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Gutes Wetter beim Premierenklamauk in Tecklenburg

Sich rivalisierende Brüder, zwei Liebesgeschichten und ein tuntiger Diego: „Zorro“ feiert als großer Klamauk seine Premiere auf der Tecklenburger Freilichtbühne: Die namhafte Cast präsentierte sich stimmgewaltig, das Wetter premierentauglich. Warum unsere Redakteurin trotz gutem Wetter und namhafter Besetzung nicht in Begeisterungsstürme ausbricht lesen Sie im Bericht.

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Ensemble Zorro bei der Freilichtbühne Tecklenburg 2015
Zorro-Emsemble Tecklenburg © Ulrich Niedenzu

Bis zum frühen Nachmittag waren graue Wolken zu sehen, teilweise schüttete es aus Kübeln. Doch ab dem Nachmittag klarte es auf und die Premiere von „Zorro“ in Tecklenburg konnte bei trockenen Wetter stattfinden! Gespannt saß unsere Redakteurin inmitten des Publikums und wartete auf die eigentlich spannende Geschichte des Fuchses (span.: el Zorro).

Das Leben des Diego

Diego ist der jüngere Sohn des Alkalde Alejandro. Sein älterer Bruder Ramon hat Ambitionen seinem Vater als Anführer nachzukommen. Der Alkalde beschließt jedoch Diego zu seinem Nachkommen, wohingegen Ramon „nur“ der Oberbefehlshaber des Militärs werden soll. Während Ramon eifersüchtig auf Diego ist und in Los Angeles bleiben muss, wird dieser nach Madrid fahren, um dort ausgebildet zu werden. Diego beendet seine Ausbildung jedoch nicht, sondern bricht sie ab um sich einer Truppe von Roma anzuschließen und das Leben als Straßensänger und Gaukler genießen. Jahre später kommt Luisa, die Jugendfreundin Diegos, nach Madrid, um diesen zu suchen – Alejandro ist gestorben und Ramon hat sich selbst zum Herrscher ernannt und unterdrückt nun das Volk. Gemeinsam mit seiner Gauklertruppe kehrt Diego heim nach Los Angeles. Von seinem tyrannischen Bruder unbemerkt, erkundet Diego seine Heimat und stellt fest, zu welch grausamen Herrscher Ramon sich entwickelt hat: So sollen drei Männer hingerichtet werden, weil sie etwas Getreide versteckt hatten. Diego beschließt, etwas gegen diese Ungerechtigkeit zu tun und verkleidet sich mit Maske und schwarzem Umhang, und befreit diese. Der unbekannt mit der Maske wird zum Helden und bekommt den Namen „El Zorro“ (dt: der Fuchs). Während sich Luisa in Zorro verliebt, unterwirft sich Diego listig seinem Bruder, um dessen Vertrauen zu gewinnen und ihn so zu beeinflussen. Als Zorro gelingt es ihm Ramon zu demütigen, indem er ihm ein „Z“ in die Brust ritzt – der Mann mit der Maske wird zum Volkshelden. Schließlich erfährt Diego, dass sein geliebter Vater gar nicht tot ist, sondern von Ramon gefangen gehalten wird. Als Ramon dann auch noch Diegos Freundin Inez erschießt und Luisa zur Heirat zwingt, muss Zorro etwas unternehmen…

 Komödiantische Umsetzung

Blauer Himmel, Vogelgezwitscher, der junge Ramon liegt auf einem roten Cape mitten auf der Bühne. Aus dem Off erklingt Reinhard Brussmanns Stimme, die einem Gänsehaut beschert und singt ein Wiegenlied. Der Beginn von „Zorro“ war vielversprechend.

So eindrucksvoll Brussmann sein Lied auch singt, so schnell ist dies leider auch vorbei. Im ersten Akt ist Brussmann nur noch einmal als Schiffskapitän auf der Bühne zu sehen. Erst Ende des zweiten Akts agiert er wiederum kurz als Alejandro.

Kinderdarsteller stellen dem Zuschauer zunächst die drei Hauptcharaktere vor: den netten, pfiffigen, lebensfrohen Diego und seinen älteren, selbstsicheren Bruder Ramon, sowie ihre energische Ziehschwester Luisa und deren stummen Bruder Bernardo. Sehr schnell wird klar, dass Ramon, als ältester Sohn des Alkalde, Ambitionen hat, zukünftig dessen Nachfolge anzutreten. Diego hingegen scheint der lebensfrohe Junge, der das Leben genießen will. Der Konflikt zwischen den beiden Brüdern wird veranschaulicht – sie streiten wild, bevor Alejandro selbst entscheidet, dass Diego sein Nachfolger werden wird und schickt mit Bernardo zusammen nach Madrid, um an der dortigen Akademie ausgebildet zu werden.

