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Deutschlandpremiere von 9 TO 5 in Merzig

Der Wecker steht auf "Deutschsprachige Erstaufführung" im Merziger Zeltpalast. Nachdem dies vor zwei Jahren mit der ADDAMS FAMILY mehr als erfolgreich geglückt ist, feierte nun das Musical 9 TO 5 Premiere an der saarländischen Spielstätte. Noch bis zum 18. September ist das Musical mit namhaften Darstellern zu sehen.

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9 to 5 Merzig
9to5merziglogo © Brinkhoff/Mögenburg

Büroalltag mit Country-Hits

Die Gleichberechtigung in Merzig ist hergestellt – jedenfalls auf dem Spielplan. Während im letzten Jahr bei LA CAGE AUX FOLLES das Ensemble überwiegend männlich war, sind in diesem Jahr 80% der Hauptdarsteller weiblich. Das wundert auch kaum, denn das Musical 9 TO 5 – WARUM EIGENTLICH BRINGEN WIR DEN CHEF NICHT UM? handelt vom Alltag in einem Büro und die Arbeit von Sekretärinnen wird immer noch überwiegend von Frauen ausgeführt. Mit dem Musical (Buch Patricia Resnick) über den Büroalltag von 9 Uhr bis 5 Uhr mit Musik und Liedtexten der Country-Sängerin Dolly Parton hat sich der Zeltpalast Merzig eine weitere deutschsprachige Erstaufführung gesichert. Musical1 hat die Premiere besucht und die ersten Eindrücke zusammengetragen.

Das Musical spielt in den 1980er Jahren und die Handlung lässt sich im Grunde einfach mit “Alltag in einem Büro” zusammenfassen. Violet Newstead, Doralee Rhodes und Judy Bernly, die zu ihrem ersten Arbeitstag antritt, müssen sich von ihrem Chef Franklin M. Hart allerhand gefallen lassen. Bürodrache Roz Keith überwacht strengstens die Einhaltung der Büroregeln und erstattet bei Fehlverhalten dem Chef umgehend Bericht, für den Roz intensiv schwärmt. Dieser konzentriert seine Schwärmereien jedoch mehr auf Doralee, die unter seiner sexistischen Art am meisten zu leiden hat. Als sich ein von Hart selbst gestreutes Gerücht unter den Büromitarbeiterinnen als falsch herausstellt, schließen sich Judy, Violet und Doralee zusammen und wollen sich an Hart rächen.

Frauenpower auf der Bühne

Die drei Sekretärinnen bilden ein gut abgestimmtes Trio. Edda Petri als Powerfrau Violet, die im Job ihren Mann steht, im Privatleben jedoch von Unsicherheit nicht verschont bleibt. Sarah Bowden zeigt, dass Doralee zwar blond, aber sehr taff ist und man sich nicht alles gefallen lassen muss. Sabrina Harper macht als Neueinsteigerin Judy Bernly zunächst einen herrlich unbeholfenen Eindruck entwickelt sich dann aber schnell zu einer Frau, die weiß, was sie tun muss. Ob nach Arbeitsschluss “stoned” auf dem Sofa, entschlossen beim Kidnappen des Chefs und verschwörerisch beim Schmieden der Pläne fürs Büro, die drei haben Spaß beim Spiel und das übertragt sich schnell ins Publikum. Die Lieder des Stückes bieten allen drein ausreichend Gelegenheit sich stimmlich zu präsentieren. Besonders glänzen kann Harper, da sich ihre Rolle auch scheinbar stimmlich sehr weiterentwickelt und im zweiten Akt ihrem Ex-Mann deutlich Paroli bietet.

