Tickets für die besten Musicals sichern: Jetzt Tickets kaufen

FRANKENSTEIN JUNIOR: Grüß’ Gott in Transsilvanien

Am 23. Mai 2015 feierte FRANKENSTEIN JUNIOR Premiere in Mainz. Inszeniert und aufgeführt wird das Musical von der Hochschulgruppe Musical Inc., die sich aus Studierenden aller Fachrichtungen der Johannes Gutenberg-Universität zusammensetzt. Musical1-Redaktuerin Maria Langbecker durfte sich auf die Reise nach New York und Transsilvanien mitnehmen lassen.

Teile diesen Beitrag

© Stefan Wagner
Frankenstein Junior © Stefan Wagner

Ironische Fortführung des Frankenstein Mythos

1818 erschien Mary Shelleys Buch „Frankenstein“ über den Wissenschaftler Dr. Viktor Frankenstein, der ein Monster zum Leben erweckt und mit den Folgen dieses Experiments fertig werden muss. Wie viele Romane des 19. Jahrhunderts thematisierte dieser spannende Roman die Gegenüberstellung von Wissenschaft und Fortschritt auf der einen und unbegreiflichem Horror und dem Übernatürlichen auf der anderen Seite. Seitdem wurde der Mythos Frankenstein in vielen Film-, Theater- und Buchadaptionen verarbeitet und fortgeführt. FRANKENSTEIN JUNIOR ist nun eine Persiflage auf diese Horrorfilmklassiker, vorwiegend der 1930er und 40er Jahre. Auf ironische Weise greift es viele Motive des Frankenstein Mythos auf. Zunächst erschien FRANKENSTEIN JUNIOR 1974 als Film von Mel Brooks. Dieser ist vielen als Regisseur von Comedyfilmen wie „Spaceballs“ oder „Helden in Strumpfhosen“ bekannt. Als Musicalregisseur und Drehbuchautor machte sich Brooks mit THE PRODUCERS einen Namen, das 2001 am Broadway aufgeführt wurde und unglaubliche 12 Tony-Awards gewann. FRANKENSTEIN JUNIOR wurde schließlich 2007 von Mel Brooks als Musical bearbeitet am Broadway aufgeführt. 2013 feierte es seine Deutschlandpremiere an der Oper Halle. Nun ist das Horror-Komödien-Musical in einer Inszenierung von Thomas Heep und Sabine Fischer auch in Mainz zu sehen.

Aufgeführt und inszeniert von Studierenden der Universität Mainz

Aufgeführt wird das Musical von der Musical Inc., einer Hochschulgruppe an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die sich aus 130 musicalbegeisterten Studierenden aller Fachrichtungen zusammensetzt. Neben der eigentlichen schauspielerischen und gesanglichen Leistung werden auch alle organisatorischen Aufgaben wie die Gestaltung von Bühnenbild und Maske, aber auch die Pressearbeit und natürlich die Regie von den Studierenden selbst durchgeführt. Traditionell spielt die Musical Inc. alle Stücke mit zwei gleichwertigen Besetzungen. In der besuchten Vorstellung spielte die Besetzung „Donner“ in Rolle und die Besetzung „Blitz“ war im Ensemble zu sehen.

© Stephan Wagner

Ensemble der Musical Inc © Stefan Wagner

Passend mit Blitz und Donner beginnt dann auch die Vorstellung. Wir erfahren, dass der berühmt-berüchtigte Wissenschaftler Victor Frankenstein soeben verstorben ist. Das sorgt zunächst für große Erleichterung bei den Bewohnern des Dorfes, das neben seinem Schloss liegt, bis ihnen einfällt, dass da noch Viktors Enkel Frederik ist… Glücklicherweise lebt dieser als Professor für Anatomie mit seiner exzentrischen Verlobten Elizabeth im weit entfernten New York, nennt sich stets „Fronkensteen“, um sich von den Machenschaften seines Großvaters zu distanzieren und scheint zunächst keine Gefahr darzustellen. Als Frederik dann aber nach Transsilvanien reisen muss, um das Familienerbe zu regeln, erkennt er, dass es nicht so einfach ist, aus der Familientradition der Monstererschaffung auszubrechen.

Prägnante und einprägsame Charaktere als Karikaturen üblicher Archetypen

Eine Besonderheit von FRANKENSTEIN JUNIOR sind sicherlich die prägnanten und einprägsamen Hauptfiguren, die alle ihre ganz besonderen Eigenheiten haben. Neben dem nur leicht verrückten Wissenschaftler Dr. Frederik Frankenstein (Vinzent Grimmel) und seiner schrillen Verlobten Elizabeth Benning (Karina Michel) sind es vor allem die Einwohner Transsilvaniens, die am stärksten im Gedächtnis bleiben. Oft entpuppen sich die zwielichtigsten und gruseligsten Gestalten als die liebenswertesten Persönlichkeiten und auch sonst werden Erwartungen an bestehende Horrorfilmarchetypen hier gekonnt karikiert und gebrochen. Das ist der Fall beim buckligen Diener Igor (Johannes Lotz), der aufgrund seiner unerschütterlichen Fröhlichkeit bald zum Publikumsliebling avanciert, beim naiven Blondchen Inga (Laura Patricia Heinz), das plötzlich Schopenhauer und Nietzsche zitiert, oder bei der strengen Haushälterin Frau Blüchler (Verena Bonnkirch), die eigentlich nur Liebe sucht. Selbst das Monster (nach dreistündiger Arbeit in der Maske kaum noch als Student erkennbar: Jakob Felder) zeigt gegen Ende des Stücks unerwartete Seiten, wenn es sich so gewählt ausdrückt, dass den Figuren selbst nur noch der Vergleich mit Prof. Higgins (aus dem Musical MY FAIR LADY) einfällt.

