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VOM FISCHER UND SEINER FRAU

Die Brüder Grimm Festspiele in Hanau bieten der Inszenierung des Musicals VOM FISCHER UND SEINER FRAU eine hervorragende Kulisse. Das schlichte hölzerne Bühnenbild spiegelt die Aufrichtigkeit und zugleich die nordische Melancholie des Stückes wieder. Das Musical bindet das Ensemble stark in die Handlung mit ein und erschafft mit Hilfe von Musik und Choreografie eine ganz besondere Stimmung. Bei herrlichem Wetter hat sich Musical1 dieses Stück nicht entgehen lassen. Zu dem Musical würde Regenwetter thematisch wahrscheinlich sogar besser passen. Aber Regen wäre auch gar nicht so schlimm, denn nass wird bei den Festspielen in Hanau weder das Publikum noch die Darsteller. Das große weiße Zelt spendet Schutz vor jeglichem Wetter. Es gibt also keine Ausrede diesem Musical keinen Besuch abzustatten. Bis zum 28. Juli 2017 haben Sie noch die Chance in die verwunschene Welt des Fischers und seiner Frau einzutauchen.

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Vom FIscher und seiner Frau - Ensemble
Vom Fischer und seiner Frau – Ensemble © Brüder Grimm Festspiele

Myne Fru de Ilsebill

Jacob und Wilhelm Grimm haben zu ihren Lebzeiten unzählige Märchen geschrieben. Die Brüder Grimm Festspiele in Hanau haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Märchen der berühmten Brüder auf die Bühne zu bringen. 2017 finden dort bereits die 33. Festspiele statt. Mitunter haben sie das Märchen VOM FISCHER UND SEINER FRAU in ein Musical verwandelt. Kevin Schroeder, verantwortlich für Liedtexte und Libretto, sagt selbst, dass das Märchen in reiner Form kein Stoff für ein Musical ist. Doch gibt man der Geschichte und den Charakteren mehr Tiefgang und eine Hintergrundgeschichte, entsteht plötzlich ein Musical, das das Publikum gleichzeitig unterhält und zum Denken anregt. Eindimensionale Figuren und nicht nachvollziehbare oder fehlende Beweggründe werden durch die Arbeit von Kevin Schroeder und Marc Schubring (Komposition) zu vielschichtigen Charakteren, die lediglich menschlich handeln.

Was ist dein Wunsch?

Diese einfache Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Stück. Doch, dass diese Frage nicht so leicht zu beantworten ist, wie es anfangs scheint, beweist die Handlung dieses tiefgründigen Musicals. Fischer Munk wirft den verwunschenen Butt Stig zurück ins Wasser. Als er in sein ärmliches Zuhause zurückkehrt und seiner Frau davon berichtet, wittert sie ihre Chance, ihr Leben etwas zu verbessern. Sie schickt ihren Mann los, um den Butt zu suchen und ihn zu bitten, ihm einen Wunsch zu erfüllen. Der Butt willigt ein und fragt den Fischer jedes Mal bei seiner Rückkehr, was sein Wunsch sei. Der Mann, der mit dem Leben als Fischer zu frieden ist, antwortet stets mit den immer größer werdenden Wünschen seiner Frau. Der Butt hingegen versucht seine Stadt unter dem Meer zu retten, scheint jedoch alles nur schlimmer zu machen. Wie die Wünsche der scheinbar größenwahnsinnig werdenden Frau mit dem Rettungsversuch des Butts in Zusammenhang stehen und wie chaotisch das Leben an Land und unter dem Meer wird, wird an dieser Stelle nicht verraten. Eins sei jedoch gesagt, es wird spannend.

Fischer Munk und seine Frau Ilsebill

Anna und Ron © Brüder Grimm Festspiele

Überragende Hauptdarsteller

Die Hauptrollen des Fischers und seiner Frau werden von den bekannten und erfolgreichen Darstellern Anna Montanaro und Ron Holzschuh verkörpert. Beide passen hervorragend in ihre Rollen und sind eine wahre Bereicherung für das Stück. Ron Holzschuh schafft eine perfekte Darstellung des melancholischen Fischers. Er verpackt seine Gefühlswelt und seinen größten Wunsch in einer Art Rätsel, sodass der Zuschauer erst kurz vorm Schluss und im richtigen Moment Einblick erhält. Der Darsteller mimt den netten, unschuldigen Mann, der nur versucht seiner Frau alles Recht zu machen. Doch steht die Frage im Raum, ob er nicht genauso schuldig ist, wie seine Frau, da er die Entscheidung fällt, ihre Wünsche an den Butt heranzutragen. Er ist ständig mit der Frage konfrontiert, was er sich wünsche, allerdings scheint er diese Frage nicht beantworten zu können. Ron Holzschuh weist nicht nur die passende Stimme für diese Rolle auf, er schafft es auch die Melancholie, die Sehnsucht und die immer größer werdende Frust der Rolle schauspielerisch auf den Punkt zu bringen.

