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FELIX MARTIN im Interview

Musical1 hatte unlängst eine Einladung nach Notre Dame, um dort ein sehr nettes und interessantes Gespräch mit Felix Martin, dem Erzdiakon Claude Frollo in DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME - Das Musical, führen zu dürfen.

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Felix Martin
Felix Martin ©Dirk Hetzel

Hallo Felix, es ist schön, dass Du Zeit für uns und unsere Leser gefunden hast. Bei einem Künstler wie Dir, der bereits seit 30 Jahren beruflich auf der Bühne steht, ist es nicht einfach, etwas zu fragen, das noch nie gefragt wurde. Kleiner Scherz. Drehen wir den Spieß einmal um: Gibt es da etwas, was Du gerne gefragt werden würdest, es aber noch nie jemand tat?

Lass mich nachdenken – nein, so spontan jetzt eigentlich nicht. Es gibt doch immer neue Fragen, bedingt durch das Engagement, die Zeit. Gleiche Fragen bedingen auch nicht immer gleiche Antworten. Diese ändern sich ja im Laufe der Zeit schon mal. Mag es sein, dass es ein ganz anderes Stück ist oder Erfahrungen sind, die man gemacht hat. Eine Frage, die man mir vor 20 Jahren gestellt hat, würde ich vielleicht heute anders beantworten, weil die Sichtweise eine andere und auch die Zeit eine andere ist.

Eine Frage, ein bisschen Vergangenheit: Wie kommt ein Zwölfjähriger dazu, unter Götz Friedrich in der „Zauberflöte“mitzuwirken?

Ein Freund von mir war mit zwölf Jahren schon ein großer Opernfan. Er hatte mich gebeten, ihn zum Vorsingen zu begleiten. Das habe ich dann auch getan. Ich habe dort vorgesungen und habe die Rolle dann bekommen. Mein Freund leider nicht. Wir sind aber trotzdem weiterhin befreundet geblieben. Eigentlich hat mich dieser Freund in die Musikwelt gebracht. Obwohl so ganz richtig ist das ja auch nicht. Meine Eltern waren ja singende Schauspieler und ich bin damit aufgewachsen. Das hat mich auch schon sehr geprägt. Allerdings bin ich nach diesem Vorsingen dann sofort ein großer Musicaltheater-Fan geworden.

Ja und im Laufe der Zeit ist der Felix ja auch älter geworden. Wie war das dann mit dem Stimmbruch bei Dir? Gab es da keine Probleme?

Ja, ich war dann auch im Stimmbruch (lacht), sonst könnte ich die Rollen ja von heute gar nicht singen. Da wäre ich wohl in einem anderen Rollenfach gelandet. Allerdings ist die Stimmbruchphase sehr schleichend vor sich gegangen. Es gab da keine gravierenden Probleme. Ich hatte Phasen, da habe ich zu Hause die Königin der Nacht gesungen, zwei Minuten später in der Baritonlage den Papageno (lacht).

War es ziemlich klar, dass ein anderer Beruf gar nicht in Frage kam?

Es gab für mich nichts anderes, aber es war nicht klar, ob es funktionieren würde. Man kann etwas wollen, aber man muss dafür auch brennen. Ich habe ja sehr früh mit der Schauspielschule angefangen. Schon mit 18 war ich am Max Reinhardt Seminar in Wien, habe zusätzliche Musicalkurse belegt und stand dann schon mit 20 Jahren auf der Bühne. Das war sehr früh. Selbstverständlich war ich durch das Elternhaus geprägt, aber das bedeutet ja nicht, dass man als Kind dann ebenfalls das Talent und vor allem auch die Leidenschaft dafür aufbringt. Ich bin von meinen Eltern auch nie dazu gedrängt worden, es kam immer von mir heraus. Ich hatte auch viel Glück und es war gut, dass ich so früh angefangen habe. Das ist auch mein Rat an diejenigen, die zur Bühne wollen – so früh als möglich anzufangen, wenn es machbar ist. Viele der Rollen sind sehr jung, diese kann man dann nie nachholen. Und auf diese Erfahrungswerte sollte man nicht verzichten wollen.

