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Die EINSTEIN – Autoren im Gespräch

Am 22.04.2016 feiert das Musical EINSTEIN im Theater Hof seine Uraufführung. Die Texterin Maren Scheel und der Komponist Stephan Kanyar haben sich die Zeit genommen, um mit Musical1 über ihr Werk zu reden und kleine Einblicke in das zu gewähren, was die Zuschauer bei EINSTEIN erwartet.

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Großes Interview zur Entstehung von EINSTEIN

Am 22. April 2016 feiert im Theater Hof das Musical EINSTEIN seine Welturaufführung. Während dort die Proben begonnen haben, haben sich der Komponist Stephan Kanyar und die Texterin Maren Scheel Zeit genommen, um über dieses Stück und seine Entstehung zu sprechen und erste Einblicke zu gewähren.

Musical1: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Musical über Einstein zu machen?

Maren Scheel: Wir finden, er ist eine faszinierende Persönlichkeit! Er ist so ambivalent. Er war brillant, er war großartig, er konnte hinter die Dinge sehen, und Lösungen finden, die sonst keiner vermutet hatte. Und schon gar nicht dort, wo er sie fand. Er war in der Lage sogar tief in die Naturgesetze zu schauen, und all das auch zu hinterfragen; dabei so unglaublich in den Dingen aufgehen. Diese große Persönlichkeit! Er war der der erste Popstar der Wissenschaft. Er war faszinierend als Mann, als Mensch, ein großer Womanizer. Ihm werden ja alle möglichen Affären mit den großen Damen dieser Zeit nachgesagt, uneheliche Kinder. Aber er war auch jemand, der im Kleinen, also innerhalb der Familie, versagt. Und es ist einfach unglaublich, dass der Vordenker für die UNO, der für eine Welt des Friedens und der Abrüstung kämpft und der sehen kann, was mit einer Welt passiert, wenn man sich nicht gemeinschaftlich auf eine Reise begibt, sondern gegeneinander steht, gleichzeitig jemand sein kann, den nicht die Not seiner Nächsten, seiner Liebsten rührt. Wie zum Beispiel sein kranker Sohn, den er vernachlässigt, obwohl er ihn mehr gebraucht hätte als sonst irgendwen. Er lebte in einer sehr turbulenten Zeit, die er mitgeprägt hat. Die Welt war im Umbruch, eine Zeitenwende, in die er hineingeboren wurde. Seine Familie besaß eine Ingenieursfirma, die zum Beispiel für die Elektrifizierung Schwabings mitverantwortlich war.

Maren Scheel

© Maren Scheel

Es ist faszinierend, dass er im Kleinen Zeuge davon ist, dass es in der Stadt eine Straßenbeleuchtung gibt und im Großen schafft er es, Licht hinter Dinge zu bringen, bei denen vorher gar kein Mensch ahnte, dass da Licht zu finden ist.

In der Zeit, in der er seine Arbeit begann, gab es die vorhellige Meinung, dass alle Energiequellen entdeckt wurden und der Mensch weiß, was es zu wissen gibt – bis Einstein kam! Es gab sogar eine reaktionäre Strömung, die davon überzeugt war, dass vielleicht doch die Erde das Zentrum des Universums ist.
Und dann gab es die Kriege, die furchtbare Nazizeit, er ist immigriert, er musste fliehen, auf ihn wurde ein Kopfgeld ausgesetzt – 50.000 Reichsmark, sollte gehängt werden, seine Bücher wurden verbrannt. In seiner Zeit in Amerika war er, der überzeugte Pazifist, über seine Forschungsergebnisse, sein e= mc2, mittelbar beteiligt am Bau der Atombombe, wodurch über 200.000 Menschen grausam gestorben sind und an den Spätfolgen immer noch sterben.
Summierend: Unfassbares Material für jede Form der Geschichte!

Stephan Kanyar

©Stephan Kanyar

Stephan Kanyar: Für mich als Komponist ist dann auch immer die Frage, wo sind da große Emotionen, die ich da Klang werden lassen kann. Und da ist Einstein eben sehr witzig, man musste nicht erst suchen, wo kann ich etwas Freude in das Stück bringen. Er war ein unglaublich geistreicher und humorvoller Mensch. Gleichzeitig die Vertreibung aus Deutschland, diese großen, schwarzen und tiefen Momente, aber auch diese fordernde Neugier eines jungen Forschers. Emotional und musikalisch bietet das eine ungeheure Spielfläche.