Der junge Diego erklärt sicher, dass er nicht mit der Entscheidung des Vaters einverstanden ist und auch nicht nach Spanien ginge. In einem grausamen Wechsel erscheint plötzlich der „alte“ Diego (Armin Kahl). Im rot-grünen Kostüm und zu spanischen Klängen, erklärt er lebensfroh seine Liebe zu Spanien. Es ist offensichtlich, dass aus Diego kein Heerführer geworden ist, sondern er sich der Straßensängertruppe um die Roma Inez (Patricia Meeden) angeschlossen hat und das freie Leben in vollen Zügen genießt. Kahl zeigt deutliche Spielfreude und mit spanischen Rhythmen wird dem Publikum eingeheizt.

Luisa (Maxine Kazis) erscheint auf der Bildfläche, um Diego von den Entwicklungen in seiner Heimat zu berichten und ihn aufzufordern, heimzukehren um Ramon zu stoppen. Dialoge und Lieder plätschern vor sich hin, bis Luisa Diego schließlich dazu bewegen kann, heimzukehren. Inez schließt sich mit einigen Freunden an. Im Gegensatz zu den prächtigen, grün-roten Samt- Seidenkostümen der Spanier, verdeutlichen die schlichten weißen Leinenkleidung der Kalifornier das Elend und die Not, in der diese sich befinden (Kostüme – Karin Alberti). Inszenatorisch (Regie – Ulrich Wiggers) geschickt gemacht, befindet sich Diego nicht bei den Ankömmlingen, die die Brücke des „Schiffes“ hinuntergehen. Er sitzt, für das Publikum noch nicht zu erkennen, mit übergroßem Sombrero auf dem Kopf auf der Balustrade und beschaut sich die Vorgänge im Hafen.

El Zorro oder El Puma

Eine Wendung erhält die Inszenierung in dem Moment, in dem sich Diego darüber klar wird, zu welch grausamen, tyrannischen Statthalten Ramon (Kasper Holmboe) geworden ist. Er entscheidet sich dazu, Ramon von zwei Seiten anzugreifen: zum Einen kehrt er als tuntiger, schleimender und Ramon ergebener Bruder Diego zurück, gekleidet mit rotem Samtkostüm und Federhut. Zum Anderen verkleidet er sich und wird mit schwarzem Umgang und Maske zum Unbekannten Rächer. Unnötiger Weise wird ab diesem Augenblick (zu) oft wiederholt, dass Diego doch sein rotes Cape viel lieber tragen würde und Inez dies entsorgt hat. Nachdem der Maskierte unschuldige Männer vor der Hinrichtung befreit hat und sich ansehnliche Fechtkämpfe mit den Soldaten Ramons geliefert hat, wird er zum Volkshelden. Inez und ihre Truppe verbreiten einen Namen für den listigen Rächer – El Zorro (dt: der Fuchs). Übertrieben lang und in vielen Szenen wiederholt muss Diego darauf verweisen, dass er doch eigentlich El Puma heißen will. Auch wenn das Premierenpublikum die vielen Wiederholungen und flachen Phrasen belächeln, erscheint es fraglich, warum das Buch diese Albernheiten in der gezeigten Fülle vorgibt. Ein ernsterer Umgang hätte dem Stück bestimmt nicht geschadet.

Namenhafte Besetzung

Meeden brilliert durch ihre aussagekräftige Stimme und ihr pointiertes Schauspiel. Die Rolle der Inez hat in ihren Dialogen jedoch vielfach einzig flache Kalauer und platte Phrasen, die sie bis zu ihrem Tod hin begleiten.

Kahl ist als Zorro durchaus überzeugend. Jedoch hat auch der dümmste im Publikum nach spätestens der dritten Wiederholung verstanden, dass er lieber mit einem Puma denn einem Fuchs verglichen werden würde. Warum er als Diego übertrieben tuntig spricht und spielt wird nicht klar. Diego als Schwächling gegenüber seinem Bruder anzulegen hätte zu einer weniger komödiantischen Fassung des Stückes beitragen können.

Seargent Garcia (Benjamin Eberling) ist seinem Anführer Ramon treu ergeben. Rollenmäßig geht Eberling leider unter: Seine Liebensbekundung an Inez ist zwar äußerst emotional, wird aber durch (allzu) häufige Forderung nach „noch einem Bier“ ins Lächerliche gezogen. Garcia dient am Ende nur noch dazu, Zorro zu befreien. Warum er letztlich in einer peinlich anmutenden Szene wild in die Luft ficht und „fürchtet euch vor dem `G`“ ruft, wird wohl ebenfalls unerklärlich bleiben.

Das Kampfszenen auf der Bühne einstudiert sind, ist nichts unbekanntes. So sind selbstverständlich auch die Fechtszenen (Choreografie: David Pellerin) bis aufs Letzte durchgeprobt und einstudiert. Alle Darsteller schlagen sich wacker und die Fechterei erscheint leichtfüßig und meist flüssig. Der Einbau einer „Slow-Motion-Fechterei“ hat jedoch im Verlauf des Abends jedoch nur den Eindruck einer komödiantischen Unterhaltung verstärkt, denn eine spannende und mitreißende Kampfszene erzeugt.