Du hast bisher an dermaßen vielen Theatern gearbeitet, zig Rollen gespielt – Bühne, TV, CD-Aufnahmen. Kannst Du Dich an den Moment, an Ereignisse, Situationen, Personen erinnern, die für Dich besonders herausragend oder beeindruckend waren?

LES MISERABLES in Wien, die deutschsprachige Erstaufführung. Da habe ich den Marius gespielt. Das war, glaube ich, zwei Jahre, nachdem dieses Stück im West End seine Erfolge feierte. Das war etwas ganz Besonderes und sehr prägend. Es war neu. Die Drama-Musicals hielten Einzug in die Musicalwelt. LES MISERABLES hat ja auch – wie der Glöckner – einen sehr grundlegenden tiefen Kern. Menschlichkeit, Liebe, Hass, Zusammengehörigkeit, Empathie, Schicksale – und das im Zusammenspiel mit der wunderbaren Musik – waren damals etwas einzigartig Neues.

Nun also DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME: Erzdiakon Claude Frollo ist mit Dir mehr als perfekt besetzt. Musstest Du überhaupt zur Audition?

Aber ja, alle aus der Cast mussten zur Audition. Das ist aber generell so bei den großen Stücken. Jeder muss zum Vorsingen, ungeachtet des Namens. Ich habe während der Auditions in Wien den Perón in EVITA gespielt, bin also zwischen Wien und Hamburg gependelt. Im Falle des Frollos ist die Entscheidung dann allerdings sehr schnell gefallen. Also ich habe sehr überraschend zeitig gewusst, dass ich dabei sein werde.

War Frollo auf der Liste deiner Traumrollen?

Frollo und Quasimodo

Foto: Johan Persson ©Disney k

Eigentlich nicht. Anhand der Audition-Ausschreibung und auch beim Blick auf die US-Produktion ist der Frollo ja schon sehr viel älter angelegt. Ich war mir wirklich nicht sicher, ob das passen kann. Ich komme nicht irgendwo rein als Privatperson und man sieht in mir den Frollo. Staturpräsenz, Alter?

Ich habe mich auf diese Rolle sehr gut vorbereitet. Die Figur des Frollo ist sehr fazinierend. Ich war mir auch nicht sicher, ob es stimmlich passen kann, die tieferen Töne, die ich in den letzten Jahren entdeckt habe, ausreichen können. Aber es hat gepasst, nur war das im Vorfeld wirklich nicht absehbar. Ich mag es aber auch, die Leute zu überraschen, etwas zu bieten, das sie vielleicht nicht erwarten. Ob es dann gelingt, liegt ja dann später auch am Publikum. Es entscheidet letztendlich, ob es passt und so rüber kommt, wie es erwartet wird.

Ich habe hier jetzt eine sehr positive Resonanz erfahren können, über die ich mich sehr freue und schätze. Es erleichtert einem natürlich auch die Arbeit an sechs Tagen in acht Shows, das immer wieder rüberzubringen. Der Frollo ist eine Rolle, die man selber auch jeden Abend neu entdeckt und die so unwahrscheinlich facettenreich ist.

Kleine Spaßfrage: Musical1 hat gute Ohren und wir hören von vielen Fans, dass Du mit den graumelierten Haaren noch einen Tick interessanter ausschaust als mit Deinen natürlichen Haaren. Ist die Frollo-Frisur eine Zukunftsoption?

Das würde ja bedeuten, dass ich mir graue Strähnen färben müsste, denn ich habe keine. Nein! Nein, da warten wir mal ab, bis das von alleine kommt. Das ist keine Option für mich. Aber es ist schön, dass dies als Illusion so gut und authentisch auf der Bühne rüberkommt und stimmig ist.

Du bist einfach Claude Frollo! Du hast auch schon in einem Interview erwähnt, dass Du Dich im Vorfeld mit der Sprache, Gestik, dem Ausdruck der Kirchenmänner jener Zeit beschäftigt hast. Wie muss man sich das vorstellen? Wo fängt man an, Infos zu sammeln? Und vor allem: Wie lange dauert so etwas? Bist Du da besonders akribisch?

