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Gershwin for you: Magdeburg feiert Steppmusical

„Crazy for you – Das neue Gershwin-Musical“ feierte am letzten Wochenende seine Premiere in Magdeburg. Dirk Weiler als Bobby Child und Bettina Mönch als Polly Barker sind in den beiden Hauptrollen zu sehen. Die weitere Cast gehört dem Ballett und der Statisterie des Theaters Magdeburg an. Eine unserer Redakteurinnen war bei der Premiere am 14.02. dabei.

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© Nilz Böhme
Crazy for You – Theater Magdeburg © Nilz Böhme

Triviale Handlung, großartige Umsetzung

Mit dem 1930er Klassiker hat „Crazy for you“ nichts mehr gemein als die Musik, auch wenn „Girl Crazy“ als Ursprung des „Neuen Gershwin-Musicals“ gilt, wenn man dem erweiterten Titel glaubt. Der Plot des Stücks ist simpel: Bankierssohn Bobby liebt das Tanzen über alles. Erfolg, in ein Theaterensemble aufgenommen zu werden, hat er leider nicht. Stattdessen muss er im Wüstendörfchen Deadrock die Hypothek eines maroden Theaters eintreiben. Dort trifft er auf Polly und verliebt sich schlagartig in sie. Polly hingegen kann Bobby nicht ausstehen – ist er doch Schuld, dass sie und ihr Vater das Theater verlieren. Um Polly doch noch zu für sich zu gewinnen mimt Bobby kurzerhand einen erfolgreichen Theaterproduzenten…

Zwei Gäste, steppendes Ballett und spielfreudiger Opernchor

Mit Dirk Weiler und Bettina Mönch wurden zwei namenhafte Darsteller der derzeitigen Musicalbranche als Protagonisten des Stücks verpflichtet. Mönch zeigt nicht nur ein facettenreiches Schauspiel, sondern auch eine stimmliche Varietät. Dirk Weiler wechselt stetig zwischen gleichgültigem Banker und begeistertem Tänzer. Das übrige Ensemble entstammt den Reihen des Magdeburger Theaters. Die Mitglieder des Musiktheater-Ensembles und des Opernchores legten eine enorme Spielfreude an den Tag und brillierten auch aus gesanglicher Sicht: Markus Liske als Bela Zangler hatte sorgte für etliche Schmunzler für seine Interpretation des ungarischen Produzenten. Gabriele Stoppel-Bachmann überzeugte als Bobbys Mutter mit „dunklem“ Geheimnis. Sylvia Rena Ziegler machte als Bobbys Verlobte einen gewollt blasierten Eindruck, bestach dann jedoch auch als „böses Mädchen“, dass sich in den ansässigen Saloonbesitzer verliebt und in der Wüste bleibt. Regina Most und Thomas Matz als Reiseautoren mit herrlich britischem Akzent sorgten für zusätzlichen Wortwitz in der Show.

Besonders bemerkenswert erscheinen neben all den schauspielerischen und gesanglichen Darbietungen vor allem die Tanzeinlagen. Seit Oktober letzten Jahres erlernten die Balletttänzer das fremde Metier des Stepptanzes. Die Leichtigkeit, mit der sie am Abend über die Bühne steppten ließen das Publikum nicht im Ansatz erahnen, welche Umstellung dies bedeuten musste. Dirk Weiler, der nicht nur die Hauptrolle des Bobby Child spielt, sondern auch für die Steppchoreografie verantwortlich ist, konnte hier sein Können als Stepplehrer einmal mehr unter Beweis stellen.