Mit Anna Montanaro als Ilsebill haben die Festspiele einen weiteren Glücksgriff gemacht. Die Darstellerin gibt der gierigen und übermütigen Märchenvorlage mehr Persönlichkeit mit mehr Beweggründen und verwandelt sie dadurch in eine unglückliche und einsame Frau, die nach einer Aufgabe, Anerkennung und etwas Glück in ihrem Leben sucht. Das eintönige Leben einer Hausfrau und die Verlockung des Fortschritts und der scheinbar besseren Welt mit mehr Macht und Geld, so wie Ablehnung und Enttäuschung, bringen sie dazu, immer mehr zu wollen. Anna Montanaro verleiht all diesen Emotionen mithilfe ihrer kraftvollen und überaus emotionalen Stimme, Ausdruck. Doch auch ihr Schauspiel ist überragend.

Der Butt, der in dem Original der Brüder Grimm weder Namen, noch eine eigene Geschichte hat, scheint auf dem ersten Blick der tadelloseste Charakter des Stücks zu sein. Er schafft es, die tolle Scheinwelt unter dem Meer zu durchschauen. Er durchbricht die auferlegten Grenzen und Regeln. Er möchte das Leben mit all seinen guten, aber auch schlechten Seiten genießen. Dies ist in seiner Stadt jedoch nicht möglich, da alles so konzipiert wurde, dass niemand Sorgen, Ängste oder Unglück verspürt. Auf Anhieb hört sich das wünschenswert an, doch Stig möchte mehr und so versucht er, seine Stadt aus dem Trott zu retten. Die Frage ist jedoch, ob die Bewohner überhaupt gerettet werden wollen.
Janko Danailow schafft es den Zwiespalt zwischen dem Leben im Meer und dem Wunsch ein Mensch zu sein, hervorragend darzustellen. Er verleiht der Rolle Begeisterungsfähigkeit und überschwängliche Energie, schafft es aber auch die Naivität und Verletzlichkeit schauspielerisch mit viel Ausdruck zu zeigen.

Meta und Pinn - Meeresbewohner

Meta und Pinn© Brüder Grimm Festspiele

Gänsehautmomente auch im Ensemble

Doch nicht nur die Hauptcharaktere wurden mit einer Persönlichkeit ausgestattet, denn auch die Nebenrollen haben ihre persönlichen Beweggründe und sind bei näherem Hinsehen genauso vielschichtig und gut durchdacht, wie Ilsebill, der Fischer und Stig.
Asta ist die vermeintliche beste Freundin von Ilsebill. Dem Publikum wird durch Anna Thoréns hervorragender Mimik und Gestik die Scheinheiligkeit in ihrem Verhalten schnell deutlich. Sie scheint nur daran interessiert, Ilsebill klein zu halten und froh über deren Armut zu sein. Mit dem Aufstieg ihrer Freundin kann sie nicht umgehen und ihre Eifersucht und Feindseligkeit wird immer offensichtlicher, bis es zur großen Auseinandersetzung mit bissigen Kommentaren ihrerseits kommt. Dass ihr Verhalten Ilsebills Erfolg weiter antreibt, kann die von Neid geplagte Freundin nicht ahnen. Einen Blick hinter die Fassade geworfen und ihren Worten näher gelauscht, wird deutlich, dass sie nicht nur aus Eigennutz und Missgunst handelt, sondern vielmehr unglücklich ist und sich keinen anderen Ausweg weiß.

Die Frage “Was wünschst du dir?” stellen sich auch Stigs Freunde, Meta und Pinn. Anfangs sind sie der perfekte Inbegriff eines Bewohners unter dem Meer und zeigen dem Publikum die typische Denkweise. Gerade Meta ist ein Vorzeigebewohner und hält sich an alle Gesetze. Doch der Umgang mit Stig scheint abzufärben und früher oder später müssen sie sich entscheiden, welcher Weg sie zum Glück führt. Oliver Morschel und Jessica Rühle schaffen es in den lustigen Szenen die Stimmung aufzulockern und überzeugen nicht nur durch ihr hervorragendes Schauspiel, sondern auch gesanglich.