Abwechslungsreiche Musik mit Anleihen aus verschiedensten Genres

Frankenstein Junior Ensemble

© Stefan Wagner

Ebenso wie die Charaktere glänzt die Musik mit vielen Anleihen an andere Genres. Neben typischer Horrorfilmmusik sind das u.a. deutsche Volksmusik (wie sie sich ein amerikanisches Publikum vorstellt – es wird vor allem viel gejodelt) oder passend zum Handlungsort Transsilvanien osteuropäische Folklore. Aber auch der typische Broadwaystil und sogar ein uramerikanisches “Barbershop-Quartet” haben ihren Auftritt. Das 13-köpfige Liveorchester unter Leitung von Nicolai Benner spielt stilsicher in allen Genres. Gesanglich überzeugen sowohl die Solo- als auch die Ensemblesongs auf ganzer Linie. Auch die Tanzchoreographien sind mitreißend und abwechslungsreich, angefangen von Folkloretänzen bis hin zum Highlight des zweiten Aktes – einer großen Steppnummer zum Jazz-Klassiker “Puttin on the Ritz”.

Viel Humor und gute Einfälle in Bühnenbild und Ausstattung runden die Vorstellung ab

Die Handlung des Musicals ist oft trivial und vorhersehbar, aber sie ist auch nicht der Schwerpunkt der Komödie. Dieser liegt ganz offensichtlich auf dem typischen Mel Brooks Humor, der sich in Slapstick, zotigen Witze und szenischem Humor zeigt und das Publikum oft zum Lachen bringt. Schwächen des Buches werden einfach durch die große Spielfreude aller Beteiligten gekonnt überspielt.

© Stefan Wagner

© Stefan Wagner

Zum ersten Mal in der Geschichte der Musical Inc. wurden die hörsaaleigenen Hebekräne benutzt, um das Bühnenbild zu gestalten. So müssen nur wenige Kulissen direkt auf der Bühne hin und her gerückt werden, während der Handlungsort zwischen düsterem Schloss, Frankensteins Labor oder dem transsilvanischen Dorf wechselt. Auf der Bühne werden nur die wichtigsten Requisiten benutzt, dafür aber einige ausgefallene wie z.B. ein Heuwagen, eine Bücherwand mit Geheimtür oder eine besonders schöne Inszenierung des Portraits des Großvaters Victor Frankenstein (Moritz Schümann). Überhaupt glänzt die Ausstattung mit vielen kleinen witzigen Details, die erst beim genaueren Hinsehen auffallen. Auch die Spezialeffekte in Licht- und Tontechnik überzeugen, z.B. während der verdächtig häufig vorkommenden Gewitter oder bei “elektrischen” Laborversuchen. Bei den Kostümen wird viel Wert darauf gelegt, New York und Transsilvanien als zwei verschiedene Welten voneinander abzugrenzen – Perlen und Pelz auf der einen, folkloristische Kostüme auf der anderen Seite.

Eine gelungene und lustige Show mit viel Herzblut aller Beteiligten

Insgesamt ist FRANKENSTEIN JUNIOR eine rundum gelungene Unterhaltung. Die Show zeichnet sich insbesondere durch viel Humor und eine unglaubliche Spielfreude des gesamten Ensembles sowie des Orchesters aus. Sowohl in Punkto Charakterzeichnung als auch bei Tanz und Gesang zeigen die Darsteller, dass sie sich nicht hinter professionellen Aufführungen zu verstecken brauchen. Vor allem aber ist den ganzen Abend über zu spüren, wie viel Herzblut in der ganzen Produktion steckt – angefangen beim Verkauf von liebevoll zusammengestellten Süßigkeiten, über Bühnenbild und Kostümen bis hin zu allen Leistungen auf und hinter der Bühne. Das Publikum, das auch während der Show schon mal begeistert mitklatschte, würdigt die Leistung aller Beteiligten mit tosendem Applaus.

Wer FRANKENSTEIN JUNIOR in der Inszenierung der Musical Inc. sehen möchte, braucht allerdings etwas Glück. Eigentlich sind alle Vorstellungen bis zum 12.06.2015 nämlich schon seit Beginn der Spielzeit restlos ausverkauft. Hin und wieder sind aber noch rückläufige Karten an der Abendkasse erhältlich. Alle, die keine Karten für FRANKENSTEIN JUNIOR mehr bekommen, können sich aber schon auf das neue (noch unbekannte) Stück der Musical Inc. im nächsten Jahr freuen.

Kategorie: Allgemein,Kritiken

Tags:

Autor: M. Langbecker (04.06.2015)

Teile diesen Beitrag

Monatlicher Musical-Newsletter

Erhalten Sie einmal im Monat kostenlos die wichtigsten Musical-News im Überblick: Welche neuen Musicals laufen wo? Welche tollen Musical-Angebote gibt es? Verpassen Sie keine Hinweise mehr!

Die Abmeldung von dem Newsletter ist jederzeit möglich.

Kommentar hinterlassen

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)
Musical1 Newsletter
Zusammengefasste Musical-News
Hinweise auf gute Musical-Angebote
Regelmäßige Ticketverlosungen
Musical-Neuerscheinungen