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DIE STORY MEINES LEBENS – Standing Ovations für eine wundervolle Trauerrede

Spektakuläre Zweiakter mit pompösen Bühnenbildern und Choreografien – so kennen und lieben Musicalfans die populären Produktionen. Wer daher am 14. Oktober im Stadttheater Fürth eine ebenfalls prachtvolle Show erwartet hatte, war möglicherweise fehl am Platz. Denn DIE STORY MEINES LEBENS von Neil Bartram und Brian Hill ist kein „Blockbuster-Musical“. Groß sind das Zwei-Personen-Stück und Martin Maria Blaus Inszenierung dennoch, was nicht zuletzt am großartigen Spiel der beiden Darsteller Thomas Borchert und Jerry Marwig liegt.

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Papier voller Emotionen in DIE STORY MEINES LEBENS © Günter Meier

Eine Freundschaft wie der Flügelschlag eines Schmetterlings

105 Minuten Schauspielkunst erlebte das Premierenpublikum bei der deutschen Erstaufführung im vollen Zuschauerraum, in dem während der Vorstellung fast durchgehend Stille herrschte. Eine Stille, die mich an meine Kindheit erinnerte, als mir Mama meine Lieblingsmärchen vorgelesen hat. Gebannt habe ich ihren Worten gelauscht, während in meinem Kopf fantastische Bilder entstanden sind. Am Samstagabend erging es mir ähnlich. Nur diesmal waren es Thomas Borchert und Jerry Marwig, die mich mit ihren Worten und Gesten in die Welt von Thomas Weaver und Alvin Kelby entführten. Konzentriert folgte ich ihrem Spiel und Gesang. Dabei bemerkte ich, wie ich entweder lächelte oder sich meine Augen mit Tränen füllten. Die Texte, die beide persönlich vom englischen Original ins Deutsche übersetzt haben, verschmelzen mit Plot und Melodie. Für den einen oder anderen mag das jetzt pathetisch klingen. Genauso wie DIE STORY MEINES LEBENS im Fürther Stadttheater bei einem Zuschauer mehr, bei einem anderen weniger Emotionen auslöste. Wer sich jedoch auf das feinsinnige Kammermusical einlässt und Frank Capras „Ist das Leben nicht schön?“ mindestens einmal gesehen hat, wird sich nicht langweilen, sondern den Saal nach der Aufführung gerührt und begeistert verlassen.

Jerry Marwig als Freigeist Alvin © Günter Meier

Denn Jerry Marwig und Thomas Borchert, der nach NEXT TO NORMAL und LUTHER – REBELL GOTTES bereits Dauergast in Fürth ist, gehen in ihren Rollen auf. Es ist deutlich zu spüren, dass die zwei Darsteller nicht nur Kollegen sind, sondern die beiden eine langjährige Freundschaft verbindet. Eine Freundschaft, wie sie auch Alvin Kelby und Thomas Weaver kennen, obwohl ihre Persönlichkeiten doch so unterschiedlich sind. Während sich Thomas der Gesellschaft anpasst, ist „Al“ nicht von dieser Welt. Er ist ein „Freak“, ein „Knallkopf“, der den frühen Tod seiner Mutter nie wirklich verwinden konnte. Vor allem ist er aber ein ewiger Junge, der in einem Schmetterling und einer Schneeflocke das Wundervolle entdeckt – so wie Jerry Marwig in Alvin Kelby. Ob aufgedreht und kindlich, traurig oder ernst – Marwig zieht das Publikum in seinen Bann. Auch Thomas Borchert überzeugt als Thomas Weaver in all seinen Gefühlslagen, als erwachsener Karrierist und Schulfreund. Wenn er mit Alvin gedanklich in die Vergangenheit reist und beide ihre Kindheits- und Jugenderlebnisse nachspielen, ist das so herrlich mit anzusehen und anzuhören, dass einem das Herz aufgeht. „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Tornado auslösen?“, möchte Alvin zum Beispiel wissen, noch ahnungslos, wie sehr diese Frage seine Freundschaft mit Thomas betrifft.