Musical1: Wird dieses Musical biografisch sehr authentisch sein oder wurden viele künstlerische Freiheiten ausgelebt?

Stephan Kanyar: Das Stück ist unglaublich gut recherchiert und dann in einen theatralen Kontext übertragen. Es ist natürlich kein VHS-Kurs, aber alles, was bei uns in der Handlung ist, ist auch so passiert. Das finde ich wichtig, denn wenn man sich Einstein annimmt, dann kann man zwar sicher bestimmte Dinge frei komponieren, aber was vorkommt, muss Einstein sein.

Maren Scheel: Wir haben beim Recherchieren für “Einstein -das Musical ” eine dramaturgische Goldgrube entdeckt: Nämlich dass sein Gehirn gegen Einsteins Willen, gegen seinen ausdrücklichen Wunsch nach der Obduktion verbrannt zu werden, gestohlen wurde und zwar vom Pathologen, der damals die Autopsie vorgenommen hat. Der hat dieses Gehirn zu sich mit nach Hause genommen, um damit eigene Forschungen zu betreiben. Es wurde erst in den späten 90ern zurückgegeben und in der ganzen Zeit hat der Pathologe Dr. Thomas Harvey versucht herauszufinden, worin sich das Genie eines Menschen im Gehirn manifestiert.Unglaublich. Eine Biografie ist immer eine Zeitreise und in unserer Reise springen wir jetzt zunächst ins Jahr 1955 , zu dem Moment, als Einsteins Gehirn gestohlen wurde. Und zu ihm, der es tat.

Musical1: Dieser Pathologe Dr. Harvey wird also eine größere Rolle einnehmen?

Maren Scheel: Es beginnt mit Dr. Thomas Harvey, der herausfinden möchte, was Einstein so besonders macht. Aus einer großen Sehnsucht nach Ruhm, aber auch aus dem Wunsch, wie Einstein hinter die Dinge sehen zu dürfen. Was ich bis dahin auch nicht wusste, ist, dass Autopsie heißt, dass man die Spuren findet, die das Leben hinterließ. Das ist natürlich für einen biographischen Theaterabend brillant. Wir nehmen über besagten Dr. Harvey die Zeitreise auf, der versucht sich Einstein zu nähern und haben damit eine großartige Figur, die das Publikum an diesem Abend begleitet. Eine spannende, schräge Figur. Er füllte das Gehirn in Würfel geschnitten in zwei Mayonnaisegläser, ist damit umgezogen, hat es bei seiner Ex-Frau im Keller vergessen… Er trat mit diesem Gehirn tatsächlich eine 40 jährige Odyssee durch ganz Amerika an.

Stephan Kanyar: Wir beginnen diesen Abend mit eben diesem Mister Harvey, der in einem Lied besingt: wenn das Leben Spuren hinterlassen hat, dann kann ich die hier, im Gehirn, finden, um so im Prinzip Türen in die Vergangenheit zu öffnen, die dann in der Show die Kapitel von Einsteins Leben zeigen.

Musical1: Gab es bestimmte Dinge beziehungsweise Szenen, die besonders schwierig waren?

Maren Scheel: Das war eine wirklich besonders schöne Arbeit an diesem Stück und wir haben uns dafür sehr viel Zeit nehmen dürfen. Es gibt so viele Momente, die zauberhaft sind, wunderschöne Musik, aber auch gleichzeitig Szenen, an denen man lange hadert. Wie bringt man zum Beispiel eine Atom- Bombe auf die Bühne…

Stephan Kanyar: Wir haben für uns aber recht früh gesetzt, dass wir das durchaus möchten, dass das für uns ein wichtiger Punkt ist.

Maren Scheel: Genau. Wir machen ja kein Musical in diesem alten Klischee „lustig, fröhlich, Heiterkeit“. Man kann in diesem Genre auch ganz weit gehen. Wir haben uns also entschieden, Hiroshima vorkommen zu lassen. Was dann als nächstes Problem auftaucht ist die Frage: Wie fängt man so einen tragischen Moment auf? Wie führt man das zum klassischen unterhaltsamen Musical zurück? Und da bietet Einstein mit der Physik, die aber keinesfalls trocken oder so ist, zum Glück viele Möglichkeiten.

