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EIN KÄFIG VOLLER NARREN – Tunten und toller Tanten

Fasching, Fastnacht, Karneval – in Deutschland sind die Narren los! Auch im mittelfränkischen Fürth. Die Narren der Kleeblattstadt haben allerdings nur am Rande mit der fünften Jahreszeit zu tun. Natürlich sind Volker Heißmann und Martin Rassau einem Großteil des Publikums aus der BR-Kultshow „Fastnacht in Franken“ bekannt. Doch bevor die beiden am 17. Februar das 30-jährige Jubiläum der Prunksitzung in Veitshöchheim feiern, öffnet „La Cage “ noch bis Sonntag allabendlich seine Pforten.

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Verliebt wie am ersten Tag: Zaza und Schorsch © Jürgen Friedrich

Fränkisch, „Färdderisch“, frivol

Ich weiß nicht, wie oft ich Édouard Molinaros LA CAGE AUX FOLLES schon gesehen habe. Jedenfalls so oft, dass sich fast jede Szene in mein Gedächtnis brannte – und Michel Serraults Gekreische in mein Gehör. Wobei Paul Bürks Synchronstimme das Original noch toppte: „Renaaatooo!“, klingelt es in meinem Ohr. Ja, ich kenne den Film nahezu auswendig. Umso gespannter war ich auf Thomas Enzingers (MY FAIR LADY, IM WEISSEN RÖSSL) Inszenierung. Am 17. Januar hat die Comödie Fürth das Musical wieder in ihr Programm aufgenommen. Meine Kritik ist also längst überfällig. Nach dem Motto „Besser spät als nie“ kehre ich in der vorerst letzten Aufführungswoche in die Plüsch- und Glitzerwelt zurück, um die tollen Tanten zu besuchen.

„Ich bin, was ich bin“

Wie? Waltraud und Mariechen schwingen im Narrenkäfig ihre Beine? Nein, denn das wäre an Erotik kaum auszuhalten. Zaza und Jacob lassen bitten und haben ebenfalls einiges zu bieten. Als alterndes Travestie-Sternchen zeigt sich Volker Heißmann von seiner verletzlichen Seite. Martin Rassau schockt dagegen im Domina-Dress. Als Zazas Diener – ähm, Zofe – stolziert der 50-Jährige in schwarzen Overknee-Stiefeln und pinkfarbenen High Heels gekonnt über die Bühne. Ich bin ein bisschen neidisch. Nicht auf das Outfit. Allerdings führt jeder Schuhabsatz, der fünf Zentimeter überschreitet, bei mir zum Bänderriss. Manchmal sind Männer halt doch die perfekteren Frauen. Und im CAGE AUX FOLLES sowieso. Kaum zu unterscheiden sind die Herren der „Cagelles“ von ihren Show-Kolleginnen, die mich ein wenig an MOULIN ROUGE erinnern. Doch wo ist Zaza?

Abend für Abend tritt Alwin als Grand Dame im Travestie-Klub auf. Nur diesmal weigert er sich. Die besten Jahre des Künstlers sind vorbei. Mangelndes Selbstvertrauen und die daraus resultierende Eifersucht quälen ihn zunehmend. Grundlos. Denn seine große Liebe Schorsch (im Film Renato) vergöttert seinen Liebsten wie eh und je. Mit romantischen Lovesongs schmachtet der preußische Tollhaus-Besitzer (Alexander Di Capri) seine Zaza aus Fürth an, die immer wieder an Schorschs Treue und Zuneigung zweifelt. Zickig, hysterisch? Nicht wirklich. Verglichen mit dem Filmcharakter präsentiert Volker Heißmann eine relativ ruhige und vernünftige Diva. Mit viel Emotion trägt Zaza die Hymnen „Mascara“ und „Ich bin, was ich bin“ unter der musikalischen Leitung von Thilo Wolf vor. Das Publikum ist gerührt. Auch, da Heißmann und Di Capri als Bühnenpaar vertrauter und verliebter wirken, als Ugo Tognazzi und Michel Serrault auf dem Bildschirm. Seufz!

Zwischen Ronhof und Gustavstraße

Freilich deckt sich die Grundhandlung des Musicals mit Jean Poirets originaler Theaterfassung (1973) und dem Plot des Kultfilms aus dem Jahr 1978. Doch wir sind in der Kleeblattstadt und dazu in der Comödie. Deshalb darf der typische Volker Heißmann natürlich nicht fehlen. Auch als Zaza nimmt der 47-Jährige seine Heimat auf die Schippe und bringt die Zuschauer damit – wie soll es anders sein – zum Lachen. Die Witze sind mit ihren Pointen auf das Fürther Publikum zugeschnitten. Wer sonst weiß mit dem Ronhof und der Gustavstraße etwas anzufangen? Gut, Fußballfans vielleicht, die nach Verlassen des Gästeblocks den Spieltag in der Altstadt ausklingen lassen.

Die Einkaufsmeile „Neue Mitte“ wird ebenfalls durch den zuckersüßen Travestie-Kakao gezogen. Nur Damenbekleidung gebe es dort in den Geschäften nämlich zu kaufen. „Da muss man(n) in Fürth ja zur Tunte werden“, stellt Heißmann fest. Dr. Ignaz Scharrer (Marcel Gasde) gefällt das gar nicht. Scharrer – erzkonservativer CSU-Abgeordneter und Schwiegerpapa in spe von Schorschs Sohnemann (Markus Schöttl). Ausgerechnet in die Tochter (Elena Otten) des strengen Politikers musste sich Flori verlieben. Es ist kompliziert. Doch am Ende bleibt Markus Söder, ich meine natürlich Ignaz Scharrer, nichts anderes übrig, als seine Meinung zu ändern.

Ich habe meine Meinung nicht geändert. Enzingers Inszenierung von EIN KÄFIG VOLLER NARREN ist fränkisch – oder besser gesagt – „Färdderisch“, verliert aber trotz ihrer regionalen Anpassung nicht den französischen Charme des Originals. Franken und Frankreich? Das passt.

Achso, beinahe hätte ich es vergessen: Könnte sich bitte eine Krankenschwester um den bemitleidenswerten Klub-Mitarbeiter Franz (Tom Pöllmann) kümmern? Aber nicht mit allzu viel Leidenschaft. Die hat seine Angebetete nämlich schon im Übermaß.

Kategorie: Kritiken,La Cage Aux Folles

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Autor: B. Schlager (07.02.2017)

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