Holmboe als Ramon bleibt hinter den Erwartungen zurück. Er spielt einen übertrieben selbstverliebten und tyrannischen Herrscher. Einzig im gefühlvollen Duett der Hochzeit mit Luisa (Maxine Kazis) beeindruckt er nachhaltig und offenbart ein grandioses und gezieltes Schauspiel. Kazis spielt ebenfalls stark. Leider erscheinen ihre Lieder eintönig und sich ähnelnd.

Fraglich bleibt zudem, warum sie sich, im Bad von Zorro überrascht, all ihre Kleider reichen lässt, sich jedoch nur das Unterkleid anzieht und plötzlich offenbar auf der Straße hockend und von Inez beobachtet singt …

Besonders hervorzuheben ist vor allem das Damenensemble, dass die schleppende Handlung immer wieder durchbricht. Mit ihrem Freiheitslied und der dazugehörigen Tanzchoreografie (Kati Hildebrecht), reißen sie das gesamte Publikum mit und ernten kräftigen Applaus. Jede Szene, in der sie mitwirken sind harmonisch und beleben das Stück. Die Synchronität der Darstellerinnen ist zu betonen! Ähnlich verhält es sich mit dem Herrenensemble. Kritisch zu hinterfragen bleibt jedoch der Einsatz des STUMMEN Bernados. Zwar ist es wunderbar, wenn dieser auf der Bühne der Gitarre spanische Klänge entzaubert. Allerdings ist es höchst erstaunlich, dass dieselbe Person im selben Kostüm sich im Hintergrund mit Kollegen sichtbar unterhält oder plötzlich laut mitsingt …

Ebenfalls hervorzuheben ist der durchdachte Einsatz der Statisterie und des Chores der Freilichtbühne, der in jedem Fall unterstützend und nie zu überladen wirkte.

Die Tontechnik liefert am Premierenabend eine überzeugende Leistung ab – zumindest im ersten Teil ist alles stimmig. Nach der Pause hingegen werden Einsätze verpasst und zu Anfang bleiben einige Mikrofone der Herren auch ganz abgeschaltet. Die Lautstärkenregelung ist noch optimierungsfähig – insbesondere bei voller Bühne erschien die Musik gegenüber den Darstellern mehrfach zu laut. Das Orchester spielt die Melodien der Gipsy Kings unter Leitung von Klaus Hillebrecht schwungvoll auf. Pointiert wird sie teils auch mit Pyro-Effekten kombiniert. Insgesamt wird man von Klaus Hillebrecht und seinem Orchester mitgerissen.

Am Ende der Vorstellung bleibt eine Mischung aus ansprechenden Kostümen, tollen Tanzchoreografien und teilweise mitreißenden Liedern. Auf der anderen Seite jedoch auch unnötig viele Wiederholungen und Szenen, die einfach grausig daherkommen: Bspw. eine lange Beichtszene mit einem piepsigen Vater, der durch Zorro ausgetauscht wird und mit fahlen Wortwitzen (mein Vater – nein IHR mein Vater) unnötig in die Länge gezogen wird. Wer ein flapsiges Stück a la „Schuh des Manitu“ mit tuntigem Diego und (zu-) vielen, flachen Kalauern sehen will, wird begeistert sein. Das Publikum war am Samstagabend mehrheitlich angetan und es gab anhaltende, stehende Ovationen. Bis zum 21.08.2015 wird Zorro noch 17 mal auf der Freilichtbühne gegen Ramon kämpfen.

 Besetzung

Diego: Armin Kahl

Inez: Patricia Meeden

Luisa: Maxine Kazis

Ramon: Kasper Holmboe

Alejandro: Reinhard Brussmann

Garcia: Benjamin Eberling

Gipsy Prince: Zoltán Fekete

Gipsy Prince: Shane Dickson

Ensemble: Nils Haberstroh – Marco Herse Foti – Brett Hibberd – Andrew Hill – Tobias Joch – Mathias Meffert – Daniel Messmann – Anna Carina Buchegger – Marta Di Giulio – Theano Makariou – Luisa Mancarrella – Taryn Nelson – Marthe Römer – Silja Schenk – Celine Vogt

Kinder: Mortiz Worpenberg, Lukas Ziegeler, Jonathan Gurk, Claure Heinrich, Lyann Klein, Katja Rehorst

Orchester, Chor und Statisterie der Freilichtspiele Tecklenburg

Kreativteam

Regie: Ulrich Wiggers

Musikalische Leitung: Klaus Hillebrecht

Choreografie: Kati Heidebrecht

Kostüme: Karin Alberti

Bühnenbild: Susanna Buller

Maske: Stefan Becks

Fight Choreografie: David Pellerin

Fight Captain: Shane Dickson

Dance Captain: Zoltán Fekete

Kategorie: Kritiken,Open Air

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Autor: R. Imping (16.06.2015)

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