„Nur ein leeres Blatt Papier“

Spiel und Stück sind reine Poesie. Dabei kommt die Inszenierung ohne jeglichen Schnickschnack aus – damit „Freiraum für die Fantasie der Zuschauer bleibt“, erklärt Regisseur Martin Maria Blau. Gleiches gilt für die Musik, die mit den Sprechpassagen „fantastisch verwoben ist“ und daher eine Herausforderung für Stephan Sieveking ist. „Denn wenn sich Sprache und Gesang permanent abwechseln, ist es sehr schwierig, den Einsatz zu finden“, gesteht der musikalische Leiter, der ebenfalls den Minimalismus bevorzugt. Ein Flügel (Stephan Sieveking), ein Cello (Astrid Naegele), ein Saxofon/Reed (Detlef Raschke) sowie perkussive Effekte (von Hauke Wendt) untermalen Gesang, Dialog und Monolog mit einer Leichtigkeit, die nicht von Borchert und Marwig ablenkt, sondern ihr Spiel dezent unterstützt. Das Konzept geht auf.

Thomas Weaver (Thomas Borchert) grübelt © Günter Meier

Manchmal ist weniger einfach mehr. Man glaubt ja gar nicht, wie gut ein paar Stapel mit unbeschriebenem Papier eine Geschichte erzählen können. Die Geschichte von Alvin Kelby, der sich am Weihnachtsabend augenscheinlich das Leben nahm, nachdem sich sein bester Freund Thomas Weaver immer mehr von ihm distanziert hatte. Dieser soll nun auf der Beerdigung eine Trauerrede halten. Doch was soll er schreiben? Dem erfolgreichen Schriftsteller fällt es schwer, die richtigen Worte zu finden – bis Alvin die Himmelsleiter hinabsteigt, in Thomas' Gedankenwelt eintaucht und ihn an ihre gemeinsame Zeit erinnert. Was Thomas nämlich vergessen hat: Die Geschichten befinden sich alle in seinem Kopf. Doch nicht nur das. Einige davon hat er sogar schon aufgeschrieben und veröffentlicht. Eine bittere Erkenntnis überkommt den preisgekrönten Autor: Beeinflusste „Al“ sein Leben und seine Karriere mehr, als ihm bewusst war? Wie sehr wirkte sich sein eigenes Verhalten auf das Leben des Freundes aus?

„Immer wenn ein Glöckchen klingelt…“

Und welche Rolle spielten dabei Filmregisseur Frank Capra und Schriftsteller Mark Twain? So viel sei verraten: eine sehr große. Mit der Tragikomödie „Ist das Leben nicht schön?“ beginnt nämlich nicht nur Thomas' und Alvins Freundschaft. George Bailey und Schutzengel Clarence begleiten die zwei Freunde ihr ganzes Leben lang. Gleiches gilt für Mark Twain und seinen Romanhelden Tom Sawyer. Beide fungieren als Schlüsselfiguren, die in der Tat die Türen zu Thomas' und Alvins Zukunft aufschließen – womit wir wieder beim Schmetterling wären. Dem Schmetterlingseffekt folgt ein Aha-Effekt. Wie ein Puzzle setzt sich DIE STORY MEINES LEBENS aus einzelnen Stücken zusammen, die am Ende ein Bild ergeben. Nur ein Teilchen, ausgerechnet das wichtigste, bleibt Thomas' und dem Publikum bis zuletzt verborgen. Unbefriedigend? Nein. Denn wieso gerade dieses Puzzlestück fehlt und nicht gefunden werden kann, ist am Ende selbsterklärend und offensichtlich.

Mark Twain wollte mit seinen Abenteuern „Erwachsene daran erinnern, wie sie einmal waren.“ Komponist Neil Bartram und Autor Brian Hill möchten mit THE STORY OF MY LIFE die Herzen der Zuschauer öffnen. Die Botschaft, die sich dahinter verbirgt, ist klar: Auf welchem Lebensweg ihr euch auch immer befindet, lasst eure Freundschaften nicht verfliegen wie die „Engelchen im Schnee.“ Schätzt und respektiert eure Freunde, bevor es zu spät ist.

Sechsmal noch spielen Thomas Borchert und Jerry Marwig vor dem Fürther Publikum Thomas Weaver und Alvin Kelby. Die Vorstellungen finden zwischen dem 17. und 22. Oktober täglich statt.

Weitere Angaben zur Inszenierung:

Ausstattung: Azizah Hocke, Lars Peter; Dramaturgie: Matthias Heilmann; Licht: Sebastian Carol

Kategorie: Kritiken,Stadttheater

Tags:

Autor: B. Schlager (16.10.2017)

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