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DER MANN VON LA MANCHA: Don Quixote kämpft furchtlos in der Wiener Volksoper

Die Volksoper Wien hat am 17.10.2015 einmal mehr mit einer fulminanten Premiere überzeugt. Das Musical DER MANN VON LA MANCHA besticht durch seine eingängigen, flamencohaften Melodien und die poetischen Texte. Den Darstellern gelingt es mühelos, die Zuschauer in eine Welt voller Phantasie und ungeahnter Möglichkeiten zu entführen. Robert Meyer, Direktor der Wiener Volksoper, überzeugt in der Doppelrolle des Cervante/Don Quixote.

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Robert Meyer / Der Mann von La Mancha Ensemble
Robert Meyer / Der Mann von La Mancha Ensemble © Barbara Pálffy / Volksoper

Ein halbes Jahrhundert

Die Broadway-Premiere des mehrfach preisgekrönten Musical-Klassikers fand am 22. November 1965 in New York statt. Die Originalproduktion wurde insgesamt 2383 Mal im ANTA Washington Square Theater aufgeführt. Das Musical von Mitch Leigh (Musik), Dale Wasserman (Buch) und Joe Darion (Liedtexte) erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und wird rund um den Globus gespielt. Zum 50. Geburtstag hat die Volksoper Wien den Dauerbrenner in einer Neuinszenierung wieder im Spielplan und zeigt das “Stück im Stück” in der aktuellen Spielzeit insgesamt noch 19 Mal.

Neuartige Bühne für die Volksoper

© Barbara Pálffy / Volksoper

© Barbara Pálffy / Volksoper

Das Bühnenbild besteht aus 18 Alukisten die in den verschiedenen Szenen immer neu formiert werden. Bühnenbildner Friedrich Despalmes und Regisseur Olivier Tambosi bringen die Kisten mit Hilfe der Darsteller in unterschiedelichster Weise zum Einsatz. Die Boxen schaffen zum einen verschiedene Räume, werden aber auch als Perkussioninstrumente oder Spiegel genutzt. Der Clou an der Bühne besteht darin, dass sie zum Zuschauerraum mit einem Gefälle von zwölf Prozent versehen ist. Diese Schräge wurde über den Orchestergraben gebaut, so dass sich der Abstand zwischen den Akteuren und dem Publikum verringert. Das Orchester findet in diesem Musical hinter der Bühne Platz und wird zu den einzelnen Songs nach oben gefahren.

Überraschender Beginn

© Barbara Pálffy / Volksoper

© Barbara Pálffy / Volksoper

Bereits vor Beginn der Premierenvorstellung – der Vorhang ist bereits hochgefahren – sind die Gefangenen auf der Bühne. Dort lungern sie herum, und vertreiben sich die Zeit: Sie machen Liegestütze und einer spielt Gitarre. Das Publikum bekommt so schon beim Einlass in den Theatersaal einen Eindruck von den Kostümen für die ebenfalls Despalmes verantwortlich zeichnet. Die Verliesinsassen tragen Latzhosen, Overalls und Achselshirts in Schwarz-, Olive- und Grautönen. Außer dem ersten Auftritt von Cervantes und seinem Diener über die kalte, metallene “Teppe der Inquisition”, die sich vom Schnürboden herabsenkt und bedrohlich ausfährt, gibt es keine Abgänge und Auftritte im klassischen Sinne. Fast alle Protagonisten sind die komplette Spieldauer von 105 Minuten durchgängig auf der Bühne. Sind sie nicht in das Spielgeschehen eingebunden, dann halten sie sich so geschickt im Hintergrund – oder befinden sich durch das gute Lichtdesign von Wolfgang Könnyü im Dunkeln, dass sie fast zu verschwinden scheinen und sich die Konzentration der Zuschauer ganz auf das Hauptgeschehen legt.

© Barbara Pálffy / Volksoper

© Barbara Pálffy / Volksoper

Don Quixote im Musicalformat

Schauplatz des Stückes ist ein Gefängnis-Verlies in Sevilla zur Zeit der spanischen Inquisition. Der Dichter Cervantes sitzt dort gemeinsam mit seinem Diener Sancho wegen Gotteslästerung ein. Er versucht sein “Don Quixote”- Manuskript vor dem Anführer der Insassen, der ihm allen Besitz nehmen will, zu retten und spielt kurzerhand die Geschichte vor. Seine Mitgefangenen tauchen – anfangs etwas widerwillig, als Protagonisten der Geschichte in die Phantasie von Cervantes ein und spielen die heutzutage berühmte Erzählung des „Ritters von der traurigen Gestalt“ vor. Die Regieführung von Olivier Tambosi ist überzeugend und durchweg stimmig. Dabei liegt Tambosis Fokus auf der Kernaussage des Stücks: „Träume den unmöglichen Traum“. „Glaube an das Gute und fange immer wieder von vorne an auch wenn das Leben noch so ausweglos scheint“. Die teilweise rau-wirkenden Choreographien von Stephan Brauer passen gut ins Gesamtkonzept und unterstützen in vielen Szene die Vorstellungskraft die das Publikum benötigt. Sie werden sparsam eingesetzt, so dass sie nicht eigenständig stehen, sondern sich gut in die Rahmenhandlung einfügen: Hier tanzen keine ausgebildeten Tänzer, sondern wirklich Gefagnene in einem spanischen Kerker.

