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HIGHWAY TO HELLAS: Uraufführung bei den Gandersheimer Domfestspielen

Erst im Jahr 2014 erschien der Roman HIGHWAY TO HELLAS, der beiden Autoren und Kabarettisten Arnd Schimkat und Moses Wolff in den Buchläden. Knapp ein Jahr später feierte die Romanverfilmung bereits seine Kinopremiere mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle. Diesen Sommer erobert dieser Stoff bei den Gandersheimer Domfestspielen die Musicalbühne. Musical1 hat sich die Vorstellung am 25. Juni für Sie angesehen.

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Gruppenfoto ©Hillebrecht/Die Foto-Maus

Sommermusical als Eigenproduktion

HIGHWAY TO HELLAS erzählt die Geschichte des Bankers Jörg Geissner. Er reist im Namen seiner Bank nach Paladiki – eine kleine, griechische Insel – um dort zu beweisen, dass das Geld aus dem gewährten Kredit, nicht in die Errichtung eines E-Werks und einer Krankenstation geflossen ist, sondern anderweitig ausgegeben wurde. Bereits bei der Ankunft auf der kleinen, sonnenverwöhnten Insel wird klar, hier ticken die Uhren ein bisschen anders und der Schnüffler aus Deutschland ist alles andere als erwünscht (Song: Die Deutschen kommen).

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

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Die Insel Bewohner versuchen dem Banker auf jede erdenkliche Art und Weise Steine in den Weg zulegen und ihn somit von seinem Vorhaben abzulenken.

Regenschauer lässt um die Vorstellung bangen

Die Bezeichnung Sommermusical lässt auf einen warmen, milden Sommerabend hoffen, doch der Himmel über Bad Gandersheim lässt die Verantwortlichen und das Publikum zittern. Gut eine Stunde vor Vorstellungsbeginn fing es an zu regen. Bereits am 12. Juni musste eine Vorstellung wegen des Wetters abgebrochen werden. Immer wieder blicken die Darsteller besorgt aus dem Fenster und hoffen, dass die Vorstellung am 25. Juni nicht das gleiche Schicksal ereilt.

Über Lautsprecheransagen des Pressesprechers wurden die Gäste regelmäßig über die aktuelle Lage informiert. Zur Erleichterung aller zog das Regenband über Bad Gandersheim weg und der Einlass konnte etwas später beginnen. Mit knapp 25 Minuten Verspätung begann an diesem Abend die Vorstellung auf der Bühne, die in Windeseile von vielen Mitarbeitern der Domfestspiele „trocken gelegt“ wurde.

Ein Feuerwerk der Klischees

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

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Der Roman, so sagen die Autoren im Programmheft, entstand vor dem Hintergrund der Griechenlandkrise, mit dem Ziel, den Fokus wieder auf die Menschen zu legen und sich von den wirtschaftlichen Aspekten zu lösen. So treffen in HIGHWAY TO HELLAS zwei Mentalitäten aufeinander, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Die entspannten Griechen treffen auf den Klischee Deutschen.

Jörg Geissner alias Dirk Weiler

Zu den Hauptrollen dieses Musicals gehört ohne Frage Jörg Geissner, der wohl jedes noch so kleine Klischee eines Deutschen erfüllt. Er sucht mit seinem Handynavi nach dem Hotel, besprüht sein Bett zu allererst mit Desinfektionsmittel und ist der Workaholic schlecht hin, der sich mehr als einmal von seinem Chef unter Druck setzen lässt. Dirk Weiler, der diese Rolle in Bad Gandersheim verkörpert, überzeugt auf ganzer Linie. Allein seine Gesichtsakrobatik treibt einem die Lachtränen in die Augen.

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

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Der Charakter des Jörg Geissners wandelt sich im Laufe des Abends vom gefrusteten Bankangestellten zu einem Mann, der beginnt sein Leben zu genießen. Immer mehr lässt er sich von der Mentalität der Griechen packen und verliebt sich letztendlich sogar in eine Inselbewohnerin. Aus dem Mann, der gerade mal drei Kontakte in seinem Handy hat, macht die kleine Insel Paladiki einen Mann mit Freuden. Einen Umbruch des Charakters, den Dirk Weiler sichtbar macht. Er schafft es, dass man mit Jörg Geissner mitfühlt und ihn versteht.