Stephan Kanyar: Es war eine schöne Arbeit, aber ich habe auch noch nie so viele komplette Stücke wieder verworfen. Oft haben wir etwas geschrieben, was wirklich gut war, etliche schöne Lieder und Momente, die aber dann doch nicht ganz genau das waren, was uns dramaturgisch auch weiterbringt.

Musical1: Wie sehr gehen Sie auf Einsteins Physik ein?

Maren Scheel: Wir haben dramaturgisch die Physik Einsteins ernst genommen und sie als Basis verwendet. Von der Position eines Beobachters aus ist man bei ausreichender Distanz und großer Geschwindigkeit theoretisch in der Lage, sich gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sehen. Dadurch können wir unseren Beobachter, Dr. Thomas Harvey, Einstein als Kind, als Mann und als Greis sehen. Und wenn man dann gleichzeitig weiß, dass der, über den das Stück geht, diese Physik begründet hat, die wir hier als dramaturgische Schablone verwenden, bringt das eine zusätzlicheTiefe ohne aufdringlich zu sein.

Musical1: Welche Musik erwartet die Zuschauer?

Stephan Kanyar: Die Musik in Einstein ist sehr vielschichtig und bunt. Es gibt natürlich stilistische Anleihen an die entsprechenden Zeiten. Einsteins Leben umfasst da ja eine große Zeitspanne in der es auch viele musikalische Veränderungen gab. Es gibt Stücke die in der Färbung nach 20er und 30er Jahren klingen, aber es gibt auch große Balladen und kraftvolle, vielschichtige Ensembles.
Ich arbeite meistens so, dass ich ein paar Lieder schreibe, die dann die als Themen die Säulen meiner Partitur bilden. Diese Melodien ziehen sich dann, mal sichtbarer, mal versteckter, durch den ganzen Abend.
Harveys Lied „Türen in die Vergangenheit“ ist in “EINSTEIN” so eine Säule.
Ein anderes Lied das ganz zentrale Bedeutung über den Abend hat, ist „Hinter den Dingen“. Dieses Lied singt bei uns zu aller erst Einstein Vater für seinen kleinen Sohn.

Maren Scheel: Einstein hatte einen ganz tollen Vater, dem – das hat Einstein selber mal gesagt – das Schauen ohne Wünsche gegeben ist. Dass man einfach sehen kann, ohne dass man sich etwas neues dazu wünscht. Und Einstein hatte ein schönes, für die damalige Zeit sehr offenes Elternhaus, was ihn gefördert hat und ihm sehr zugewandt war.

Stephan Kanyar: Maren hat eine Szene geschrieben, in der der kleine Einstein von seinem Vater einen Kompass bekommt. Der Junge ist ganz fasziniert. Was ist das? Was kann das? Und der Vater versucht einfach, ihn neugierig zu halten, sagt, dass man eben nicht immer auf das Offensichtliche schauen darf. Das ist musikalisch dann ein ganz kleines, zärtliches „Hinter den Dingen“-Thema, welches da in den kleinen Einstein gepflanzt wird.

Maren Scheel: Das führt dann dazu, dass Einstein wissen will, was noch keiner weiß.

Stephan Kanyar: Dieses Samenkorn können wir dann musikalisch aufgehen sehen. Und das zieht sich dann, mal versteckt und mal, wie im Finale sehr exponiert, durch die ganze Show. Dadurch konnte ich auch musikalisch sozusagen einen Samen setzen aus dem dann ein ganzer Baum wächst.

Maren Scheel: Was für uns zum Teil wirklich schwierig war waren die Physiker. Wie treten die auf? Wie klingen die?

Stephan Kanyar: Es war uns wichtig, die Physiker als brillante, schnell denkende und teilweise auch sehr witzige und vor allem geistreiche Figuren zu zeigen.

Maren Scheel: Eine große Überlegung war auch, wie man mit der Physik umgeht.
Wir hatten in einem frühen Stadium unseres Stückes die tatsächliche, wörtliche Ableitung einer Formel in einem Lied, was zwar sehr spannend war, aber dann mussten wir doch sagen: Das bringt es leider nicht, das ist zu sehr Telekolleg. Wir haben uns dann einem bekannten Einstein Zitat bedient: Gott würfelt nicht.

Stephan Kanyar: Daraus ist dann eine große Popballade geworden in der wir den großen Moment beschreiben, in dem Einstein spürt, dass da ein übergeordnetes Gesetz ist.