 

© Barbara Pálffy / Volksoper

© Barbara Pálffy / Volksoper

Direktor überzeugt in Hauptrolle

Volksoperndirektor Robert Meyer passt perfekt in die Rolle des schrägen „Möchtergern-Ritters“ – in den er sich selbst in dem Verlies verwandelt. Seine Stimme sitz sowohl in den Sprech- als auch in den Gesagngspassagen äußerst sicher und der warme Klang unterstützt den Optimismus und den Mut seiner Rolle. Gekonnt wechselt er zwischen seinen verschiedenen Figuren hin und her und gibt als Cervantes einen guten Regisseur für sein Stück ab. Meyers Bühnenpäsenz verleiht dem ohne Pause gespielten Musical den nötigen Charakter. Sein treuer Diener und Gefährte Sancho wird von Boris Pfeiffer verkörpert, der zuletzt bei MAMMA MIA in der Rolle des Sam im Raimund Theater auf der Bühne stand. Pfeiffer schafft es vorallem mit Charme und humorvollem Spiel das Publikum für sich zu gewinnen. Beim Song “Ich mag ihn” beweist er  sein Talent für Komik und bringt mit starker Stimme zum Ausdruck warum er bedinngungslos hinter seinem Herrn steht. Als burschikose Straßendirne Aldonza überzeugt Patricia Nessy, die sich gegen die groben Mitgefangenen verbal zur Wehr setzt, aber nicht glauben kann, dass Don Quixote in ihr die feine Dame Dulcinea sieht. Beim Song “Mir ist jeder recht” verwandelt sie sich von der einfachen Gefangenen im grauschwarzen Overall in eine rassige Rothaarige mit schwarzem BH und passenden roten Halbstiefel. Nessy zeigt in ihren Szenen was stimmlich und tänzerisch in ihr steckt und lässt den Zuschauer gekonnt an ihrer überspielten Unsicherheit aber auch an ihrer inneren Wandlung teilhaben.

Ein Abend der zum Nachdenken anregt

Mit vielen originalen Roman-Zitaten von Miguel de Cervantes aus Don Quixote wirkt das Musical sehr lyrisch und regt zum Nachdenken an. Auch der Rest der Inszenierung erinnert an frühere Aufführungen und bleibt damit werkgetreu. Die Mischung aus Tragik und Komik macht den Abend kurzweilig und abwechslungsreich. Wirkliche Wow-Effekte fehlen dem Stück zwar, scheinen aber auch nicht gewollt. Dies zeigt sich auch im Ensemble. Einzelne Darsteller stechen nicht heraus, dennoch wird eine durchweg gute Gesamtleistung geboten. Die Stimmen reichen von Opern- bis Popfärbung und überzeugen. Die Musik ist mit vielen Flamenco-Elementen durchzogen und hat einige eingängige Songs wie „Der Mann von La Manacha“ oder „Dulcinea“ im Repertoire. Es handelt sich um eine sehenswerte Inszenierung, die es zum 50. Geburtstag des Muscials zurecht auf die Bühne der Volksoper geschafft hat und “schlimmstenfalls vertreibt es Euch die Zeit” wie Cervantes zu Beginn selbst sagt.

Kreativ Team

  • Regie: Olivier Tambosi
  • Bühnenbild und Kostüme: Friedrich Despalmes
  • Choreographie: Stephan Brauer
  • Dirigent: Lorenz C. Aichner

Besetzung

  • Don Quixote (Cervantes): Robert Meyer
  • Sancho (Diener): Boris Pfeifer
  • Aldonza: Patricia Nessy
  • Der Gastwirt (Gouverneur):Christian Graf
  • Der Padre: Christian Drescher
  • Dr. Carrasco (Herzog): Christian Dolezal
  • Antonia: Martina Dorak
  • Der Barbier: Thomas Sigwald
  • Jose, Gefangener: Oliver Liebl
  • Pedro, Gefangener: Thomas Huber
  • Juan, Gefangener: Roman Martin
  • Tenorio, Gefangener: Christian Schleinzer
  • Paco, Gefangener: Stefan Bischoff
  • Anselmo, Gefangener: Jeffrey Treganza
  • Gefangener, Haushälterin: Wolfgang Gratschmaier
  • Maria, Frau des Gastwirts: Susanne Litschauer
  • Gefangene: Rita Sereinig
  • Gefangene: Lynsey Thurgar
  • Stimme des Hauptmanns: Peter Matić
  • Gitarrist: Jonathan Bolivar

Die weiteren Spieltermine und Karten gibt des of der Homepage der Volksoper.

Volksoper Wien

Volksoper, Wien, Österreich

Kategorie: Kritiken

Tags:

Autor: M. Sommerfeld (18.10.2015)

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