Regiedebüt wird frenetisch gefeiert

Regie führt bei „Crazy for you“ der erst 27-jährige Erik Petersen. Ein Tanzmusical zu zeigen birgt in sich ein Risiko und ist eine große Herausforderung, scheinen doch dem breiten Publikum anspruchsvollere Stücke nicht sehr zu liegen. Müssen dann auch noch spartenfremd Ballett- zu Stepptänzern werden, mag man ins Zweifeln kommen, ob die Idee eine Gute war. In Magdeburg werden die Zweifler zum Stillsein verdammt werden. Petersen hat mit seinem Regiedebüt nicht nur Mut bewiesen, sondern scheinbar auch alles richtig gemacht: Es ist eine wahre Freude, den Darstellern beim Singen, Spielen, Tanzen und Steppen zuzusehen. In der dreistündigen Inszenierung kommt trotz einfacher Handlung keine Langeweile auf.

Neben Darstellern und Regisseur sollen jedoch auch noch die weiteren Verantwortlichen bedacht werden, die ihren Teil zum Erfolg beitragen:

Kati Farkas schafft es mit ihrer Choreografie Chor und Ballett zu vereinen. Sänger wurden zu Tänzern und umgekehrt. Beim Zuschauer bleibt einzig der perfekte Eindruck eines Gesamtensembles übrig.

Anja Lichtenegger zeigt sich für das Bühnenbild verantwortlich. Mittels Drehelementen lassen sich Front des Saloon und Theaters darstellen, die Innenansicht eben dieser oder der Fundes des Theaters: Die Vielfalt einiger weniger Elemente wird tadellos ausgenutzt. Dass von Bühnenarbeitern bei Szenenwechseln von teilweise von Hand bewegt werden stört nicht im Geringsten. Dem zu Gute kommt auch die musikalische Unterlegung. Es entsteht keine störende Leere.

Hermann Dukek leitete ein gut 30-köpfiges Orchester an, das mit der teils ungewohnten Instrumenten bestach. Da ertönten dann auch Banjo und Mundharmonika aus dem Orchestergraben, ganz wie es sich für den Wilden Westen gehört.

Stadttheater auf dem Vormarsch

In Musicalkreisen ist bereits bekannt, dass man „gute“ Inszenierungen nicht mehr nur in den großen Häusern der Marktführer zu sehen bekommt. In den letzten Jahren zeigte auch das Theater Magdeburg immer wieder Musicals. Der Erfolg gab dem Theater bisher immer Recht. Stehende Ovationen und langanhaltender Applaus des ausverkauften Hauses waren allen Beteiligten am Premierenabend sicher. Wie auch andere Stadttheater, scheint Magdeburg sich in der Branche zu etablieren. Der Besuch von „Crazy for you“ ist die Reise nach Magdeburg allemal wert!

  Besetzung und Kreativteam

  • Bobby Child – Dirk Weiler
  • Polly Baker – Bettina Mönch
  • Bela Zangler – Markus Liske
  • Irene Roth – Sylvia Rena Ziegler
  • Everett Baker – Wolfgang Klose
  • Lank Hawkins – Axel Strothmann
  • Lottie Child – Gabriele Stoppel-Bachmann
  • Patricia Fodor – Regina Most
  • Eugene Fodor – Thomas Matz
  • Tess – Ulrika Bäume
  • Patsy – Jenny Stark
  • Hanna – Ulrike Baumbach
  • Paula – Uta Zierenberg
  • Kathy – Katrin Haase
  • Iris – Iris Kock
  • Moose – Jürgen Jakobs
  • Mingo – Chan Young Lee
  • Sam – Frank Heinrich
  • Junior – Yong Hoon Cho
  • Wyatt – Alejandro Muñoz Castillo
  • Custus – Pawel Stanislawow
  • Jimmy – Michael Mohr

 

  •  Musikalische Leitung – Hermann Dukek
  • Regie – Erik Petersen
  • Choreografie – Kati Farkas
  • Steppchoreografie – Dirk Weiler
  • Bühne – Anja Lichtenegger
  • Kostüme – Dagmar Morell
  • Dramaturgie – Thomas Schmidt-Ehrenberg

Kategorie: Kritiken,Stadttheater

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Autor: R. Imping (16.02.2015)

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