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Hanussen – vieles ist wahr, aber manches eben auch nicht

Ein kleines aber feines Theater in Berlin feierte am 2. September die Premiere des musikalischen Bühnenstückes HANUSSEN. Wir haben uns in die Welt der Hellseherei, der Magie und dem Balanceakt zwischen Schein und Sein begeben. Wir waren gefangen vom SEIN dieses wirklich gelungenen Stückes.

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Hanussen
Hanussen Kleines Theater ©Kleines-Theater

HANUSSEN “wieder” in Berlin – Schein oder Sein

Das KLEINE THEATER am Südwestkorso ist ein klassisches Kammertheater und fungiert seit 40 Jahren als Berliner Erstaufführungsbühne. Alle Stücke im Spielplan sind noch nie zuvor in Berlin gezeigt worden. Tatsächlich sind ein großer Teil sogar Uraufführungen. Das Theater lebt das Motto Biographien. Somit werden Leben und Lebensabschnitte berühmter oder fiktiver Figuren als Schauspiel oder musikalische Produktion zum Leben erweckt.

Saisonstart 2016/2017 mit magischem Flair

Am 2. September 2016 hatte das musikalische Bühnenstück HANUSSEN seine Premiere. Das 4-Personenstück mit musikalischer Livebegleitung erzählt das Leben von Erik Jan Hanussen, einer durchaus bekannten Persönlichkeit seiner Zeit, die zu faszinieren wußte, aber auch polarisierte.

Ein Erlebnis der anderen besonderen Art

Schon beim Betreten des Theaters war uns klar, das wird ein besonderer Abend. Der kleine Theatersaal mit gerade einmal 99 Plätzen sowie einer kleinen Bar im hinteren Teil des Zuschauerraums hat etwas von intimer Wohnzimmeratmosphäre. Jeder Zuschauer würde direkt am Geschehen teilhaben können und immer mitten drin sein.

Was würde uns heute hier erwarten? Wer oder was war Erik Jan Hanussen?

Erik Jan Hanussen, der eigentlich Hermann Chajm Steinschneider (*1889, ✝ 1933) hieß, Österreicher war, aber vorgab aus Dänemark zu stammen, war unter anderem als „Hellseher“ und Trickkünstler bekannt. Er gehörte zu den schillerndsten Personen in der Zeit der Weimarer Republik.

Dabei begann seine Karriere recht einfach und unspektakulär als Boulevard-Reporter in Wien, als Kunstreiter und Reckakkrobat im „Grand Zirkus Oriental“. Erste mysteriöse Aufmerksamkeit erlangte er als Wünschelrutengänger in der k.u.k.-Armee im Ersten Weltkrieg und zuletzt als Hellseher in seinem Palast des Okkultismus in Berlin.

Erik Jan Hanussen, hervorragend gespielt von Maximilian Nowka, war ein Gauner und Gentlemen der besonderen Art. Man sagte ihm nach, es wäre ihm immer gelungen, die Menschen um sich herum und die Öffentlichkeit in seinen Bann zu ziehen.

Dies, soviel sei vorab verraten, ist auch Maximilian Nowka in jeder Hinsicht gelungen.

… vieles ist wahr, aber manches eben auch nicht!

Gleich zu Beginn wird das geneigte Publikum darauf hingewiesen, dass vieles, was wir sehen und hören werden, so geschehen sei und wahr ist, einiges aber eben auch nicht.

Irgendwie blieb diese musikalische Aussage den ganzen Abend im Ohr.

Ein erstes kollektives Experiment unter Anleitung „Hanussens“ soll das Publikum animieren, sich auf einen experimentellen Abend einzulassen. Wir raten jedem: Mitmachen! Einfach mal mitmachen!

Für Buch und Regie des musikalische Bühnenwerks ist Knut Gminder verantwortlich, Komposition und musikalische Leitung liegen bei Matthias Binner. Das Stück orientiert sich schelmenhaft und frei an Hanussens mitunter von sehr zweifelhaften Fakten durchzogener Autobiografie (“Meine Lebenslinie” von Erik Jan Hanussen).

Ein Bühnenbild im herkömmlichen Sinne gibt es nicht. Eine eher schmucklose kleine Bühne mit 6 – 8 robusten Holzkisten, welche sich im Laufe des Abends einfach umfunktionieren lassen in eine Hotelzimmerausstattung, Tresen mit Barhocker, Gerichtssaalausstattung und Einiges mehr. Dann noch ein knallroter Bühnenvorhang.

Das Ein- Mann-Orchester übernimmt hier der Komponist Matthias Binner höchstpersönlich. Außer Maximilian Nowka, der über den gesamten Abend Hannussen verkörperte, haben Juliane Maria Wolff, Boris Freytag und Patrick Rupar ständig wechselnde Charaktere darzustellen und setzen somit die bedeutendsten Zeitabschnitte im Leben des Erik Jan Hanussen mit in Szene.