Freundschaft ist eines der zentralen Themen in HIGHWAY TO HELLAS. Besonders deutlich wird dies in dem Lied zu Geissners vermeintlicher Abreise: „Freunde sind die Zeugen deines Lichts. Freunde, hast du Freunde fehlt dir nichts. Freunde setzten dir nie eine Frist, Freunde mögen dich so wie du bist“. Einer der Ohrwürmer dieser Produktion und mit Sicherheit ein emotionales Highlight.

Ron Holzschuh als bester Freund

Ron Holzschuh als Panos, ist der Minimarktbesitzer und Playboy der Insel, vor dem keine (junge) Touristin sicher ist. Er gibt den Lebemann mit einer solchen Leichtigkeit, dass man glatt vergisst, dass er hier nur eine Rolle spielt. Genau wie die Rolle des Jörg Geissner entwickelt sich auch diese Rolle weiter.

Ist er zu Beginn nur der Playboy, der sein Leben ganz nach dem griechischen Motto „Siga, Siga“ (griech. „Immer mit der Ruhe“ und darüber hinaus ein Song des Musicals) führt, wird er – ganz im Sinne des diesjährigen Mottos der Domfestspiele – im Laufe des Stückes „erwachsen“. Er erkennt, dass er Verantwortung für seinen Sohn zu tragen hat. Diesen Wandel arbeitet Holzschuh, gemeinsam mit Nicholai Schwab (in der Rolle seines Sohns) heraus. Ob sich auch die Beziehung zu Maria – kraftvoll verkörpert von Tabea Scholz – verändert, oder Sie gar wieder zusammenfinden, bleibt offen.

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

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Insgesamt eine treffende Besetzung

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

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Neben den vermeintlich zentralen Charakteren Jörg Geissner und Panos, zeigen alle Darsteller an diesem Abend was sie können – sowohl gesanglich als auch schauspielerisch. Egal, ob Udo Eickelmann in der Rolle des Bürgermeisters Spyros, Franziska Schuster und Laura Joeken als Touristinnen mit berliner Akzent, Susanna Panzner als Krankenschwester Eleni oder Christine Dorner, die ihrem Angestellten Jörg Geissner mit Anrufen terrorisiert. Eigentlich immer im Doppelpack nimmt man Daniel Ris und Wolfgang Grindemann wahr. Als pensionierte Griechen führen die beiden durch das Stück und mimen die Erzähler, die auch immer wieder einen neuen Tag einläuten, sodass man ein Zeitgefühl innerhalb der Geschichte bekommt. Als wahrer Allrounder zeigt sich Fehmi Göklü: ob als Ziege, Pelagos der Esel, eine griechische Muse oder auch Dr. Yannis – er beherrscht sie alle und sorgt so wohl für die meisten Lacher. Gesanglich hätte man von dem ein oder anderen gerne mehr gehört.

Zwei Stunden Griechenlandurlaub

Die Melodien von Heiko Lippmann sind eingängig und verbreiten, wie auch die Choreografien von Marc Bollmeyer, puren Griechenlandflair. Was die Gestaltung der Bühne angeht, setzt Cornelia Brey auf zwei Holzwände, welche die ein typisches griechisches Dorf zeigen, wie man es von der Urlaubspost kennt. Durch die verschiedenen Luken in den Wänden, wird das Bühnenbild lebendig und wandelbar. Ein Bett dient als Hotelzimmer, ein paar Tische werden zur Taverne und ein Postkartenständer vor einem Fenster der zum Minimarkt. Ein Musical mit viel Witz und Urlaubsflair, das zuerst wie leichte Kost wirkt, doch je länger man sich mit der Geschichte auseinandersetzt, desto mehr kann man daraus mitnehmen. Auf jeden Fall einen Besuch wert und eine ideale Freilichtproduktion.
Weitere Termine finden Sie in unserem Musical1-Premierenkalender. Tickets gibt es online oder telefonisch bei dem Gandersheimer Domfestspiel.

Kategorie: Allgemein,Kritiken,Open Air

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Autor: K. Heinen (30.06.2016)

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