April Hailer spielt die Rolle der Roz Keith. Zum Einen korrekt und auf Effizienz bedacht, zum Anderen hoffnungslos in den Chef verliebt, gelingt ihr in der Rolle ein Spagat, der die Rolle nicht zum bösen Bürodrachen abstempelt. Eher lassen sie ihr großartiges komödiantisches Timing und eine starke Stimme bei ihrem Solo “Roz und Heart” zum Publikumsliebling werden. Zumal die Rolle, die Buh-Rufe verdient eher die von Chef Hart ist, die Frank Winkels übernimmt. Dass man ihn mit genau solchen Rufen beim Schlussapplaus “belohnen” möchte, soll in diesem Fall zeigen, dass er den Chef so spielt wie er im Stück rüberkommt: despotisch, egoman, sexistisch…

Das restliche Ensemble aus Benjamin Sommerfeld, Marcella Adema, Fanny Hoffmann, Katrin Merkl, Jany-Lynn Steinbrunn, Christian Funk, David Lake, Benjamin Merkl und Wolfgang Schwingler bringt mit der Choreographie von Danny Costello und teilweise blitzschnellen Kostümwechseln ordentlich Schwung auf die Bühne. Im Bürogeflecht spielt jeder eine wichtige Rolle mit Wiedererkennungswert.

9 to 5 Merzig Bühne

© Rolf Ruppenthal

Handlung mit Stärken und Schwächen

Die Musik unter der Leitung von Hans Christian Petzoldt wird live von einer fünfköpfigen Band gespielt. Ohrwurmcharakter hat das Stück “Tag für Tag” , die übrigen Stücke bleiben beim erstmaligen Hören leider nicht so hängen, da man sich stark auf den Text konzentriert. 9 TO 5, in Merzig unter der Regie von Alex Balga schneidet Themen an, die auch heute an Arbeitsplätzen noch aktuell sind. Das Stück kann mit Witz und Tempo im Bühnengeschehen punkten. Viel dazu bei trägt auch die LED-Leinwand und das mobile Bühnenbild von Walter Vogelweider. Verschiebbare Aktenschränke, Schreibtische und Aufzugstüren sorgen für viel Abwechslung. Die Leinwand komplettiert das Bühnenbild und will sie nicht, wie bei manch anderer Produktion ersetzen. Doch das Stück hat einige Längen und Schwächen was den Spannungsbogen angeht. Der erste Akt ist mit knapp eineinhalb Stunden sehr lang und endet mit der lange erwarteten Entführung Harts und einem Spezialeffekt sehr dramatisch. Man ist gespannt wie es nach der ersehnten Pause weitergeht und wird enttäuscht. Hart wird in seinem eigenen Haus festgehalten und man bekommt ihn lange Zeit nicht zu Gesicht. Stattdessen ändert sich im Büro scheinbar viel mit etwas Farbe an den Wänden, ein paar zusätzlichen Arbeitserleichterungen, alles dank den Einfällen der drei Entführerinnen. Als der Chef schließlich flüchten kann und sich in Unterhosen vor dem Vorstandschef rechtfertigen muss, kommt einem das alles sehr einfach vor.

Dennoch lohnt zur Sommerzeit nicht nur der Besuch einer der vielen Freilichtbühnen, sondern auch des Zeltpalastes in nach Merzig. Das Musical 9 TO 5 profitiert von einem starken Darstellerinnentrio und einer gelungenen Ausstattung. Mit der ADDAMS FAMILY ist Produzent Joachim Arnold ein Erstaufführungs-Coup gelungen, den er mit 9 TO 5 auch wünschenswert fände. Ob das Stück dafür alle Voraussetzungen erfüllt, bleibt abzuwarten. Jedoch ist es sehr erfrischend, dass sich Merzig an neue Stücke traut.

Kategorie: Stadttheater

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Autor: N. Kroj (15.08.2016)

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  • Molly 16. August 2016 at 22:34 / Antworten

    Das Musical spielt in den spätern 1970ern und nicht den 1980ern. Das wird u.a. in der Inszenierung ganz eindeutig durch die Psychedelic Farben klar

    Außerdem hier zum Nachlesen:
    http://www.mtishows.com/9-to-5-the-musical

    • N. Kroj 17. August 2016 at 10:17 / Antworten

      Liebe Molly, vielen Dank für den Hinweis. Ich habe mich auf einen Bericht des Saarländischen Rundfunks bezogen, bei dem zweimal, einmal sogar von einer Darstellerin die Rede von den frühen 80er Jahren war. Den Bericht kann man hier nochmal ansehen SR Mediathek
      Aber egal ob man es 10 Jahre früher oder später einordnet, man wird seinen Spaß am Stück haben 😉

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