Zeitabschnitte werden geschickt getrennt und dem Zuschauer nachvollziehbar und verständlich dargeboten

Zwischen den einzelnen Episoden wird das Publikum von Hanussen selbst immer wieder in diesen einzigartigen Bann der Magie gezogen. Annährend hypnotische Monologe lassen fast gar nichts anderes zu, als an seinen Lippen zu hängen und sich vom durchdringenden Strahlen seiner perfekt ausgeleuchteten blauen Augen gefangen nehmen zu lassen. Maximilian Nowka bietet hier eine einzigartige darstellerische Leistung.

Unschwer für den Zuschauer zu bemerken ist die Tatsache, dass Hanussen eine unnachahmliche Anziehungskraft auf das weibliche Geschlecht ausübte – und dies auch ausnutzte! Spätestens, wenn eine weitere Schöne seine Bahnen kreuzte, die er schlichtweg alle Martha nannte (I – IV Juliane Maria Wolff), war klar, wir haben einen weiteren Lebensabschnitt Hanussens erreicht.

Überzeugend und mit viel darstellerischem Vermögen und wunderbaren musikalischen Stücken verkörperte Juliane Maria Wolff die „Damen“ in Hanussens Leben.

Die perfekte Illusion entsteht durch schauspielerische Glanzleistung

Angefangen von überzeugenden hellseherischen Gebärden, kleinen magischen Kunststücken, anspruchsvollen Texten, eindringliche wie aufrührende Monologe … all das läßt die perfekte Illusion entstehen. Maximilian Nowka IST Jan Erik Hanussen!

Maximilian Nowka

©Kleines-Theater

Das Einbeziehen des Publikums in verschiedene Präsentationen seiner Fähigkeiten gab dem ganzen Abend noch zusätzlich ein spezielles Flair. Nicht nur die Art der Sprache, welche sehr akzentuiert dargeboten wird, auch wie das Publikum involviert wird, unterstreicht eine gewisse Authentizität der Darstellung, der beiden Aspekte von Wahrnehmung, unmittelbarem Schein und eigentlichem Sein. Wir empfanden eine brilliante Übereinstimmung mit dem „Original“ sowohl in der Person, als auch im Spiel von Maximilian Nowka.

Nicht alle angesprochenen Zuschauer, die dem Magier zur Hand gehen sollten, waren von seinem Ansinnen begeistert. Einigen schien seine Bitte auf die Bühne zu kommen wohl nicht ganz geheuer. Aber niemand muss Angst haben, die erbetene Mitwirkung ist völlig harmlos. Wir können nur jedem Besucher des Stückes raten, sich auf ein bißchen Hokuspokus und Magie einzulassen. Die Spielfreude aller Darsteller steigert sich mit den positiven Reaktionen des Publikums merklich und läßt alle einen außergewöhnlichen Abend erleben.

Vier Darsteller für eine Biographie

Patrick Rupar wechselt nur einmal im Stück seine Identität, Juliane Maria Wolf sieben Mal, einfach wunderbar anzusehen! Boris Freytag schlüpft in 12 verschiedene Charaktere mit fast ebenso vielen unterschiedlichen Dialekten – einmalig!

Wir erlebten ein Darstellerteam, das sein „Handwerk“ versteht, und es war uns eine Freude und ein Genuss, ihnen durch das Stück zu folgen, uns in Magie entführen zu lassen, und ihnen den wohlverdienten Applaus zukommen zu lassen.

Abschließend dürfen wir sagen, es ist ja kein Geheimnis, dass Erik Jan Hanussen nicht ganz so glamourös und freiwillig die Bühne „seiner“ Zeit verlassen hat. Wie diese Tatsache auf der Bühne umgesetzt wird, möchten wir hier nicht verraten.

Alles ohne doppelten Boden

Mit einem Schmunzeln auf den Lippen entleihen wir uns mit freundlicher Genehmigung des Kleinen Theaters am Südwestcorso unser Abschlußwort:

“Hanussen benötigt zu Demonstration seiner okkulten Fähigkeiten keine (!!!) eingeweihten Zuschauer. Sie hätten ihn als Zeugen vor Gericht des Hellsehschwindels überführen können. Das Kleine Theater will seine wertvollen Sitzplätze nicht mit Schauspielern und Eingeweihten  besetzen. Deshalb ist auch unser Hanussen gezwungen, seine Wunder wirklich wahrhaftig und ohne Absprachen zu vollbringen.”

Eine gelungene Aufführung, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Jeder, der Spaß und Interesse hat, sich auch einmal abseits der „großen“ Aufführungen in dieser Stadt einen wunderbaren musikalischen Theatergenuss zu gönnen, sollte einen der noch anstehenden Spieltermine in seinem Kalender fest einplanen und dabei bedenken!–

…. vieles ist wahr, aber manches eben auch nicht!

Tickets gibt es über das Kleine Theater.

Kategorie: Kritiken,Stadttheater,Theater Eigenproduktionen

Tags:

Autor: I. Marquardt (05.09.2016)

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