebst schließlich über die Köpfe der Zuschauer. Für viele ist das ein Gänsehautmoment. Bei welchem Musical bekommst Du bei welchem Lied Gänsehaut?“

„Das ist schwierig, weil ich viele solcher schönen Momente habe. Aktuell finde ich bei EVITA die Orchestrierung faszinierend. In der Szene, wenn Evita nicht zur Beerdigung ihres Vaters eingeladen ist, singt Tangosänger Agustin Magaldi: If you were rich or middle class…‘ Dann unterbricht Evita ihn, die Musik stoppt und singt: ‚Screw the middle classes! / I will never accept them! / My father's other family were middle class. / And we were kept out of sight, hidden from view at his funeral.’ Diesen Moment finde ich besonders stark. Ich freue mich schon total auf das Musical wenn es nächstes Jahr nach Wien kommt.“

Du kommst aus den Niederlanden. Wie bist Du nach Wien gekommen?

„Nach der Tour-Produktion von ELISABETH fanden 2012 die Auditions für die Wiener Ensuite-Produktion von ELISABETH im Raimund Theater statt. Schon oft habe ich geträumt einmal die ELISABETH in Wien spielen zu können. Schließlich habe ich die Rolle bekommen und war total happy.”

Hast Du Dich in Wien inzwischen eingelebt?

„Bereits bei der Wohnungssuche hat mir mein Freund, der Wiener ist, die schönsten Plätze und Ecken der Stadt gezeigt und von da an wuchs meine Liebe zu Wien von Tag zu Tag. Ich genieße hier das Lebensgefühl: Die Kombination von Klassischem und Altmodischem mit der lockeren Lebensweise der Menschen gefällt mir sehr. Oft bin ich in den Parks der Stadt oder treffe mich mit Freunden um mit ihnen zusammensitzen und über Gott und die Welt zu sprechen. Nach so einem Treffen kann ich auf dem Heimweg förmlich die Geschichte der Stadt, schon alleine durch die tolle Architektur, spüren. Darüber hinaus hat Wien so viel zu bieten und es wird einem nie langweilig. Ich denke heute noch oft: „Ist das geil hier“. Sehr gut gefällt mir auch die Region um die Donau, wo man auf verschiedene Kulturen trifft. Alle reden zusammen, spielen oder grillen.“

Was ist das besondere an Wien und warum sollte jeder einmal nach Wien kommen und sich ein Musical anschauen?

„Wien atmet Kultur und Geschichte deshalb sollte jeder einmal hierher kommen und natürlich auch ein Musical besuchen. Klassische Musik und die berühmten Komponisten sind in dieser Stadt allgegenwärtig. Es gibt so viele Theater in der Stadt und die Kinder werden schon früh an die Theaterbesuche gewöhnt. Obwohl die Musicals ziemlich modern sind, sind sie doch auch Teil der Wiener Musikgeschichte und Kultur. Die Akzeptanz der Musicals steigt zudem von Jahr zu Jahr.“

Du machst eine Ausbildung zur Gesangslehrerin, stehst als MARY POPPINS auf der Bühne und hast eine eigene Solo-CD produziert. Wie entspannst Du Dich?

„Ich fahre bei jedem Wetter Fahrrad und wunder mich wenn andere nicht so gut Fahrradfahren können. Als Niederländerin habe ich das quasi mit in die Wiege bekommen. Leider wurde mir mein Fahrrad in Wien schon zwei Mal gestohlen. Momentan habe ich ein Mountainbike mit dem ich gerne auch mehrere Stunden ohne geplante Route durch die Stadt fahre und so immer wieder interessante, neue Ecken entdecke. Das wirkt oft sehr entspannend und meditativ auf mich. Ich ärger mich nur manchmal über die Taxifahrer, die die Radfahrer oft ignorieren. Insgesamt ist Wien sehr fahrradfreundlich, auch wenn es noch Ausbaupotential gibt.“

© Jan Frankl

© Jan Frankl

Du singst in vielen Sprachen und hast ELISABETH schon auf Niederländisch, Deutsch und Englisch gesungen. Worin bestehen die Schwierigkeiten?

„Während meiner Ausbildung habe ich die Rolle auf Niederländisch gesungen. Ich habe “Ich gehör nur mir” auch auf Italienisch gelernt. Nach der Hälfte habe ich aber aufgehört, weil ich Angst vor einem Blackout auf der Bühne hatte. Besonders schwer ist mir anfangs die deutsche Aussprache gefallen. Als Niederländerin glaubt man alles deutlich aussprechen zu müssen und das ist nicht immer leicht und ich hatte auch hier Angst vor Blackouts. Oft stand ich in Stuttgart als Cover Elisabeth auf dem Podest und habe mich gefragt „Was ist mein erster Satz? Ich habe keine Ahnung.“

Hattest Du denn jemals einen Blackout?

„Nicht direkt einen Blackout, aber nachdem ich dann jahrelang die Rolle auf Deutsch gesungen habe, kam die Show nach Antwerpen und ich sollte spontan für eine Vorstellung einspringen. Auf der Bühne habe ich dann die Hälfte der Kollegen aus den deutschsprachigen Inszenierungen wiedergesehen. In den Niederlanden sprachen sie nun aber flämisch und vor lauter Verwirrung habe ich dann ausversehen einige Wörter deutsch gesprochen.“

Was willst Du unseren Lesern von Musical1 zum Abschluss unbedingt noch mitteilen?

„Ich freue mich wahnsinnig, dass es so viele Leute gibt die Musicals so sehr lieben. Ich schätze es extrem von allen Seiten so unterstützt zu werden und dass ein so enorm großes Interesse am Thema Musical besteht. Ich bin teilwiese immer noch überrascht, dass meine Arbeit, die mir große Freude bereitet, auch anderen so gut gefällt. Dafür wollte ich mich auch einmal bedanken.“

Kategorie: Interviews

Tags:

Autor: M. Sommerfeld (15.09.2015)

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