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Frank Nimsgern Interview – Musical1 Podcast 66

Heute werfen wir im Musical1 Podcast mal wieder einen Blick hinter die Kulissen des Musicals. Zu Gast ist Musical Director, Komponist, Gitarrist und Pianist Frank Nimsgern. Nimsgern kreierte unter anderem mehrere Revuen für den Berliner Friedrichstadt-Palast und die Musicals PARADISE OF PAIN und SNOWHITE, komponiert für Film und Fernsehen und weitere Produktionen. Im Podcast spricht er über seine Arbeit.

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Frank Nimsgern
Frank Nimsgern © Wolfgang Barth - Büro von Frank Nimsgern, wikipedia.de

Musikalische Prägung durch die Familie

Durch seinen Vater, den international erfolgreichen Opern- und Konzertsänger Siegmund Nimsgern, lernte Frank bereits früh die Opernbühnen der Welt kennen. Das hat den Komponisten natürlich geprägt. „Ich denke, dass der musikalische Anspruch, den ich als Kind erleben durfte, bei mir die musikalische Messlatte so hoch gelegt hat, dass ich wusste: Ich kann und darf nicht an die Oper gehen, weil ich immer im Vergleich stehen würde,“ erklärt er. In New York kam er dann in Berührung mit britischer Pop-Rock-Musik von Genesis, Pink Floyd und weiteren einflussreichen Bands, deren aufwendige Kompositionen mit musikdramaturgischem Hintergrund für ihn eine Alternative zur Oper waren.

Frank Nimsgerns beruflicher Werdegang ist komplex: Als Kind begann er mit dem klassischen Klavierunterricht, in der Pubertät entdeckte er die erwähnte britische Pop-Rock-Musik für sich, ab 14 Jahren studierte er auf Drängen seiner Eltern Jazz und entdeckte Fusion für sich. Die Empfehlung von Klaus Doldinger, Komponist und Musiker, brachte Nimsgern schließlich an den Friedrichstadt-Palast in Berlin. Dort arbeitete er zunächst für die Kleine Revue – heute Quatsch Comedy Club. In seiner ersten Revue vereinte Nimsgern bereits alle früheren Einflüsse miteinander und schuf so seinen ganz eigenen Stil.

Produktionen für den Friedrichstadt-Palast

Nach einigen Arbeiten für die Kleine Revue bekam Frank Nimsgern unter dem Intendanten Alexander Iljinskij die Gelegenheit, für die Große Revue am Friedrichstadt-Palast das Kinder-Musical HÄNSEL UND GRETEL zu komponieren. Mit mehr als 400.000 Besuchern wurde die Show zu einer der erfolgreichsten Kinderrevuen überhaupt. Anschließend kreierte Nimsgern seine erste eigene Revue für Erwachsene auf der großen Bühne – mit dem Druck, dass ein Scheitern der Show den Konkurs für den Friedrichstadt-Palast bedeuten könnte. Tatsächlich wurde ELEMENTS die bis heute erfolgreichste Show der Revue-Bühne, mit rund 730.000 Besuchern. Die Show warf einige große Hits ab, wie „Can You See The Light“, das in Las Vegas Teil der Show von Siegfried & Roy wurde.

Darauf folgten Contemporary Musicals mit PARADISE OF PAIN und SNOWHITE. Für seine Arbeit erhielt Frank Nimsgern den Deutschen Fernsehpreis und war mit gerade einmal 28 Jahren schon sehr gut etabliert. Dennoch gab es eine Pause von gut einem Jahr, bevor er den Auftrag erhielt, für den Friedrichstadt-Palast die Revue HEXEN zu komponieren. Die wurde nicht ganz so gut angenommen wie ELEMENTS. Danach gab es zunächst einen kleinen Cut, bevor Nimsgern mit QI an den Friedrichstadt-Palast zurückkehrte, eine Revue, die abermals über eine halbe Million Zuschauer anzog.

Von der Idee bis zur Show

Frank Nimsgern im Studio

© Frank Nimsgern

Sein Musical PARADISE OF PAIN feierte 1998 Premiere am Saarländischen Staatstheater. Das war zur Hochzeit von Stella Musicals und der supergroßen Musical-Theater sowie der Long-Run-Produktionen, die über viele Jahre hinweg liefen, wie sich Nimsgern erinnert. Das Regietheater hatte die Zuschauer vertrieben, durchkomponierte Musicals, die eher der Oper nahestehen, wie LES MISERABLES, fingen das Publikum auf. Nimsgern ist Fan von LES MISERABLES, wollte aber etwas anderes machen, ein Musical mit Soul, Funk und Rock. Das damals sehr progressiv eingestellte Saarländische Staatstheater gab ihm die Chance dazu.

Weg einer Produktion vom Gedanken bis zur Premiere: Das Wichtigste ist, dass man ein Branding hat, ein Exposé, das nicht länger ist als eine Din A4 Seite. Was länger it als eine Din A4 Seite wird vom Publikum nicht angenommen. Es beginnt meistens mit einer Idee. Musik und Idee befruchten sich gegenseitig, letztlich entscheidet die Musik, welche Figur die stärkste Figur im Stück ist.

Frank Nimsgern hat auch für zahlreiche TV-Produktionen die Musik geschrieben, darunter mehrere Tatort-Folgen und TV-Blockbuster. Zwar mag er alle seine Kompositionen, die früheren Werke würden aber noch ein wenig holpern, wie er beschreibt. Er sei aber auch sehr selbstkritisch: „Ich höre mir meine Produktionen, wenn es nicht sein muss, nie selbst an.“ gibt er zu. Sobald er etwas geschrieben habe, sei das auch okay und Historie.

Risiko zu vieler Compilation-Musicals

Wie sieht Frank Nimsgern die Zukunft des Genres Musical? Momentan sieht er eine Gefahr des Übergreifens von Jukebox- und Compilation-Musicals. Diese Musicals reihen Hit auf Hit. Der Beruf des Komponisten verliere damit seinen Sinn, ebenso wie der Beruf des Dramaturgen und der des Autors. Es ginge nur noch darum, die Hits in eine einigermaßen sinnvolle Reihenfolge zu bringen – und das ginge oft schief. Es gebe auch Gegenbeispiele, wie MAMMA MIA! und WE WILL ROCK YOU, die Frank Nimsgern beide großartig findet, nur im musikdramaturgischen Sinne seien es keine Kompositionen im Gesamtwerk.

Nach den Preisen für aktuelle Musical-Produktionen gefragt, meint Nimsgern: „Die Frage ist, will man Theater für alle oder nur für eine kulturelle Oberschicht.“ Er ist für eine Subvention aller Richtungen, die Unterteilung in E (ernste) und U (Unterhaltungs-) Musik schätzt er ohnehin nicht. „Für mich gibt es eigentlich nur gute und schlechte Musik.“ Oft sei der Ausdruck „ernste Musik“ auch ein Widerspruch in sich: Mozart habe zum Beispiel keine ernste Musik komponiert, auch die Oper „Don Giovanni“ war als komische Oper geplant, nicht als ernstes Musikwerk.

Gibt es denn noch ein Thema, zu dem Frank Nimsgern gerne ein Musical sehen würde? “Ja klar gibt es das. Ich arbeite daran und werde den Teufel tun, das jetzt zu verraten,” lacht er. In etwa einem Jahr soll es die Uraufführung geben, dann werden alle mehr erfahren.

Kategorie: Podcast

Autor: C. Demme (20.09.2015)

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