Ich habe mir in Bezug auf Haltung und Gestik viele alte Bilder, Gemälde angesehen. Ich habe mich auch mit den Sprachgewohnheiten vertraut gemacht. Einerseits hat Frollo als Kirchenmann eine getragene langsame, mahnende Stimme mit Wert auf Bedeutung. Auf der anderen Seite muss Frollo auch mit Quasimodo sprechen. Dieser ist durch die Glocken fast taub. Mit ihm muss er ganz anders reden als zum Volk.

Frollo und Quasimodo

Photo Johan Persson ©Disney k

Es ist auch ganz wichtig, da den richtigen Ton zu finden, denn das Stück hat so viel aktuellen Charakter in unserer heutigen Zeit: Da ist die Angst vor Neuem, vor Flüchtlingen. Wie geht man damit um in unserer doch eigentlich so wohlbehüteten Welt. Da dürfen keine falschen Misstöne aufkommen, sondern eine klare Aussage muss herüberkommen. Frollo befindet sich da ja sehr im Zwiespalt und charakterisiert diese Doppelmoral. Auch da ist die Aktualität sehr präsent. Doppelmoral kennen wir heute wie damals.

Wir brauchen zu „Feuer der Hölle“ nichts erklären. Es ist Dein großer Auftritt. Die Intensität Deiner gespielten Gefühle reißen einen jedes Mal mit wie ein unterirdischer Wasserstrudel. Wie erlebst Du diese Szene?

Das kommt einfach so, das Lied ist so genial gemacht. Wenn man sich auf den Text einlässt im Zusammenspiel mit der Musik und dem Chor, dann passiert es von alleine. Ich kann das nicht wirklich erklären. Man ist dann das, was man singt und wenn das auch beim Publikum ankommt, ist es richtig und perfekt. Die Gesten dazu kommen dann von alleine, wenn man sich auf den Text einlässt. Ich weiß nicht wie es geht. Und wenn ich es wüsste, würde ich es nicht verraten.

An der Stelle des Stückes hast Du sozusagen das Publikum in deinen Händen. Du bestimmst ja indirekt, wann der Applaus aufhört. Was gibt das einem Schauspieler?

Es gibt da eine Verabredung in der Regie, wenn ich merke der Applaus ist noch tosend und das Publikum auch in dieser Szene gefangen, dann kann es schon mal länger dauern. Wenn ich merke, der Applaus ebbt langsam ab und er wird weniger, dann senke ich auch meine Arme. Man selber ist in dem Moment einfach nur in der Rolle. Es ist immer situationsbedingt und ich entscheide es, wie ich es empfinde.

Und nach der Show geht es heim in die eigene Wohnung. Ist das für Dich ein Stück Luxus oder Wohlfühloption gegenüber Hotelzimmer bzw. fremden Wohnungen?

Ja natürlich ist es toll, nach der Arbeit in die eigenen vier Wände und nach Hause gehen zu können. Man hat seinen Kiez, seine Freunde, das ist natürlich neben der tollen Cast und dem schönsten Musicaltheater Deutschlands wunderbar. Ich bin auch mal gerne woanders unterwegs und war es ja auch schon, aber zu Hause zu sein, ist schon toll.

Apropos Zuhause und Wohnung – es war kürzlich zu lesen, Du magst frische Blumen. Ist das schon immer so gewesen? Oder kam das irgendwann zwangsläufig, weil Du so viele geschenkt bekamst?

Blumen mochte ich schon immer. Das gibt einen wunderbaren Farbtupfer und sie gehören in mein Zuhause.

Du kaufst Dir auch schon mal selber welche?

Ja natürlich, immer mal sehr gerne.

Und welche Blumen magst Du so überhaupt nicht?

(Überlegt) Nein, es gibt keine Blume, die ich nicht mag. Ich mag Orchideen, aber auch einen wilden – vielleicht selbst gepflückten – Bauernblumenstrauß.

Lieber Felix, wir von Musical1 und auch unsere Leser sagen an dieser Stelle schon einmal Dankeschön für Deine Zeit und das nette Gespräch. Wir wünsche Frollo und ganz besonders natürlich Felix noch eine tolle Zeit in Notre Dame.

Kategorie: Der Glöckner von Notre Dame,Interviews

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Autor: I. Marquardt (12.08.2017)

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