Maren Scheel: Wir wollten einen schönen Theater- Abend kreieren, der Spaß macht, mit großartigen Charakteren. Die Physik ist für uns einfach noch ein Bonbon obendrauf, weil sie uns viele Möglichkeiten gibt, Ebenen und Verknüpfungen zu finden.
Uns ging es nie darum, mit dem Stück tatsächlich Physik zu vermitteln. Uns ging es immer um die Figur und die Kraft, die in dieser Figur liegt; um sinnlich Erfahrbares. Obwohl hinter und in jeder Szene viel Physik steckt.

Musical1: Es begannen ja vor kurzem die Proben. Ist es bisher so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Maren Scheel: Hof ist ein erfahrenes Musicalhaus und wir wollte schon lange ein Projekt mit Herrn Reinhardt Friese machen. Er engagiert sich sehr für das Genre und ist einer der wenigen Intendanten, die den Mut haben deutsches Musical im Repertoire spielen. Zusätzlich bringt er viele Uraufführungen. Wir vertrauen ihm voll und wenn das, was er macht, etwas anderes sein sollte, als das, was wir im Kopf hatten, dann wird es ganz sicher trotzdem großartig, weil es eben seine Fantasie ist. Und das ist ja auch das schöne: es kommen immer mehr Leute mit ihrer Kreativität dazu. Und dann auch noch ein ganz besonderes Bühnenkonzept…

Stephan Kanyar: Hof bietet wirklich tolle Arbeitsbedingungen.
Wir haben unter anderem drei perfekte Einsteins: Chris Murray als alten Einstein, Christopher Brose als jungen Forscher Einstein und Elias Himes als kleinen Albert. Wir haben Léon van Leeuwenberg und Christian Venzke, die absolut fantastische Musicaldarsteller sind! Als weiteren Gast Julia Klemm als Mileva Einstein und aus dem Hofer Ensemble Thilo Andersson als Dr. Harvey, sowie Susanna Mucha und Florian Bänsch, die alle extrem engagiert einen großartigen Job machen. Dann das große Orchester und einen sehr gut vorbereiteten Chor. Das sind eine Menge talentierte Menschen die jetzt mit viel Hingabe und Professionalität unser Stück auf die Bühne bringen. Das ist toll!

Musical1: Wie lange haben Sie an Einstein gearbeitet?

Stephan Kanyar: Anderthalb bis zwei Jahre. Normalerweise arbeiten wir an einem Musical ein Jahr. In diesem konkreten Fall waren wir sehr froh, uns mehr Zeit nehmen zu können.

Maren Scheel: Wenn man sich, wie hier, fast zwei Jahre mit einem Stoff auseinander setzt, muss das Thema natürlich richtig rocken, sonst ist es einfach auch verschenkte Lebenszeit.
Wir haben das Glück, dass wir uns die Themen selbst aussuchen können, an denen wir gern arbeiten wollen. Dann macht es einfach nur Spaß sich jeden Morgen dranzusetzen und jeden Abend zu planen, wie man weitermachen wird.
Man kann grob sagen, ich brauche zwei Drittel bis drei Viertel der Zeit für Recherche und um ein Gerüst zu erstellen. In diesem Fall dauerte es besonders lange, da ich mir erst einmal die theoretischen Physik-Grundlagen aneignen musste. Mir war es wichtig, dass wir das soweit verinnerlicht haben, dass wir es in seiner künstlerischen Umsetzung auch wirklich erfahrbar vermitteln können und das hat einfach seine Zeit gebraucht.
Ein Punkt war zum Beispiel die Krümmung von Raum und Zeit, das war eine ziemliche Herausforderung: Wie bringt man so etwas auf die Bühne? Ich bin überzeugt, wir haben da wirklich großartige Möglichkeiten gefunden, wie wir Physik sinnbildlich auf der Bühne darstellen können – und es macht richtig Spaß zuzusehen. Und man bekommt eine Ahnung dessen, wie es ist, hinter die Dinge zu sehen.

Erste Einblicke

Während dieses Gespräches wurden auch einige Einblicke gewährt, die neugierig auf mehr machen. Auf dem youtube-Kanal des Theaters Hof werden Einblicke in die Workshops gewährt, die schon einige Lieder und Liedausschnitte zeigen.
Schon bald kann man dieses Stück im Ganzen genießen. Der Vorverkauf startete bereits vor einiger Zeit und noch sind Restkarten vorhanden.

Kategorie: Interviews

Autor: A. Polifka (12.03.2016)

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