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DER GHETTO SWINGER: Ein Leben für die Musik

DER GHETTO SWINGER: Das ist Jazzlegende Coco Schumann, geboren 1924 in Berlin, als Jude erst nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz-Birkenau depotiert. Er überlebt den Zweiten Weltkrieg und macht danach als Jazzmusiker Karriere. Gil Mehmert inszeniert Coco Schumanns Leben am Theater am Kurfürstendamm Berlin als musikalisches Theaterstück. Gestern feierte DER GHETTO SWINGER Premiere. Musical1 war mit dabei.

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Der Ghetto Swinger Szene
Der Ghetto Swinger © Tino Crisó

Aus dem Leben des Coco Schumann

Rund 40 Jahre lang hat Coco Schumann über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg geschwiegen. Er wollte oder konnte nicht über seine Zeit in den Konzentrationslagern reden. Dann aber erzählte er seine Geschichte doch noch und verarbeitete sie zu einem Buch. Das dient als Grundlage für Gil Mehmerts Stück DER GHETTO SWINGER, das seit dem 13. April 2016 am Theater am Kurfürstendamm zu sehen ist, eine Koproduktion mit den Hamburger Kammerspielen (wir berichteten). Musical-Legende und Jazz-Lady Helen Schneider steht auf der Bühne, Konstantin Moreth gibt den Coco. Nur einer fehlte an diesem Abend: Der Jazzmusiker selbst, mittlerweile 91 Jahre alt, der leider aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Premiere kommen konnte.

Chronologisch, in kurzen Episoden erzählt DER GHETTO SWINGER Coco Schumanns Lebensgeschichte: Geboren am 14. Mai 1924 in Berlin als Heinz Jakob Schumann kam er früh mit Musik in Berührung. Seine Mutter Hedwig Schumann stammt aus einer großen jüdischen Familie, die in Berlin mehrere Friseursalons besaß. Der kleine Heinz dagegen wollte schon als Vierjähriger Musiker werden. Nach dem Schulabschluss arbeitete er tags als Klempner, in der Nacht besuchte der die Berliner Musikkneipen. Hier wurde der damals verbotene Jazz und Swing gespielt. In dieser Zeit erhält Heinz auch den Spitznamen Coco. 1939 erhält er sein erstes Engagement als Schlagzeuger, anschließend tritt er mit mehreren Kapellen am Olivaer Platz, in der Rosendiele und in der Rosita-Bar auf. Der erste Akt widmet sich diesen frühen Jahren. Während Coco den Jazz und den Swing für sich entdeckt, gewinnen die Nationalsozialisten an Macht – und verbieten schließlich die “nichtarische” Musik. Mit List und Glück schummelt Coco sich durch.

Spielen im KZ

Helen Schneider in Der Ghetto Swinger

© Tino Crisó

Im Jahr 1943 allerdings verlässt ihn das Glück. Wegen des Spielens verbotener Musik, der Weigerung den Judenstern zu tragen und der angeblichen Verführung “arischer” Frauen wird er verhaftet. Der zweite Akt setzt hier ein, erzählt von Cocos Zeit im Ghetto Theresienstadt, dieser grausamen Farce, das von den Nazis so genannte “jüdische Siedlungsgebiet”. Coco trifft hier auf andere Musiker und wird Mitglied der Jazzformation “Ghetto-Swingers”. 1944 wird Schumann ins Lager Auschwitz-Birkenau überstellt und Mitglied der dortigen Lagerkapelle. Er spielt für die Lagerältesten und buchstäblich um sein Leben. Er überlebt, ebenso seine Zeit in Dachau. Auf dem “Todesmarsch” nach Innsbruck wird er schließlich von Amerikanern befreit.

Emotionen mit schlichten Mitteln

Es ist ein Leben im Schnelldurchlauf, das hier auf der Bühne des Theaters am Kurfürstendamm zu sehen ist. In den richtigen Momenten hält das Stück dennoch inne, um die Wucht der Ereignisse auf das Publikum wirken zu lassen. Die Machtergreifung der Nazis zum satirischen Song “An allem sind die Juden schuld”, geflüstert vorgetragen von Helen Schneider, die Deportation nach Auschwitz: Das sind nur einige der Momente, die Gänsehaut erzeugen.

Schlichte Mittel und ein ebenso minimalistisches Bühnenbild (Ausstattung: Beatrice von Bomhard) reichen aus, um Emotionen zu erzeugen und um das Berlin der 1930er Jahre wieder aufleben zu lassen. Vor einem schwarzen Vorhang findet die Erzählung statt – dahinter befindet sich die Bühne, auf der Coco immer wieder mit der Band aufspielt. Es gibt kaum Requisiten, im Vordergrund steht eindeutig die Musik.

Helen Schneider gibt alle weiblichen Rollen, führt als Erzählerin durchs Stück, tritt als Cocos Mutter auf, als Fräulein Rosa, als Großmutter und als französische Freundin “Cherié”, die schließlich den Spitznamen Coco erfindet. Vor allem gesanglich überzeugt sie, ihre facettenreiche Stimme intoniert Klassiker wie Cole Porters “Night and Day”, den Swing-Titel “Minnie the Moocher” oder George Gershwins “I Got Rhythm”, der zur Erkennungsmelodie der “Ghetto-Swinger” wurde. Konstantin Moreth ist ein überzeugender Coco Schumann, dem das Unverständnis und später die Verzweiflung über die Geschehnisse anzusehen ist.

Es swingt und jazzt wieder in Berlin

Der Abend gehört aber vor allem der Musik – und hier gilt das große Lob den hochkarätigen Darstellern, die in mehreren Rollen und auch als Band brillieren:

  • Konstantin Moreth an der Gitarre und am Schlagzeug.
  • Robin Brosch am Kontrabass; er spielt auch Cocos Vater Alfred, Swing, Kurt Geron und Herrig
  • Christoph Tomanek an der Violine und als Lehrer, Swing, Aron, Streife, Wolfgang Mittler, Otto Sadler, Rahm, Mengele, Lagerältester, Rottenführer
  • Christoph Kähler am Schlagzeug und der Gitarre und als Cocos Onkel Arthur, Franta Goldschmidt, Lagerältester
  • Karsten Schnack am Akkordeon und der Posaune sowie als Buhlan, Kurt Maier, Jirka Taussig
  • Jonathan Wolters an der Klarinette und Gitarre sowie als Swing, Tullio Mobiglia, Fricek Weiss

Unter der musikalischen Abendspielleitung von Karsten Schnack (musikalische Vorbereitung: fischer) ensteht ein Liederabend, dessen letzter Akkord noch lange nachhallt.

DER GHETTO SWINGER ist noch bis zum 25. Mai 2016 am Theater am Kurfürstendamm Berlin zu sehen.

Tickets für DER GHETTO SWINGER
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Kategorie: Kritiken,Stadttheater,Theater Eigenproduktionen

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Autor: S. Gerdesmeier (14.04.2016)

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