Rân - die Meeresgöttin

Rân © Brüder Grimm Festspiele

Als weitere Rolle und Darstellerin ist Sophia Euskirchen als Rân hervorzuheben. Sie verkörpert die Meeresgöttin, die dem Butt seinen Wunsch erfüllen möchte. Dafür fordert sie jedoch einen hohen Preis, den Stig bereit ist zu opfern. Die Göttin ist jedoch weder gut noch böse. Sie versucht lediglich, das Meer im Gleichgewicht zu halten. Die Darstellerin begeistert vor allem mit ihrer kraftvollen und einzigartigen Stimme, die einem auch nach der Vorstellung als Ohrwurm im Gedächtnis bleibt.
Doch auch das restliche Ensemble verdient viel Anerkennung. Das besondere an diesem Musical ist, dass die komplette Cast fast durchgängig auf der Bühne ist und dabei übernimmt das Ensemble die unterschiedlichsten Funktionen. Manchmal sind sie Bürger in der Handlung, manchmal sorgen sie mit dem Schwenken von großen Fahnen für eindrucksvolle Bilder und in anderen Szenen sorgen sie mit dem bespielen der Cajóns für Gänsehautmomente. Selbst in Momenten, wo sie nichts aktives auf der Bühne machen, sitzen sie an den Seiten, welches ein Gefühl der Verbundenheit vermittelt. Nicht nur die Hauptdarsteller, sondern die komplette Cast trägt dieses Musical und macht es zu etwas ganz Besonderem. So finden auch die Umzüge von Mensch zu Meeresbewohner an den Seiten der Bühne statt. Der Zuschauer wird dadurch zu einem Teil des Ganzen.

Das Bühnenbild besteht aus dem Holzkonstrukt der Festspiele und erhält ein paar nordische Akzente, wie das hölzerne Fischerboot, mit dem Munk auf das Meer fährt. Durch Türen und Drehelemente und dem Einsatz der Rampe in der Mitte, werden die unterschiedlichsten Szenen konstruiert. Das Bühnenbild ist einfach, doch passt es gerade dadurch zu dem Feeling einer Küstenlandschaft an der Ostsee.

Unverblümt und ausdrucksstark

Das schöne an Musicals ist, dass sie nicht nur für Unterhaltung sorgen, sondern hin und wieder wertvolle Werte vermitteln. Was der Zuschauer mit dieser Botschaft macht, bleibt ihm selbst überlassen. Im besten Fall regt das Musical jedoch zum Denken an. Und genau das hat das Musical VOM FISCHER UND SEINE FRAU geschafft. Ganz unverblümt werden Fragen wie “Wofür würdest du sterben?” oder “Was ist dein Wunsch?” gestellt. Aber auch der Konflikt der beiden Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, hinterlässt Eindruck. Die Zerrissenheit zwischen einem einfachen, jedoch oberflächlichen und nur scheinbar glücklichen Leben unter dem Meer und der Menschenwelt, die voll von Schwierigkeiten, Eifersucht, Gier und Unglück, aber auch Freude, Liebe, Freundschaft und Geborgenheit ist. Wo würden Sie lieber wohnen? Die Musik, die es schafft die Gefühle der Charaktere widerzuspiegeln, die Texte, die den Rollen Ausdruck verleihen. Das Bühnenbild und die Kostüme für das passende Flair und die Darsteller, die ausnahmslos eine grandiose Arbeit abliefern. All diese Elemente machen das Musical zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Kategorie: Kritiken,Open Air,Theater Eigenproduktionen

Tags:

Autor: S. Müller (24.06.2017)

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  • Holger Hauer 25. Juni 2017 at 07:21 / Antworten

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    herzlichen Dank für diese detaillierte und sehr schöne Kritik zu unserem FISCHER.
    Damit aber all die von Ihnen beschriebenen Leistungen in Schauspiel, Gesang und Bewegung entstehen und zusammenkommen können braucht es, neben dem großartigen Talent und Können der Darsteller, ein paar Menschen, die sich das ganze Konzept ausdenken, es umsetzen, minutiös an Charakteren der einzelnen Rollen, Sprechtexten, Gesangslinien und Interpretation der Lieder, sowie an Choreographien mit den Schauspielern arbeiten. Dieses letztlich verantwortliche Regieteam wird leider von Ihnen mit keinem Wort erwähnt. Deshalb erlaube ich mir, dies hier nachzuholen. Als da wären: Markus Syperek, als musikalischer Leiter, der gleichzeitig als Multiinstrumentalist die fünfköpfige Band dirigiert und auch die Arrangements zu Marc Schubrings wunderbarer Musik geschrieben hat, Bart de Clercq als Choreograph und meine Wenigkeit als Regisseur.
    Herzlichen Gruß
    Holger Hauer

    • S. Müller 2. Juli 2017 at 21:48 / Antworten

      Sehr geehrter Herr Hauer,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben Recht damit, dass ich nicht alle Namen einzeln aufgeführt habe. Natürlich gilt das Kompliment dem gesamten Team und nicht nur einzelnen Leuten. Ich habe gehofft, dass dies aus dem Bericht hervorgeht. Aber ich bedanke mich bei Ihnen für die Ergänzung und werde sie auch so schnell wie möglich dem Bericht hinzufügen.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Stefanie Müller

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